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ein beißender Much sich über dm Boden wälzte. reckten sich aus mib nxtrtcn bizarre Schatten an die schufteten Wände, Die ringsum cmporstcigen. Jeder W, .der sich am Faussr bewegte wurde tzu einem verzerrten Riesen, lcdes Pferd zu einem seltsamen
^ bC 4>ic r £eitte drängten sich nal) an bie Mut, um die erstarrten Glieder m wärmen, in großen Blechikesseln brodelte das Wasser^ En dem sie das getrocknete Fleisch kochten, und nur bin und w.eLer fiel ein Wort, denn die Männer waren nuibe und hatten nocy. einen weiten Weg vor sich. In den Mittagsstunden waren sie bei oer Bethaniendrift von Klein-Namaland her über den Oranle^gegang^^ — und wälzend der Nacht sollten sie noch ein gutes ^tnck aut deutschem Boden vorrücken. Mindestens Garnab, das, wie ihr Führer sagte, etwa drei Reit stunden entfernt war, mußten ne heute noch erreichen. Ueberrumpelten sie die ckeine doiltsche Besatzung, die dort lag, so war der Weg von L>üden her nach Lnderitz-
^ Soeben hatte Colonel Rawlins, der die Monnted Ristes, welche die Truppe bildeten, führte, nochmals mit dem.Fnhver beraten. Nnn kam dieser znm größten der drei Feuer, um pch iem_ ENeii zu holen. Es war ein Bnr und nannte sich Elias Kuck, Bei unboo^ in Namaland war er zu Hause, dort hatten sie ihn gestern abend ausgetrieben, und da er angab, er renne die Gegend wert und breit, nahm ihn der Colonel als Führer mit. Es zeigte jich, daß er Bescheid wnßte. Man konnte ihn gut brauchen. . .
Nun setzte er sich schweigend, wie es seine Art znieur stuen, zu den Soldaten nnd holte sich mit dem Messer ein Ltuck Fiepch ans dem Kessel. Er war hoch nnd breit nnd wohl noch tzung, denn das Csesicht hatte weiche, säst knabenhafte Züge, die kaum zu oem langen, dunkelblonden Vollbart passen vwllten, der es umrahmte.
„Weiter Weg noch nach Garuab?" fragte ihn ein Sergeant.,
„Drei Stunden", sagte er nnd fing an das Fleisch zu zerschneiden. ^ ,, _ 0//
„Und keine Zeit vorher znm SckMen? _ r r „
„In einer halben St-.mde gedenkt der Colonel anfzubreck-en , erwidette Elias Kuil.
Ter Engländer wollte etwas erfordern, aber er kam nicht dazu, denn am Ältusgang des Tales entstand eine Betvegnng, Die- seine Aufmerksamkeit in Mrsprnch nahm. Ein paar der Loldaten waren von den Feuern anfgestandc.r nnd gingen eilin dorthin, wo eben eine Patrouille zuritckkehrte, sie führte einen Gefangwien mit sich, der nnn alle Augen auf sich zog. Auch der Bnr blickte neugierig zu ihm hin, seine Blicke bohrten sich in die wunkelheit, und als der Gefangene ganz nah an seinem Feuer vorbeigeführt wurde, zog er mit einer, hastigen Bewegung den Schlapphut tiefer in die Stirn, so daß sein Gesicht ganz im Schatten des breiten Randes lag>
Ter Gefangene v.-ar ein kleiner, alter Mann. Bon Natur mager, schien er in letzter Zeit Not und Entbehrungen gelitten zu haben, denn er glich mehr einem- Skelett als einem lebenden Menschen. Sein weißer Bart war ebenso struppig nnd ungepflegt mic das Haar, und die Kleider hingen ihm in Fetzen um den Leib. Elias Kuil kannte den Men sehr gut, sein Aussehen schnitt ihm ins Herz, und während ihn der Colonel nun verhörte, verwandte er keinen Blick von ihm. Sie standen so nahe, daß jedes Wort, das gesproehen wurde, dentlieh zu hören war. abgleich der Greis vor Erschöpfung nich,t laut zu reden vermochte. Seine Stimme tlang heiser, und erst als man ihm einen Schluck Wasser reichte um den er dringend bat. konnte er deutlicher sprechen. Er gab ans iche ^rage
