Ausgabe 
14.4.1917
 
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Kur nicht. Wenn die Großen kein Geld mehr haben, müssen sie fcbon von selber aufhüren, ich habe ein paar tausend Mark aus der Oberstube liegen, bts sie die kriegen, können sie lang warten. Und was half es da, daß der Wiesbauer, des Kirschbauers Nachbar, zur Vernunft predigte? Aus den Dummen hat der deutsche Michel von jeher lieber gehört als auf den Klugen, und so hatte säst ganz» Lakheim es dem Kirsächauer nachgemacht. Darum betrachtete er sich auch am heutigen Tag als einen wichtigen Mann und Frie­densstifter und hatte am Morgen breitspurig im Hof gestanden, um seinen heimkehrenden Otto in Empfang zu nehmen. Aber der war mtt scheuem Mick am Vater vorbeigogangeu und, als ihm die Mutter iveinend um den Hals fiel, hatte er sie sanft beifcitö geschoben und säst nun in der Stube in der Ecke, und starrte vor sich hin. Und als dann beim Mittagessen der alte Kirschbauer zu erzählen anfing, wie schau er es angefangen, um die Kriegsanleihe zu hutterlrerben, imi> was er darum für Verdienste um den Frieden habe da geschah dem Alten etwas, Ivas ihn in seinem ganzen Leben noch nicht gestehen war: sein lieber Otto, der, seinem Vater noch nie ern böses Wort gesagt hatte, warf das Messer bin, schlug mit oer Faust auf den Tisch und schrie dem Vater ins Gericht: Ihr seid der größte Narr, der tut ganzen Latrd herumläuft. Das konnte sich freilich der Krrjchauer von seinem Otto nicht bieten lassen nnd er begann zu schelteit nnd ztt fluchn über den Undankbaren Sohn; aber da stauo der auf und griff nach dem Hut und sprach: ich kann auch fortgehen, es ist ja doch« alles verloren. Llber da l^gbe sich, die Mutter ins Mittel mit Weinen nnd Jammern, und der Otto hing seinen .Hut wieder au die Wand nnd blieb da.

Seit jenem Festtag, da in Talheim die Krieger heimkehrten, waren nun 10 Jahre vergangen. Und der Kirschbauer war immer noch der reichste Mann int Ort. Aber das war ein böses Zeichen! Tenn wenn es auf des reichsten Mannes .Hof schon so aussah, wie mochte es damt mit dem übrigen Tors stei-en. A!ch ja, was hattcit die 10 Jährck-en aus dern irüher so reiclien und sauberett Talbeim gemmu-c. gar manck)?>n, der die früheren Zeiten gekanttt hatte, lies. .. o.-. I/ck.e.i Tränen über die Wartgen, wenn er daran dachte. Der atte Ktrctchauer nnn schon tett manchem Jahr als ge­brochener Matm in der Ofenecke nnd sprach kein Wort mehr, und Kirschbauers Otto führte bas Wer?. Aber tcenn der Otto über seinen Ho, ging, dann starrte er vor sich auf den Boden, um den Jammer ringsum 'licht ztt sehen, und wenn er ja einmal den Kops hob, dam die Fäuste und knirsche mit den Zahnen. Wie

hatte er segafft in stiller verbissener Wut, von morgens früh bis abends spät jahraus, jahrein, all die Jahre her, aber es war umsonst gÄvesert, es gittg rückwärts. Tte Schetter, die schöne» Scheuer, die sie ein paar Jahre vor dem Krieg gebaut hatten, die brau- nun wohl bald zusammen. Gleich nach dem Krieg, da- hätte ihr Tachwerk wohl einmal nachgesehen werden mäßen, da tvar nich mehr alles dicht. Und damats wäre wohl auch noch Geld dafür dagctoesen. Ter Alte hatte ja eilt paar tausend Mari auf der Ober- stnbe liegett. Aber gleich in den errett Tagen konnte man das nichit ausangeit, tveil die HundwerVer noch nich: bereit waren. Und ehe man daran kam,' da brachte eines Tags der Gemeindediener einen Sieuerzettel, den hielt der alte KirsthbauSr lange in der Hand und sah darauf, und griff sich an den Kops und schließlich ries er den Otto, tvas das zu bedeuten habe. Ter Otto warf aus den Zettel nur einen Blick und dann lache er ein häßliches Lachen und sagte: Ja, das ist der feine- Friede, zu dein Ihr alter Narr mitgehvlfeu habt, und das sind die Kosten: die außerordentliche Kriegs,.euer, die uns die Englmrder aufgelegt haben, ihr werdet schon zahlen müssen, wenn ihr beim Hof bleiben tvvllt! Ohne ein W-ort zu sagen, zerknitterte da der Alte dett Zettel in der Haitd und steckte ihn in die Tasch. Aber desto mehr grübelte und sinnierte er. Wenn er die Kriegssteuer zahlte, ging fast der ganze S<chtz auf der Oberstube dahin, wovon stifte boutt die Scheuer gedeckt werden?

