Ausgabe 
23.4.1917
 
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weg^n bcr Fcrrcke ifywr Mitten Sch-malzb'kmre, in Schwaben Stern- tiümle, in der Ccknottz Gliserli. ^ ^ ^ <

In Busch!)o1z des Waldes beginnt letzt der Seidelbast (Daphne Mc-erenm) seine süßdust-cackerr, z-arten Blii.en anszubreiten. Manche Sage hat ihn Min (^gcrjuanb ihrer Kunde, insonderheit die chrflt- liche Legende. Nack> ihr soll er ernstnxals ein stolzer Baum gewesen sein. Da zimmerten die Inden Christi Kren» ans seinem Holze und vom göttlichen Flucht getrvssen, schwand er imn^er mehr dahin, bis er' zum bescl-eideiren Waldsträuchlttn io-urde. Immerhin hat er noch große Aöacht; bem der Tiroler- behaliptet heute noch Iteif und seit, haß. man mit Seidelbast den Gottseibeiuns selber festbinden könne, wol>er er denn auch die PflanzeWolfsbast" nennt. Der Wols war be3 Donar Begleiter, und da von Dlonar anr der altderitschen Mythologie vieles auf den Teufel überging, so wncke der Wolf auch des Bösen Begleiter. Die Be-eüÄinngWolfsbast", verrät also in diesem Zusauiiucürhcm.g mythiscljen Ursprung. Lieblicher lautet die grüxhist^ Sage. Der betäubend süßr Duft, die zarte Farbe her Blüten, der verborgene A^feittlxilt der PflarM im Walde, hatten es dem Botte d-? ' alten Griechen angetan. Und so ivar.sie nicht immer die besa-eidone Pflanze getvesen, denn einst lvar sie eure Nympl>e, deren Scl>önl-eit das Herz Apollos in Liel*e zu ihr ent­flammte. Sie aber schenkte seiirem ungestümen Werben kein Gehör Mid floh vor seinem Drängen. Immer heftiger verfolgt, bat sie inl Gebet Zeu.s um seinen Schutz, und so vern-arrdelte er sie in eine Pflanze, deren Namen Daphne ihr Gedelikcn auf etvig fottpflanzt.

Aber wie so nianche Pflanze, die durch ihrer Blüten Schönheit uns erfreut, zugleich durch ihre Gistigkeit z.n Vorsicht uns ermahnt, so auch die lockende Daphne. Schon ihre Ri.stx lit ziemlich scharf Und äußert sich nach Durand durch lnenm.'bc? Kratzen in Mund und Hals, Durstgefühl, Erbrechen und Dnc.hchll.3u schweren Fällen narkotische Nebemvinung m.ii Sstrwllckch, Betäubu-lg und Kämpfen, ja selbst Tod. Zehr: bis zwölf Beeren sollen einen Er­wachsenen m töten vermögen.

So ist tzlso der vielfach gebräuchliche, ichveizerrsche, Name Gistbäi'.mli" nur allzu gerechtfertigt. Sonst heißt der Seidelbtist in der Schweiz auch Zeiland oder Z-erdel, woher e?vn die Benennung! Seidelbast. Zeiland uemrt ihn auch Gottfried ftvUer; tm Grünen Hcmttch spricht 'nan von der Pflanze Duft des Schönfund Pflege­tochter. Die tLxnlUuft der VezcickMung Zeüaick ist nach Sohns nicht ganz sicher fes^ustellen, leitet sich euppedkr bo-rn Worte, zeidel her und bringt den Strauch somit den Bienen in Verbitckmng (alth. zi'oal, daher'zidalari-Zeidler, Bienenzüchter), die allerdings di? Blüten der Pflanzen genre aufsuchen, oder geht nach Grimm sogar auf Zin, den Gott des lichtem FrühlmgShimmels zurück, wenigstens mar im germanischen Altertume die Pflanze als fAio- Imta dem Ziu heilig. Die Oberösterveichrsche Benennung Zlvilinde und uaeb mehr die schnvi^erische Zibnrde (Giattal) niackjeni dre Grimm'sche Annahme in der Tat im hohen Gmde nmhrschein!ich. Dazu kommt noch, daß, auch der altuoevische NameTyridr", sie zu Ziu (altiwrdisch iTy) zu stellan und damit als Frühlingsblume zu bezeichnen sch int. In Siebenbürgen ecimlenr ihre Blätter an den Lorbeer; man il-tunt sie dort Waldlorbee?, in Nordböhmen aber Buschweih.', weil man dort ihre Blätter denen einer Weide vergleicht. Sonst heißt der Seidelbast allgemein auch Kellerhals.Fischart" schreibt Söhns,u.ck der Leipziger sind mit der Ableitung des Wortes bald fettig: ,.des Keller- Hals" erklärt jener zwanglos, dieser schon etioas gewaltsamer Kellersalz. Tie Wissenschaft leitet ab vom althochdeutschen erhellen, englisch quell--- quälen, plagen, macht den Kükerhalz also zu einem Krautze, dessen Genuß dem Halse unangenehm ist. Tatsächlich verursachen (nie ja bereits angeführt) die roten Beeren, wenn sie Lei Halskrankheiten als Gewaltmittel angeioendet werden, stattes Brennen.Bitter, beißend mrd brennend ans den Zungen" meint Camerarius. Diese unangenehme Eigenschaft wird in inan che n Gegenden geradezu mit der des Pfefsers vkrglichen. PLperblume he itzt? daher die Pflanze in Ostfriesland und Mecklenchurg, Päper- busk (Busch) an der unteren Weser und Pfefferblümchen in der Eifel.

