Gegenteil sehr dringlich machen — so was bindet immer. Also schreib' nur gleich — hier — am Eßtisch. Ich hol' dir mein TintenfaH und meine eigene Schreibmappe."
Unter Sckerzen und Kosen wurde die feierliche, die „offizielle" Einladung an Marie Krumpa verfaßt. Beide Ehegatten schrieben Grüße und die Mahnung, ja schon am vanestag au 'kommen, darunter Frau Elfe hatte es so wichtig damit, daß sie den Brief gleich selbst zur Miete hinabtrug und das Mädchen damit fortschickte. Als sie wieder, nach oben kam, streckte Hans, der iwch am Tische saß, ihr mit froher Miene die Hand entgegen und zog fte ganz nahe an sich heran.
„Ich Hab' eben über dich nachgedacht, Elfe," sagte er glücklich. „Du bist doch inr Grunde ein lieber, lieber Keiner Mensch — k— daß du so sehr gut bist zu der alten Marie — das macht mich so froh und dankbar, wie du dir gar nicht Vorstelten rannst! Es zecht mir, wie gut, wie verständig und liebevoll bit wirtlich bist — du ahnst das selbst noch nicht —i gerade Marie ist mir ein sicherer Betons davon! Sie, dte so grundverschieden ist von dir -h"
„Gottlob, daß wir verschieden sind," sagte Frau Elfriede anftachend mit einem Blick in den nabehärlge'.rden Spiegel. Dann sah sie lächelnd wieder ans den Gatten herab, der ihre zarte Gestalt nock) fest umfaßt hielt. „Sonst würdest du dich Wohl kaum je in mich verliebt haben —' waö, Schatz? Die Marie wird übrigens selig sein, kommen zu dürfen — daß sie behauptet, eigentlich reine Zeit zu haben, ist natürlich bloße Ziererei."
„Du, da irrst du dich aber doch in ihr! Marie weiß aor nicht, was Ziererei ist. Das verstcht eine gewisse, andere fimge Frau viel eher!"
,A du unyalanter ©te! — Nun, jedenfalls —: ob mit, ob ohne Ziererei — sie lvird kommen — und sich sehr se- schwbichsit und beglückt fühlen — und noch mehr in den Jungen verliebt sein, als du selber, du zärtlicher Papa — und dem Bubi später hoffentlich mal ihr ganzes Geld ver- maä)en!"
„Ader Else!" rief Hans erschrocken -i „Wie kannst du
so etwas sagen!"
Er hatte sie unwillkürlich lorgelassen, und sie ging von wm weg nach dem großen Pfeilerspiegel in der einen Zknn^veek. Frau Elle liebte Spiegel urrd konnte kaum gemmdavon mn sich haben. -
,Marimr soll ich so was nicht sagen dürfen?" fragte sie gleichmütig über die Schulter zurück, während sie ihr ver- zarlstes Haar zu ordn«i begann.
— — O Elfe, du machst ja nur Spaß, aber es MnKt so häßlich —" -
„Häßlich? Das sehe ich aber gar nicht ein! Es ist dock) wr Gegenteil etwas sehr Nettes! Und Spaß mache ich gar nic^, es ist mir völlig Ernst damit! Die Marie ist die geborene Erbtante für unfern Jungen."
Hans stand auf und ging zu einem der Fenster und sah mrt verdüsterter Miene in den MärMrm hinaus, der Regen, Hagel und Schnee in wüstem Gemisch gegen die Scherben peitschte. ^ a
, , häßlich, und ich mag's nicht von dir
obren beharrte er. „Dir sollst so etwas nicht sagen — um oerner selbst willen und um Marr.es willen nicht! Wir wollen
Lanzem Herzen hoffen daß Marie noch einmal ein rechtes Glück findet — sw ist ja nicht viel älter als du, bedenke das doch nur! Wenn sie eines Tages dem Richtigen
lieber^kam^-"^ ltt l ^ rep ei 3 enatt versteht, und den sie
h™ V u Satz in ne. Seine Frau war ans
deti nächsten Stuhl gefallen und lachte so herzlich, daß ihr die Tranen rn die Augen stiegen. ' b m
~ du urkomischer Junge!" xnef sie, säst schluchzend vor Lachen „Ernen, den Marre neben kann — das sagdEr- Er' ^ keinen Schimnrer von Llhnung, daß das
N^,!?radel bls über berde große Ohrer: stürmisch und glühend ^u ihn verliebt ist — o, es ist zum Totlachen!"
Hans stand zu Stern erstarrt.
... „Was sagst bu da?" stotterte er endlich. „Ich — Lab' wohl nicht richtig verstanden —" ' " ^
v^r^ ine wiederholte es ^gelassen: „Verliebt - beliebt — verliebt -- ist die Marie in dich! Das Hab' ich ^naufuigerm Polterabend gemerkt. Und du weißt ^ bis auf tat fymtxwn Taa noch nicht!"
^ imvier vor Lachen ausschütten.
