Ausgabe 
14.4.1917
 
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Pechmarie und Hans im Glück.

Die Geschichte einer Fugendfreundschaft von C. v. D o r n a u. Nachdruck und Uebersetzungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten.

(Fortsetzung.)

Hans hier arbeiten rief sie.Und auf meinem guten Teppich hin und her laufen uni) alle Augenblicke Fenster und Tür aufreißen o,> liebe Zeit! Da würde meine schöne Stube wohl bald hübsch aussehen!"

Hans hatte seinen Namen gehört und kan: zu den beiden hinüber.

Zieht ihr bereits gemeinsam über mich her?" fragte« er scherzend.Du solltest barmherzig sein, Elfe, und dir nicht auch noch Marie zur Hilfe rufen bist ohnehin stark genug."

Ach du!" Sie schmiegte sich an ihn und schmollte ein wenig.Du tust ja doch eigentlich immer, was du selber willst ich hatte mir das ganz anders gedacht"

Ei, sieh da! Wirklich? Dies Bekenntnis einer schönen Seele ist nicht uninteressant. Was sagst du dazu, Marie? Aber nein, ich !vilt dich lielstw nicht fragen du schlägst dich doch nur auf die Gegenseite. Denke dir, Elfe Marie hat mein neues Buch so schlecht kritisiert, wie nur" denkbar."

Gr sah mit spitzbübischem Lächeln von der einen zur andern, wie sie nun beide entrüstet über ihn herfielen.

Schlecht!" rief Etfriedes Silberstimme heiter.Er macht nur Spaß, nicht wahr, Marie? Wo er soviel Erfolg damit gehabt hat soviel verkauft ist, gleich in den ersten Wochen. Der Verleger hat geschrieben, es wäre erstaunlich, wie viel Aufsehen das Buch machte. Obgleichs gegen seinen Rat iit einer so ungünstigen Zeit -- im Juni!'erschienen wäre! Na, das nächste erscheint ja nun hoffentlich zu Weih­nachten, das soll ja wohl die günstigste Zeit sein."

Zu diesen! Weihnachten!" Haus fuhr sich komisch ver­zweifelt durch die Haare.Ich glaube wahrhaftig, das ist ihr Ernst! Sic meint, ich schüttelte so alle Vierteljahre ein Buch aus dem Aermel!"

Nun ja doch! Du hast, doch sonst nichts zu tun! Das bißchen Schreiben wo man doch so viel Geld mit ver­dienen kann!"

So viel Geld!" seufzte Hans.Ein deutscher Dichter mit einem deutschen Buche! O, du Kindskopf, du süßer! Aber jetzt, meine Damen, wollen wir schleunigst zu Tische gehen. Das Thema desbißchen Schreibens" erschöpfen Elfe und ich doch nicht so rasch das toird mindestens drei­mal am Tage von ihr aufs Tapet gebracht!"

Er bot Marie gravitätisch den Arm und führt« sie hin­über. Im Sper/rzimmer grüßten sie wieder vertraulich die alten Möbel ans Onkel Poldeioitz' Nachlaß. Hans zog seine Frau beiseite und tuschelte ihr ins Ohr.

JD, das Tischtuch!" sagte sie laut.Ja, iphj glaube, ich habe gar kein sauberes mehr. Sie sind wohl «Ile in der

Wäsche. Du mußt Miete fragen. Heute geht wohl das alte nach mal"

Mer es ist ein Niesen-Petroleumfteck in der Mitte- von gestern abend, wo Miete die Hängelampe kapnt gemacht! hat das sieht scheußlich aus"

O, nichts einfacher als das!" Frau Elfriede trug ein großes Blumenglas herbei und stellte es in die Mitte des Tisches, gerade ans den großen, übeldnstenden Fleck.Da! Siehst du!" sagte sie zufrieden.Nun merkt man säst gar! nichts mehr davon!"

Sie saßen zienilich lange bei Tisch. Die vierschrötige Miete, durch den Gast verwirrt, bediente noch ungeschickter als sonst; Hans mußte alle Augenblicke ansspringen und etwas h olen oder weg stellen. Einmal lief er sogar in die Küche hinunter, um den Salat, Elfriedes Leibessen, anzu­mengen; die junge Fraju saß lieblich lächelnd da und ließ sich bedienen. Nach Tisch zog sie sich gähnend ins Schlafzimmer zurück, zum gewohnten, ausgiebigen-Mittagsschläfchen. Hans aber geleitete Marie stolz in seinArbeitskabinett", ein winziges, ziemlich dunkles Zimmerchien, durch dessen einziges Fenster er jedesmal klettern mußte, wenn er seineDauer- läuse" ans demMan" unternehmen wollte was er ihr höchst vergnügt sogleich vormachte. Mer ans dem so sbotzl Altan" genannte): Stückchen breiten Mauerwerks draußen war's doch noch gar zu heiß. Sobald er wieder driuuen saß, ans einem alten Ledersessel, Maries Sitz gegenüber, sing er ernst und lebhaft zu erzählen an. Von seinen nächsten Plä­nen. Und er sprang wieder auf im Eifer des Sich-Mitteilens, rannte hin und her, riß das Fenster auf und warf es, sich besinnend, wieder zu, pflanzte sich breit vor Marie aus und redete auf sie ein, als ob er sie durchaus überzeugen« müsse und wurde immer glücklicher, immer strahlender, wie er sich so eins nach dem andern vom Herzen schüttelte und sich selbst im Sprechen klarer wurde.

Das ist's nämlich!" sagte er am Schlüsse.Zutrauen bekomme ich zu mir selber, wenn ichs so vor dir entwickle -- da träume ich nun von, siehst du von etwas ganz! Großem, Reichem, Schönen: und trau mich noch gar nicht, es niederzuschreiben, weil's doch nachher lange, lange nicht so schön wird, wie ich's mir geträumt hatte"

Und das erzählst du sonst alles deiner Frau," sagte Marie, den Kopf senkend.

Elfe?" Ein Schatten fiel über sein Gesicht.Ach nein davon verstände sie nichts! Sie hat sich woyl zu Anfang Mühe gegeben, aberI" Er hielt imte und seufzte leicht. Wenn man so eine Antwort bekommt"

Wer ich habe doch auch kein Mort dazu gesagt!" rief Marie, der ängstlich und wohl zugleich zumute wurde.

Gesagt? Nein! Mer verstanden! Oder wenigstens ver­sucht, alles zu verstehen! Das hilft denken wenn jemand so ausschließlich, so intensiv nntdenkt. Elfchen denkt da­zwischen an anderes. Das soll kein Vorwurf fein beileibe nicht! Sie hat eben nicht so scharf Nachdenken gelernt. Du