Ausgabe 
17.3.1917
 
Einzelbild herunterladen

Das Bild Deiner Braut ist so schön, wie ich noch nie was gesehen habe.

Ich stecke seit einer Woche wieder hier und suche Woh­nung allein, denn Mille könnte ich nicht dazu gebrauchen, selbst wenn sie wollte. Sie denkt aber gar nicht dran. Sie Kat eingewilligt, zu mir zu kommen, aber nur unter der Be­dingung, daß sie ihren Hund mitbringen darf. Er heißt Puff" und ist ein alter, bissiger, überfütterter Wolfspitz, grad so fett, wie Mille mager ist. Sie hat ihn mal irgend­wie vorn Verhungern gerettet und zu sich genommen und kann sich nicht mehr von ihm trennen. Natürlich wäre das Geschöpf in einer Berliner Fremdenpension vier Treppen fyod) undenkbar; deshalb ist Mille vorläufig daheim ge­blieben. Heute vormittag ist es mir gelungen, eine Wohnung zu finden. In Friedenau, wohin ich ans Versehen gefahren bin, indem ich einen falschen Ringbahnzug bestieg. Ich Hab' sie eigentlich nicht genommen, wert sie besonders schön oder preiswert ist, sondern die vermietende Hausbesitzerin einen ungewöhnlich glatten Redefluß, eine besonders glänzende Anpreisefähigkeit besitzt. Um des Hundes willen mußte es eine Parterrewohnung sein diese ist noch dunkler, wie Parterrewohnungen in Berlin sonst zu sein pflegen. Um Mrlles willen, die leicht friert, ist s ein' m t Zentralheizung verabscheue; ich schlafe z. B. mit Vorliebe ganz mit Aber ich denke, im Winter wird diese Heizung schon von selbst einfrieren. Der Portier sah mir ganz danach aus«. Es wird also wunderschön werden, und die Hauptsache: Wir können sofort einziehen, die Wohnung ist leer, hat bisher augenscheinlich iuinier leer gestandeii. Wir sind die ersten, dre den Mut haben, hineinzuziehen.

Die Adresse: Friedenau, Rosenstraße 7 falls Du mir mal wieder was zu schreiben hast.

Cs grüßt Dich und Deine Braut

Marie Krumpa."

(Fortsetzung folgt.)

hindenburg und die deutschen il'assikr.

Eiirzlich wurde darauf hingewiesen, daß ein Hindenburg, und zwar der Mathematiker Karl Friedrich (17461808) vor über hundert Jahren zu den Berühmtheiten der Leipziger Hochschule gehörte. In emer hübschen Mitteilung über diesen Gelehrten die E. Cbstnn soelren in der ,,Zeitschrift für Bücherfreunde" Verlag von E. A Seemann rn Leipzig) verö fentlicht, wivb darauf hin- gevnesen, daß aus den Andeutungen, die Hindenburgs Bruder Beru- hard in seinem Buche über den Feldmarschall gibt, der Zwämweir- hang der bürgerlichen Hindenburgs, denen jener Begründer der Kombmatorrschen Analylrk angebörte, mit der Familie des Feld- hewrn wohl als wahrscheinlich anzunehmen ist. Der Mathematiker Hrudeuburg stand mit Bürger in Beziehung, von dem' ein Brief an ihii veröffentlicht ivorden ist, uird er gehörte zu dem Bekannteut- kreise seines Götttnger Kollegen Lichtenberg'. Un den Briefen die dre beiden Mathematiker gewechselt haben, waltet der fachmännische Inhalt vor, doch verbandet ste in den Jahren 1778'79 auch gemein- literarische Interessen. Dan,als war Hindenburg int Alter bon 38 Jahren melufach für längere Monate in Güttingen als Hofmeister und ^ "er unes Herrn v. Schönberg, und wie Li'ch- teit.ie.g tvar auch Hmd nburg Geg-ier Lavatrs; dies beweisen zwei O^d'lchte,' . r in den Göttinger Musenalmanachen von 17/9 und 1780 verolse'itlrckste und die Lichtenbergvortrefflich" fand. Hindenburg hat sich auch sonst dichterisch versucht und im von 1778 als poetisches Denknial auf Haller eiu GedichtHaller - veröffentlicht, dessen einzelne Lüge er mit wenigen Ausnahmen, wie er selbst hervorhob, aus Hallers all- gemein bekannten Adrchten genZonnen" batte. Aus Hindenburgs spaterer Leipziger Zeit ist mancherlei bekannt.. Der Physiologe Karl Friedrich <mrdach erzählt tu setner Selbstbiographie, daß, er in

