Ausgabe 
30.4.1917
 
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sus gebildet, mit natürlichem Verstand und äußerst scharfen Sinnen Lus gerüstet, an Cirtbehnuvg«r und Strapazen von Jugend aus g-e- wöhutt, genügsam und unsere'.! Führern blind ergeben, gehören die Askari der Schutztrnppe zu den vorzüglichsten Soldaten, lind wieder die besten unter ihnen zählen zu den Maschinengewehr-Ab­teilungen, sie würden den Teufel aus der Hülle holen, trenn es möglich wäre.

Vorausgeschickte, eingeborene Späher besorgen die Nachrichten Über die Bewegung des Feindes mit staunenswerter Schnelligkeit.

Die Tiere liegen im Baumschattcn, alle Viere behaglich von sich gestreckt, auch die Askari haben Schub vor der Sonnenglut ge lucht und ruhen; nichts stört die einsame Ruhe der Steppe. Mit dem ältesten Unteroffizier, Schau sch Ha miß, bespricht Leutnant G. .. die Unternehmungen der nächsten Tage.Ich glaube nicht, daß Onrari heute noch mit Nachrichten eintrifft!" sagt plötzlich Leutnant G...Es ist Wohl möglich, Bwana kubwa!" (großer Herr) antwortet Ham,jedenfalls hat er fest versprochen, heute zurück zu sein, andernfalls müssen wir ihn ja auf unserm Weiter­marsch spätestens in der Nacht treffen!"Es ist gut, Hamiß, gehe jetzt auch ruhen, laß die Abteilung uni %6 fertig machen." Ham revidiert noch eininal die Posten und geht dann langsam auf dem schmalen Steppenpfa.de vorwärts. In Gedanken ver­sunken äußert er im Selbstgespräch :Ich kenne doch meinen Ndugu Bruder), er muß heute hier sein, wenn er nicht selbst in der Klemme itzt." Von einem Termitenhügel gewahrt er weit in der Steppe einen kleinen, schwarzen Punkt, welcher eilends näher kommt, und schon bald erkennt er seinen lang ersehnten Bruder Omari. Im Geschwindschritt geht es jetzt ins Lager. Den Speer in der nervigen Faust, staubbedeckt, und in zerrissene Lappen gekleidet, erzählt Omarp dem gespannt horchenden Führer in seiner Nan greichen

Muterstprache fol; 7 cndcs: Als ich von.aufbrach, kam ich

nach lagelangem, heißem Marsche in die Nähe der englischen Safari (Karawane). Ich mischte mich unter die zu Trägern cingefangenen Landsleute und stellte mich als Stammesgenosse vor und erhielt eine Last Patronen zu tragen. Am andern Tage ntclbete ich mich als Führer und gab an, die Gegend, aus welcher ich zu Hause sei, genau zu kennen. Z:vei Tage führte ich die Feinde dir entgegen, dann verstauchte ich mir den Fuß und wurde krank, cs gelang mir, den unerfahrenen, englischen Führer zu täuschen. Endlich überließ nian mich, als scl/.verdanken Mann, in einen: Dorfe meinem Schicksal. Kaum war der Schlvanz der Karalvane ver­schwunden. war ich auch schon wieder gesund, irnd auf Umivegen eilte ich dir, Herr, entgegen. Möge Allah diese Hunde verruchten, wenn du heute bei Sonnenuntergang abreitest, haben wir sie morgen früh in der Falle am Plateanrand. Jnshalla (So Gott will).-