Auch in der- Heilkunde spielte der Seidelbast seine Rolle. Irr früheren Zeiten allerdings wert mehr wie heutzutage, wo er meist nur noch zu Pflastern und Salben Verwendung findet, so in der Allopathie bei rheumatischen ruck gichtischen Leiden. Auch hat ihn die neuere Natu rheil künde wieder aufgenommerr, gegen Alters- schwäche, >Knochenhcrutcnt!.rrdrinaen, nässende Flechten, Gesichts- schmerzen, Rotlauf und Kvuchhusten. Ob es freilich voll Wert sein dürfte, derart gefährlich Mittel der breiten Masse zugänglich zu wachn, bleibe dahingestellt.

Weit unschuldiger sind andere BolksanWendungen. So wird die Pflanze, das lieistt ein Absud davon, als Mittel zur Vertilgung des Ungeziefers verwendet, daher sie in Gera Lausblume heißt, auch Länsekraut oder' Lausholz, deshalb auch legt man im Gothaischen den Ziegen emnr aus Ruten des Strauches geflochtenen Ring um den Hals, da diese gerade am Halse sehr van Läusen geplagt iretten. ßtn St. Gallischen heißt der Strauch Warzenbast, tveil man da den M einer Art Pflaster errmnchlen Bast für ein wirksames Mittel gegen Warzen hält. In Tirol bindet lnan sie sich gegen Krämpfe Üm die Füße und die Belvohner der Nahegegend sind der cheichen Meinung. So heißt sie da Eleirdsblunve.Elend" als Bczerchrung epüeptischer Krämpfe findet sich vielfach in deutschen Gatpen^ besonder- Jjäjul'ig m mrd um Bveinnr.

Hoch oben in der Welt der Berge hat der Seidelbast seim Brüder, wo der wohlrieck>enüe Seidelbast (Tavbsre oneorum) daK Gestein schmückt. Er kstiwet dort omi Den Früh.ing, wenn sein talbewohnender Verwandter längst verblüht.

Vevnissehtes.

* Seltsame Eheschließungen. MS eine der aller- merkwürdigsten Formen von Eheschließungen sind sicherlich die M betraästen, bei denen der Ehevertrag sozusagen mu Blumen, Früchten oder Pflanzen, ja selcht mit Gerächchrcten. wie Basen oder Krügen, geschlossen wird. Bei der: Nemar ttt Nepal z. B. wird jedes Määdchen schon als Kind mit einer Bel-Frucht verheiratet^ die mffii dami rmch der Feierlichkeit in irgend einen chrli^en Fluß ,birst. Das schließt natürlich die spätere Gattzsrwaht nicht aus-'. Fällt aber die neue Ehe nicht nach Wünsch aus, so Sann die junge Frau sich selbst in sehr beguenrer Weise von ihrem reuen Ehemarm scheiden lassen. Sie braucht nur eine chtzel-Nutz unter das Kvch- kissen ihres Gatten zu legen rcnd Saun dann einsack von danueir gehen. Durch die Ehe mit der Bel-Frucht wird auch den Wittven die Wi^Xttverehelickung ermöglicht. Demi nach der Ausckmmng der Ne war kann ein Weib ihres Stammes überhaupt niemals eine «twe iwccden, da die Bel-Frucht, mit der sie Mer st vernrWt tvorden »viar, als immer noch existierend betrachtet wird. Bei den Kalva Km bis in Gujarat bestaun) die Sitte, daß dir Eldevrr ein heiratsfähiges Mädchen, für da- sich noch kein Nrmttigam gefm'deü l)atte, tmit cinem^ Blunvenstranß vermählten. Am nächsten Tags, wernr die Bühnen tzil «velksn beginnen, wirst man sie m einen Brunnen, und die Braut von gestern rvird von jetzt ab als Witwe betra-ck-iet. Da es iaber bei den KÄlva KunbiZ im Gegensatz M andern indischen Boiltzstammen Sein öffeittltches Aergernis erregt, tvenn eine Witwe sich Meder verheiratet, so kann sie sich »vieder ernert Gatten suchen, der ihr zusagt. Im imteren Himalayagebiet pflegt m<ni einen Knaben oder ein Mädchen mit einem irdenen Krug zu verheiraten, und ymx dann, wenn die Stellung der Gestinre oder die Bvrheicheu für eine richtige döe imgümitig sack usw. ES werden die gebrÜuchLichen Hock-zeitsfeiettichkeiten vercsrstaltet. ivoranf der Hals des Bräiutigcüirs oder der Braut mit dein Halse des Kruges durch eine Schnur Msannnengehnnden wird. Bei den H^iropen mck den Alaonquins in Nörd-AweriSg war es fr über Brauch imfit Mädckien mit den Fäsckmetzen z^l vermählen. Dadurch Wille der Fischfang sehr ergiebig werden. Hierbei u-andet man viel mehr sörrw- stche Zeremonien an. als bei der menschlichen Verehelichung ubttch lwaven. Me Jahre, m der Mitte des-z. stmd dce Frecuchkett statt. Ztoei Mädttren in jugendlichstem Aller wurden als,Genmh- linnen für das Netz lMsg«Et, das Netz »vurde zwischen die freist Bräute gehalten, imb einer Häuptlinge hielt dann an das vcetz lcker richtiger gesagt, au den . ..i des Nelies, eine Rede, m der ec den E)eist ermahnte, seine Pflicht zu tim und den Stumm rernsttch mit stcahrmlg zu versorgen. . . Iüt übrigen sei crix den Brauch er- innett, wonach der Doge von Venedig sich in stvrlrchec SvetzaM mit den: Meere vermählen mutzte.

