Ausgabe 
14.3.1917
 
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toortet, uut> der un-ermMühe Boisseröe hittte nicht unrecht, wenn er Goethe dies vorhielt. Tn kam der Unmut des Alten aber erst recht zum Ausdruck. Er bekannte, daß ihm das Wesen und Treiben der Münchener Schule, die sich freilich in ihren Zeitschriften über die Alte-Herren-Kunst in Weimar zutveileu respektlos äußerte, recht verdrieße. Ueberhaupt hat sich seine Verstinmrung gegen die Na­zarener, wie es scheint, in seinen letzten Lebensjahren. nur noch gesteigert: fort er doch damals trinmphierend ans gerufen:Sie sehen endlich doch ihre Lehre begraben.."

Im ganzen ist also das Verhältnis Goethes zu Cornelius als das einer nur durch einzelne Anlänfe unterbrochenen Mlehnung zu bezeichnen. Goethe war eben nicht mehr der Straßburger Jüng­ling, sondern er war der Mamr, der sich in Italien endgültig zum Klassizismus bekehrt hatte, der in Winckeliuann und der Antike den alleinseligmachenden Weg der Kunst sah, und der überdies von Müeyer in seiner Abneigung gegen, alles, w>as in der Kunst nicht ganz rechtgläubig lvar, stets warnt erl-alten wurde. Cornelius seinerseits hat sich trotz aller Enttäuschungen in seiner Verehrung für Goethe nie erschüttern lassen. Er chrt einmal gesagt:Es geht Goethen mit uns, wie der Henne, welche Enten ausbrütet. Nun, wenn wir ihm auch auf dem ihm. fremden Elemente davonsck)wim>- men, so werden wir doch nie vergessen, daß er uns ins Leben ge- rnsen hat." Tas eben war es, was Cloethe nicht verstand. Er ver­stand nicht, daß der Geist, in dem Corneliirs schuf und wirkte, daß die Mkehr von dem akademischen Schematismus, und von der Nachahmung der Franzosen, daß die Begründung des Kunst­werks ans das innere Erlebnis auf seine eigenen mächtiger: An­regungen zurückging. Was er in der Dichttmg verwirklicht hatte, das suchte Cornelius in der bildenden Kunst zu verwirklichen, ob mit den rechten Mitteln, bleibt eine Frage für sich Aber gewiß ist, daß er ein gutes Recht hatte, seine Kunst auf Goethes Anregung znrückzufnhren: und ebenso gewiß, daß Goethe hierfür den Blick nicht halte. So ging er an diesem mächtigen Talente, das in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die ganze deutsche Kunst­welt in Belogeimg versetzte, ohne nähere Berührung vorüber.

Vöchertisch.

Beiträge zur Rheinhessischen Geschichte von Heinrich Bechtolsheimer, Dr. Julius Reinhard Dieterich und Kurt Strecker. Festschrift der Provinz Rheinhessen zur Hundertjahrfeier 18161916. Verlag I. Tiemer, Mainz. Bor einigen Monden, als der Tag der Hundertjahrfeier der Zugehörig­keit der Provinz Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen heran- nahte, erschien dieses vortreffliche Werk, das wir der Arbeit, den Forschungen dreier Männer zu verdanken haben, die mit Liebe und Begeisterung für dieses interessante Kapitel unserer Heimat­geschichte die Mühen nicht scheuten, um das verworrene und umfangreiche Material faßlich und verwendbar zu machen. Historische Festschriften" in großer Auflage der Oeffeutlichkeit zu übergeben, bildet fast immer ein Wagnis für den Verlag, der, wie oft leider, den größten Prozentsatz des Werkes nicht umsetzen kaum weil die starre, stereotype, strengwissenschaftliche Form das Buch in den Händen eines Gelehrten, eines Wissenschaftlers oder auf einer Universitätsbibliothek, in einem historischen Seminar usw., wohl zur Geltung konrmen läßt, dem Mann des Volkes, oder sage,: wir dem Bürger, der Interesse für die Geschichte seiner Heimat hat, aber zu hoch gegriffen ist und nichts bietet. Ties kommt bei vor­liegenderFestschrift" gänzlich in Wegfall., Hier ist die streng wissenschaftliche Form in eine selten so glückliche, erzählende Fassung gebracht, und ein jÄwr, der mit Interesse und Ver­ständnis für die Entwicklrmg der Geschichte an dieses Werk heraw- tritt, wird seine Helle Freude daran haben. Ter Geschichtsforscher und Gelehrte, der ein historisches Ereignis unter die Lupe der unparteiischen Kritik nimmt und es mit all seinen vorausgehenden Ursachen und nachfolgende:: Folgerungen

