Ausgabe 
26.3.1917
 
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Pflug gespannt. Ihr wißt gar nicht, wie gut ihr's habt." Jawohl, Gebrüder, ihr wißt nicht, wie gut ihr's habt.Draußen," schreibt mein Heinrich,werden die Menschen durcheinander gewürfelt: Preußen und Hessen, Bahern und Schwaben. Und lernen sich kennen und achten. Und Helsen eincurder."

Wie is es bann hier? Crnzling siHt jeder auf seinem Hof, legt Kick) die Bibel aus, wir's ihnr paßt imd spricht:Bleibt mir von meinen Kartoffeln!" Und das in dere schreälichje Zeit! Ich mein', Eeweil hört die Eigensucht auf, alleweil heißt's» sich unterordnen. Wer das net begreifen tut. der soll's von unseren Soldaten lernen. Ihr seid bet euern Buben draußen mit eurer Augst und Anhänglich- Alt rmd denkt: das is genug. Nein, das is net genug. Eure Minder tun draußen ihre Schuldigkeit, ihr habt daheim auf dem Vollen $11 stehen. Ich weiß wohl, da is mancher, der glaubt:'s geht auch ohne mich!" Nein, Freund, 's geht nicht ohne dich. Sie brauchen dich. Ihr müßt's gespüren, .wie lieb euch euer Vaterlarrd is, müßt wieder jung rverden dadebei. Worum dreht ftch's dann? Net um euer Hab und Gut, 's dreht sichwdadrnm, was aus euern Kindern und Enkeln werden soll. Das stell sich nur Mer vor. 's gibt ja Menschen, denen bauen die Spaßen ins Ohr und sie werden's net gewahr. Ja, guckt nur dick drin. Ihr wollt euer Geld auf die Sparkasse legen? Das tut net nötig. % mag kommen wie's will, ihr spielt Nummer Sicher, das Deutsche Reich steht ^ fest wie Ziegenhain. Die reichen Kauflent imd die Munitionslieferanten, sprecht ihr, müssen heran. Das is gewiß. Ihr aber auch. Ta is reins von euch, das net Geld auf Interessen hak. Und euer Klapperkveuzer für's Vieh? Macht mir doch die Ginll net scheu. Zwei Ochsen gelten etz viertausig Mark. .Ihr braucht euch weiß Gott net zu beklagen. Denkt emal an die Städter. Denen fressen die Spaßen kein' Weizen mehr. Da seid ihr meinem Bednnk nach doch besser dran. Euer Born schöpft sich! sobald net ans. DonnerkränLche, du kannst ruhig nochemal zeichnen. Solang deine Frau Kuchen backt, schätz ich, geht's euch net schlecht. Draußen gnckeir eure Kinder auf euch. Ihr wollt doch! net, daß sie euch anspncken müssen. Also net geknickert und die Beutel gefegt."

So macht der Eisenkrämer sich Luft. Man kann nicht sagen, daß er die Geige der Bauern gestrichen hat, er hat geredet, wie's chm ums Herz gewest ist.

In die Gesichter kommt Bewegung, die finsteren Mienen hellen Ach auf., Stimmen werden laut:

Wir geben ja >gern!"

Das sehen wir ein, das Geld muß ebei, sonst.fischen die ld-Boatleut net vorn."

Ms der letzte ergreift der Bürgermeister, ein eisgrauer Mann, das Wort. Er spricht ruhig und würdevoll:

Ich w'ußt', daß die neue Krieasanleih' kommt. Sie hatten mtr's von oben zugcblasen. Besser wie der Eisenkrämer könnt ich's Alch netJruseinanderlegen. Wenn der das Maul auftut, kriegen die W-' c ' : Besuch. Was Ivahr is, is wahr, der Eisenkrämer is ein ofsener Kppf. Ich sein ein so gestirnter Mensch, ich geh in die Stadt und reichen. Ich schätz, ihr auch. Das is eure beilige Pflicht! Sonst spricht man als: viel Köpf', viel Sinn'. Meweil is die Parole: Me für einen, einer für alle. Macht euch einen Knopf in sie Nas': Wer zeichnen kann und net zeichnen tut, der hat Nir Wrig si'tbs Vaterland! (Frkf. Ztg.")

Weidenkätzchen.

