Pechmarie und Hans im Glück.

Die Geschichte einer Jugendfreundschaft von C. v. D o r n au. Nachdruck und Ucbersetzungsrccht in frentbe Sprachen Vorbehalten.

(Fortsetzung.)

Da war's ihr geradezu eine Genugtuung, wenn sie von Zeit zn Zeit mit einem besonders gelungenen Gericht, einem kleinen Geschenk schöner Früchte oder dergleichen ,,obni" er­freuen konnte. Es glückte ihr auch noch ein paarmal, Fraulein Meta in augenblicklichen Geldverlegenheiten auszuhelfen was die stattliche Künsterin immer mit einer Art gekränkter Würde entgegennahm, um es gleich darauf mit zartestem Feingefühl wieder völlig aus der Unterhaltung auszumerzen. Fräulein Fiddi beizustehen, war noch leichter. Die kann ein- fach von Zeit zu Zeit tränenüberftrömt zn der neuen Freun­din ihrer Seele gestürzt, ihr das Leid zu klagen, das erbar-- mungslose Lieferanten, zahlungsunfähige Pensionäre, hart­herzige Steuerbolen über sie verhängten.

Sie zog jedesmal rasch getröstet, wohl versorgt davon. Und teilte die Eigentümlichkeit ihrer inlposanten Meta, der­artige kleine Gefälligkeiten Maries mit wunderbarer Leich­tigkeit zu vergessen. Eine Angewöhnung, die Marie das Geben zu ihrer Freude unaussprechlich erleichterte.

Kamille sah den Verkehr, von dessen finanzieller Seite sie nichts ahnte, im ganzen nicht ungern. Ihre so geliebte wie tyrannisierte Herrin fand ja Vergnügen daran. Und die beiden Damenvon oben" sahen über Frau Camilles häu­fige schlechte Laune mit b ew n n d e r n n gsw n rdig er L iebens- würdigkeit hinweg. Schließlich schloß Fräulein Fiddi auch noch innige Freundschaft mit KamiltesPuff" eine sel­tene Erscheinung, denn Puff besaß, gerade luie seine Wohl­täterin, bedeutend mehr Gegner als Anhänger. Puffs Zu­neigung zn Fräulein Fiddi Molls Kuchen und Zuckerstück­chen gelvann der kleinen Schauspielerin auch Kamilles streng behütetes Herz.

An einem heißen Sommermorgen, Ende Juni, erhielt Marie endlich das lang erwartete Werk .Hans Jmhoffs als eben erschienen" von einer der zahlreichen Buchhandlungen zuaesandt, die sie damit betraut hatte. Sie packte ihren Schatz andächtig ans und hielt ihn mit einem weichen, wehen Gefühl in beit Händen, wie etwas, nach dem man sich allzu sehr gesehnt hat da schmerzt die endliche Erfüllung beinahe! Sie trug das Buch in ihre liebe Leseecke im Erker. Es war kühl und still in der kleinen Parterre­wohnung. Kamille hatte sich auf den ziemlich entfernten Wochenmarkt begeben. Marie schlug das Buch auf, sammelte sich wie zur Andacht und las mit gefalteten Händen, was' auf dein Titelblatte stand.

Aus Posten!"

Lebenslauf eines Kämpfenden."

Da schellte es. Sie fuhr empor unwillig, bestürzt. Nein, sie würde nicht öffnen! Sie wollte sich diese Meihe-

stnnden durchaus nicht nehmen lassen. Aber da klang die Glocke jutn zweiten Male, Heller und schärfer uoch, und sie erhob sich nun doch verdrießlich, um einmal durch das kleine Guckloch in der Korridortür nach deni lästigen Eindringling zu spähen. -

Nur einen Blick tat sie hindurch; dann flog die Tür zu­rück, mit einem jauchzenden Schrei von ihr anfgerisseni

Hans!" rief sie und hielt seine beiden Hände.

Er lachte über das ganze Gesicht, während sie sich kräftig die Hände schüttelten.

?as war eine gelungene Ueberraschnng - nicht?" fragte er:Elfe wollte dir vorher schreiben und uns bei dir anmelden aber ich dachte es mir gleich hübscher, dich einfach zu überfallen!"

Elst'! Marie blickte sich noch ganz verwirrt um.Rich­tig! Deine Frait! Mo steckt sie denn?" fragte sie rein ge­dankenlos.

Da klaitg das Perlende Silberlacheu hinter ihr. Elfriede war au ihnen vorbei in die Fturdiele gehuscht und sah sich neugierig uni.

Es ist aber sehr hübsch bei Ihnen, liebes Fräulein Marie," rief sie.

O, dies ist ja mir Die Diele," erklärte Marie eifrig. Ihre Augen glänzten, ihr Herz hüpfte vor Freude. Sie riß die Tür zum Wohnzimmer auf, machte eine stolz einladende Handbewogung - : noch nie war sie sich ihrer behaglichen Häuslichkeit so froh bewußt geworden. Die Freude ließ sie

ungewohnt hübsch und jung erscheinen-Frau Elfriede

betrachtete sie mit weitanfgerissenen Augen.

Sie sehen ganz anders ans.-Ich hatte Sie gar

nicht mehr so recht im Gedächtnis!" rief sie, sich jäh ver> bessernd. '

Marie wurde ernst, stand wie erschrocken still, besann sich:.

Ich Sie auch nicht mehr gar nicht mehr" gab! sie 'achoenklich zltr Antwort.Ich hatte zuerst gar nicht an <ie gedacht, als Hans plötzlich da war j-f'

Sie blickte grüblerisch ans, unsicher, wie die junge Frau ihre schrankenlose Offenheit aufnehmen würbe. Wer die hatte gar nicht hingehört; sie flatterte neugierig ins Zimmer hinein, sah sich nach allen Setten um und irgend etwas au ihr erinnerte Marie plötzlich an Fiddi Molls ersten Besuch und an die pickenden Augen von Elfriebeus Mutter--

Hans trat nun auch ins Zimmer, nachdem er die Korri­dortür sorgfältig zugemacht.

Ei, wie kühl ist es hier!" rief er erfreut.Das tut wohl wir haben eine schreckliche Fahrt gehabt gestern, und die Nacht im Hotel war auch alles andere, als schön. Ich freue mich, daß du's so behaglich hast, alte NLarie." .

Wenn man so schöne, feine Möbel und Sachen hat, ist das kein Wunder!" erklärte seine Frau und befühlte kritisch den Plüschbezug des hochlehnigen Sofas. Marie nötigte zum Sitzen, aufgeregt und etwas ungeschickt. Sie selbst sprang gleich wieder in die Höhe.