Ausgabe 
7.4.1917
 
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Gewt «fn Veeten tot Ostcrsür.

^ De ohlen Toerttmnen sind so dür («teuer)!

Gen is nix, ttvee is watt,

Tree, denn gah wie usen Patt!

Lot us nich to lange ftahn.

Denn wie ntbt nah wioter gähn."

Wieder in anderen Gegenden wird ein Wagenrad glühend geinacht oder radförmig um einen Pfahl aufgeschichtetes Reisl-vkz entzündet. Hier und da wandern die Heranwachsenden Knaben und Zungen' Knschte schon wochenlang vorher an den So-rrntaa-Nachmrttagen hinaus in den Wald und hauen Schwarz dornen ad, schleppen tro ac­nes Holz zusammen und Lassen mtdji sonst geeignete Holzstücke rrnt- gehen. In den letzten Tagen vor dem Feste wird dann alles zu! einem ^u hohen Hansen geschichtet mb am Osterabend unter dem hellen Jubel des ganzen Dorfes entzündet. ,

Uebrigens sind die Osterfeuer auch> inr Süden unseres Vater­landes nicht ganz unbekannt. Inr oberen Wörnitz- und Altmühltal wird z. B. von Neujahr ab von den Buben fleißig fürs Osterfeuer gesam melt urrd am Ostermontag flammen nach de nt Aberrd l anter: die Holzstöße auf. Wie Bronner in seinen: BucheBon deutscher Sitt' und Artt' mitteilt, gilt dort iroch heilte der Spruch: Wer vecht viele Osterfeuer zähLen kann, bleibt das ganze Jahr hindurch gesund; wer gar keines sieht, stirbt bald. Deshalb humpeln Kranke und Gebrechliche, die arrs Stübchen gefesselt sind, ans Fenster, unr wenigstens einen Blick zu den heilbrrngeicden, segensvollen^Feirern hinaufwerfen zu können. Tie Dorfbewohner gehen vor den Häuiern arrs und ab, die Mädchen singen Lieder, von den Höhen aber ertönt helles Jauchzen. Tie Buben schwinger: brennende Besen, daß dre Funken stieben, und laufen den Hügelrückerr entlang oder den Hang hinab.

Die Feuer sind oft von imposanter Wirkung, redwtd: man doch im südlichen Oldenburg acht bis zehn Fuder Holz auf ein einziges, und es besteht zwischen den eirrzelnen benachbarterr Ortschaften ern reger Ehrgeiz: jedes Torf will das schörrste Osterfeuer haben. Vielfach zieht nvan mit Musik und Gesang hinaus, und die Bü­schen tragen hier und da mit Petroleum geträrrkte, brennende Torssoden an langen Stangen als Fackeln dem Zuge voraus, ^re end treibt allerlei Sch^abernack, die Alten aber schauen sinnend ne Flammen oder zählen die ir: der ttmgebrrng aufblitzenderr!

Jene uralten Frühjahrsseuer feiern eine Neubelebung in den Uvchlück-en Osterfeuern. Schon zu des hl. Bonifatins Zeiten war m Deutschland der Brauch aufgckonrnren, das heilige Feuer durch Schlagen aus eurem Stein oder durch ein Brenrrglas von Berg­kristall hervorzurufen, feierlich zu weihen und daran die Oster­kerzen zu entzünden. Neues, von jeder erdhaften Beleckung reines Feuer sollte es sein, das bestimntt war, deir Auf erstanden err rn seinem imsterblich und uirermeßlich gewordenen Berklärmrgsleibe sinnbildlich vorzustellen.

Die Zeremonie nahm bald eine allgemein gültige Gestalt an, die im großen und ganzen noch heirte besteht. Am Morgen des! Karfamstags werden alle kirchlichen Lichter gelöscht und nrit Hute dorr Stal>l rutd Stein, Kristallerr oder Breunspiegelnneue" Feuer erzeugt. Kohlen, die vorher gesegnet worden sind, werden mit Hilfe der genannten Feuerspeuber glühend gemacht, damit die Osterkerze entzündet urrd rnit dieser wieder alle übrigen Lichter. Hierauf begibt man sich in feierlicher Prozession arrf einen freien Platz mr der Südseite der Kirche. Hier ist vorr Holzsckieiten und! Pfählen ein rnächtiger Stoß errichtet, der mm von dem Prrester geweiht mrd eberifalls nrit der Osterkerze entzündet wird. In diesem Feuer werden gewöhnlich auch die abgängigen gerveihten Sachen verbrannt: die Wolle, die der Priester bei der Tarife und der letzten Ortung zum Abwischen des heiligen Oets gebrauchte, Kerzenreste, alte Meßgewänder, Chorhemden, mich wohl schadhaft gewordene Grabkreuze u. dergl. nt. Urrd während man irr heidnisckier Zeit die Symbole der feirrdlichen, mm besiegten Winterriesen verbrannte, wirft man jetzt wohl auch die Strohfigur des Verräters Judas in k^rs Feuer.