Endlich scheint die Kämst dieses hartnäckigen und langwierigen Winters nun doch einmal gebrochen und, nach alter Erfahrung zu schließen, werden jetzt die Boten des Frühlings in um so schnellerer Folge erscheinen. W'cidcnkätzchcn ist der erste unter ihnen. Ehe noch die groge Schar der Frühlingsblumen sich hervorwagt, finden die Insekten, dre am frühesten im Jahr« fliegen, schon einen reich- gedeckte Tisch: Me vionigdüste haucht die Saalweide ans, die am zeitigsten im Jahre ihre silberbepelzten Kätzchen entfaltet. Ein jeder kennt sic, bei näherer Betrachtung sieht man, daßl alle aufrecht stehen, und wenn man rinte größere Gruppe blühender SaalweweN vor sich hat, so wirken die vielen gelben Mütenstände sörinlich aufdringlich. Gingchendere Betrachtung zeigt, daß die Saalwei.de zwei Arten von Blüten bat, die ans verschiedene Pflanzen verteilt sind: die auMstger aussehenden mänickichen Blüten enthalten die leuchtend gelben Staubbeutel, die unscheinbaren, wEicherr dagegen grüne Stempel. Bienen, Käser und Zw>eiflügler, die auf der Hvnia- suche nacheinander die verschiedenen BMen besuchen, bestäuben sich an. der Unterseite mit ferm Blutenstaub und tragen ihn auf die weiblichen Blüten. Wie die Saalweide, die bekannteste, verbreitetste und an: zeitigsten blühende Waidurart, machen ihre zahlreichen Ge­schwister: die LMden sind die einzigen unter unseren Kätzchen- Lügiern, die auf Jnsektenbesuch rechnen während alle übrigen ihreni Blütekchtanb dem Winde anvertvauen. ES barwelt ssih um eine recht

Brofsssor SubMg Klein kn seinem BucheUnsere Wäldbäume Sträncher und ZwergholMewächse", das in der ausgezeichneten Sammlung naturwissenschaftlicher Taschenbücher" (Carl Winters UnrversitätsbuchbanÄung m Heidelberg) erschienen ist. Es gibt im ganzen etwa 160 Weidenarten, und mtuÄcntb 30 davon sind bei uns ziemlich ckllgeme-in verHxecket oder werden anaebüut. Bei allen; Weiden smd die Mßchenschirppen ganzrandia: die Blicken hMn eine

gelbe, schuppensörmige Honigdrüse oder deren zwei, die mtnuüichen gewöhnlich zwei, selten drei oder fünf Staubgefäße. Tie Blütezeit erstreckt sich vom März bis in den Juni hinein. Fast so zeitig wie die Saalweide, bereit Blüten im Mm z und Alkscil.züfinden sind^. erscheinen die der Schimmel- oder Reisweide; es folgen gleichfalls im März und April blühend, die Bruch- oder Knick! veide, die Pur- pnrweide, die Korbweide, die Aschwei.de, in der gleichen Zeit, oft aber bis in den Mai hinein, blüht die Silberweide, April und Mai sind die Blütenmonaten der Mandelwerde, und als letzte beschließt die Lorbeerweide, die im Mai und JIM blüht, Heu Reigen. Die Weiden sind bald Sträncher, bald Bäume, die, \vk die Silberweide tcr ^?he erreichen können. Die Kätzchen sind vielfach so auf­fällig, wie die der Saalweide bei der die männlichen bis 'dl Zenti-- meter lang imb 2 Zentimeter dick, die lveiblichen bis 6 Zentimeter lang und 16 Millimeter dick werden, bald sind sie erheblich kleiner, wre dre der Ohrtvckide, die nur halb so groß wtckrden. Eine scheiw- bare Ansnahuie bildet im Blütenban die Pnrpurw'eide, die ihren Namen nach der Farbe der Staubbeutel trägt: das eine Staubgefäß, das man beim oberflächlichen Hinsehen in der Blüte zu finden ver­meint, besteht in Wirklichkeit aus zwei Staubgefäßen, die bis zur Sprtze miteinander verwachsen sind. Die Lorbeerweide, ein mittel- hoher Strauch, selten ein großer Banne, zeichnet sich dadurch ans. daß ehre männlichen Blüten, die 7 Zentimeter lang und 1,5 Zenti­meter dick werdet 5 Staubgefäße und manchmal nach mehr, bis ru 10 enthalten, ^ mArend man in einzelnen Wstten nur deren 3 landet Die Schimmelweide, auch Reifweide genannt, ist es. biePalmkätzchen liefert, die vor dem Aufblühen in einen Silberpelz langer Haare eingehnttt sinh.