Auskunft. Bei Amkons batte er erue Farm besessen, die er mit seinem Sohn und dessen Familie bewirtschastete. Englische ±nimn waren bis in jene Gegend vorg-ch-rnngen, sie hatten seinen Lohn erschossen, die anderen in die Gefangenschaft geschleppt und nur er war entkommen. Nach Keetmanshoop schien ihm der Weg nicht sicher, denn dorthin waren die Engländer marschiert, so versuchte er sich muh Osten durch-Zuschlägen, wo er in der weglosen Bergwild- nis bald jeden Piad verlor. Immer der Gefahr des Berschmachens ansgesetzt, war er schließlich beute in das Skorpioneutal gerommen und der Patrouille in die 5)ändc gefallen. . ,
Ter Bur Elias Kuil, dem kein Wort entging, wußte, tme all dies der Wahrheit entsprach. Tenn man hatte von seiner eigenen Farm nur eine halbe Stnnde bis zu der des- alten Friedrich Wächter — so lüeß der Greis — zu reiten und die EnglÄto hatten am gleichen Tag die eine und die andere nieder-gebrannt. Nur er selbst, der sich jetzt Elias Kuil nannte und für einen Buren ansgab, tvar entkommen, alle die Seinen lagen tot unter dc^r verbranntere Trümmern seines Hausts. Jetzt war er En gl ander sichrer gelvorden, um den Feinden heimzuz-ahlen, was sie ilr.n angetan. Noch che sie nach Garuab lamm, heute kurz nach Mitternacht, sollte eure Abteilung der Schutztruppe, die bei Hartes stand, ihnen in die Flanke stoßen. Er wollte sie den Weg ins Herberten führen. Wenn Friedrich WäcUer merken ließ, daß er ihn kannte, so war alles verloren. ,
Der englische Offizier schien den Angaben des Alten Glauven zu schenken nnd wollte eben den Befehl geben, ihn abzuführen, alÄ der Unteroffizier, der den Gefangenen eingebracht.. dem Colonel ewoas zuslüsterte, das diesen sehr zu interessieren schien. Ansmerw sam hörte er zu und fern Gefichtz zogt sich in finMre Falt esu, alsi* jener ihm ein kleines Blatt Papier reichte. „
Elias Kuil war es plötzlich, als stehe ihm das Herz sttll. Er kannte das Blatt, denn er selbst hatte es vor einer Stunde, eben als die Dämmerung anbrach, ans einen Fels gelegt und mit einem '
Stein beschwert. Nur einen kurzen Moment war er zurückgeblieben und niemand hatte sein Tun beobachtet. Die deutschen Racker hatten seit dem Morgen Meldnmgen von ihm erhalten, und ^es war du letzte, die er geschrieben, die ihnen sagte, nur auf einer .lactcnitou, die er heimlich im Sattel entwarf, wo die Engländer '
Es war ein seltsames Zusammentrefsem, daß die deutschen vkeitti, die den Feind umschvürmten, den Zettel nicht fanden und daß die Pattonille gerade imeder an. dieie Sielle kam. Der Colonel schon sich zu besinne-,i. Er sah auf den Alten, der müde und glnasgU'ttg abseits stand, und dann warf er einen Blick herüber zu dem angeblichen Buren, der am Feuer zwischen den Soldaten sag. Man konnte chm ansehen, ilXls er dachte. Einer von dr-sen beidm l attt. den Zettel dorthin gelegt. Größer ivar wohl d w /^nhrsetzeuckichkeit, daß der Bur es getan, als daß der Greis spioniert hattc ^mmeihi.n lag auch dies im Berckch der Möglichkeit. Vielleicht stellte er ]uo nur erselsöpft und luar schon lange hinter der Truppe her.
„Elias.Kuil!" ttef der Colonel .
Der Bur stand auf. Langsam und schwerfällig ging er me wenigen Schritte, und als er hinter den Gefangenen kam sagte er laut:
W wird Zeit werden, Colonel, daß wir auchreelsen, wenn wir noch ni dieser Nacht über die Deutschen kommeil wollen." ,
Er sprach langsam und betonte jedes Wort. Es war eine tiefe, volltönende Stimme, die keiner, der sie je gehört, so leicht vergelten!
