„Ich muß euch doch erst'rasch eilte Erfrischung holen —"
Haus hielt sie am Aermel fest:
„Laß nur — wir haben eben erst gefrühstiickt! Wir Wollen einzig dich genießen!"
„Aber Ihr sollt doch — ein Glas Wein znm mindesten, ein paar Erdbeeren — — Ach!" Sie setzte sich plötzlich wieder hin. „Kamille ist ja noch nicht vom Markt zurück! Sie bringt das Obst erst mit — und den Kellerschlüssel wird sie wohl auch bei sich haben."
„Na, siehst du," mahnte Hans gutmütig, „da kannst du dich also zunächst ruhig uns widmen. Tsn mußt uns schleunigst erzählen, wie's dir seit unserer .Hochzeit ergangen ist. Das ist ja schon über ein Vierteljahr her — denkt bloß, ihr beiden! Wir sind ein uraltes Ehepaar, Elfe und ich. Elfe erzählt mir das jetzt alle Tage."
„Damit du's nicht vergißt," erläuterte das jultge Frauchen würdevoll. „Ich muß ihn eilt alles erinnern, Fräulein Marie, er denkt rein an gar nichts mehr!"
„Na, erlaube mal, Krnd. Das ist doch —"
„Bitte, w er hat daran gedacht, daß )vir keinesfalls' durch Berlin fahren dürften, ohne Fräulein Marie zu besuchen? Du oder ich?"
„Du-aber ich hätte das natürlich auch noch getan!
Es ist dir nur zufällig zuerst eingefallen!"
„Zufällig! Sie wissen gar nicht, wie oft ich an Sie gedacht und von Ihnen geredet habe, liebes Fräulein Marie! Hans muß mir das bestätigen."
„Ja, das ist wahr," gab Haus ernsthaft zu. „Else hat manchmal richtig Sehnsucht nach dir gehabt! Sie hat unzählige Male von dir gesprochen."
„Da sehen Sie's," rief seine Frau triumphierend. Marie blickte sie ganz verwirrt vor Beschämung au.
„Sie sind — sehr nett — Frau — Imhoff," stotterte sie.
„Nein, das geht aber nicht, daß ihr euch so steif anredet!" rief Hans lachend. „Wo wir beibeu uns von Kindheit an duzen, Marie — — das beste wird sein, ihr schließt auch Brüderschaft."
Marie stand rasch auf.
„Nein," sagte sie hastig, abgebrochen, „das — das ist — nicht nötig. Das — geht nicht gut. Aber wir können uns! ja — wir können uns ja — mit Vornamen anreden — mit Vornamen und Sie!" Sie blickte ganz befriedigt ob des günstigen Ausweges auf. „Aber jetzt — jetzt muß ich wirklich erst mal Nachsehen, ob Kamille nicht zurück ist! Mir war's eben so, als ob ich sie hörte!"
„Ich komme niit Ihnen, liebe Marie," sagte Frau Elfriede liebenswürdig. „Ich muß mir doch Ihre ganze Wohnung besehen —i; — ich brenne j.a darauf! O — ein Eßzimmer haben Sie auch! Und so ein schönes! Ein bißchen eng nur, nicht wahr? Das machen die vielen schönen geschnitzten, alten Möbel! Das Büfett ist ja ein Riese! Wozu brauchen Sie das nur? Nein, sich mal: ganz voll Gläser und Geschirr und Silberzeug ist es! Ja, Sie haben's gut, liebe Marie? Siv haben's bequem und — billig gehabt, sich einznrichten! Wir müssen uns nun erst ein eigenes! Heim gründen — und müssen altes zusammensparen und anschafseu."
, „Vielleicht katut ich Ihnen dabei ein wenig behilflicl sein —" sagte Marie zögernd.
Die junge^Frau blieb mit aufteuchteiiden Augen stehen „Behilflich? Sie meinen -?" J j
„Wenn Sie Hans bestimmen könnten, mir wenigsten En Teil der Eßzimmer-Einrichtung abzunehmen! Si haben recht, es ist wirklich zu eng hier, und ich brauche Ptat Zudem stehen auch noch Tische, Schränke, Stühle, kurz alle moguche auf den, Boden — eine ganze große Kam nur vol! Hans muß ernsehen, daß diese Riesenmöbel besser für ein größere Wirtschaft passen."
„Sic smd ein Engel liebste Marie!" jauchzte Elfried, Sie umhalste Marre und sah sich dabei vorsichtig „ach de geschlossenen Wohnzimrnertür um. „Wissen Sie, was ie mir eben ausgedacht habe?" plauderte sie'dann fröhlic wahrend sie neben Marie den Korridor zur Knch hrnabfthritt. „Sre schicken uns die Sachen einfach, ohne Hai'' öu fragen - wenn sie erst da sind, mich er sie schon behalte,', .ircht wehr? ^oust beleidigte er Sie ja geradezu'" .„F'arre stimmte erfreut zu. „Das ist ciu herrlicher Eiu faU! ruf sie. „So werdeu wir's machen! Sie müssen mi Äblch vchre Sldresse schicken, sobald Sie gemietet haben Ober haben Sre das schon?"