Wie der Brauch der Osterfeuer selbst, so ist auch der Glaube an ihre Zauberkraft iroch allentbalben inr Volke lebendig. Im Braunschweigischen glairbt nran, vast, soweit die Feuer leuchte::, die Felder fruchtbar werden urrd die Häuser, die von dem Scheine des Osterseuers beleuchtet lverder:, im solgeuderr Jahre vor Feuer s- brnnst geschlitzt und vor Krarrkl)eit bewahrt sind. Ter Ranch, des Osterfeuers bringt bcu Feldern ebenfalls Fruchtbarkeit rmd Schutz vor Wetterschaden. Um alle Felder dieses Segerrs teilhastig werden zu lassen, reis;err irr Oldeirburg die Knaben brennende Stroh- bürrdel aus den Feuern urrd eilen damit über die Aecker. Mail läßt wohl auch angezündete Stroh- und Reisigbündel über die Saat­felder rollen, rrmdas Korn aufzuwecken". Tie Kohlen des Osterseuers werden derr Tierei: inS Trink, vasser geworserr, urrd die Asche wird mir die Felder gestreut. In der Alt mark wird die Asche mich als lfeilkr ästiges Mittel bei derr verschiedensten Krankheiterr des Viehes verwendet, rrnd durch Kreuzeszeichen, welche marr mit Oslerkohlen an Tor zrnd Tikr rrracht, Unrd das Haus vor Be­hexung geschützt.

In Süddeutschiland rnrd derr Alpeirländern jperdeir je rrach derr verschiedenen Gegerrden rnäckrtige Eick-en- oder Buchenpfnhle, oft auch Pfähle von Nußbarun oder Kastanie herbeigcschleppt und tns Osterserrer gehalten, bis die Spitze leicht abgebraurrt ist. Daraus werderr dieseWetterpfähle" herausgezogen. in Hause

sorgfältig ausbewahrt urrd bei drohe,rdern Gewitter in ein kleines Feuer gelegt, rrm geweihteri Rauch zu den Wolken ernporzusenden, danstt kein Blitz das Haars, kein Hagel die Gärten rmd Felder treffe. Aus Teilen dieserOsterbeuget" werden hier mrd da auch klein«. Krcirzchen gefertigt, die an einem bestimmter: Tage an die Obst bäunre oder arrs die Felder gesteckt werden, mn.diese vor Hagel, Mibwachs rmd Ungeziefer zu bewahren. Teile der Öfterscherte werderr am Pfluge airgebracht, um dem Felde Segen zu bringen.. Statt der nngekohlleu Pfähle führen die Knaben irr einzelnen' Teilen Badens und Bayerns auch glül)ende Barmrschoänime heim. Sie halten sie in das gesegrrete Osterfeuer rmd schwingen hi« glühenden Schwämme auf dein Heimwege an einem Eisen st ängchen. Dadurch soll das Feuer für das Jahr gezährnt werden. Zu Harrse an gek ommen, werden alle Rärrme mit denr! heiligen Feuer aus- geräuchert.

So I?at sich neber: den: Brauch des Osterseuers auch der ursprüngliche tiefe Sinn dieser Sitte erhalte,:. Wie zu der Urväter Zeiten, so schreibt man auch heute noch diesen Feuern segerr- und schutzspenderwe Kräfte zu.

Die Lnteittepolitik auf der Marionettenbühne.

Uns wird geschrieben: Die Gelegenheit, das Erblühen einer neuen Kmistgattung zr, melden, ist selten genug; darum ziemt cs sich, sie beim Schopf zu packen und beim erster: Anlaß die Feder zu ergreifen. Und wenn cs nicht etwas ganz Neues zu berichten gibt, so beschäftigt man sich doch fast ebenso dankbar mit der Wiederbelebung, eir:es längst Verschollene-,:. Eine solche Wiederbelebung hat jetzt in Berlin stattgefunden. Schauplatz: ein kleiner, entzückender Theater- raum in den Ausstellungshallen am Zoo, über der Pforte die viel­versprechende Inschrift: Marionetten-Theater Münchener Künstler.

