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amtliche Mitteilung, in der die Tagesbeutc eines U-Bootes in der Tat mit 51 800 Tonnen angegeben ward. <
Bon besonderer Bedeutung ist in der Schilderung Toyles die Art der Versenkung: sie entspricht völlig der seit dem 1. Februar d. Js. von den deutschen U-Booten angewandten Methode des Unterwassevcmgriffs ohne vorherige Wanrung. Conan Doyle hält dies für so selbstverständlich, daß er zur Rechtfertigung seines Helden an einer Stelle lediglich auf das Endziel des Krieges, auf die Verhinderung jeglicher Lebensmittelznfuhren nach England, Hinweisen zu müssen glaubt.
, Wie der Engländer gerade int Hinblick auf dieses Ziel eines entschlossenen Feindes über die Rücksicht auf die Neutralen denkt, das erhellt sehr deutlich aus jenem Abschnitt der Erzählung, in der Kapitän Sirius drei im Außenhafen von Boulogne, also inner- ball^cr französischer Territorialgewässer, lagernde englische Dampfer versenkt: „Was kümmerte ich mich um Treimeilenarenzen und internationales Recht! England wurde blockiert, alle Lebensmittel waren Konterbande, alle Schiffe, die solche führten, mußten vernichtet werden!" läßt er den N-Boots-Kommandanten sagen.
Bon hoher aktueller Bedeutung ist die Schilderung, wie der „norländischc" Kapitän einen amerikanischen Dampfer versenkt. Kapitän Sirius sagt darüber in seinem Bericht: „Richtig kam bald so ein Nachzügler daher, ein mächttg großer Geselle mit flatterndem Sternenbanner. Tie Flaggenfrage spielte aber für mich nicht die geringste Rolle, so lange es sich um ein Schiff handelte, das den britischen Inseln Konterbande zuführte." Ten Fachmann interessiert hierbei auch die Tatsache, daß der Amerikaner durch G e sch ü tz f c ne r versenkt lvird.
Wie eine düstere Vorahnung der ungeheuren Gefahr, in der England sich 'heute befindet, liest sich ein Stoßseufzer, den C. Toyle dein über seine Erfolge nachdenklich gewordenen Kapitän Sirius in den-Mund legt: „Himmel, in welcher Lage wäre England einem Feinde gegenüber gewesen, der über dreißig oder vierzig Unter-! sceboote verfügte!"
Mit prächtiger Anschaulichkeit erzählt der norländische U-Boot- sichrer ferner die Versenkung des 45 0O0 Tonnen Dampfers „Qlympic" der White-Star-Linie, der Passagiere an Bord hatte: „Als er etivn fünf Meilen weit entfernt war, tauchten wir, nur ihm dtzn Weg abznschneiden. Als wir ihm gegenüber waren, feuerten wir den Torpedo und trafen ausgezeichnet." Also eine regelrechte warnnngslose Torpedierung! Man erinnere sich des Geschreis, als am 7. Mai 1915» ein deutsches U-Boot uiitej ähnlichen Umständen den Eunarddampfer „Lnsitania" versenkte 91 550 Tonnen).
In der Toylcschen Erzählung berichtet Kapitän Sirius auch über die Einwirkungen seiner N Boot Kampagne auf den cngli- fchen Lebensmittelmarlr: Weizen, der eine Woche vor Kriegsausbruch 55 sh notiert hatte, stieg sprungweise auf 52, 66, 84, 100, Mais von 21 ans 97, 46, 60, 80, Gerste von 19 auf 99, 50, 62 11 ) 10 . Tie englische Regierung sah sich genötigt, zur Förderung der englischen Lebensmittelerzeugung eine Prämie ans den Einbau von Brotgctrei^' ansznsetzcn. Tie Versicherungsprämien bei Lloyds stiegen und drückten ans den Markt. Tie Preise für die notwendigen Lebensmittel schnellten in die Höhe, und die eugli scheu Minister appellierten au den Patriotismus des Volkes. Schließlich erfolgte Beschlagnahme und Verteilung der Vorräte wie in einer belagerten Festung. Ist das nicht eine, fast bis in alle Einzelheiten genaue Parallele zu den heute durch unsere U-Boote geschaffenen Verhättuisseu in England!
