„Kvmm. Bubi, wEr müssen weüer. Nimm Abschied von dem (gtftycn War das hübsch, Meine?"
Mia sah nrit ihren blauen Unschilldsangen verklärt -u der Vraserin auf. „O, er ist so süß! Ich l-ab' ihn so lieb!"
Tie Frau Doktor l>atte rbren Liebling noch nie gestraft, aber in diesem Augenblick fühlte sie einen starken Drang, das zart« Dingelchen m rütteln tzind zu schütteln und ihm den hübscl>en Locken- köpf kräftig ziurechtzusetzen. «Süß! Dieser ungeschlachte Tolpatsch! Selbst ein vierjähriges kleines Mädck>en sollte sich da schon seiner Ausdrücke bewußt sein!
Die Frau Amtsrichter lachte hell auf. „Sagt' ich's nicht- Er wird einmal ein vei'zenbrecher, die kleinen Mädel können ihn: nicht widerstehen: gegen natürliäre Anlagen ist nichts zu machen. Geh. Bubi, sag' deiner kleinen Verehrerin Lebewohl und gib ihr ein Küßchen?"
Bubi tapste -tu, griff mit einer seiner heißen, dicken Lände nach Mias kühlem., weißem L-älsä-en und schob seiner: blonden Dickvopf ihrem rosigen Gesichtchen erttgegen. Mit einem Llufschrer bog sich Mia zurück.
„Weg du dicker, garstiger Junge!" Und im gleichem Augenblick klatlchte ihr zartes Händchen mit ungeahnter Kraft aut ein« der erst geliebkosten Wangarr des süßen Bubi. Der geplante Kuß und die einem plötzlichen, unl>egrcifl:ckM: Impuls mtsprungene Ohrfeige waren so rafd) allfeinander gefolgt, dc:ß keine der beiden Mütter hindernd hätte eingreifen können. Bubi brüllte auf und flüchtete zu seiner Mutter, Fvau Doktor rief erschreckt: „Aber Mia!" zog chr Kind mit leidenschaftlicher Innigkeit, die ivenigev Zorn als Befriedigung verriet, an sich, und die Frau Amtsrichter, puterrot und empört, schalt: „Nein, so etwas! Ist das ein Benehmen einem Gast gegenüber! Erst ist sie wie ein Täubchen und dann wie eine Megäre! Die kam: gut werden! An dest haben Sie sich ein sauberes Früchtck>en erzogen, meine Liebe!"
Das war der Frau Doktor zuviel, besonders da sie sich mit ihrer Tochter niemals mehr eines Siimes gefühlt hatte als im Augenblick, da diese ihre mädchenhafte Würde so energisch verteidigte. Sie zog Mia noch inniger ansich. „Bitte, Mia machte meiner Erziehuna alle Ehre, sie war die liebenswürdigste Wirtin, aber sie wehrte sich gegen Intimitäten. Das ist ein sehr verständlicher mädchenhafter Zug, den Ihr kleiner Herzenbrecher gar nicht zeitig genug fermen lernen kann!" __
Dazu lächelte sie liebenswürdig scherzend und machte einen schwackren Versuch, Bubis Borstenkopf zu streicheln. t Aber Bubis Mutter war nicht zu Scherzen aufgelegt, sie entzog ihn der streichelnden Hand. „Komm mein Herzblatt, — weine nicht! _ Du hast deine erste schmerzhafte Erfahrung im Verkehr mit falschen Frarcen gemacht! Wir rverden das nicht vergessen!"
Dannt rauschte sie znr Tür hinaus, und hinter ihr lachte Frau Doktor herzhaft auf, drückte ihre über die eigene impulsive Tat anscheinend nachträglich erschreckte und verwirrte Tochter an sich Und sagte: „Das war nicht. höf!ich, Mia, aber Gott erhalte bist diese natürliche Entschlußkraft im richtiger: Lhu gen blick!"
vüchertisch.
