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erst noch einmal zu überlegen. l —> Marie blieb starrköpfig dabei, daß sie heute mittag abreisen müsse. Eine gute Bekannte, eine Freuudin, habe sie darum geoeten. Mehr sagte sie nicht. Haus wurde schließlich fast grob, während eine Frau nachdenklich sckwieg. Mit einem Male fragte sie anft und glatt in das Gezänk der beiden arideren hinein nach Phipp Koch, und Hans wandte sich verdrießlich von Marie ab und berichtete.
Es ginge Phipp aottlob wieder ganz gut. Nur ein wenig matt sei er noch. Aber das ginge wohl auch bald vorüber, bei der guten Pflege seiner alten Liese. Er habe derartige Anfälle schon öfter gehabt, dieser sei wohl kaum Viel heftiger gewesen als die früheren.
„Und warum ließ er dich diesmal Holend fragte Frau Elfe aufmerksam.
,/O, das hatte nrit seiner Krankheit nur indirekt zu tun."
„Er will sein Testament machen!" rief Elfriede in die Hände klatschend.
Hans sah sie verständnislos an.
„Sein Testament? Das hat er wohl schon längst gemacht! Und dazu braucht er mich doch nicht! Nein, es handelte sich um etwas anderes."
„Schade!" sagte Elfriede enttäuscht. ,^Jch dachte schon, er würde wenigstens so eieren Anhang an sein Testament machen — wie nennt man das Ding nur gleich ? —> und dir was aus seinem Gelde vermachen —"
„Mir? Aber Kind — wie konrmst du nur in aller Welt auf so einen närrischen Einfalls"
„Närrisch? Wer Harrst Das Elfchen schmollte. „Er bat doch nieinand tveiter auf der Welt als dich! Deshalb haben wir chn doch so oft eingeladen!"
Ein Zucken des Unbehagen lief über Hansens Gesicht.
„Deshalb? —" wiederholte er ungeduldig. „Du sprichst dich nicht ganz deutlich aus, meine Kleine — das klingt beinah so, als ob wir ihn uns ins Haus lüden, um bei ihm erbzuschleichen! Phipp steht übrigcirZ gar nicht so allein, wie du annimmst. Es lebt noch ein Neffe von ihm — Sohn einer bedeutend älteren Schwester, die sich frühzeitig ins Ausland verheiratete und dort mit ihrem Manne in großer Aririut gestorben ist. Den Sohn hat Phipp auf seine Kosten in Deutschland fertig erziehen lassen. Sticht hier am Ort, um seines Vaters willen, der sich mit der Tochter wegen dieser Heirat bitter erzürnt hatte. Und um der Leute willen, die seiner Schwester Andenken nicht beschwatzen sollten. Aber jetzt kann ruhig darüber gesprochen werden. Der junge Mensch — t r ist schon beinahe zwanzig Jahre alt — hat sich sehr brav entwickelt, und Phipp ist entschlossen, ihn zu sich zu nehmen. Als Gehilfen und künftigen Nachfolger. Hertte nacht hat er sich dazu entschlosseu. Vielleicht infolge eines seiner närrischen Gesichte. Jjch Hab' dir doch einmal davon erzählt, daß er bei uns der Spökenkieker heißt. Gesagt hat er nichts darüber. Er hat mich nur gebeten, noch beute an den Jungen zu schreiben, daß er sofort Herkommen soll — er selbst ist noch zu schwach dazu."
„Und der fremde Mensch bekommt nun 'mal all das schöne Geld!" sagte Elfriede traurig. „Und Marie —"
„Ja, wo ist denn die?" Hans sah sich vergeblich um. „Fort, wahrhaftig! Da klappt schon die Haustür!" Er trat ans Fenster. „Unglaublich! Da läuft fie bereits die Straße hinunter! Ein rabiates Frauenzimmer! Wohin will sie denn eigentlich? Schon zur Bahn? Der nächste Zug geht in drei Stunden — fi
„Zum Telegraphenamt. Wer — Hans —" Frau Else karn näher und schmiegte sich liebkosend an ihn — „mit der Marie mußt du noch mal ein ganz ernstes Wort reden! Sie darf ihr schönes Geld nicht verpulvern —i an Unwürdige verschtvenden." —
„An Unwürdige? Was weißt du denn davon?"
„Sie hat's mir vorbin anvertraul. Wer du sollst gar Nichts davon wissen. Ich Hab' ihr versprechen müssen, dir nichts zu sagen. Du darfst sie's also nicht ein bißchen merken lajsen, daß ich dir was verraten Hab« —"
„Wenn dn's ihr versprock-en hattest, darfst du mir auch mchts sagen!"
„Pah! Wv's doch zu ihrem Besten ist! Sie hat da in Friedwau, anscheinend im selben Hanse sogar, eine Bekannte wohnen, die Zimmer an Fremde vernrietet oder so tvas ähnliches. Und die steckt in plötzlicher großer Geldklemme und bittet Marie, ihr ru helfen — die Möbel sollen ihr gepfändet werden, soviel ich verstanden habe; sie schreibt ! r- fie spricht, meine ich -- gar so undeutlich. Mavie hat ihr '
schon öfters geholfen, scheint es. Unb jetzt reist sie Hals über Kopf hin, um dieser zweifelhaften Bekanntschaft bei- zu stehen."