Und -noch eine andere ausfallende Parallele zwischen den Er eiguissen in der letzten Zeit mtb den von dem englischen Schrift steiler beschworenen Gespenstern darf hier Erwähnung finden: Am 1-0. April hat Kapitän Sirius in der englischelt Erzählung mit der Arbeit seiner acht U Boote begonnen: am 12. Mai tvar: „der Kanal nie ansgestorben". Tie deutsche Regierung konnte schon 17 Tage nach Beginn des verschärften U Boot Krieges nach den Berichten einer ganzen Anzahl von aus der Nordsee zurückgekehrtcr U-Boote mitteilen, daß in der Nordsee kein Handelsverkehr mehr anzntreffcn sei.
Gegenüber den von den englischen Ministern und in der eng tischen Presse erhobenem heftigen Anklagen gegen die barbarische 'grausame Kriegführung der Teiitscheu darf endlich auf eine Aeuße rung hingewicseii werde«, dieZö. Toyle ebenfalls seinein Kapi-äu Sirius in den Muud legt: „simpler Meuscheuoerstaud hätre den Engländer>j sagen müssen, daß der Feind sich derjenigen Kriegs- mittel bedienen würde, die am sichersten zum Ziele führen mußten
'und d-n, er nicht lauge fragen würde, ob diese Mittel auch erlaubt leien, sondern sie vor altem in Anwendung bringen würde - wir Hallen gm:.; Großbritannien einfach als belagerte -^ejlliing anznsehen, der Nur die Lebensmittelznsiihr unter allen Umständen zu uuterbiudcu 'hatten."
Es muß ansfalten, daß gerade ein Engländer seinem eigenen Vaterlande gegenüber als entschiedener Verfechter des in um? geschränkten U Boot Krieges ansrritt. Diese Tatsache ist an sich bei nahezu och ausfallender als der Zeitpunkt, in dem die seusacio nelle «-chrpt veröffentlicht wurde. Sie muß also einen sehr triftigen Grund und einen weiterblickeuden Zweck haben. Beide braucht mau nicht lauge zu suchen. Mau findet sie in den folgenden, ^ahelf, rir denen E. Doyle die wahren Absichten mit seiner Ber ofseutliilH'aug auch dem Unbefangensten erkenntlich macht: „Tie nnrkluheu Münder ivareu diejenigen fwlitische» und jonrnalisti
scheu Führer, die wie Begriffen hatten, daß ein England, das sich nicht vom Ertrag seines Bodens zu ernähren vermag oder wenig- stens einen T n n n e l nach dem Festland besitzt, durch deu Lebensmittel herbeigeschafft werden können, all' die Niesensummen für Heer und Flotte umsonst ausgibt, solange der Feind mu einige Unterseeboote besitzt, und Männer, die sie zu handhaben verstehen."
C. Doyle hat sich in seiner Broschüre als ein guter Propher erwiesen; hoffen wir, daß er auch mit einem anderen Wort Recht behält, das er den Kapitän der „Holländischen" ll-Boot-Flotte angesichts des unausbleiblichen. Sieges über England sprechen läßt:
„E n g l a n d w a r oft töricht gewesen — und un - gestraft geblieben. Diesmal war es töricht — und mußte den vollen Preis bezahlew England, du kann ft wirklich nicht erwarte n daß das Glück dir immer treu lbleibt und dich immer rettet!"
Ter Herausgeber der deutschen Uebcrsetzung von Toyles Schrift, der österreichische Kontreadmiral a. T. Schanzer, schrieb damals in seinem Borlvvrt: „Tie Schrift hat in allen Ländern der Erde ungeheures Aussehen erregt. Mer nirgends wird sie so aufmerksam gelesen werden, wie in Deutschland. Der müßte ein armseliges vertrocknetes 'Menschenkind ohne Einbildungskraft sein, der beim Lesen dieser merkwürdigen Prophetengeschichte von der großen Gefahr nicht allerlei .Träume träumte von unserem Sieg und ihrer Strafe, und der nicht am Ende des Buches noch stolzer wäre ans die deutschen U-Boote der Wirklichkeit und ihre Männer." Und an anderer Steller „Tie Erzählung wird in hundert Jahren eine Rarität sein...."