Die Sonne rüstet sich zum Untergang. Mann hinter Mann traben zehn Netter und sechs Packtiere mit zwei Maschinengewehren, Schlitten und Munition lautlos auf dem schmalen Wege zum Plateau. An der Spitze Leutnant G .. . mit dem Führer Omari, mit kurzem Abstand folgend Hamiß und die Askari mit den Pack- tiercn. Die kurze Dämmerung macht bald völliger Dunkelheit Platz. Die Abteilung schließt von selbst wortlos ans, unentwegt und sicher folgt alles dein Führer Omari. Ihren: eigenen Instinkt über­lassen, kennen die Tiere die Gefahren der Steppe bei Nacht ganz genau und bleiben von selbst beieinander. Hyänen wittern die Tiere und lasse:: ihr schauerliches Bellen, einem lvahnsinnigen Lachen ähnlich, ertönen, auch der Köirig der Tiere ist in weiter Ferne zu txrnehmcn. Im Morgengrauen erreichen die Reiter das Ende -dew Steppe, jäh, steil -und zerklüftet liegt der Platoaurand des ostafrika-- nischen Grabens vor ihnen. Nach ganz kurzer Rast beginnt au? schmalen engen Saumpfaden der Ausstieg, und als der Sonnenball sich über den Steppenrand erhebt, bezeichnet Omari den Platz, wo die Maschinengewehre in Stellung gebracht werden können. In Eile werden die Tiere abgesattelt, von ihren Lasten befreit und nach ' rückwärts außer Sicht gehrach. Weit schweift der Blick aus über­höhter Stellung über die in der wärmenden Morgensonne still daliegende Steppe. Mit fürchterlichem Grinsen deutet Omari auf einen schmalen, grauen Streifen, den Weg, voelcher unten unregel­mäßig zwischen Gebüsch verschlungen sich hindurchwindet.In einer Stunde' wird die englische Karawane diesen Weg entlang kommen, und das Strafgericht für unsere verbrannten Dörfer über sie hercin- brechen. Tod diesen Bluthunden.Jnshalla" (So Gott will). Sorg­fältig. neben einem pilzförmig übevhängenden Felsen wird die Stellung ausgesucht, werden die Maschmeugewwhre fertig gemacht und Munition Ivereit gelegt .

Sorglos, nichts ahnend, erscheint die Spitze der englischen Marschkolonne. In geringem Abstand folgend und wohlgeordnet :m Gänsemarsch Mann hinter Mcrnn, marschieren', abwechselnd :nit Askari, Träger, Maultieren, mit Maschinengewehren und Gebirgs- kanonen und der ganze Troß von Weibern. Im vorderen Drittes, a::f einem schneeweißen Maskatesel, reitet der Führer ....

Gespannt, jedes Winkc'L gewärtig, liegen die Richtschützen hi::ter den Zielfernrohren, tu heißer Erwartung umklammern die Hände die Handhaben der Gewehre, ihre Falkenangcn Erfolgen jede Be­wegung des Feindes in der Steppe.

Jetzt.... rin kurzer, leiser Befehl an Schausch Hamiß, den Führer des rcclrten Gewelpres: ,T)u nimmst den MaSkatcscl, darin die Tragtiere, ein halber Gurt Puuktfeuer wird genügen."

NiNi noch einer: Augeiwlick gespanntester Erwartung, die Müw duugen streichen die Kolonne ab.

Da.leise, aber messerscharf und schneidend ertönt der

Befehl:Visier 800 Achtung Br.ntenseuer, Tan er jener.

Wild hämmern die Maschii'.ehre, ein Gurt nach dem andern verschwindet unter geschickter Führung im ..Gewehr, Glühendheiß werden die Läuse, das Kühlwasser kocht, zischend entweicht der Dampf dem Wassermantel, aber unentwegt, ohn. Unterbrechung fegen die Geschosse wie ein vrrderbcmbringeuder Sturmwind in die Reihen englischer und indischer!dr:er. --

Im Nu haben die Träger sich der Lasten entledigt und fliehen regellos unter fürchterlichem Geschrei in die Steppe. Der Fich.rcr ist gefallen. Ratlos mit stieren Augen laufen Askari und Inder durcheinander. Einige schließen, sich de;: fliehenden Trägern an, andere versuchen sich zu formieren und Widerstand zu leisten. Ein kopfloses Durcheinander herrscht und alle Ordnung ist 'er­koren gegangen. Inzwischen hämmern unbarmherzig uns hart die Maschinetv-Geivehre weiter in das Chaos vor Angst siebe: .-der Menschen, wimMender und schreiender Venvundeter. Auch der letzte Zusammenhang geht verloren, pen letzten Versuch Wider­stand zu leisten bricht der unsichtbare Gegner. Bald sind die wenigen, die das güttige Geschick verschonte, initer Zurücklassung der Venvundeteu, die mm eine Beute der Hyänen, Löwen und Aasgeier werden, aus die Rettung ihres eigenen Lebens bedacht, um viel­leicht wenige Augenblicke später in die .Hände hecumstreifender, grausamer Eingebo reuet:trupps zu fallen.

Das letzte Geschoß hat den glühendheißen Lauf verlasse::. Tie Vernichtung ist vollstairdig.

El hanrdu lilcch! (Gott sei Tank!)

vle Zchnijcheuer».

Ein Beispiel staatlicher LcbenSmittelversorg:mg in Deutschland v-as frühere:: Zeite::.

