Ausgabe 
21.3.1917
 
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Hans Jmhoff befreite den Jugendfreund schließlich und führte ihn lachend »u Marie. Während dre derben aus- toärttgen Gäste sich stumm, aufatmeud, die Haube druckten, blickte Hans suchend umher:

Wo steckt denn aber Else?" fragte er laut.

Ich werde sie gleich holen gehen," entschuldigte,bte

Mittler;sie hat f*> viel ;u tun gehabt, daß sie erst spät -Ulli Anziehen gekommen ist." . , . . »

Und ein vorwitziger kleiner Schwager prepte m das Momentane allgemeine Stillschweigen hinein:

Friede hat doch nichts getan, die ist doch me fertig< die trödelt ja immer so!" ^

Der junge Mann wurde sofort von seiner Mutter mrt Beschlag belegt und in einer Ecke ernsten Ermahnungen unterzogen. Hans ging selbst die Braut holen.

Sie mußte wohl sästm von seiner Ankunft gehört hab-eri, denn sie kam ihm lächelnd und errötend im Korridor enb- Kegen. Durch die offen gelassene Tür der Putzstirbe beobach­tete jung und alt schmunzelnd die stumme, aber zärtliche Begrüßung des Brautpaares. Dann führte Hans sein Mäd­chen am Arm ins Zimmer hinein und stand stolz und strah­lend neben ihr, während nun alles sich ihr zuwandte und laut und leise die in zartes Rosenrot gehüllte kleine Braut

bewunderte.

Ja, wie eine Rose sah sie selbst aus, mit dem sanften Er­röten, den weichen runden Bewegungen, dem bräutlichen Dufte von Reinheit und Unschuld! Sie erblickte jetzt Marie und kam mit ausgcstreckten Händen auf sie zu.

Wie soll ich Ihnen danken, liebes Fräulein Marie!" flüsterte sie.Diese wunderschöne, prachtvolle Silberschale. Wie Sie sehen, hat mein Hans gleich Rosen holen müssen, um sie damit zu füllen sie steht ganz in der Mitte des Gabenaufbaues sehen Sie? Sie soll uns immer, immer an Sie erinnern"

,Ja alte Marie du hast dich gewaltig ange^ strengt!" sagte Hans, der seinem Bräutchen gefolgt war. So ein wertvolles, herrliches Geschenk. Du hast mich geradezu beschämt damtt, wahrhaftig."

Unsinn!" Marie errötete unwillig.Red' bloß nicht solch' Zeug, Hans, ich bttt' dich. Die Schale hat mich übrigens nur das Aufarbeiten gekostet. Sie stammt von Onkel Poldewitz. Ich wundere mich, daß du sie nie bei ihm gesehen käst er ließ sreilich sein Silberzeug nicht viel herum- ftehen. Du hast eigentlich geradezu Anspruch auf die Schale und noch viel, viel mehr es ist mir unbegreiflich, daß er dick) derartig hat benachteiligen können von Rechts wegen müßte alles zwischen uns geteilt werden."

Jetzt war es Hans, derUnsinn" sagte und heftig pro­testierte. Marie sah die kleine Elfe an, die sehr gespannt zu- hörte:

Es wäre nur gerecht, wenn Hans wenigstens die Hälfte vom Silber und Geschirr und den Möbeln bekäme," sagte sie in fast bittendem Tone, so, als ob sie die Braut zum Beip stand anwerben wollte.Mir steht der ganze Bodenraum voll und so viel köstliches Tischzeug und Bettzeug Hab' ich, daß es für hundert Jahre ausreicht! Wenn Hans davon was nähme aber so vernünftig ist er ja gar nicht."

O, w'enn ich ihn bitte, am Ende doch!" rief die kleine Braut. Sie schmiegte sich an Hansens Arm und sah schmei­chelnd zu ihm auf.Ich \viü ihn sehr, sehr schön bitten, liebes, gutes Fräulein Marie."

Du mußt nicht so scherzen, Elfechen," sagte Hans leise tadelnd.Sieh Marie an, was sie für ein Gesicht macht sie ist imstande, dich völlig ernst zu nehmen! Du kennst sie eben noch nicht genug < sie ist nun 'mal ein bißchen ehst- pußug und schwerfällig, das gute Ding, und kann sich's gar Nicht vorstellen, wenn man mit so was Spaß macht."

Mber fte macht ja gar keinen Spaß! Sie meint es ja ernst!" rief Marie eifrig. ,

Hans ließ den Arm seiner Braut fallen und trat einen Schritt zurück.

... -Sw hat gescherzt, uiid der Scherz ist nicht ganz glüc l«t) gewählt," sagte er sehr bestimmt.Soviel ich weiß, solle wir letzt zur Kaffeetafel ins Eßzimmer kommen und nachhr beginnen die Aufführungen der Kinder. Es wird ungeheui großartig werden. Fritzchen hat mir anvertraut, daß er se sieben Wochen an seinem Gedicht lernt. Nicht wahr, Fritzel?

' Qrc fmg den jungen Mann ein, der sich neugierig zw scheu den Festgälten herumdrückte, und setzte ihn trotz Geschr und Gezappel auf einen hohen Schrank. Seine Braut fa: ganz nahe an Marie heran, um sich ihr in dem allgemeine

Durcheinander verständlich zu machen, und blickte mit ihrem weichen Lächeln zu ihr auf, vertrauensvoll:

Wir reden später noch einmal darüber nicht wahr, liebes Fräulein Marie?" zwitscherte sie.Hans ist manch­mal ein bißchen schroff Männer sind das so leicht Sie dürfen ihm deshalb nicht zürnen! Ich verstehe es ganz gut, daß es Ihnen unangenehm sein muß, all die schönen Sachen allein bekommen zu haben, die Sie doch zum Teil gar nicht gebrauchen können. Hans muß das doch auch einsehen."

,,Das wird er nie tun er ist ein Dickkopf!" seufzte Marie betrübt.Ich kenne ihn zu genau, er gibt nie nach!"

Meinen Sie?" Durch das Lächeln des rosigen Kinder- gesichtchens zuckte momentweise ein schärferer, fast stechender. Strahl.Ihnen vielleicht nicht aber ich denke, ich werde schon allerlei bei ihm durchsetzen! Eine Braut eine junge Frau das ist noch ganz was anderes, wie so eine beliebige Jugendfreundin nicht wahr? Nein, mein liebes, liebes Fräulein Marie" das kleine Mädchen war plötzlich wieder ganz schmelzende Liebenswürdigkeit,seien Sie überzeugt, daß Sie eine treue Verbündete an mir haben werden auch gegen den bösen Hans, wenn es not tut!"

Der böse Hans kam in diesem Augenblick, um sie zu holen, und sie hüpfte an seinem Arm davon, nicht ohne« Marie vorher schelmisch eine Kußhand zugeworfen zu haben. Die Hausfrau selber holte Marie an den Kaffeetisch.

Sie ist noch das richtige Kind, unsere Friede, nicht wahr?" fragte sie wohlgefällig.Sieht so aus und benimmt sich so när haben sie leider 'n bißchen arg verzogen, weil sie eben doch unsere hübscheste und niedlichste ist. Ich wußte auch immer, daß sie noch 'mal 'ne sehr gute Partie machen würde, und ich Hab' meinen Mann getröstet, wenn er so'n bißcl>en ungeduldig wurde, weil ein Jahr nach dem andern verging, ohne daß 'was zustande kam und schließlich Hab' ich wirklich recht behalten!"

? -rau Wiedenbrinck lachte freudig triumphierend, wäh­le Marid auf den Ehrenplatz an der Spitze der Kaffee­tafel nötigte. Die ehrliche Marie zerguälte ihr Gehirn nach ein paar freundlichen Redensarten, die, wie sie wohl emp­fand, von ihr erwartet wurden. Sie bekam am Ende nichts weiter heraus, als die ziemlich kühle Bemerkung:

,,So übermäßig lange haben Sie ja nicht warten brauchen, meine ich! Fräulein Elfriede ist doch höchstens neunzehn Jahre alt!"

Neunzehn Jahre!" Die stolze Mutter legte eine kleine, feiste Hand auf Maries Aermel und neigte sich vertraulich, flüsternd zu ihr:Friede ist gut und gern sechsundzwanzig Jahre alt!"

Grad' so alt wie ich!" rief Marie hocherstaunt.Das hätte ich aber nie und nimmer für möglich gehalten!"

Es macht das Aeußere," versicherte Frau Wiedenbrinck sehr freundlich.Das macht nur das Aeußere!"

(Fortsetzung folgt.)

Kleingärtner heraus!

Von Wolf gang Hagenbach

Vor zwei Jahren, im Vorfrühling da die Werbearbeit für den kriegsmäßigen Kleingartenbau znm efften Male einfetzte, mochte es häufig scheinen, als werde allzu viel Aufhebens vom Nutzen des Gemüseanbaues im Kleinen gemacht. Was soll, so hat vielleicht! manck-ec sich gedacht, dabei Großes herauskommen, imut hier und dort im Borland der Städte ein paar Beete mehr bepstanzt und besät werden? Durch derlei werde die Lage auch nicht gebessert!! Nun, es dürfte in Deutschland heute nickst mehr viel Leiste geben, die die Bedeutung des Kleingartenbaues für unser Ernährungs- Wesen rmterschätzen. Kecklich latb obne einer Uebertreibimg sich schuldig zu nmck-en, darf gesagt werden, daß Laubenkolonien und Kriegsäcker ihren rechtsckmffenen höchst beträchtlichen Anteil an frei; Vereitelung der Aushungerungs Pläne der Entente haben. Ge­wiß, es ist mit der Ernte der paar schmalen Rabatten nickst eben! sehr fruchtbaren Landes das bisher unbebaut lag und erst! i-etzt zju Ehren kam, ohne gleich alle Erwartungen zu verwirklichen, die es versprach bisweilen nickst weit her gewesem Gin paar negiere Koylköpfe, ein paar Rüben sei's durm! Zur Be°i ftellnng des Tischers für einige Tage reicht der Ertrag doch auch und das heißt imnrerhin schon etwas in dieser Zeit. Und dann 2 Beschert das einzelne Gärtchen gleich nicht übermäßig viel, nimmt! Nlün die vielen keinen Ergebnisse insgesamt, so stellt sich! her- Mcs. fraß es sich doch «nt recht wesentliche Faktoren handelt. Nein, es kann keinem Einsichtigen mehr cinfallen, am Wert des deutschen Klein gart enweckes irgend wie zu zweifeln. In der Geschichte dieses gewaltigsten aller Kriege toird im Rahmen der Darstellung des Wiesens rmd Aushaus unserer düahrmrgSmlttelversorgnng auch das Schaffen der Kleingärtner dereinst dankbar gewürdigt iverden.

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