auch bei timi zahlreiche Freunde ettvorben. Stijn Streu vellg der Arbeiterfrennd, umfaßt liebend die Seele seines Volkes^ den Armen und Bedrückten unter ihnen, imd ist der Stolz der fläunschM Tichickmist genannt worden. Hei-man Teirlinckö Kunst steht in kraftvoller Fülle erst am Anfang seiner Entwicklurig. Goorgeß Eekhoud, dessen Roman „Das neue Karthago" in Frankvehtz in unzähligen dluflagen verbreitet ist, ist in dieser Sammlung durch die von ihm selbst am höchsten geschaßte Novelle „BuvcL Mttttl" vertreten. Henry Conscience' „Rekrut" ist eure äußerst liebenswürdige Idtrlle, :n die er sei:«: eigenen Soldadmevi iunermrgerr hineingcwoben !>nt. Er, der Wicdererwccker dev stämischen Tichtuirg ist durch seinen „Löwen von Flandern" auch in Deutschland rasch bekairirt geivorder:. ^Cber wer wußte bis zum heutigen Tage etivas von deur flämischer: Wunderhorn, den Herr-, licherr alten, flämischen Liedern, ben nberscht verglichen „Visionen der Schwester Hadewich", von dem seltsam tiefen Buch, Ruisbroecks „Die zrvvlf Beghinen", und dem lieblichen „Lar:zelot und Sauderein", und endlich, es wird Zeit uird es ist Pflicht, daß wir rnrs mit dem größter: dieser Flameir, mit Guido Gazelle, beschäftigen.
— Deutscher W i l l e (K u n st w a r t). Zweites Mär z- he st 1917. (Kriegsausgabe zum ermäßigter: Preis vor: 3,60Mk. vierteljährlich. Vcnlag von Georg D W. Callwetz, München.) Artus Bonus leitet das Heft ein mit einem Aufsatz über „Realpolitik und Kulturpolitik". „Auch Passionsgedankeu" r:ennt P. Th. Hoffmarm einer: Aufsatz über „Gotthe und der: Tod", irr ivelchenr der Verfasser den Fragen nachgeht: \m$ ist der Too? und was wird r:ach dem Tode? im Sinr:e Gvetheschc'r Meinnrrgen über dieses Thema. 5-annS Heiß bringt zu Stendhals 75. Todestage einen Erinnerungsauffatz Über dieser: französischen Dichter. Ernst Fuchs untersucht die Frage: „Immer weiter das römische Recht?" Er wünscht eine größere Vorurteilslosigkeit in dieser noch allzusehr von einem falschen Historismus verschleierten Angelegcnhett und fordert eine Losbewegung von der ronmnischen Scholastik, der wir fett dem Trrnbruch Italiens noch weniger anzuhängen brauchen. Otto Eorlxrch bringt einen ausfr'thrlichen Beitrag über „ErirährrrngS- Politik" und begründet gebieterisch die Forderung, daß bei allen Maßnahmen in Fragen der Ernährung auf den Ursprung der Erzeugung Ukrückgegangen und dort angefangen werden müsse. Bon dieser inneren -znr äußeren Politik führt eilte Arbeit Ernst HartmigS über „Schrvsdische Stimme,:", in der eingehend das Programm der schwedischen Aktivisten und ihre Stellung zum Weltkrieg sowie oie Stimnrung der öffentlick-ien Meirrnng in Schveden überhaupt nach der neuesten Literat:!r besprochen wird.
— Sei gegrüßt in weiter Ferne! So lautet der Titel einer neuen Schrift von Joliannes H ö f f n e r, die soeben im Verlage von I. Engelhoims Nachf. in Stuttgart erschienen ist. Weit entfernt von jeglichem Frömmelei, ist daö Werk völlig mit der lauteren Lust des evangelischen Pfarrhauses und des dörflichen Leben erfüllt.