Fast die gatrze Nackft lag der Kir'chöatnn nxtch, aber ant an bereit Morgen warmer tt jeder ftischutf, ließ die Braunen anspannen und fuhr itt die Sttrdt. Er hatte da einen guten Geschäftsfreund, den reichen Kaufmann Ostheinrer, mit dein er in schönen Friedens tagen manchen gemeinsamen Handel gemacht hatte. Da fuhr er vor. Und danist stand er hinten im Kbntor hinterm Laden vor seineiin Freund. Er brauch? Geld, eine Hypothek! Ter Kaufmann. zuckte die Llchseln; Geld? Wenn ich selber hätte! Ich habe da gestern einen Stenerzettel bekommen, den tvill ich dir mal zeigen, meinte er. Schweig still, schrie der Kirschbauer, der von dem eigenen Stenerzettel genug hatte. Aber darin meinte er: Tu hast doch Be­ziehungen, kannst doch Geld schaffen. Mein Hof, mein Biehflall, meine Pferde da draußen darauf kannst du mir doch Geld leihen? . Aber der Kaufmann zuckte die Achseln! Deine Pferde, dein Vieh, dein Hof ja, lieber Freund, wenit mir die paar Monate noch durchgehalten hätten, bis zum Sieg, dann hätte man deinen Besitz nicht mit Geld bezahlen können aber jetzt? Wer gibt mir was daftir, wenn's' znm Verlauf kommt? In den nächsten fmnbert Ja!,reu hat in Deutschland kein Mensch Geld für solch Tinge! Aus das, was du hast, möchte ich hettte keine 200 Mark ivagcn! Aber das haben uns die Narren angerichet, die unt jeden Preis Frieden haben stellten. Dem Kirschbauer wurde so heiß in dem engen Kaufniannskontor, er griff sich an die Kehle, als sei chm da tvas zu eng, utid auf einmal schlug er schwer und lang auf den Bodett. Als er lvieder zu sich kam, lag er daheim im Bett und cne Frau' mache chm kalte Umschläge. Langsam kam ihm dattn die

Erinnerung an das Vorgefallene. Ta kroch er aus dem Bett und setzte ^sich in die Ose necke. Ta saß er stumnt uttd starr den ganzen Titg. Und den nächsten wieder und so fort, und nun nach zehn Jahren ist's iinmer noch das Gleich. Ter Kirsckchtuer ist ein gebrochener Mann.

Tie Scheuer im Kirschbauernhof blieb sieben, Ivie sie stand, ode* vielmehr sie wurden von Jahr ztt Jahr schlechter, denn loo erst einmal ein Verderben eingerissen ist, da ist kein Anshalten mehr! Zwar die Handwerker wären unt einen Hungerlohn berett gewesen waren froh, wettn sie etwas verdienen konnten in den schechen Zeilett. Aber die Ziegel nnd das andere Werk, wer sollte das be­zahlen? Tas kostete nicht ettva das Doppelte, sondern das Zehn­fach, nnd manchmal das Ztvanzigsache wie vor dem Krieg. Sv' blieb die Scheuer ungedeckt, und wenn's zehn Jahre lang mehl und mehr durch alle Löchr regnet, das hält die beste Schuer nicht aus. Von Jahr zu Jahr hatte der Otto auf eilte gute Ernte gehofft, die ihm wieder anchlfen sollte, aber wo sollte die Herkommen/ Düngemittel gab's keine, selbst das gute deutsch Kali ging auf eng­lisch Rechnung ins Ausland, Maschinett nttd Geräte ja, so lange die altert noch da waren, ging's ttoch aber neue anschaffen- Tie kosteten das Füttffach als vor dent Krieg! Denn die ganz» deutsch Industrie toar ja zugrunde gerichtet, alles mutzte ans England kommen! Und dazu kamen die Stenern! Alles bare Geld wurde vom Steuerzettel verschlungen! Utrd wettn ja einmal etwas wuchs, so galt es nichts. Die paar Fabriken, die noch arbeiteten, zahlten ihren Arbeitern Hungerlöhne, die Beamten, waren auf halben Gehalt gesetzt, wer konnte da bezahlen? Tas Ei brache 3 Pfg., und als er für die Steuer seine sck-önste Kuh verkaufte, galt sie noch nich 100 Mark! Nnd so wars int ganzen Reich! Aus den Städten kamen immer wieder Nachrichen von Hunger- revo.tten, weil die Landioirtschaft sich sannt selbst ernähren konnte.

