Ausgabe 
26.3.1917
 
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Vermischte-.

* E leklris ch e r S t ro m a u -> v u l ka u i s ch o it D ä m p - '^Ahl 'Nmgngcl in Italien hat zu zahl veichon 'xn'rjmfren ne führt, bic swaktifche Bedeutnng der Kohle wr nigstens teilweise zu ersehen. Ans dieser No-twcndigkci! entstand die letzt in. größerem Umfang un. 1 enwimnene .Herstellung von ctck trischenr Strom ans vulkanischen Dämpfen, über die die Umschau interessante Eurzelheilen rnüzuteilen weiß. Tie Versuche, die in Italien an vielen Orten aus Erdspalten strömenden heißen Dämpfe gewinnbringend zu vcNvcrten, veick)-en bereits längere Zeit zurück. e>te Umrben unter Leitung und auf Veranlassung des Prinzen Ginori Conti bereits irr Jahre 1903 in der Gegend um Larderello begonnen, wo auf eül-em mehrere Quadratkilometer lveitcn Gebiet niächtige Strahlen heißen Wasserdampfes mit reicheni Borsäure- tzehalt auffteigen. In einem Rohrleitmrgsnetz mit Röhren von 20 bis 40 Zentinieter Durchmesser aufgefangett, ergeben diese Dampfmengen einen Druck von 2 bis 3 Atmosphären, von 150 bis fast 100 Grad. Tie praktische Verwertung wurde damit be­gonnen, daß man den so gewonnenen Dampf auf eilt Schaufelrad leitete. Einige Zeit später diente der Dampf bereits zu in Antrieb einer Kolbeiidampfmaschine, die mit einer Dynamom-afch ine ver­bunden ivar. Ta die angeführten Versuche sich als erfolgreich er­wiesen, tvurde dann im Jalire 1905 eine Kolbendampfmaschin-e von 40 k8 aufgestellt, und zirxlr tvr der Erdspalte Bonella, aus wel­cher stündlich 5000 Kilogramm Dampf von 5 Atmosphären und einer Temperatur von 160 Grad entströmen. 1912 wurde bei Vergrößerung der Anlage eine Dampfturbine in Verbindung mit einer Wechselstrom-Dynamomaschine von 300 ?8 zu Beleuchtungs­zwecken ausgestellt. Tie Kohlennot gab nunmehr die Veranlassung, die elektrische Kraft dieses Werkes so stark wie möglich zu er­höhen. Dazu dienen drei Turbinen mit Wechfelftrom-Dhnamo' Maschinen von 300 Kilowatt. Da die vickkanis.chen Dänrpfe un­günstig ans das Metall der Turbinen wirken, werden sie mir zum Heizen der Siederöhrenkcsfel benutzt: der Dampf, der die Turbine ipeist, wird mit ldeni Kondensationswasser derselben Turbine erzeugt, während die natürlichen Dämpfe nach Erfüllung ihrer Heizpflicht der Boraxindustrie nutzbar gemacht werden. So werden durch die Hilfe der vulkanischen Dämpfe von Venella die Städte Volterra, Sienna, Ceeina, Livormo und Florenz mit elektrischem Strom versorgt.