„Es .st unglaublich komisch, wo sie doch schoti selig ist, wenn
sie nur in derselben Stube mit dir setzen kann. — Hätte sie uns sonst wohl all die guten Sachen geschenkt? Hätte sie die etwa dein kleirven Apotheker, ihrem anderen Beelens freunde, gegeben? Nein, die Marie heiratet nie einen ande- ren, daraus kannst bji dich ganz fest verlassen! Und das ist gut so — ans diese Weise kriegt unser Junge hoffentlich mal alles."
Frau Elftiede lachte noch einmal hellauf und wandte sich dann wieder ihrem Spiegelbilde zu. Hans rührte sich nicht. Es war ein so scharfer Schmerz in ihm, daß er ihm fast die Besinnung raubte. Er bedurfte all seiner Selbste beherrschung, unl scheinbar ruhig am Fenster stehen bleiben zu können — anstatt sich, auf däs rosige, lächelnde, unbarnv- herzig plaudernde Geschöpf vorm Spiegel zu stürzen und es verzweifelt zu packen und zu schütteln. Was sie über Marie sagte, glitt fast unbegriffen an ihn: ab. Es war ja sinnlos! töricht, kindisches Geschwätz. Wer daß sie so reden konnte 1 — mit lächelnder, schamloser, kaltblütig würgender Selbstsucht so reden und so denken konnte — darüber kam er nicht hinw^ Das zermalmte ihn beinah!
„Wso deshalb hast du sie an uttä' herangezogen!" sagte er endlich heiser; „deshalb hast du ihr Freundschaft geheuchelt — nur sie besser ausrmtzen zu können! Und ich Tor h^itegedacht, das sei alles Mitleid — Herzens güte-"
©te wandte sich halb nach ihm mn und blickte ein wenig scheu in sein zuckendes Gesicht. Irgend etwas' im Don seiner Stinnne warnte sie.
„Nun — Mitlech Lab' ich natürlich auch ein bißchen mit ihr!" gab sie bereitwillig zu. „Goll, so ein sä-rulllges, häßliches, rurgraZt^eS Ding —■ wie kann man sich bei der in ello«s anderes verlieben, als in ihr Geld? Da ist es ja schll^Mch ein Glück für sie, daß die unglückliche Liebe zu dir sie verhindert, einem Mitgiftjäger in die Hände zu fallen!"
„Schweig!^ donnerte Hans. Er trat hart mit dem Fuße Besicht hatte sich dunkel gerötet, seine Augen sprüht«: ZsrmiS flammen. Elfriede duckte sich Ich er: und zog eins ihrer lieblichen Schntsllmündchen.
gar nicht nett heute," klagte sie mit einem ihrer aNeVerpvobtesten Aiigenauflchläge. —
R Hans ying, bitter mit sich ringend, in qualvollem ScdlverH«: rm Zimmer auf und nieder. Plötzlich blieb er hen. „Wenn nur der Brief nicht fort tväre —!" stieß er weratnrend hervor.
Seine Frau hatte ihn unausgesetzt ängstlich beobachtet. Sie verstand augenblicklich, was er meinte. Unb segnete tTn^rUd) ihre sonst nicht gerade flinke Miete, die eben diesen AustvAg so rasch ansgeführt. Die Einladung war fort Und nicht wieder rückgängig zu machen. Und bis die Marie wirb- lrch mm, wurde «s ihr, Elfriede, natürlich längst gelungen ^ zornigen Gatten auAzMöhuen. Sie lächelte vor \]\ v l VL^ n wie leicht ihr das wertal würde.
Und sie läckMte in den Spiegel hierein und beschloß, ihren Zauberstab ^gleich spielen zu lassen. —
„Das ist nun einmal geschehen —- und wir reden ein andermal Weller darüber — nicht wahr, Schatz?" sagte sie lehr tauft. „Es greift nurch noch ein wenig an, so viel m l}ah wich wohl eben ein brßchen nitgeschickt ^ ö"r ^ause — brs zu unseren Hochzeitstage will ich aber wreder ganz ftisch und gesund sein! Lrs verspreche rch dir, Liebster!" Sie Krm, leise in den Hüften wie-
G'SKL! Unb Pf ‘ anäte i5r äierH ^ Persönchen
einmal rnt!" lächelte sie bittend. Sie fcqte “Ä 11 L,uf dr- S-rtc u,id sah kokett einsckmeicheürd zu chm auf „Bin ich eigentlich noch so hübsch nne siüher? Mama meinte, ich wäre stärker geworden! Stärker — ent- ^ ft bU md,? ' Me s^est du mich
l^sah sie starr an.
gewöhnlich!" sagte er hart. Er schob sie von sich, toandte sich jäh ab und verließ das ^im- mer ohne ein weiteres Wort. Und taumelte über den Flur ern geschlageiver Aann, riß die Tür auf, tvarf sie flüchtend
^nter ftch ms GchloH, rannte wie ein Besessener in der steifen Putz stach« auf und nieder. - Kliener m der
-. ^ wieder am Fenster und starrte hinaus obne
rrgeich etwas ju^kit — — Schnee und Rege:: hatten auf-
iStLS^SS.’tSfiäS»» ?”
mvua&ciTMEZi SWUZSt
Unb latt, erskalt wwrde es um Hans Jinhoffs Herz. (Fortsetzung folgt.)


