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Kleine Plauderei über die Seife.
Unser Seisenbestaiid nnri> intimer knapper. Die Kernseife ist überhaupt nicht mehr erhältlich, ja selbst di-e feinere ..Körperseife" scheint vielerorts uesm-iffien, vielleicht auch eingehamstect zu sein. Dav»n ein kleines Beispiel.
Bor kurzem schrieb mir mein Sohn aus einer offenbar sehr xffwarmen GegÄid: „Liebe Mutter, wenn Du aus Deinem kleinen beifenbestand noch ein Stückchen für mich erübrigen kannst, wäre ich Dir sehr dankbar, da ich hier keinerlei Seife auftreiben kann." — Mas tut eine Mutter? Bon ihren wie ein Kleinod behüteten vier Stückchen noch, alter, .guter Kernseife schickt sie gleich eines an ihren ßnstnbedürftigen Sohn und erhält bald darauf folgende Antwort.1 ,,Asus lauter Freude, endlich nüeder ein Stückchen. Seife zu besitzen, have ich nnch gleich einer gründlichen Reinigung sprozedur unter-- worf-en." —
S3Ser hätte je gedacht, daß. Seife einmal ein so begehrter, rarer Artikel würde! — Selbst das Seifenrezept der Ürgrotzmutter ttützt Uns nichts mehr, da das nötige Fett fo&u fehlt.
Für einen kinder- imd dienstbotenreichen Haushalt ist Seife kaum mehr aufzutreiben. Unerschtvingirche Preise werden für meist recht mindenvertige Ware -gefordert und — der Not gehorchend — bezahlt. Wir müssen daher recht haushälterisch mit dein noch vm» yandenen (Seif-mrest umgehen, -ohne unserer Reinlichkeit dabei Einbuße zu tun. ,,Heinz" und „Fritz" sollen dock) mit frisch^ waschenen H änden m der Schule an treten und zu Hause — wenig» stens zül Tische — mit sauberii Händen erscheinen. Und wer keimte sie nicht, die Bubenhände, die bekanntlich immer eine mehr oder weniger iundeftnierbsne Farbe, oft dm dunkenlsten Glacehandschuhen ähnlich, haben. Ohne „Heinz" und „Fritz" zu nahe treten zu wollen, ist das heutzutage bei der großen Seisennst ein wunder! Punkt. Besonders, wenn die Mütter jedrSmal, wenn ihr Sprshling von einem Neiulich^itsgefühl angewandt w«d, ruft: , BcrbrLuch mir ja nicht so viel SeiK!" — -Meer trotz aller mütterlichem Ermahnung- hat Fritz wieder die Seife ins Wasser aedmcht rHer gar fallen lassen, weil sie zu glatt ist, u nd seine im geschickten Hände sie nui)t fefthalten komttsn.
. Uv: diesem Uebel «bznhelstn und eine längere Haltbarkeit zu erzielen, gibt es ein sehr einsscksts Mittel.
. Man zieht durch das im Gebrauch beftMiche Stück Seif« mn etwa vierzig Zentimeter langes Stück Kordel, Mi deren einern Ende — um das Durchrutschen der .Kordel zu verm'e^en — cfer dicker Knoten, noch, besser ein Beinknopf, befestigt ist, hängt es in der Nahe des Gebrauchsortes auf, am besten so entfernt, daß die Seife nicht ins Wasser getaucht werden kaum.
. Auf diese Weise erspart man viel Seife, weil diese immer wieder trocknet, und man nur mit der feuchten Hand darüber zu streichen braucht. Das dürfte namentlich in der Küche der häufigen Benützung wegen sehr zu empfehlen- sein. Auch hat die Hausfrau bei weitem nicht so auhupassen, trenn Heinz unb Fritz oder die Dienstboten sich ihrem Rein sichst itsd ran ge hmgeben.
Ein.sehr gutes Reinigungsmittel — namentlich zum Händewaschen ist auck)> das gestandene Wasserglas.
In vielen Haushaltungen weweir die Eier-Bo träte in entsprechend verdünntes Wasserglas eingelegt. (Ein 2i*er Wasser- »las mit acht Liter Wasser tüchtig imigerührt.) Mt der Zeit aetteht die rttüssigSett und bildet eine nmfe gaNerige Masse. Nach deui Berbraarch der Eier stellt Nim: sich in einem Schüsfelchen etwas von d«n gestandenen Wasserglas parat, und bei jeweiliger Benutzung genügt os, «tu wenig mit dein Finger heranszuholen.