„Aber das ist doch hahnebüchener Unsinn!" rief Hans erschrocken. „Marie ist so vertrauensselig — sie kann da schön hineingelegt und ansgenutzt »verden! Ich werde ihr ganz gehörig meine Meinung sagen!"
„Ja, das tu, lieber Herzensmann, auf mich hört sie ja
doch nicht-Mer sei vorsichtig, damit sie ja nicht mertt,
daß ich dir etwas verraten habe! Versprich mir das!"
„Natürlich versvreche ich dir das, kleine Banabüchse, — ich begreife nur nicht recht, warum sie dir das alles anver- traut hat, wo sie ja boch. keinen Rat von dir annimmt."
Frau Elfe wurde ein wenig rot unb verbarg ihr Ge- sichtchen an Hansens breiter Brust.
„Es geschah wohl in der ersten Erregung!" flüsterte sie. „Und sie ist ja überhaupt ein bißchen wunderlich und unberechenbar, die gute Marie —"
„Ja, wahrhaftig! Das ist sie!" Hans mußte wider Willen lachen. „Na, jedenfalls muß sie mir beichten, und ick ward' ihr nachher ordentlich den Kopf waschen, während ich sie zur Bahn bringe; abreisen tut sie ja nun doch auf jeden Fall, da kenne ich sie schon."
Hans fand keine Gelegenheit, der störrischen Freundin „den Kopf zu waschen". Sie mußte es zwar dulden, daß er sie im Korbwägelchen des Nachbarn, in dem er sie vor drei Wackln abaeholt, wieder zur Bahn brachte. Wer sie saß bocksteif neben ihm und setzte allen mehr oder tveniger verblümten Anzapfungen dickwpfiaes Schweigen entgegen. Er bekam absolut nichts von ihr heraus. Und da er Elfriedei gelobt Hatte, ihre Ausplauderei geheim zu halten, so blieb ihm schließlich weiter nichts übrig, als nach ein paar sehr heftigen, ärgerlichen Anzüglich ketten, die sie ebenso rücksichtslos erwiderte, gleich ihr trotzig zu steigen. Es wurde eine äußerst unerquicklick)e Fahrt! Becke waren froh, als der Wagen vorm Bahnhofsgebäude hielt. Hans sprang zuerst heraus und half der Freundin mit almewandtem Gesicht beim Aussteigen. Darauf zankten sie sich abermals nicht unerheblich, da sie beide den Wagen bezahlen wollten — wobei schließlich Hans Sieger blceb. Das versttmmte Marie noch mehr — sie riß ihm fast ihre Handtasche ans den Fingern und lief, ohne sich nach ihm nmzusehen, in das Bahnhofsgebäude hinein. Er durfte ihr rveder beim Fahrkarten- tauf noch bei der Gepäckaufgabe behilflich sein und stand mit finsterer Miene untätig daneben. Wer aus den Bahnsteig kam er dock) mit hinaus, so wenig liebenswürdig sie ihn auch anknnrrte, daß das „absolut nicht nötig sei." Der Zng stand schon bereit, sie ging rasch darauf zu, suchte sich selbst ein Abteil aus. Hans immer schweigend und verärgert hinterher. Im Begriff, einzusteigen, besann sie sich dock) darauf, daß sie schließlich drei Wochen lang sein Gast gewesen sei und er nun doch wohl Anrecht ans ein paar fteundschaftliche Wschiedsworte habe. Sie gab ihm die Hand, ohne ihn anzusehen:
„Ich — beb auf mich auch schön!" fotefc ffcs dabet hervor.
(Fortsetzung folgt.)
Meiusha.
Von Heinz Wendel.
Aus der Kirche des galizischen Torfes strömt«n die Bauern,' viele warfen sich vor der Tür noch einmal demütig nieder Mid küßten die Schwelle, dann gingen sie eilfertig den Süeg zum Dorfe hinunter. Voraus eilten die Weiber. Ihre grelliarbigen Röcke und buntgestickten Kopftücher leuchteten in der matten Wintersonne in seltsamem Kontrast zu der weißen Schneedecke, ein schönes farbenprächtiges Bild. Die Männer in ihren Schafpelzen, Fellmützen und holten Schaftstiefeln folgten. In den einzelnen Gruppen wurde, etwas lebhaft besprochen. Deutsche Quartiermacher waren im Dorf,' das doch recht weit von der Front entfernt lag. Zweimal war der Krieg an dem Dorfe gnädig vorübergegangen, sollte er noch einmal zurückkehren? „Heh, Panje, proboscer?" (Pfarre^ rief b<t in fragendem Tone ein deutscher Offizier einen Bauernburscheu an und wies dabei auf die Kirche. Dieser bestätigte mit einem großen Wortschwall und liej dienstfertig voran. Ter Pfarrer lvar ein schöner Greis mit sck>ars geschnittenen Gesichtszügen und schneeweißem Haar! Sein Deutsch hatte den scharfen, polnischen Akzent, als er den Offizier begrüßte. „Herr Pfarrer,"-begann dieser, „ick muß Ihre Gastfreundlichkeit für wahrscheinlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Rtein Regiment kommt hierh-r in Reserve, die frei der jetzigen Ruhe an der Front wohl längere Zeit dauern wird." Es imro mir eine große Ehre sein, Herr Ofsie.ier," erividerte der Pfarrer, „wir haben viel gehört von den Deutschen, ich werde rnich freuen, sie kennen zu lernen. Bitte sehr, wollen wir nach Hause geh«r."