Altenglische Re k r nt i e r u n g sme tho de n. Als iec galt, Lord Kitcheners Freiwilligen-Heer für diesen Krieg auf die Beine zu bringen, griff rnan zu den seltsamsten Werbemitteln, um die Reihen auszuftMen. Man schreckte dabei auch nicht vor Künüjeu zurück, die in deutscher Sprache wohl am besten als Bauernfang" g'Kennzeichnet lverdeu können. In der guten alten Zeit Alvr mache man sich die Sach viel leichter. Im Jahre 1596 mm' es eines Tages Königin Elisabeth in den Sinn, zum Entsatz, von Calais, das damals von den Spaniern belagert wurde, unver­züglich 1000 Mann über den Kanal au senden. Es fehlte ihr freilich an diesem dringenden Heeresersatz, fte Mißte sich jedoch zu helfen/ indem sie dem Lord Mayor und den Atderman oer Londoner City zu wissen'gab, sie müsse ans der Stelle 1000 Mann haben. W war am Ostersonntagmorgen. Ohne sich einen Arrgenbttck zu be­denken, ließ der Lord Mryor alle Kirchntüren besetzen und aus dm KirchMbesuchern, als diese den Gottesdienst verließen, 1000 Nxassenfähige Männer anssuchu, sofort militärisch einkleiden imd ausrnsten. Roch am Abend desselben Tages befand sich die ver­dutzte kauin zur Besinnung gekommene Schar auf dem Wege nach Dover. König WilHelm II. von Englaird, gencnrnt Rusns, be­fand sich einst in der Normandie im Kriege mit seinem Bruder Robert. Eine Verstärkung konnte er freilich gut gebrauchen, aber viel dringender hatte er zu einem besonderen Zweck Geld nötig. Da verfiel er auf einen genialen Gedanken, wie er es sich chnl schuelllteu und sichersten verschaffen könnte. Er sandte den Befehl nach England, mit möglichster Eile 2000 Manu auszuheben: die gentittelteil stände sollten dabei vor allem berücksichtigt werden. Zle mit überraschender Schnelligkeit vollzählig zusanriuengebrachterr Leute l mndm im mittelbar vor der Einstellung, als der königliche Schatzmeister ihuen im Namen seines Gebieters erklärte, jeder, dtn 'ich mit 100 Schillingen freikanfe, könne auf der Stelle heim- kehren. Nicht ein einziger aus der ganzen Truppe verzichtete auf diese Vergünstigung", wie Wilhelm Rusus richtig voransgesehert hatte, so daß er mit den 20 000 Lstrl, einer für jene Zeit sehr be­deutenden Summe, die Franzosen zum Rückzug zu bestechen ver­mochte.

* Kohlen für Paris. Ein bezeichnendes Beispiel dafür, wie wenig 1870 die Regierimg in Paris den Notständen ab- zu Helsen wußte, ist der Vorfall, von dem das neueste Hest desBuch für Alle" (Union Deutsche Verlags Gesellschaft, Stuttgart) erzählt: Deutsche Heeresinasseu rückten 1870 vor Paris. Tie neue Regierung stand vor großen Fragen. Element DuvernoiS sollte ioic- Hauptstadt Mit lallem versorgen, hvas zu.m Ansftalten nötch erschien. Als seine Ernennung zu diesem Amt bekannt wurde, brachte die Pariser Presse allerlei anzügliche Artikel Adan er- ciünnerte mi einen Mininer, der nach Sedan zum .Heer geschickt wnrk-e: er verstand nichts von militärischen Dingen, wiederlMü I aber unermüdlich:Mau muß in großen Massen marschieren, '

meine Herren, gehen Sie in großen Pgasseu vor." Auch Tvm>er- uors rauste alles ingroßen Masstn" TM l^ißt, er glaubte nach dwsem Grundsatz durch eine Art Gingebnng zu dairdcln. Er setzte such mit einem der Großgrubeubesiner in Verbindung, um die Festung nnt Steinkohlen zu versorgen. Würdevoll sagte der Hau- delsmniister:Wir brauen Steinkohle. Ganze Massen Stein­kohle: die Kohle ist das Brot der Industrie."Von welcher Sorte wnnsckien Sie? ES gibt dreierlei Sorten," sagte der Großkaufmann und zahlte ihre Eigenschaften ans.Sehr gut," erwiderte Tuver- now also ein Drittel von jeder Sorte."Und wieviel bedürffm Sie davon?" Ter Organisator nannte eine Zahl, die den Indu­striellen lächeln machte: er warf ein:Das dürfte der Verbrauch ernes Arges in Paris sein."ÄH! Wirklich?" rief der Ministjor überraschtNnn, dann besorgeir sie so viel, als man nliterbringen kann. Adan muß diese Worte wohl '.licht in ihrem vollen Umfang erlassen vermocht haben, denn schon im November erfroren die sänglmge rn ihren Küssen.

dßchrrtlsch.