^^Der alte Mann wandte den Kops hastig nach dem Sprecher nm. Eine Sekunde lang kreuzten sich ihre Blicke. Kaum merklich hob der angebliche Bnr die Brauen, aber der andere begruf. Gleichgültig starrte er in das nächste Feuer. Die Soldaten standen rings um die kleine Gruppe, Neugier, was kommen würde, lag auf allen Ge- sichterii. Die den Unteroffizier auf der Patrouille begleitet hatten, mochten den anderen schon von dem Zettel berichtet haben.
Der Colonel hielt das kleine Blatt zwischen den Fingern bra Rechten, sein Gesicht war ernst und streng
„Wissen Sie, fvas das ist. Elias Kuck? fragte er. . .,
Der Angeredete beugte sich etwas vor und blickte <tuf Die Lttzze. „Eine Landkarte, wie mir scheint," sagte er gleichgültig.
, Tonnen Sie erklären, wie eine solche Zeichnung, aus welcher unser Lagerplatz eingetragen ist, Forschen die Wen kommt?
Nein!" Der larat zuckte die «>seln. „Wo haben rr« tf gefimden?" Wie er das sagte, klang-es unbefangen und natürlich, so daß der Offizier unsicher nmrde.^ ^ .. - r ,
, Es gibt einen Spion in dieser Gegend. Colonel Rawirns zog die Stirne in iwch strengere Falten als vorher, „ernen Lpron, der dem Feind unsere Bewegungen verraten wül. Das ist das letzte Zeichen," er legte einen Nachdruck auf das Wort „letzte und sab abwechselnd Elias Kuil und den Gefangenen an —, „das er gegeben hat."
Er lachte kurz und hart. . . , . .
Der Bur schob den Seiten Hut aus der Sttrn, so daß der Schern des Feuers sein junges Geßickii hell erleuchtete.
„Wie wollen Sie ihn packen?"
„Ich habe ihn schon, Elias Knck. . . . « -. r -
Er zog den Revolver und ein Dutzeiid Hände streckten sich ans,
den Buren zu packen. . . .. .. , . *■
Haltet ein," sagte eine zitternde Greisensttmme, ohne rede Erregung, „haltet ein, ihr richtet den falsckwn Mannck"
Alle Blicke wandten sich nach ihm um. Dem Buren schoß erne
^"^eh habe ^de 'nZ cttcl dorthin gelegt," sagte der Gefangene. „Seit Morgengrauen bin ich hinter euch her."
„In wessen Auftrag?" , . _ ....
„Eine Kompagnie deutscher Rerter liegt rn Garuab Sre scvrci- ten mich aus und als ich sah, daß ihr hier rastet, legte ich die Skizze nieder. Eine Patrouille, die von der Bethanrendrrft aus das -s^r- Pionental abreitet, soll ddi Zettel finden, damrt sie euch auSwncken und die Meldung auf dem kürzesten Wiege nach Norden tragen kann. So wissen sie in Garuab, daß ihr heute nicht mehr zu erwarten
^ b ' „Darin toben Sie sich tauschen." Der Colonel blickte nachdenklich ans den Boden. , , , , A . r
„Das offene Geständnis wird bannt belohnt, daß man Sre majt erhängt, sondern erschießt," sagte er langsam und w-ändie sich znm
^^^Ter Bur öffnete den Mund, um zu reden. Er stand dicht neben dem Gefangenen, der ihn die ganze Ze.it her niicht aus dem Auge
gelassen hatte. ^
„Schweig, Wilhelm Rütger," raunte nun der Gefangene dem falschen Buren zu, „sollst du dein Leben lassen und hundert andere dazu?"
Ter junge Mann wurde blaß und rot.
„Du darfst nickü filr mich sterben!" sagte er.
Für dich allein nicht, aber für hundert andere! Du muht ihr Führer bleiben."
Die Soldaten traten an die Pferde. . .
Wilhelm Rütger kämpfte einen schweren Kampf. Klein und hager stand der Alte vor ihm. aber jetzt lag ein helles Leuchten in seinem Blick .
„Sei klug, Rütger, ek muß so sein." flüsterte ec.
Der andere stöhnte tnf und dann preßte er die ße^effeltc Hand des Greises mit einem barten Druck.
.Komtnen Sie an meine Se-.lr, Elias Kuil." rief der Offizier.