Dieses Haichrernigungsmittel ist weitaus besser als die minderwertige, teure Kriegs seife, da es die Hände nicht an greift, sondern zart und geschmeidig macht. Auch zum Abt»asck»n der Kücken!- täfelung, weißer Türen, von Holzgeschirr nstv. ist es erfolgreich anznwenden, und die Seife monatelang einzufparen. Aber ganz entbehren können wir sie doch nicht. — '
Ein^ Falles erinnere ich mich jedoch, wo der allzu sparsame verbrauch der damals — vor etlichen 40 Jahren — in genügender SDtenge vorhandenen Seife für einen meiner Schulkameraden recht verhängnisvoll wurde. }
Fütterer" hieß dasGarnickel der Klasse. Er war kern besonders Neißlger, aufmerksamer Schüler und auch kein Freund voii Wasser Und Seife. ,
w .^^^oes hatte er wie so oft das Pech, daß ihn seine, Matl)ematischen Kenntnisse im Stiche ließen, wrd er nach Ansicht seines gestrengen Herrn Lehrers die üblicheii „Tatzeii" erhalten sollte. i
<- warat nuferes sonst ganz gemütlichen Lehrers Lieb-
^Erasen, vermutlich weil ein Strafakt auf diese Asrt am schnellsten Erledigung fand. Diese wurden auch täglich so sicher -„aufgestrichen , wie rn damaliger Zeit die Butter aufs Brot.
Fütterer mußte also antveten, inzwischen dos blanke, elastische Rohr Mw Mnem Bersbeck herbeigeholt wurde, und schon fjatte der diensteifr^e Magister zu kräftigem Schwünge ausgeholt und zur sicheren Auftoagung «nt »wer Fingerspitzen die Hand des „Nichts- wilsenden erfaßt, als er m lähcm Schreck — wie von einer Tacan- ^s. a <'^chen — Frirger »ach Stock zuruckzvg und rief: „Kerl, lixrs ^ Hände! — Willst du laiisen was du kannst und die
Dandc waschen du Scftv . . . . g . l!" —
Fütterer zog sich mit ganz besonderer Eile aus den: Bereich des Pädagogiums, wohl ahnend, daß der ihm zur Tür nacheilende, langbeiiiige Lehrmeister es iroch «urf eine Attacke seiner Kehrseite abgesehen hatte, und verschwand mit ein gezogenem Hinterteil um die Me des widerstandst iger«: Türpfostens.
^ dem drecheustrigen Klasf«Mmmer lag der im Schulhofe Oe* kirchliche Brunnen. Unser gestrenger „Herr Lehrer" konnte es sich mckü t>ersa§en, der schwierigen Reinigungsprozedur des eben ent- lassenen- Sträflings iwn oben zuzuschauen. Bald bemerkten dtt Schüler ern spöttisches Lächeln um den Mund ihres Magisters. Ed mge Borwitzige wagten sich an das Fenster, und nicht lange dauerte ech so waren die drei Fenster belagert, und die so tragisch begonnene. ^Tatzenszene" nahm einen sehr heitern Verlauf, da die ganze Masse mit samt dem Lehrer m ein lautes Gelächter auSbrach.
rfiln ,rr t ^ rll!e Fütterer sich vergeblich unter dem vollen Wasserstrahl beurühte, seine pechschwarMi Hände rein zu bringen. W-as hätte er, damals für ein Stückchen Seife gegeben! — Als alles mckM half, ueb er dk Hönde am Erdbodeii, uird mit verzweifeltem Bttck nach dem Fenster ivvlltze er seinem Züchtiger klar machen, eher die Haut als der Schmutz zu weichen beginne.
Strafe war ihm fair diesmal erlassen. Ich zweifle jedoch, ob ihm die Tatzen nicht lieber gsaesen wären, als der nachfolgeiide Spott einer etwa sechzigköpsigen SchAerzahl! ^ A.W.
lvie e§ uns vor hundrrl Jahren auf dem flachen Lande ergangen ist.
„Vor mir liegt eine alte Urkiuide, die damals zurückbehacktenei mntliche Absckrnt eurer Eingabe ans dem oberhessischeii Städtchen Schlitz, vom 7. 9^)vencher 1313 aii „die HochÄbk. EomNlwndcurt-' schoft Sr Kayserl. und Königs. Apoftol. MajeftLt zu M,ifeld".
