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waren ganz mütterliche Gedanken, voll treuer Sorge mrd stiller Vorfreude — was würde der Hans schimpfen, wenn Die Bescherung mit einem Male Pa war! Den schönen alten Schreibsekretär würde sie ihm auch abtreten — an dein mochte er dann all' das Köstliche schreiben, was er künfttg schassen würde. c
Die alte Kamille kam eine Viertelstunde spater ins Zimmer, um abzuräumen. Aber sie fuhr auf der Schwelle zurück: ihre jmrge Herrin lag mit Kopf und gefalteten Händen auf einem ausgeschlagcnen Buche und weinte so herzbrechend, so selbstvergessen, daß kein Laut aus der Außenwelt mehr ihr Ohr traf.
Die alte Getreue aber schlich ganz leise wieder hmaus, kopfschüttelnd, mit bebenden Knien, in wortlos tiefem, alles Verstehen.
5.
Marie ward sich's erst nach und nach bewußt, wie lvunderlich Kamilles Verhalten gegen sie sich von dieser Stunde an veränderte. Sie hatte heimlich, trotz allen Mutes, ein wenig Angst davor gehabt, was Kamille wohl zu ihrem Entschluß sagen würde, Hans Jmhofs einen Terl ihrer Möbel, ihres Silbers, ihrer bestell Tafelgedecke abzutreteri. r- Aber die Alte zuckte mit keiner Wimper, als Marie vrer oder fünf Tage später, nach Empfang eines eilig hingekritzelten Briefchens der kleinen Elfriede, zuerst davon sprach. Sie warf nur einen einzigere, kummervollen Blick in Maries abgewandtes Gesicht und machte sich dcnrn eiligst am Küchentisch zu schaffen — und das Klappern der Messer, die sie mit etwas zitterigen Häiiden zu putzen begann, übertönte -en Seufzer, den sie nicht zu unterdrücken vermochte. Dann, nach schwüler Pause, während der Marie ziemlich bangen Herzens am Fenster stand — und auf den Hof hinaus starrte >— und heimlich immer wieder nach der Alten hinhorchte, —> kam eine kurze, gleichmütige Bemerkung über die notwendige Besorgung eines neuen Messerputzsteins — und dann, ^hr nüchtern und geschäftsmäßig, die Frage, zu welchem Tage der Spediteur bestellt werden sollte.
Marie atmete unbewußt auf und ging mit froher Miene
S vorn. Geschickt und freundlich half ihr Kamille in den sten Tagen bei Auswahl und Verpacken. Sie sagte kein Wort dazu, daß es immer mehr wurde, immer Besseres und Wertvolleres —. — Marie sah ja so glücklich, so zufrieden aus dabei! Sie scherzte sogar wieder mit der alten Getreuen, zog sie ein wenig auf urrd wagte es selbst, den fetten, verwöhnten Puff zu necken. Und bei einer solchen Gelegenheit ftel's Marie nun doch auf, daß Mille ihre wechselnde Stimmung mit ungewohnter Milde ertrug.
„Du bist doch eigentlich schrecklich gut zu mir, Mille," sagte sie dankbar an oem Tage, an dem die reiche Sendung h~ ein ganzer, halber Möbelwagen voll —« an Hans Auhofs obging.
.ief von der Serie an.
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denn?" knurrte sie, halb vev-
Die Alte sah sie ,Lch? Unsinn! logen.
Marie lachte hell auf.
„Das war eben 'mal ein Klang aus früherer Zeit!" sagte sie munter. „Im allgemeinen bist du jetzt so sanftmütig und friedfertig, Millchen, daß mich's direkt beunruhigt! Ich erinnere mich dunkel, daß du schon einmal so nett zu mir warst — so schonend und rücksichtsvoll und nachgiebig — damals, als ich mit fünf oder sechs Jahren die Masern hatte! Aber an denen leide ich doch gottlob zurzeit nicht mehr —"
„Erwachsene Leute können auch noch Kirrderkrankheiten haben!" brummte Kamille und verließ eiligst das Zimmer. Marie sah ihr gedankenvoll nach.-i
Es wurde wieder sehr still um sie her, nachdem die freudige Arbeit des Auswählens und Jnstandsetzens, die lustige Unruhe des Verpackens uno Fortschickens vorbei war. Dann, nach ein paar Tagen fast atemlosen Erwartens, kan: Hans Imhoffs Brief. Ein Gemisch von sehr ernsthaften Vorwürfen und gerührtester Dankbarkeit — Elfriede schrieb sehr drollig darunter, daß der dumme Hans zuerst rundweg die Annahme habe verweigern, die ganze Bescherung zurückschicken wollen! Erst auf ihr inständiges Flehen, ihre Vorstellungen, daß er damit die gute, liebe Marie tödlich kränke, habe er sich erweichen lassen, das großmütige Geschenk anzunehmen. Diele Stiftung für ihren jungen Haris- balt, von der sie, Elfriede, ebenso völlig, ebenso grenzenlos überrascht sei als er-
Das war natürlich ein Scherz der jungen Frau. Sie wußte ihm ia schon länast gebeichtet haben, daß sie von
Maries Vorsatz gewußt hatte. Zum Schluß vereinigten sich beide Eheleute in der dringenden und herzlichen Wiederholung ihrer Einladung, sich sobald als möglich in dem jungen Haitsivesen sehen zu lassen, zu dessen Msstattung sie so wesentlich beigetragen hatte.