Mettbuchblätter für Httedrnrzerten.

, gewiß nicht unangebrachte Warnung vor Ueberschäßnng

ausländischer Leistungen auf Kosten der einheimischen sind«: &-s ueuesten Band IberBibliothek der Untechaltrmg und irt Msseiks". (Union, Deutsche Verlagsgesellschast Slultgart).

Ehe es einen rechtlich«: Schutz des gefftigsn Eigentums in der Welt gao, tvnstte England nicht lvenig ans dem Wege gewöhnliche -vrebstahls zuerfinde-i". Im Jahre 1854 schrieb Professor Hassen- stern in der damals angesehenen ZeckschriftNatur und Knnsl" über den Rand, den eine große englische Verlagsanstalt an einer Er­findung des Regierungsrats Aster von der Wiener Reichsdrucke-ei beging:

nr unglaublich, lvie viele dsntsche Ersindnngen so in

Englandsaufgehen' Viele Deutsche verkaufen für einige hundert oder tan;end P,nnd das Geheimnis, uub von drüben geht die Er--- sindnng niiter dem Namen des englischen Patentinhabers auch, nach wird bei uns als Ergebnis des unvergleichlichen k?OlM'en GenieZ für Mechanik belvnndert. In einem Bericht über die Münchener ^nduslrieausslelktuig lvnrdc eine Erfindung als nur in England möglich laut gepriesen, die ein Deutscher machte. Es fit reiner Götzendienst den wir m it Jo hn Bn ll t r e i- ben. Man liest patristische Betrachtungen darüber, daß der ^eut,che mmt genau arbeiten könne, und der erste Reißzeugfabri- kaut m London, von dem alle großen Ingenieure ihre Werkzeng-s kaufen, ist Deut;cher, der nur feine Landsleute beschäftigt.

Bel uns lebt ein ganzes Geschlecht von unglücklichen Erfin­dern und ein dazu gehöriges Ge;<bleck,t voii englischen .Haifistheli das sie ausznplündern versteht, Schwindler, die ihnen die Er- fuichlngen ckbzufragcn, sie durch betrügerische Kontrakte zu fanaen- verstehen, Agenten, die ihnen angeblich Abnehmer suchen '.vollen und nichts als unmäßige Rechnungcii bringen. Durch solche Men­schen wird ui an newinndiiennzignial in hundert Fällen an'Gcm-rcr P.^ten. Eigentümlich englisch aber ist die Kaltblütigkeit, mit der sie Erfindungen sich aneiguen, ohne sie zu kaufen. Während sie W selbst durch enorinc Strafen gegen Verräter und Anstander Me Geheimnisse zu schützen suchen, mißbrauchen sie rücksichtslos das ehrliche Entgegenkommeii, mit dein ihnen deutsche Einrichtungen/ gezeigt werden. So !var es auch mit Auers Erfindung gemacht Mitglied der englischen Großdruckerei besuchte die kaiserliche Druckerei jn Wicni und Ivnrde ziivorkonunend einpfangen Bald ergab sich, daß die Werkleute bestochen nwrden waren; auf die Erfindung nahm die Londoner Firma ein Patent

sAn solchen Dingen ist bi« deutsche Tagespresse schuld, die sich wenig um gewerbliche Ersil>einnngen bekümniert. sie nur mager und unpopulär behandelt Tie geringfügigste Erfickunq in Eng­land wird dagegen ausführlich beschrieben und laut gepriesen Aus den Zeitrmgen gehen unsere Berichte in Reisehandbücher und aichere Werke über Englmrd über NNd der deutsche Reisende sucht sie überm K^nal auf, bewundert sie, demütigt sich vor dein angeblich englischen mechanischen Genie-und.hat am Ende nichts gesehen, als was er zu SPtfr « Esten Nahe gehabt hatte, ivenu auch in kleineres Maßstab. Was aber ist das eigentlich Sehenswerte, besonders für emVolk bmi Denkern", der Gedanke selbst oder die kolossale WiSführung?"

o -.^Ll mirbc Üüc entern halben Jahrhundert geschrieben.

past nrbchte Man Voraussagen, daß wir nach dem Frieden wieder m Unfern Fehler fallen, erst bewundern, !vas uns auf llmwegen , schunden" tznkonünt.