— Band Nr. 1109 von .Kürschners Bücherschatz Medea Roman von Robert Kohlrausch — 96 Seiten Umfang — Preis 20 Pfennig Hermann Hilger Verlag, Berlin W. 9, Potsdam« Straße 124/125. _
Der Vaterländische Hilfsdienst der Schul- fugend von K. Bechtolsheimer. Wallmann-Verlag und Buck)«- oruckerei, Berlin^Lankwitz. Preis 50 Pfennig. Es ist in dieser schweren Kiüegsnot des öfteren das Verlangen gestellt und auch von dem Schulbehörden unterstützt worden, unsere Schuljugend möge durch tüchtige Mithilfe beim dicker- und Gartenbau und durch eifrige Sammeltätigkeit die Nahrungsmittel melxren helfen. Reckit schöne Anfänge sind auch bereits gemacht Und gute Resultate erzielt ^worden, doch kann noch vieles in dieser Beziehung geschehen. Recht brauchbare Anleitung dazu gibt das hier vorliegende Büchlein des Haupt- lehrers Bechtolsheimer in Offeichach a. M., das allen Schulleitern und Lehrern bestens enrpfohlen werden kann. A>er Verfasser spricht aus Erfahrung und gibt viele praktische Winke, wie die Kinder zu gar mancherlei Arbeiten erfolgreich und znr eigenen Freude an der Arbeit herangezogen werden können, roie der Wunsch der Stadtkinder nach Mithilfe erfüllt werden kann, wie damit zugleich auch der Verwilderung der Jugend vorgebeugt, die Freude an der Natur geweckt, die Lust und Liebe zur Arbeit gefördert wird und ein arbeitskräftiges, fleißiges und sparsan:es Geschlecht heran wächst zum Wohl und Segen des Vaterlandes.
— Mit der flämischen Serie der Insel-Bücherei bietet der Insel-Verlag der deutsch':: Leserwelt eine in vieler Beziehung wichtige Veröffentlichung. Tie stammverwandten Flamen, die uns bis zum Kriege so gut wie unbekannt blieben, stehen heute im Mittelpunkte der politischen Diskussion und w-erden im Mittelpunkt des literarischen Interesses stehe::. Tie soeben erscheinender: 12 Bände der Jnselbück)erei bilden den Anfang des umfangreiche: flämischen Programms, das der Verlag zu verwirklichen gedenkt, zeigen aber schon den ganzen Reickstum der flämischen Literatur, von der mittelalterlichen Mystik bis zur mode «men Novelle. Zum Ruhme Charles de Cöfters brauckren nur kein Wort mehr hinzuznfügen. Anton Bergmanns anmutige Erzählung „Das Ziegesbaus", das in seiner Heimat jedermann femtt, hat sich
Gießener Hausfrauen-Verein.
Kochanweifungen.
Falsche Rahm karlo ffelu. Man bereite eine Mehlschwitze von Fett, Zwiebeln, Mehl, Salz, rührt sie mit Buttermilch auf und fügt die gekochten, in Scheiben geschnittenen Kartoffeln hinzu. Atm: kann noch etrvas geriebenen Käse dazutun.
Stockfisch m:t Sanerkraut.. Gewässerter Stockstsch wird mit koä>endem Wasser aufgesetzt, ar:gekocht und Vs Stunde ziehen gelassen, entgrätet und zerteilt. Mit fast fertig gekochtem Sauerkraut und Kartofselschechen gemischt, mit Zwiebelttmke über- gossen !imb V, Stunde zusammen gekocht. Aickn kann es auch in eine Auflaussorm schickster: und backen.
Kuchenbrot. Pfund Ddehl, V»Liter Milch, 75 Gramm Zucker, ettvas Salz, Schale und Säst einer Zitrone, 2 Backpulver IV» Löffel Natron, m längliclrer Form nne Brot gebacken.
Ein neues B r a t p n l v e r ist in: Handel erschienen, das in aufgelöster Form recht zu empfehlen ist zun: Braten von Kartoffeln, Fleisch, Reibefe:ck-ei: sorvie zu Salaten. Es heißt Marke Küchenfee. _
Kryptogramm.
! 3
4 5
A 3 4
A 2 3
A 3 4 6 6
8 p i e
gel
4 Trübsal
A Herz
A Krallt
Pant
c h
^ Friede
A Fest
A Handel
2 3
4
A 2 4 ^
1 2 A
3 4 5
Auilöruug :n nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:
J-'e
Schrtitlettung: Fr. R. Zenz. —Zimllingsrunddruck uuö Berlaa der Brühl'scben Unioersttüts-Buch- und Steindruckecei. R. Lange, Gießen.