Der Plan einer Bildtelegra pbenl inte Berlin-Wien-Sofia - Ko nsta nt ino pel. Dtc wettxrcke Weltverkehrsstvaße zwischen der Nordsee nick dem Indischen Ozran, die selbstverständlich mit Telegraphen- und Teleplumleitung-m r-cch- (ich ausgerüstet sein wird, könnte nach einem Vorschläge Pvofeisor A. Korns ohne -Schevierigreiten und ohne große Katzen aicch neben­her der Bildtelegraphre in großem Maßstzabe nutzbar ge­macht wec-deu, iwiut die einzelnen Hauptstädte, der Linie, vvnu'hnflich Berlin, Wien, Budapest, L>osur and

Konstanrinvpel - sich entschlössen. Anstzalt«r für ^ Bfltx telegraplste einzurlckten. Für die Uoberimttlimg, so teilt der .Promerbeus" mit, kämen die TÄsgrvpheav- rmd Telephonlettungen in Betracht, die Telephonleitungen auf kürzere Strecken, nne ettva Berlin-Wien, während 'für die größeren Entfenrmvn, etma Berlm bis Konstantinopel, die Telegraplxmlinie l-era'we^gen wer cum müßte. Wenn etwa die zwischen Berlin und Wren bestttn'rcden Ferm sproästeitungen eine Viertelstunde lang so ge^'.alvn dan

sie die Mdtelegraphenanstälten in den beiden Stv.dtert verbinden, dann würde dcrs genügen, rmr txrs Bild eines EreigrnsseS. das m am Nachmittag in Berlin abgespielt hat, be«':tS am nächttn Tage in den Wiener Morgen zeit! mgen brirrgeu zu könue,r. Ärcf der ver­hältnismäßig langen Strecke Berlin -Konstant««i^el würde unter Benutzung des hier im Betriebe befmdlcck-en Liemens-Erell» telegraphen in etma einer Stunde ein Bild übertragen werden können. Tie hauptsächlÄLten Kosten der telegraphischen Budüber tragung »vürden dre Bciurtzurigsgebühren für die Lettinig büdAt, die in den verkehrsfvesLN oder -armen Stmckc^tt ähnlich iw w.i den Briestelegrannnen, wohl zn ernrästi.-len Sät^n zur -e-a stlgnng gestellt tverden könnten; die Kosten einer Bikdteleg^ apheiv curstatt würden envrr .'>000 bis 6000 Matt betragen, u.w iür dre nur still udr' nweise erforderliche Bedienung eiiur svbhen An stall genügüm ein Ingenieur rock eilt iifer; die Stoffen_ iui den

Betttebsström nick die plvtographisätzn Matecüflüx. st>ck um gerrua, so ba\\ ttzrs vorgeschlagene Urnentel/iuen n«E arm rckttl.'l. erscheint. Sache der großen. Ztttungeu tnäre es, sich v-> vn schlag cs allzunehmen, aber auch dir R^ilermm der dctstmtm Staaten müßten daran mitarbeite-u. lheber den Wett des