, .Die (Lugabe ist ein« dringende Bitte um Erlaß weiterer «e- forderter Fouragelieferungen an das BVoviantmasariii in Fnäa. NaM^em ar^eMhrt ist, ivie in dem Städtchen Sckstitz und den zur ^^F^ast Schlitz ziigehörigen 16 Dörfern ,chie Ättnurth tsprich drükTercher wird, weil das hier heimisch« GewerLe der Leinen^ wsberei wegen des gesperrten SecchairdÄs sch>on fett Jcchran dar- nttder liegt" heißt es rn dem Schriftstück weiter: r.rr"3^ Moiutt Tlprkl fimgen mrvermuthet die kapstick, französischen Cavalrene TruwAi Märsche durch das kleine Gebist an wrd dauerten bis Anfang -OLober. Der Mangel an Haber, Leu und Stroh ivar schrecklich. Das etgNe Vieh, d-l-rch stete Milttstrs.lhwn' ab gemattet, mußte diese halbhuiimckg verrichten. Mt den größten Kosten Hl# man im Ausland Forwage ankaufen, wo aber ebenfalls der kNüngel ciittrat. M«rncher konnte den Haber nicht zu Elfen bekonttn«n, nm%e ihn bor-vi, um ihn von der dstsjähi-igen: ^oiwe Lu erstatten. Glücklicherweise war letztioe nicht abermaLS eine MSeriLe /wie die vvriührige, sond«rn fo-w«it ergiebig dag man sich damtt ost« sorchettich großen Ankauf im Ausland bis zur nächfb6n Ecnde duschbringeii zu köniien hoffen durfte." DaS Ausland von ^wo die ssvurage her b^osen wurde, ist an twb&xi ÄtheMche und WElische b-z-ichnÄ. „Allein ?kst,s«tt dem Oktober dss K-vr^e SchÜtzffche Gebiet h imechort irnt CavalleiÄ; -Überschwemmt wordsm daß msn sich durchaus nicht Mehr zu helfen toriß. Um nicht writtäuftg zu ioerdsr, will MLii gar nicht beüühren, was au Leberssniitteüc, an Fl«ßch Brod Bvaicher-eiii, sfdtrnn an Meir, Waa«isch;nier usw. arnks-etzangen- mcht erwähnen, was für h^eld. KleDrr u. s. fort erpreßt tvorden: denn da dres so wild durcheinandergetriebsr wird, da8 jeder Lttlgen- blick neue traurige Auftritte darsttlkt med eine Beraubung uiid ">1ö- I-anesung, die andre verdrängt, überdies auch alle Einwohner sich in ^r gr-otztsn Bech'iiHwlg und wahrer Verzweiflung sich befinden, so lassen sch du- Berachiiungen dvs erlttbenen Schaden- vi«F^chtz nK > E aber geg.ewn«ctig in der Fortdauer der Leiden
aufsstllm. Man bstibt emsttveilen bei der Fonragr itehen. Im Eckand ist diese dennWien gar nicht zu kaiifen. weil die Orte, welche denglerckien entbehren könnten, besorgen müssen, selbst Durchmärsche zu Oetommen.
Är Wahrheit ist, daß män erschöpft ist, und viele jetzt den Saa-mhaber- nicht mehr besitzen. Mit dem Hetn ist's ebenf.,- doch ist der Mangel des ersteren, des Habers am fühlbarstni, werk dieser seither in unglaublicher Menge nicht sowohl verbraucht, als vn> schwendet worden ist. Mrs sonst 3—4 Pferd? erhielten, nimmt jetzt em einziges weg. Das Heu wird mit zur Streu verbraucht Die Dauern, welche teils nach hier, teils nach Fuld liefern sollten,'wer^ ten unterwegs ge fallen, ihnen die Forrrage al*genoniMeii, und! aewohnlwh aluch das Dreh mit fortgeführt. Bon Fuld kamen! Fonrage rneamsizronen. während ynnn selbst der Zuliestnmgen benötigt war Mid!»vahrend der' nemlick»eii Anforderungen von dein Militär di deii FUldischM Orten Burghauii und Mtchelswiiibech und selbst
Aiterbach her geschehn und mit größer Getrialt das begehrt« erpi^;t Wicrde. Blos i^rs. was auf diese Art regninirt, voii der S.raßie oder von den Haber -amd Heuböden gewaltsam außer den aogenchteten Ra-ronkM weggemommen ioorden. übersteigt frfou die Kräfte dieses non Natur frrckZtarmen Ländcheas, und macht weitere Berp^gung^durckMarschi n^ibtr -Terchipen laimöglich. 9hm aber SgT' a - VJ0d K ^I lc ^ orn ' öa&cc und H-wlststr-una in das
Magd zu Fuld zu bÄvür-ken, übertrifft alle Kräfte und'vollendet oen tiiiiZu.