Fast überall in unseren heimatlichen Gauen, besonders auch vr den Rhein- und Mäingegenden haben sick) alte Gebcuwe erhalten, mi welchen noch hettte der NameZehntsck-euer" oderZehntbof" haftet. Es sind meist große Gehöfte mit Scheuern und Stallcmgen, auf ehemaligem herrschaftlichen: Grund und Bode:: erbaut, welche ursprünglich dazu bestiimnt waren, denZehenten", die Nittural- abgaben der Untertanen an die Obrigkeit, aufzunehmen imd zu ver­wahren. Dcn:n es ist rwch gar nickst so lange her, daß die ländlichen Gemeftwen ihre Steuern größtenteils nicht in Geld erlegten, sondern nach alte:::, deutschem Gebrauch vom Ertrage ihrer Felder und Flluren den zehnten Teil (daher der NameDer Zehente") an öcit vom. Landesherrn eingesetzten Bogt tu die dazu bestimmten Sauv- melftelle:: abliefen: nrüßten. Die Naturaltvirlschaft hat ja überhaupt auf dem platter: Lande viel länger, als man gemeinhin anniinmt, in Deutschland noch vorgeherrscht, selbst zu einer Zeit, als die Städte Und ihre Beivohner schon längst zur reiuen Gelbwirtschaft übergegangen waren. Wie weit dieses Steuersystem ausgebaut war, lehrt rn:s: Wetstun: (Dorfrecht) des 13. JahrhwlcheriS. ES heißt da:Zeheuter: soll mau geben jedes Jahr vorr der Frrwlst arrs dem Felde >urck> dem geborenen Vieh im Stalle, >vas und welcherlei das sei, rrud von verdientem Lohn und aller rechter Gewinn:

Zr: der Frucht auf dem Felde gehört alles, <vas <mf Bäuine:: oder Erden wächst, es sei Gras oder Korn, Holz, das mwi vam Stamme haut, oder rvelcherlei ander Dirrg das auch sein mag."

Aus solche Weise häuften sich in den Zehutscheuern des Landes­herren große Vorräte von Nrrturalien aller Art au, in unseren Gegerrder: vor allem Korn rmd Wein; daneben wurden in der:.!' rr- schastlichen Wäldern mit den angefallenen Ferkeln eine ausgedehnte Schweinezucht getrieben. Es war natürlich ausgeschlossen, daß die Behörden alle diese Vorräte iin Laufe des Jahres selbst verzehrten, loerat cuwh die Beamten :md Pfarrer einen Teil ihres Gehaltas regelmäßig in Naturalien etttgegetnrehtnen nu:ßten. Auch »rar es oft schvierig, ivenn nicht gerade in einer benachbarten Stadt ein größerer Markt zur Verfügung stand, die Ertragnisse des Zehnten irr Geld Uurzu setzet:. Die Verkehrs Verhältnisse waren ja noch äußerst dürftig und unsicher. Immerhin machte sich das Bestrelxu: mehr und mehr geltend, den Ueberschuß durch ^Verkauf zt: veriveneN und die Bedürfnisse des .Hatwels und der Stadtbevölkerung damit zu befriedigen. 'Mer es verblieb in den staatlichen Magazinen immer noch ein ziemlicher Bestand als Reserve. Diese Reserven zu erhalten, war aber damals nötig für die regeln:äßig vftebev- kehrenden Zeiten von Krieg und Hunger s n o t.

Es ist unserem Geschlecht völlig aus dem Beumßtsein gesch:wur­den, wie oft früher DeutsMind oder einzelne Teile des Rci:>s von Hungersnöten lheiingcsucht worden sind n:w welch ernsten Sinn das GebetUnser tätlich Brot gib und heute" für unsere Vorfahren gelebt hat. Kam es doch sogar vor. daß Nord und Oft- Deutsclüand bitteren Mangel au Lebensmitteln litt«:, während im Stiden m:d Wosbnr Uebersluß herrschte. Denn e? bestand ja keinerlei Möglichkeit, die dort vorhandenen Vorräte in genügender Menge nach den bedrohten Gebieten zu schassen, da alle Verkehrs- mittcl zu solchen: Massentransport fehlten! Für solä>e Zeit. :: muß» ten die Behörden in den einzelneu Staaten Vorsorgen Nach den vorlicgnchni Berichten Haben da:u: die in den Zehnlsck>'.wriH lagernde:: Getreidemengen dazu gedient, die Not zu lindern, so drückend auch vorher die jährlvtstt: M'gal>en für dir Lanbinn^hner