Ziir uns... .
Bon Kurl Tietz.
Jur letzleir Frühjahr war's.
'Zwischen leuchtend-braunen, schweren Ackerschollen sprießte das erste, jnugs rische Grün der Wintersaat. Ein paar Feldhühner schwirrten erschreckt von meinem Schritt auf, ganz drüben am Waldrand stieg ein kleiner, grauer Vogel mit jup-eüldein Singen zur Sonne empor. Und überall — zwischen den braunen Furchen, auf deu kleinen Grasstticken dazwischen, zwischen den abgeholzten Bäumen drüben — .überall geschäftige, arbeitsrege Menschen. Wie ivenn Friede wäre, tiesster Friede — nur, daß — — ja, nur eine« war anders als früher: die dort arbeiteten im Schweiße ihres Angesichtes, die dort lurter ihrer Arbeit keuchten für tausend Und abertausend Andere, Fremde — das waren jetzt Frauen, waren Kinder und alte, jahre-gebeugtc Männer. Wo sonst die Männer leicht und froh den heimischen .Boden bebauten für Weib und Kind - da rangen jetzt Frauen nnd Kinder und Greise dem Boden sseiue Schätze ab für sich und die, die in den Fabriken und Hochöfen standen wich Stahl gossen zu rettenden Geschützen mid Granaten drcl ien an surrender Bank und für all die Millionen Andere in den Städten — für uns.
Tann war's im Herbst.
Ueber slU.hl ge schwängerte, endlos tveite Kornfelder zitterten die Somiensttahlcn wie lange, feine Goldfäden. Ueberall in dem lveiten, wogenden Aehrenmeer klang ein Rauschen, wie wenn der Wind leise spielend die WetlÄn der See zum Strande wirft: die Sensen, die in arbcitsharten Händen durch die Halme sausten, llnd weiter hinten, wo das Auge hiusah: Frauen und Kinder, die im Sonnenbrände die Garben banden und schichteten. Die den Segen »loudelanger 'Arbeit znsa'mmMtNlgen — für uns.
Und noch etwas sah ich.
Jin Rheinland drunten. In Westfalen. In den Hütten und Zechen und HochöftN und Schmelzereien. . . . Bleiche, abgezehrte Gesichter, müde und matt von schwerer, lichtarnier Arbeit. Frauen und Männer und solche, die fast noch Kinder waren. . . . Die täglich in das Getöse und Gehämniere und den Qualm und Rauch sogen, um mir ihrer Hände Arbeit die eiserne Mauer bauen zu helfen, die in Ost und West und rings um Deutschland stand. Menschen, die in unerschürterlicher Arbeitstteue ihr Höchstes brach tc.i - wie die. Bauern draußen im Sonnenbrand und all die tausende und abertausende im grauen Rock drinnen und vorm Feind: für uns ....
Was inst denn Du? Hast Tu Deine Schuld fd>on wett gemacht? Jetzt kannst Tn es. . . Tein Geld kämpft auch mit, hilft dem Reiche siegen!
vermischtes.
* K r i e g n n d .S o n n e n fl e ck e. Was haben Krieg und Sonnenflecke miteinander 'zu tun? Anscheinend nichts. Ücboi- raschender weise scheint nun aber mehreren, daß eine Periodizität der Kriege und anderen Erscheinungen Hand in Hand mit der der sonnenflecke geht. Jur ersten Kriege!obre hat der schwedische Ingenieur Enström in „^eknisk Tidskrisl" eine umsa,'igre!cl>e Arbeit veröffentlicht, in der er einen Zusammenhang zwischen den Perioden der Souneuslecke und anderen meteorologischen Erschein«« gen aus der einen und Ernten, Lebensmittel preisen, Bevölleruugc lchwaukungrn, Bau von Eisenbahnen und S Kissen, Welthandel und allen möglilhen anderen Dingen auf der anderen Seite aus-