„Ach, Sie wissen ja noch nicht, Ivo wir uns niederlasse,
wollen! Wir sind noch gar nicht zum Erzählen gekommen. Hans hat so große Pläne vor — —"
„Die kann er mir nachher selbst erzählen, wenn wir wieder drin sind," unterbrach Marie, nicht gerade über-
mäßia höflich. „Hier ist nieiue alte Kamille, Elfriede-
und dies ist Hans Jmhoffs Frau, Mille. Du mußt uns gleich Wein und Kirchen und Erdbeeren mit Zucker ins Wohnzimmer bringen."
„So? Muß ich?" knurrte Kamille —, —. Mißtrauisch blickte sie auf die fremde, schöne, junge Dame, die so freundlich zu ihr sprach. Ihr runzliges Gesicht hellte sich nicht auf, trotz aller Liebenswürdigkeit, die der Gast au sie verschwendete. Und Frau Elfriede dachte, daß die Dienerin vortrefflich zur Herrin passe. — —
Sie kehrten ins Wohnzimmer zurück, wo Hans im Erker saß und sein eigenes Buch offen in der Hand hielt. Marie lief errötend auf ihn zu.
„O, du hast es gesehen!" sagte sie verlegen und machte eine Bewegung, als ob sie ihm das Buch entreißen wollte. Er klappte es lächelnd zusammen und legte es aus das Tischchen zurück.
„Du bist einzig tu deiner Art, Marie —■ auch hierin!" spottete er gutherzig. „Jede andere Jugendbekaunte hätte mir eine schmeichelhafte Karte geschrieben, worin sie mich um ein neues Werk anbettelt! Du — du kaufst es dir —1" „Ich kaufe mir immer, was ich lesen will," sagte Marie sehr b,rz. Sie warf dabei einen scheuen, schuldbewußten Blick in der Richtung, wo, auf der Diele draußen, die bewußte Truhe stand. „Aber nun erzähle mir lieber, lvas du jetzt vorhast, Haus. — Deine Frau wollte mir schon 'was davon sagen, aber ich hör's lieber von dir selber."
Sie faßen nun alle drei wieder um den runden Sofatisch; Kamille trug mit mürrischer Miene einen sehr appetitlichen kleinen Imbiß und Wein in alten, schönen Kristallgläsern auf. Haus aber entwickelte in behaglichen, Plander- tou einen Teil seiner Zukuuftspläue.
(Fortsetzung folgt.)
Der gute Tauchboot-Prophet.
Von Fritz M a ck.
Lord Haldaue, vor dein Kriege einige Zeit Kricgsminister in England, Mt in jener Epoche einmal geäußert: „Ein Feind Englands wird eigentlich nichts anderes zu Inn brauchen, als uns unsere! Leb en s inittelzu f, chr ,aözn schneiden." Zu jener Zeit begann man in England auch, eben inr Hinblick ans das für die britischen Inseln im Falle eines Krieges so wichtige Ernährnngsproblem, den Gedanken eines Tunnels unter dem Kanal nach den, Kontinent zu erörtern. Tie Schüsse in Serajewo im Juni 1914 waren eben verhallt, da erschien im Juliheft der Londoner Zeitschrift „Stvand- Magazrne" eine Veröffentlichung, die unter dem Titel „Die Gefahr" mit stärkster Anschaulichkeit und mit einem Aufwand von nacht gewöhnlichen technischen Kenntnissen die Lage schilderte, in die England gerät, l'vienn irgend eine feindliche Macht die LebenS- nnttelznfnhr nach den, Jnselrcich durch Unterseeboote verhindert. Ter Verfasser dieser aufsehenerregenden Schrift war kein Geringerer als Sir Arthur Conan Dohle der durch seine Sherlock- .Holmes-Geschlchten in der ganzen Welt bekannt gewordene eng tstche Schriftsteller.
Tie im Verlag von Robert Lutz (Stuttgart) erschiencna dcuftche Ueberjetznng der Dohleschen Arbeit*) gewinn, durch. den inzwischen in Kraft getretenen unbeschränkten deutschen N-Boot- Krieg ein besonders aktuelles Interesse, das dadurch gesteigert wird, daß der englische Schriftsteller sich als genauer Kenner der U-Boot
u ^uuiut iui, uit nai nviicyen oen einzelnen Iateir des Kapital, Sinns in der Erzählung Conan Doyles und dei, tatiächlichen Ereignissen dieses Weltkrieges ziehen lassen, und die der prophetischen Einsicht des pMntasiestarken Engländer« em glanzendes Zeugnis ansstellen.
Mit einer Flottille von nur acht Unterseebooten läßt Dohle den Slapitaii Sirius, den Angehörigen einer in der Erzählung „Norlaud benannte,', kleinen, europäischen Macht den Anshnnge- rnngsrricg gegen England beginnen.
. Jetck.am ersten Tage seiner U-Boot Tätigkeit gelingt es dem Kap!tan Liilns feindliche Tainpfcr von zusanimen .90 000 Tonnen zu versenken. Man. erinnert sich, daß das Ergebnis unseres U-Boot- Krieges am eriten -vage, mit 42 000 Tonnen, nicht weit hinter vieler gewaltigen Ziffer znrückblieb, da); dieie dagegen an einen, anderen ^age „nt -92 000 Ton,,eu. sogar noch übertrofsen worden. Taß aber,auch ,n Wirklichkeit ein einziges U-Boot zu einer wichen Leiittuikg imstande ist. bewies eine vor kurzem erfolgte