Ta geschah was, was den alten Kirschbauer aufrüttelte, und aus seiner Ofenecke her anstrieb. Es war eine furchtbare Unsicherheit int Land, die Not trieb die Menschen znm Stehlett und Rauben. So . waren auch auf hem Kirschhof schon mancherlei Tinge gestohlen worden, schließlich tvaren die Diebe so frech getvorden, daß sie ein Kalb aus dem Stall geholt hatten! Am anderen Tag machte sich der Kirschbauer aus die Suche nach dem Dieb. Und wer sucht, der findet. Auch der Kirschbauer fand im Nachbardors einen, oer's getan haben könnte. Ten zeigte er att bet Gericht. Das Gericht untersuchte nttd fattd. . . . nichts. Ms der Angeklagte aus dem Gerichtsgebäude trat, hob er die Faust nach dein Kirschbauernhof , und sprach einen furche rlichen Fluch.

Ztvei Nächte später wacht der Kirschbauer auf, weil ihnt etjvas so Hel! it die Tlügen leuchet! Er reibt fiefj» erst die Klagen, tmd dann fährt er mit einem Scl-rei ans dem Bett: die Scheuer brennt! Auch im Torf l-abeu sie den Feuerschein gesehen und die Feuerwehr kommt. Aber, o weh, Spritzen tmd Geräte brechn zusammen toie nwrsch?s Holz, wer hätte attch seit dem Krieg Geld gehabt, sich nm li: Feuerwehr zu kümmern? Als der Morgen graut, stehen die Kirschhossleute ans den Trümmenr des einft so schönen Hofs. Ta t itt der Otto an seinen Vater heran, schttttelt ihn hart an der Schulter und spricht: Nim habt ihr mein Lebensglück vollends verdorben! Im alten Deutschen Reich qab's noch eine Brandkasse. He.te schfttcken alles die Engländer! Und dreht sich um und geht peg. Keiner hat ihtt mehr gesehen. Int Elend starb der Kirsckchaner und seine Frau. Ter Otto ist verscholl eit. Er ist ein Bild unserer Kinder nttd Eintel, wenn wir einen Frieden schließen von Englands Gnaden.

vermischte».

*Ei ne neueMel höbe zu rBe handln ngderLun- g e n tuberkulöse. Die in den letzten Jahren erprobten Heil­verfahren der Lungetttuberkulöse gingen von zwei Grundsätzen aus, dt? int ersten Llugetrblick emmtder direkt zu ünderspreck-en scheinen. Tie eine Gruppe der Behandltmgsntethoden empfahl nämlich Stei- gertmg der Atmung, also eine Mehrleistung, während die andere eine Einschränkung der. Atnrtmg mwrdnete. Diese beiden Me- tl)vden, die alsUebungsbehandlung" undiLchomingsbehand- lung" ztt bezeichnen sittd, bilden die Grundlage der neuesten Bo- lDmdlmtgsmethode von Privatdozeut Tr. Otto Porges, über die der Gelel-rte selbst in der Umschau berichtet. Bei der Behattdlnngj anderer erkrankter Organe wird stets die Schonurtg in Geltung! gebracht, die Uebtmg hingegen gilt als Vorbeugnng§uwtßttahnte für schwache, an sich aber noch gesunde Organe. So sucht man das . kranke Herz möglichst lvenig in Anspruch zu nehmen, während sich bei schwachen, aber noch gefttnden Herzmuskeln das System der Hebung empfiehlt. Tiefer Standputtkt ist auch auf die Lunge zu überttagen, da eine bcretts tuberkulöse Lunge durch zu starke Mmmtg beschädigt wird, andererseits in ihrer Benwguna ein ge- schränkte. Lnngenteile, z. B. die Lmlgenspitze.it, bekanntlich beson­ders leicht einer Tnberkuloseerkranktmg aufgesetzt sind. Ties ist dadurch begrmtdet, daß die TulierftelbaztUett sich am leichtesten in den weniger atmeitden Lungenteilen sestzttsetzen verntög-en^ da dort der sie lxwattführettde Strom wm Luft oder Gttvebflüsstgkeit am langsamsten ist. Wenn jedocki« att einer Stelle der Lim ge bereits Tüborkelbazillen vorhanden sittd, kann ein heftig beiregder Strom durch il-re Berschlepptmg itt die Nackcharschast den tuberkulösen Herd weiter ansbreiten. Darum müssen die kranvrn ümtgenteile-Iichst von der Attnung ausgeschaltet. gleichseitig aber bu twch gefiutben