„Daß du so bald — und so oft — und so lange als nur möglich zu uns kommst —, das ist die einzige Möglichkeit, mich wirklich Freude an deiner überreichen Schenkung empfinden zu lassen!" schrieb Hans. „Du mußt uns das Bewußtsein geben, daß du wirnich zu uns gehörst, damit wir's tragen können, daß du uns sonst so viel gegeben hast — —■> Heute haben wir den vierzehnten Juli. Wenn bu nicht innerhalb der nächsten vier Wochen herkommst, kündige ich dir die Freundschast und schicke oir gleichzeitig den ganzen Krempel retour." —
Kamille sagte nichts, als sich Marie wirklich Anfang September, nach mehrmaligen dringenden Mahnungen des jungen Ehepaars, zur Reise in die alte Heimat mischickte. Kein Wort sagte sie, weder der Zustimmung noch des Ab- ratens. Marie hatte bestimmt das eine oder das andere erwartet. Diese stumme, melancholische Fügsamkeit reizte — und beunruhigte sie.
„Dar bist höchst langweilig manchmal, Kamille," fre* merkte sie schmollend.
Kamille ertrug auch das ohne Widerrede. Sie wurde immer schweigsamer. Und wenn sie Marie anreden oder ihr antworten mußte, geschah's mit Sanftmut, mit einer geduldiger: Nachsicht, die rhren Pslegling genau so launisch, ungerecht und ungeberdrg machte, wie vor über zwanzig Jahren — als die kleine Marie wirklich an ihrer KinoerkranA heit litt. sr=
(Fortsetzung folgt.)
Zur Geschichte des Gsterfeuers.
Bou Franz Pflüger.
GS ist das alte Bild in jedem Jahr, wenn wir unter den! Strahlen der ersten Frühlingssonne die starre Natur zu neueml Leben erwachen sehen, und doch schau«: wir es jedes Jahr immer wieder aufs neue mit frohem Entzücken. Und wie heute, so war es vor Jahrhunderten, vor Jahrtausenden, dem: auch unsere heidnischen Ahnen beseelte ein tiefes und inniges Natur geft'chl, und zu! keiner archeren Zeit äußerte es sich so lebhaft wie zu Beginn des Frühlings. Sic litten ja viel schwerer unter den Unbilden der rauhen Jahreszeit als wir. Erwachte endlich die Erde aus winterlichem Schlafe, wurden die Tage länger und wärnrer, zeigte sich das erste zarte Grün in Feld und Flur, so kannte der Jubel keine 'Grenzen. Frohe Feste ivurden gefeiert, mid vor allem grüßte die leben- imtf segenspendente Sonne mit mäMigen Freuden feuern. Sie warn: neben versck)»edenen Opfern der wichtigste Bestandteil dH- großen heidnisch-gernmni scheu Frühlingssestes.
Die Feuer galten unseren Vorfahr«: als Synibole des teuch!- tenden, lebenerweckenden Sonnenlichtes und als Synibole dev Licht- und Frühlingsgötter, die nach! lcrngeiü, hartem Kampfe dio froststarvenden Winterriesen siegreich in die Flucht geschlagen hatten. Gleichzeitig erhoffte man von ihnen aber auch heiligend« und reinigende Wirkungen. Mit der wiederkehrenden Sonne kamen nämlich nach altgermanisck)em Volksglauben auch die schädigenden und kvcnikl-eitbringeuden Dämonen wieder iit das Land, und diese mußten gleich beim Eintritt des Frühlings abgewehrt werden, damit sie Menschen und Tieren kein Unheil bringen und insbesondere! auf den Feldern, zu deren Bestellung man sich, eben anschickte, keinen Schaden anstifte:: konnten. Zur Llbwehr dieser muvillkom- urenen Gäste war aber nichts geeigneter als der Rauch heiliger Feuer; pflegten doch unsere heidnischen Ahnen auch bei jeder Besitzergreifung den neu erworbenen Grmld und Boderr mit Feucr- bränden zu umgehen, um das nun zu bebauende Gebiet zu reinigen und alle schädigenden Dämonen zu bannen.
Als die christlichen Sendboten ins germanische Land kamen, da fanden sie diese Feuersitten so fest eingewurzelt, daß au eine Aus- rottung nicht zu denken war. Sie ließen sie deshalb auch! ruhig bestehen und suchten sie nur nach! und nach ihres heidnischen Charakters zu entkleiden. So blieben diese Frühjahrs feuer nuferem Volke erhalten, und sie Haber: sich bewahrt bis herauf in rmsere Zeit, am' ursprünglichsten in den Teilen unseres Vaterlandes, die von nieder- sächsischen Volksstämmen besiedelt sind.
sttoch heute sammeln die Knaben in Nordthüriugen mit denk Rufe:
„Tie Kirche ist aus,
Gebt's Osterholz raus!"
alte Besen, Stroh, Hoh, Reisig und sonstige Brennmaterialien und schichten sie an eutcm herkömmlich gewählten Orte, meist einen: in der Nähe gelegenen Berge, um einen Pfahl herum zu einem hohen Turme aus. In einzelnen Gegenden Westfalens und ir: Olde:: bürg beftstigt man Teertorrrrer: auf strohum-m ekelten Tannen. Bein: Ein- smunnln sivger: die Kirider/.