src,*l ; r ; f lu v . r l ^omviilaronscy-en Analysis

trotz einiger U n beholfen he it^ ferne Experimente in der Regel ^cer kenßt iu seiner äußeren Haltung als ein pedantischer Stubensitzer erschien, in der Gesellschaft aber Witz und Laune bewies. Als Burdach dann im August 1798 in Leipzig promovierte, ergötzte er sich in einer Piause daran, wlie seine Era- mmatoren über die Geringfügigkeiten des Lebens im stpifen Tone der Znnstgelehrten sich unterhielten, wobei unter anderem Hinde, ^gan den zeitigen Dekan Beck, der ein kleines Lmrdgut besaß die Frage richtete:Sind bei Eurer Spektabilität die Kartoffeln

KeistsiudÄ^^^^""?^ hindenburgs zu Heinrich von o kürzlich des näheren besprochen worden. Kleist, der damals an seiner TragödieRobert Gniskard" arbeitete, fand bei boaeä Verständnis und überhaupt einen väter- \ { ± n Ilgens war Hindenburgs Urteil wohl sehr ge-

^ ^ Setjgiger Universität ein Gutachten abzu- geten, wami das neue Jahrhundert feinen Anfang nehme, und

Hindenburg entschied dahin, daß es am 1'. Jänuar 1801 beginne. Das zu Leipzig 1809 erschienene Verzeichnis seiner Bibliothek be­zeugt seine allgemeine und umfassende Bildung.

Oerris<chtes.

Von Ra spntin, dem schwärmerischen Mystiker am russischen Hofe, erzählt Dr. Freiherr von Mackay in der März« nummer von Velhagen & Klasings Monatsheften in höchst an­ziehender Weise. Wir wollen »oenigstens einige Abschnitte seines Aussatzes wiedergeben. Vor Ial-rzehuten lebte in Pokrowskoje, eiuem weltabgelegenen. armen Markt st ecken im Tobolsler Gebiet, ein heruntergekommener, wogen Diebstahl und recht schmuHiger, -anderer Vergehen iviederholt vor Gericht abgestrafter Bauer, G'Jporr, ^esiNMwitsch. Einmal ivar er wieder auf der Fahrt nach der Kreisstadt, um such höheren Orts über ihm zur Last fallenden Verdacht des Rückfalls in alte SündlMftigkeit zu ver- anttvorten, als er in der rumpligdn Postkutsche mit eurem Protoleregen" ins Gespräch kam. Um sich Mut für die Aus- erna, d rsetzung m t Seiner Gnaden dem Herrn Richter zu inuchen, hatte er der Wodka flasche reich ich zugesprochen; in der Halbnar- kste milde"nder Umstände beichete er dem hohen geistlichen Herrn fern laste-chrftes Leben. Der empfahl ihm., als wohlwollender und nrklernluch denkender Menschenfvennd, zur Buße-Geld für eine Kirche, die er barien wollte, zu sammeln, und dieser Rat brachte tatsächlich reichen Segen in des Sünders Haus. Er wurde von Tag , zu Tag nicht mir wohlhabender, sondenr auch frömmer freilich rn seiner Art. Sein Haas wurde der Tempel von seltsamenWeihe- seüen". Offene pietcr brannten nächtlicherweile im Hof, und darüber und darum l,er sprangen und tanzten, be'end imd heilige Lieder siage-d. Gri'orijs Freundinnen, um sich nachher bei verschwiegenen Ga g"la^en von der anßrengenden Frömnrigst'its Übung zu erholen. Loch te Ich, wilrde der Metropolit auf das Treiben aufmerksam und sandte eine der berühmten russisch mRevisionen" nach PolrowA- roie.. Eigener Art scheint die Antwort gewesen zu sein, die der erzbi ch'iflich? Abgesandte hei mb rackste: Grigorst hatte eben bereits eine zahlreiche Gönnerschaft unter Damen ivie unter Geistlichen, die Mitgcnießer seiner Kirchengeldersamrnlrmg waren, um sich geschart und so dafür gesorgt, daß am Mantel christlicher Liebe, der sciu Loündemoackistum zudeckte, keine Elle gespart wurde Die Bahn für neue Taten auf den Arbeitsfeld russischer Seelen- rettung inar also frei. Sie verlief zunächst nach verschiedenen Nur- enttö'tern, dann aber gerade-v-gs nach Petersburg. An der Reaa Island ein .Kreis gelangwerlter Hofdamen, deren ..meta- phn i ckwn Bedürst'i'sen" es nickst mehr genügte, sich bei Kartew- sck, ageun--en R-ts über ilw Schicksal zu holen oder von Pariser Scharlatanen G-ister des vierwn Raums sich vorführen zu lassen, deren er ck/affttw Gaumen nach diw^e-er Kost begehrte Tie Führerin ^ckwiisei'- i 'e i Klubs, die'Gräfin Jgnatieff, hörte von dem st i'-'-'ven Muschi?, Mis dem Frau Fama einen ländlichen Adonis r « und ließ ihn ans Gnpseblung und durch Vermittlung des " i ^'.oss Warnaiva schleimigst nach der Hauptstadt konimen' Die Enttä 'schimg ivor runäM nicht gering. Denn der Ankömmling zeichm-te s'ch allerdings tmrch bäuerliche Kraft und D-erbh-nt aber auch durch Unmanierlichkeit und jeden eldmikliehen Mangel an Kftrderstube a"s Jnd ->i als er, Messer Gabel verachtend mtt den Händen aus dem Teller essend, m den erschrockenen Goimerrnm-' verlangte, daß n'e ihn die fettgewordenen Füiger sanber küßten, was als Zeickimi der Demur und Sinnbild der Herrensreimgung eine erbte Bedingung des Erlösnngsw-erkes sei batte er gewonnenes Snel. Süch-r Kaviar für Hu Da wen lmtte ledenwsss den Nerz ^e>- Nenartiaknt ilnd ließ außerordentliche Er- warch -e> für die Lnhmft erhoff«!. Es ist der reine Roman, der sich m d esnn Lebe 'de des geschickten Schoindlers vor unseren Augen abrollt.