Unter Habsburgs Banner von Oberst Alois V e l tz 6 und Oberleutnant Dr. Paul Stefan (Verlag von Ullstein n. Co., Berlin). Dem Direktor des f. u. F. Kriegsarchivs und Kom­mandanten des .Kriegspressequartiers Generalmajor von Hoen ist dreses Buch zu geeignet, das der rühmlichst bekannte österreichische Militärschriststcller Oberst Veltzö und der- Oberleutnant Dr. Paul Stefan geschrieben haben. Neues Material über die großen Ge­schehnisse an den Fronten, -über die Zusammenhänge der- einzelnen Kriegshandlungen stand ihnen zur Verfügung. Mit überzeugen der Sachlichkeit stellen sie die Leistungen der tapfereir österreichisch- ungarischen Wehrmacht ans sieben Kriegsschanplätzen dar, im Schnee und Eis der Hochalpen, am Isonzo, im montenegrinischen Karst, im schlämm dev serbischen Marva, in der Bnkowina, in Galizien, in Russisch-Polen, im Bewegnngs und im Beharrungskampf: und wie zu Lande, in der Luft und auf dem Meere.

Christaller, Helene, Die unsere Hoffnung sind. Ein Buch von jungen Menschen, die den Krieg erlebten. Mit Buchschmuck von Heinrich W i e y n k - Dresden. Zweite Auf­lage. Vornehm yebunden 4 Mk. K. Thieneinaims Verlag, Stntt- gavt. Dashohe Lied der Liebe" möchte man dieses Buch nennen. Lisbe in des Wbrtes edelster Bedeutung. Als Kennerin des Mäd- chenherzeiks, spannend und mit feinem Verständiris für das Enips Enden der Leserinnen hat Helene Christaller hier geschildert, wie unter der Pflege eines in wahrer, lebendiger Liebe sich zingetaniei« Elternpaares gesund «enipftndendc Kinder erblühen, wie innige Freundsck-aft das beranreifende Jungvolk veMndet, wie die um ein verlasseiies Kiirdchen sich sorgende Liebe der jugendlichen Heldin caese zur Höhe edelsten, reifsten Frauen- und Menschentums hin- ansührt.

Der Fall Deruga. Roman von Ricarda Huch (Verlag von Ullstein n. Co., Berliil). In den Münchener Scknvur- gerichtssaal führt dieses neue Werk der Dichterin Ricarda Huch. Es handelt sich jimt. den Prozeß gegen den Arzt Dr. Tornga, der angeklagt ist, seine vor Jahren von ihm geschiedene Frmr durch mt schnell svirkendcs Gift aius der Mit geschafft zu haben.

Rätsel.

Es ist ein hohes, herrliches Wort,

Es klingt wie ein himmlischer Festakkordl Hat sieben Zeichen, die im Verein Schließen der Völker Sehnsucht ein.

Leicht wird des Rätsels Kern erkannt,

Werden die Zeichen anders verwandt.

4 31 6 2 beseelt gar viele,

Zu dringen zu der Ganzen Ziele.

Doch 1 42 36 7 gibts nicht im Krieg,

Ta heißt es nur: kämpfen bis zum Steg!

Wir hoffen, unser Sieg ist nicht 14 2 7 Schon sind die Rassen zuriictgetrieben; Rilmänen und Serben sind niedergerannt, Die schwarzen Berg' und das belgische Land Nahmen ivir rasch mit stürmender Hand.

Und jeder Tag weiß jetzt zu melden Von Taten unsrer U-Boot-Helden.

Sie zahlen dem tückischen Albion Nun endlich heim den verdienten Lohn.

Sie zivingen's bald 7 34 5 63,

Das Weltmeer wird von dem Tyrannen frei! Tie andern 1 43 7 56 gar bald Erliegen dann unsrer Waffen Gewalt.

Wir werden ans unseres Sieges Schwingen Der 42 56 das Ganze bringen.

(Auflösung in nächster Numm«.)

Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Friedenshoffnungen.

Echrfftlettung: Fr. Ze cz. Zwillingsrunddruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießrp«