Ausgabe 
18.4.1917
 
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Hüftmotf». 18 Snril

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Pechmarie und Hans im Glück.

Die Geschichte einerJugend freundschaft vsn C. v. Dor n au. Nachdruck und Ueoersetzungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten.

^Fortsetzung.)

Nun hatte er Weib und Kind! Jetzt erst gewann in Maries Augen feit^c Frau die volle Bedeutung für sein

Leben, da sie ihm sein Kind gab-- Nun hatte er ja olles,

alles, was sich ein Mann nur wünschen kmrn: eine schöne .Frau, ein liebeö Kitrd, ein Hein: Arbeit und Erfolg seiner Arbeit'fiir die, die er liebte. WaS brauchte sie da noch hier zu sein? Die kürglichen Brosamen dieser Naa)mittags stunden aus der Füll«, seiiss Reichtunrs hinnehmen? Eine unge­heure BitterVeii k»n Über die arme Marie. Sie wurde un­gerecht sie zürnte nttt ihm, daß er sie hierhergerufen, wo sie doch s-o gan^ und gar nichts nütze war> sie bekam brennend« Sehnsucht nach ihrem stillen, gevrdivet-en, frie- densvollen, eigenen Heini, nach der g^treicen ?)ttlle, der sie alles im Hoben bedeudeb- Sie würde morgen Heim- kehren. Ein Oruud würde sich schon find«:. Sie fing trotzig und finster tomi* mit dein Zicsannnenräumen ihrer Hab- seligkeiten an, schleifte den Koffer, der draußen ans dem

Borboden stand, ü*s Zimmer und schloß ihn auf-Und

warf sich dann plötzlich angekleidet, mit eurem Strom von. Tränen, aus ihr Lager-

Immer war'S rhr getveseir, als ob ihr doch ein Stück wenigstens das alt-rn Freundes gehörte. Heut abend heut abend hatte sie ihn ganz und gar und fiir immer ver­loren

Der Gvnnd 2tbrei.se fand sich ganz überraschend am nächsten )Norgen.

Sie kam später als sonst zum Frühstück herunter etwas in ihr h^iubt« sich gegen das Wiedersehen mit Hans. Er war nicht inrhr tm Eßzimnrcr, und sie atmete aus. Frau Elfrisde kam gleich danach frisch und rosig in* Zim­mer, erzählte daß Hans bereits seit einer Stunde

fort sei sie hätt« noch geschlafen, als man ihn wegrief* man habe ihn zu Philipp Koch geholt, der in der Nacht erkrankt wäre. H^r-krampf oder so etwas. Gs' ginge schon besser, aber er habe dock) sehr gewünscht, Hans zu sehen.

Er wird hoffentlich beabsichtigen, sein Testament zu machen," fuhr die junge Frau nachdenklich fort. Sie saß mit im Sck> verschränkten Händen da und sah Marie zu, die aus der Kasfeenmschirre den Movgentrank bereitete.Das kann nran nicht früh genug tun, nicht wahr? Der arme Philipp Koch! Gestern alnnd sprachen wir noch von ihm. Es ist nur gut, daß er gleich arr HanS gedaclst hat und ihn holen ließ! 2Lec Sie sagen ja gar nichts, liebste Marie."

,Hch höre zrr," versetzte Marie mechanisch. Sie füllte die Tasföll nrit etwas zitterigen Händen und setzte sich rasch Nieder, um grübelnd zum Fenster hinarrszuseheir. Elfriede boobachtsw sts leicht blinzelnd.

Da ist auch etwas fiir Sie!" sagte sie plötzlich inib zog einen Brief aus dem Schlüsselkörbchen, das sie als"' Attri­but ihrer Würde gern neben sich stehen hatte, solange sie ihrem Manne am Frühstückstische gegenübersaß.Ich hab'S vorhin dem Briesboteir abgenonnnen ans Berlin, nicht wahr? Gewiß von Ihrer alten. Wirtschafterin. Ein« possierliche Handschrift! Ganz männlich!"

Er ist nicht von Mille," sagte Marie, während sie das Kuvert aufriß. Sie las erstaunt, mit großen Augen die ersten Zeilen, sah nach der Unterschrift, dann lächelte sie, zum ersten Male am heutigen Morgen.

Ich muß gleich abreisen heute noch!" stieß sie nach kurzem Besinnet! hervor. Es fiel ihr gar nicht ein, daß ihr Benehmen ungewöhnlich sei. Sie fand ganz einfach, daß dies eine prachtvolle Gelegenheit wäre, fortzukommen, ohne irgend einen Grund erfntden zu müssen wogegen sich ihre grundehrliche Seele schon den ganzerr Morgen gesträubt hatte.

Abreisen!" rief Frau Elfriede mit weitaufaerissenen 2kugen.Heute noch! Aber ich bitte Sie weshalb denn?"

Ich Hab' eirren Brief bekommen, der mir sehr gut patzt

< Ich-" Marie hielt inne, schob das Schreiben in

dett Utnschlag zurück und stand hastig ans ,Lch meinei es paßt sehr aut, daß ich heute reisen kann. Eine eine Freundin in Berlin bittet mich, zurückznkomnren-"

Eine Freitndin!" sagte Elfriede mit Betonung. Sie ließ kein Aicge von Marre, die hastig, im Stehen, ihren? Kaffee herunterstürzte und sich dann zur Tür wandte.

Ich muß gleich zur Post, an Mille telegraphieren, daß ich komme," sagte Marie atemlos. Sie lies nach oben, Hut und Handschuhe zu holen. Die junge Hausfrau lauschte ihr vorgebeuat noch ein paar Sekunder! nach. Dann griff sie flink nach dem Briese hiitüber, den Marie vergessen hatte, riß ihn ans dem Umschlag und suchte in fliegender Hast zuerst nach der Unterschrift.i . Nein! Es war wirklich< eilte Freundin.Ihre arme, verzweiselte kleitre Freundin Fiddy Moll." Kein Freund, wie Frau Elfriede einen Augenblick ganz ernstlich befürchtet hatte.

Aber der Brief, den sie sorgfältig ztveimal durckstas, be­unruhigte sie trotzoem. Das glatte, freuitdliche Lächeln ver­schwand aus dem Kiudergesichtchen und machte mißnuttigern Grübeln Platz. Da schlug unten die Haustür zu. Hans mußte zurückgekommen sein. Und zugleich horte man diese unglaublicl-e Marie die Treppe hinabpoltern. Sie polterte inrnrer ein bißchen, besonders aber, loenn sie aufgeregt war. Dann war sie noch ungraziöser als gewöhnlich!

Harts uird Marie trafen draußen anfeiumider Und karnen zusammen ins Zimmer. Frau Else trank ihre Tasse auS. Der Brief lag unberührt auf dem alten Fleck.

Hans war sehr ärgerlich, daß Marie so Knall und Fall fort wollte. Er zantte sie weidlich ans. Seine Frau kam ihm zu Hilfe, bat und schmeichelte und redete zu, doch wenigstens noch ein tzaar Lage zu bleiben, sich die Sache