± a ö£ e l e p h o n a l s K n g e l f i n d e r. In einer großen Anzahl von französische»! La-aretten. sowohl im Innern des Landes wie auch an der Fvont. ivsird jetzt das Telephon nH Hilfsnrittrk bewutst. um die von .Geschostchl .l-errühreuden Metallstücke im Körper von verwundeten Soldaten aufzufiuden. Blau bedient sich dazu eines Apparates der auf dein Gesetz der Induktiönswoa>e beniht Der ?brzthört" den genauen Ort, wo sich irgend ein- vAetallstückchen im Kraukeu befindet, ab. indem er mit einer kleinen beweglichen Rolle den Körper des Kranken abtastet und gleichzeitig am Telepdsn lauscht. Wenn die Rolle in die Nälw des verborgenen wc-etallstückchens Kormnt. so wird naturgemäß, das elektrische Gleich­gewicht des Systems gestört und am Telephon nnrd ein Ton gehört der am kräftigsten an der Stelle ertönt, an der- da- Rteta>lstück emged. ili-gen ist. Der Apparat besteht aus zwei mmMetischeu Rollen, dre aus einer Platte beseitigt sind. Sie sind mit der kleinenSonde" verbmrden die aus zwei von einem Hartgurnmiaehüuse umschos- senen Rollen besteht. Gleichzeitig steh'w die Magnetrollen rn!) ement Telephon rn Verbindung. Um die Töne im Telephon »n erzeugen, rp ern mit einer Batterie geladener Vibrationsapparak verwenret. Nach dem Gesetz der Jnduktionswage kanri man den in deni Lelephon gehörten Klang dadurch neutralisieren saß. srrnn di? woagrietrollen rn die richtige Entfernung zueinander bringt

w ^ e n l st bittenen M e e r s ch w e i u cd e n. Wer der nnncyi war. day der in E'.rova bekannte berlige Bnreankratius in Limerika keinen Eililaß erbalten bälte. tvird durch eine voi»»