Das WiÄ,e raufblühen des Marionettenspieles zur Kriegszeit tvurde in: allgenreiner: bereits gewürdigt: und ebenso imirbe auch schon mehrfach der besonderen Grgötzlichkeiten der Münchener Marionetten gedacht, aus deren ursprünglich kurz geplantem Gast­spiel ein höchst erfolgreicher Daueraufenthalt in Berlin wurde. Was man hier sah, ,var stets hübsch, annmtig und spaßhaft. Ein wahres Labsal für Augen und Nerven, wenn man der von Detettivlisten strotzenden Darbietmrgen in den modernen Tempeln der Lichtsprel- muse gedachte. Mer bisher herrschte doch eine gelvissc Einseitigkeit, alldietveil die Marionetten z,var tcurzten, sangen und sprangen, sich aber mit Helden- und Moritater:, sotvie kleftren Opern begnüg­ten. Die Würze des Marionettenspiels, die in seiner alten Glanzzett ihm zu so hvliem Ruhme verhaft, der politische Witz, fehlte. Jener Richtung verdankte man Manche politische Karikatur, die sich wenigstens dem Namen nach bis auf unsere Tage erhalten hat, es ivar Geschichte im Zerrspiegel, es war stets Scherz, Satire und Jroirie mit tieferer Bedeutung. Das ists, was der neuen! Marionetten-Aera bis heute fehlte. Oder genauer gesagt: bis gestern. Denn gestern aberw gab es im Berliner Hein: ,der Münchener! Marionetten die erste Politische Uraufführung.

Die jetzige Zeit schreit geradezu nach geistreichem Satirsviel, und niernals köirnte mar: es mit eurem verständigeren Publikum zu ttu: Mben, da heute jeder dankbar auf zeitgenräße Ironie eingeht. Und werrn dann noch die mit einer rasend komischen Grey-Karikatuc geschmückten Plakate eine witzige Beleuchtung der Ententepolitik verspreche::, ist es kein Wurwer, den Saal ausverkauft und die Gesichter gespannt zu sehen. , . . ,

Die Neulieit, die so epochemachend ernsetzte, herßt:Grey und Co." oderKing Edwards imrselige Erben" und charakterisiert sich selbst als ein lustiges Puppenspiel aus ernster Zeit. Die Schöpfer versprechen echten Münchener Humor: dem: die Figuren stammen vor: dem Sinrplizissimus Meister Olaf Gulbransson, Verfasser ist Fritz v. Ostini. Die begleitende Musik rührt wie bei einer scherzhafter: Angelegenheit sehr verständig, von Offenbach her, sie ist denrOrpheus in der Urttertvelt" entlehrrt.

Aha, denkt inan, also ist der Teufel mft im Spiele; ber der Entente eure sehr begreifliche Sache, nicht wahr'? Da schrvebt auch schor: der Vorhang ir: die Höhe, und wir sehen den überwältigend hagerer: urrd eroberurrgsgierige,r Lord Grey, rnit gut gespielter Dernut über ein dickes Gebetbuch gederegt. Ir: diesem,Die G. rn b. H." betttelten erster: Lt.kt geht die große Verschwörung vor sich. Lord Grey und John Bull körmen die Konkurrenz deutscher Tüchtigkeit und deutschen Meitzes rricht mehr ertrage:: urrd suchen nach einen: Grund, loszuschlagen. Der aus Deutschland stammende Diener Kaft^erl nruß die anderen Berschrvörer herein ge leiten der: zapplichen Deleass^ rind den rmirdiger: Russen Fürst Wodkasoft oder Wndkisuff. Sie beschießen den Krieg, lvolwi JvNr Butt für England die bescheidene Erklärung abgibt:Erobern wotterr rvir, die selbstlos frominen, so gut wie nichts bloß das, nurs ivir bekonrmcn!" Am unbesckieideiisten ist Italien. Es verlangt:Nach Norder: hin die Mpengrer:ze, etwa bis Berlin. Und fermer jeden Ort in jedem Larrd/ Wo jeumls ein Marornbrater ftand!" Sämtliche wilden Völkerschaften marschieren zur Hilfe auf, und nachdem mich .der Lügerttensel Horribiliseribrifax aus der Hölle herbeitelephoniert tvurde, kann der Krieg beginnen.

Der etrvas nmgere feux'itc lAkt zeigt, wie d<'r gute '' .rchel harrnlos den Feierabend gerrießt, ohr:e das sich drohend zusammen- ballende Gewölk zu bernerken. Erst als es vor seiner Nase bl:tzt