Pechmarie und Hans im Glück.
Die Geschichte einer JugendsremZdfch«fl von T. v. D o r n au. Nachdruck und Uebrrseyungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. (Fortsetznng.)
„An dem größeren Geldverbrauch trägt deine arme Mutter die geringste Schuld!" sagte er kalt. „Was soll ich allo Philipp Koch heut' nachmittag sagen? Daß du dich noch nicht in der Lage siehst, den Taustag festzusetzen?"
„Ja, ja — sag' ihm das. Ich fühlte mich noch nicht wohl genug. Daß Mama bald abreist, dafür laß mich nur somen. Und nun sieh ein bißchen nach dem Essen — ja? Nach Tisch willst bu schon wieder in die Apotheke? Du bist doch den ganzen Vormittag ausgewesen — da könntest du wohl am Nachmittag ein wenig fleißig sein — du lieber Leichtfuß du!" Hans Jmhofs erfuhr nie völlig, auf wekhe Weise seine
§ rau ihre unbequem gewordene Mutter zur Abreife bewegte.
lfe sprach nicht davon, und er hütete sich wohl, tiefer als absolut unvermeidbar, iu die häßlichen kleinen Reibereien und Uebelnehmeveien hineinzuschauen, die von Stund an zwischen Mutter und Tochter auf der Tagesordnung standen. Diese Tage bis zur Abreise Mutter Aiedenbrincks gehörten ohnehin zu den unangenehmsten seines jungen Ehestandes. Nach drei Tagen hatte Elfrieoe ihre Mutter so weit, daß sie behauptete, lieber abreisen zu wollen — sie sei zu Hause erwünschter als hier. Hans widersprach mit unaufrichtiger Höflichkeit. Else zuckte lächelnd die Achseln: „Wenn Mama doch reisen will — wenn's ihr doch bei uns nicht mehr gefällt — ' Am nächsten Morgen geleitete Hags seine Schwiegermutter ritterlich zur Bahn. Elfe hatte ihr so gleichgültig, so obenhin Lebewohl gesagt, daß es ihm selber weh tat. Er versuchte ihre Kälte durch verdoppelte Liebenswürdigkeit gutzumachen. Aber Mama Wiedenbrinck weinte, allen Trostworten unzugänglich, bis zum Augenblick der Abfahrt fort. Ihr rundes, rotes Gesicht mit den kleinen, verschwollenen Augen wurde nur erst im allerletzten Moment wieder hinter dem Taschentuch sichtbar.
„Latz man gut sein," seufzte sie und drückte HanS die Hand: du kannst ia nichts dafür, ich weiß wohl — die Friede
hatieben kein Herz — bd$ ist es-"
Trotz bösartig schneidenden Nordwindes — man steckte im allersrostigsten Nachwinter, der hier anscheinend gewohnheitsmäßig im März noch einmal aufzutreden pflegte —, trotz Kälte und Wind schickte Hans den Wagen leer fort und machte sich zu Fuh auf den Heimweg. Düster vor sich hin-- brüteick, den Rockkragen hochgeschlagen, die Hände in den Waletottaschen, so stapfte er durch den patschenden Schnee Und halbgefrorene Lachen. Und hörte immer das böse Wort: „Die Friede hat Heu kein Herz — das ist es —"
Unsinn! Das war häßlich« Verleumdung wenn's vuch die eigene Mutzer sagte. Gerade diese Mutter durfte den Vorwurf nicht erheben — sie, bit doch selbst erst Elfes kind lichen Egoismus großgezogeu hatte. Kinderei, Gedanken
losigkeit, schlechte Erziehung — das war's. Uebleres nicht. Er — er mußte doch am besten wissen, welch warmes Herz
in seiner Elfriede schlug-
Er sann nun vergebens angestrengt nach, wann und wo sie ihm diese Herzenswärme offenbart habe. All ihre zärtliche Weichheit, thve schmiegsame Anmut stellte er vor sich
die holde Sprache, das >ne Seele nicht schlummerte
ihre Seeles ihr wärmstes, reichstes Empfinden eben noch in iyrem kindlich-lieblichen Körper.
Er würde dies Herz, diese Seele wecken. Das loar jetzt seine heilige, beglückende Aufgabe. Er batte sie ja jetzt wieder
K allein für sich, sein holdes Werb, die Mutter seines h 'r-t An dem Kinde würde ihre Seele sich entfalten. Mit des Kinder Seele zusammen reicher und reicher er- blühen.
Da lag das liebe, närrische Häuschen schon wieder vor ihm. Und oben am Fenster stand Elfe und winkte ihm zu. Er grüHte strahlend zurück. Diesmal sprang er wieder mit Riesens^-eu —i zwei, drei Stufen auf einmal —* die steile Wendeltreppe empor. Sein Frauchen lies ihm schon im Flur in die Arme, hing freudetauchzend an seinem Halle.
„Was bin ich fvoh! Was bin ich froh!" rief sie immer wieder. „Jetzt sind wir wieder ganz für unS —* das ist zu, zu schön!"
„Deine arme Mutter —" sagte Hans, reuevoll, daß er sich selbst so freute. „Sie hat die ganze Zeit bis zur Abfahrt geweint."
„Pah! Mama weint so leicht! Laß sie doch! Wir haben jetzt viel Wichtigeres zu besprechen. Die Taufe. Ich denke — wir nehmen unfern Hochzeitstag — was? Ist das nicht eine süße Idee? Den achtuudzwanzigsten März. Warte mal: heut ist der achtzehnte. Donnerstag der achtzehnte." Elfe zählte an den Rockknöpfen ihres Mannes und den eigenen rosigen Fingerchen sehr drollig nach. Also Sonntag über acht Tage ist der achtundzwanzigste. Fein! Du mußt nun bald zum Herrn Pastor gehen — und gleich heute noch an Marie Krumpa sm-reiben. daß sie Samstag über a kommen soll.
acht Tage
,Ich möchte Marie eigentlich jetzt lieber nicht kommen lassen," sagte Hans zögernd und nachdenklich. „Ich hätte dich, mein Elfchen, am allerliebsten ein Weilchen ganz für mich allein! Marie mag sich im Sommer ihv Patchen besehen. Da werde ich mich sehr freuen! Nur jetzt gerads — stört sie uns."
Er hielt inne und drückte Elfes blonden Kopf an seine Brust. 2lber sie stväubto sich lachend.
.Stören? Aber wieso denn! Du bist ja töricht!" wider- > fie belustigt. „Sie kommt doch höchstens auf ein paar ^'age — sie hat ja bereits geschrieben, da siv nicht längere Zeit aus ihrer dummen Pension fortbleiben kann. Sich so etwas aufzuladen! 9£a. du kennst ja meine Meimncg darüber'. Aber kommen muß sie zur Tauft — du mußt ihr das imr
sprach Tage -


