Pechmarie und Hans im Glück.
Dic Geschichte einerJugendfteunLschaft von C. v. D o r n a u. Nachdruck und Uebrrseyungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten.
(Fortsetzung.)
Sie tvaren schließlich beide uneingestandenermaßen froh, als die Trennungsftnnoe schlug. Der Abschied wurde flüchtig und überstürzt. Bon plötzlicher Neue ergrisfen, winkte Marie der Alten, die auf dem Balkon stand, einen letzten, herzlicheren Abschiedsgruß zu. Die Alte winkte zurück — mit steinernem Gesicht. Dann ließ sie die Läden vorn herunter, gegen Maries Berbot, verschloß und verrammelte die ganze Vorderwohnung und kehrte mit ihrem geheimen Kummer unr ihren Liebling und dein Groll gegen die ganze übrige Menschheit — den Narren, den Hans Imhoff, insbesondere! — zum asthmatischen Puff in die Küche zurück. — —.
Hans Imhoff holte die Freundin um die Mittagsstunde von der Bahn ab. Es war so heiß, daß cm ein Iu- fuhgehen nicht gedacht werden konnte. Er hatte einen netten, klenven Einspänner besorgt, der sie beide und Maries Koffer rn schlanken! Trabe zur Stadt brachte.
„Weißt du noch — ?" fragte Hans lächelnd, als sie durch den alten Torturm gefahren und linker Hand der Wirt des Hotels „Zur Eisenbahn", in dem sie damals zu Mittag gespeist, grüßend ans der Schwelte seines Hauses stand. Haus wurde auch sonst vielfach frenirdlich begrüßt. Die kleine Stadt kannte ihn bereits. Sie hatte ihn wohl stolz und freudig ausgenommen, den Sohn des unvergessenen, all- gelicbten Bürgermeisters. Und vielleicht war ihr auch schon eine leise Ahnung davon aufgegangen — selbst ihr in ihrer Schlafbefangenheit —, daß dieser kühne, sonnige Mensch durch sich selbst et>vas bedeutete.
„Ich Hab' mich so schrecklich gefreut, Hans —*• sagte Marie abgebrochen.
Er nickte, sie mißverstehend.
„Und wir erst auf dich, Marie —
„Nein doch — das meinte ich nicht. Ich Hab' mich so über dein Buch gefreut — daß es sv gelobt wird — und so viel Gutes darüber in den Zeitungen steht! Alle Kritiken habe ich gesanlmelt, aus allen Zeitungen, die ich darüber kriegen konnte — und überall steht das Gleiche —"
,/O, o, Marie!" Hans wiegte bedauernd den Kops hin und her. „Steht es so schlecht um dich? Und mein Buch? Ans frcnide Kritik mußt du dich verlassen — legst du Wert? Ans der mache ich mir blitzwenia, solange ich nicht weiß, von ivern sie kommt und ob sein Lob mich wirklich vor min
selbst erhöht, sein Tadel mich herabziehcn kann-Siehst
du, tausendmal lieber wäre mir gewesen, du hättest ganz schlichtweg gesagt: Mir — mir — mir deiner Freundin Marie Krumpa — gefällt dein Buch!"
Marie faßte wie unwillkürlich nach der Hand des Jugendfreunde».
das dein fcri'ft, HanS?" ries sie strahlend.
„Allemal ! Dein Urteil ist mir doch mehr wert, als das ernes xbeliebigen Kritikers, der weder mich kennt, noch ich ihn! Du hättest mich viel mehr erfreut, wenn du'tz selbst ans voller Seele hättest loben können, anstatt deine wahre Mei- nung hinter Druckerschwärze zu verstecken —."
„Aber Hans! Du tust ja -gerade so, als ob — als ob dein Buch mir nicht gefiele — !"
Hans bog sich vor und sah der Freundin neckend und doch ernsthaft ins Auge.
„Es gefällt dir nicht durchaus — sonst hättest du mir das schon geschrieben oder gesagt !" bemerkte er sehr ruhig.
Marie wurde glühendrot. Sie suchte vergebens nach Worten.
„Na — ?' machte Hans in erhöhter Belustigung.
Sie rückte unruhig hin und her.
„Es ist nur — — Wie soll ich's dir erklären?" Sie sprach abgebrochen, ohne ihn anznsehen. Der böse Hans weidete sich offensichtlich an ihrer hilflosen Verlegenheit.
„Es ist nur-Schönes, viel Wunderschönes ist in dem
Buch. Und viel Wahres! Mer dazwischen-Da ist nod) so
viel Suchen und Zweifeln — und allerlei Widersprüche — Ich weiß wohl!" Sie sah jetzt rasch zu ihm auf und sprach freier weiter: „Je tiefer rnan schürft — desto mehr findet man davon —- — Mer du selbst — du bist mir immer so fertig, so abgeklärt vorg-ekommen! Davon ist noch nichts rn deinem Buche —- —"
„Gott sei Dank nicht!" sagte Hans inbrünstig. Er hatte mit steigender Spannung, in ernsthaftestem Aufmerken zugehört. „Es wäre ja fürchterlich, wenn ich jetzt schon ein Fertiger sein wollte! Wie entsetzlich oberflächlich müßte ich da sein!" Er holte lächelnd Atem — fuhr dann tiefernst fort: „Nein, Marie — da hast du vollkommen recht! Mein „Kämpfender"" steht eben noch mitten im Kampfe, nicht schon am Ziel — —' hast du's nicht schon am Titel erfaßt, daß ich ein schlichter Soldat bin, beileibe kein Feldherr? Aber ein Kämpfer, der an den endlichen Sieg glaubt, Marie —- und das, siehst du, das ist die Hauptsache —!"
Er schwieg und blickte lächelnd, leuchtend geradeaus; Marie hob fast schüchtern das Auge zu ihm einpor:
„Du — wirst siegen!"" sagte sie rasch und heiß. Er hörte es wohl grade nicht. Seine Seele ging ans weiten Wegen. Sie schwiegen nun beide, bis der Wagen, der sie über Hauptstraße und Markt hinweg fast durch die ganze Längsachse des Städtchens geführt, links abbog und in ratternder Fahrt durch ein Seitengäßchen die alte Stadtmauer erreichte.
.Hier hielt er mit scharfen! Ruck vor einen! winzigen Häuschen, das schwalbennestgleich an den uralten Mauerrest geklebt schien. H^rns sprang sofort heraus, die träumerische Stimmung fiel von ihm ab, er lachte Marie freudig zu:
sagst du dazu?"" fragte er schmunzelnd „Sieht es nicht wie ein richtiges ALarchen aus dein großen Bilder- ouche auL? Ich beguclH mir nie von außen, ohne niich darüber zu fr-suen. Das malerischste, wunderlichste, verdrehteste Gehäuse in der ganzen Stadt' Thpisch geradshu ftr mittel-