der Mit- und Nachwelt festlegt, hat sich bei der Ab­arbeitung des Stoffes selbst nur an die vorhandene:: Tatsachen zu halten Für ihn darf weder Sympathie oder Antipathie :wch der politische Zeithimmel, unter dessen Belenchttmg das Werk der Oeffeutlichkeit übergebe:: wird, maßgebend sein. A:nh das ist ein hcrvorzuh ebender Zug dieserJahchundertsck-rift", und wenn dem einen Mitarbeiter z. B. von ein oder' der anderen ianatischen Seite der leise Borwnrf gemacht wird, er habe bei der Beurteilung der Rheinhessen, für die heutige Zeit etwas mehr :me notwendig das ehemaligeFranzöjeln" betont, so ist auf dieser:Nonsens" nur mit dem Spiegelbild der heutigen Zeit zu antworten. ^Ter Rheinhesse war rmd ist kerndeutsch, inib wenn in einer heute :veit zurückliegeiüren Zeit, wo die Zerklüftung rmd Parteilichkeit dem Tcrrtschen Reiche schwer zu schaffen machten, ein Staatengebild« an den neuen prakttschen napoleonischen Gesehen und Einrichtun­gen Gefallen fand, so ist das nur zu begreiflich, wenn man einen Blick in das Chaos der Zeft um i787 wirft. Man sehe sich mitf die übrigens ganz vortreffliche beigefügte Karte an, die in ihrer Buntscheckigkeit der' Palette eines Malers ähnelt, und man wird erkennen, daß irr einer Zeitperiode, :vo die .Kleinstaaterei, das Frohu und Lehnwesen noch schwer ans jedem einzelnen lasteten, eine Regicrungsform mit vielen befreienden Neuerun­gen und Erlösurrgen, wie die damals von Frankreich kommende,

mit Freuden begrüßt lourde. Machen wir einmal einen kleine» Gang durch das vorliegende Werk. Es wird sich lohnen u:ck wmuhe Arrregrmg geben. Ter von Hch. Bechtolsheimer ver­faßte Teil behandelt dieProvinz Rheüchessen in den beiden ersten Jahrzehnten ihres Bestehens". In anschaulicher Forin, klar und faßlich, ohne zu ermüde:: und ins rein Aktenmäßige zu ver­fallen, erzählt der Verfasser zunächst von der Zeit der Franzosen­herrschast, die mit dem Frieden von Campo Formio im Jahre 1797 einsetzte. Ueber die Zeit der Zwischenregiernng von 181416 und die Besitzergreifung durch das Großherzogttm: Hessen hinweg wendet er sich der Gegenüberstellung von Alt- und Neuhessen (Rheinhessen) zu und gibt dann äußerst tverlvolle und inter­essante Belege und Beispiele für die ganze staatliche und wirt­schaftliche Euttvicklung von jener Zeit an bis zur Gegenwart. Ter von Dr. Jul. Reinhard Dieterich bearbeitete TeilHessen- Darmstadt auf dem Wiener Kongreß :md die Erwerbung Rheins Hessens" gibt in ausführlicher wissenschaftlicher Durcharbeitung einen interessanten Ueberblick über die diplomatischen Verhand­lungen unter Ludwig I. und seinem Gesandten Johann von Türckheim, dem Kampf um Rang und Geltung und schließlich den Wiener Vertrag vom 10. Juni 1815 und die späteren Schluß­verhandlungen zu Paris und Frankfurt a. M. In: letzten Tie Gegend zwischen Rhein, Nahe und Donnersberg im Jahre 1787" gibt Kurt S t r e ck e r an Hand einer von ihm entworfenen und bis ins genauste durchgeführten Karte eine territoriale Uebersicht über das Gebiet des heutigen Rheinhessens, wie es im Jahre 1787 aus sah.

Wir können dem Werte nur weiteste Verbreitung ivünschen.

DenKrieg gegen England", den U-Bootkrieg zu verfolgen, von dem wir alle, wohl die Entscheidung in dem Welt- ringen mit Zrrversicht erwarten, eignet sich ft: hervorragende:» Maße die im Verlag von Velhagen & Kinsing in Bielefeld und Leipzig erschienene, unter dem obengenannten Titel zusammenge­faßte Kartensammlung. Zn dem billigen Preise von nur 1 Mark 25 Pfennigen enthält sie zunächst eine Ueber sicht starte, die gmrz Großbritannien und die Nordsee, die rvestliche Ostsee, den> Kanal und die französischen Gewässer bis Bordeaux hinunter dar­stellt. Meeres tiefen. Bänke und Eintragung der bisher vocge-j sallenen Seeschlacksten beleben das Bild. Unter anderen: suchen wir hier zum ersten Male den m letzter Zeit so viel genannten Namen Hoosd-en"^anf einer derartigen Karte verzeichnet. Daran schlichen sich zwei Spezialkarten, der Umgebung der Straße v-vn Calais, Themse-, Rhein- und Seineniüudung i anfallend, und der Deutsche:: Nvrdseeküste, im Osten über Lübeck hinaus reichend. Die wich­tigste Neuerung dieser Karte aber ist eine große Uebersicht vvit Europa und der umgebenden Meere, in welcher genau nach dem Wortlaut der diplomatischen Note das Seesperrgelnet seit dem 1. Februar eingetragen tft und die durch errtsprechnche Färbung der Machtbereiche beider Staaten gruppen an: 1. Februar, zu Begum des Entscheidungskampfes ersehen läßt.

Der Völkerkrieg (Verlag vor: Julius Hoffman»/ Stuttgart). Heft 113 desVölkerkrieg" behandelt das Börsen- und Bankwesen, Industrie, Handel und Handrverk, Arbeitsmarkt und Kriegsrvohlfährt. Im Heft 114 beginnt die Darstellung der Ereignisse an der Ostfront von Anfang August 1915 bis Februar 1916.

Adolf Damaschke:Friedrich L i st", ein Märtyrer und Prophet der deutschen Weltwirtschaft". Jena, Verlag von Gustav Fischer. 1917. Pre:s 60 Pfg.

Die StoNwechselkrank h t e n, Zuckerkrankheit, Gicht, Fettsucht und ihre Verhütung. Ron Prof. Tr. Strauß, Berlin. 8°. Max Hesse's Berlin W. 15. Preis vornehm gebunden 1,50 Mk.

I. I. David: Die Hanna. Nr. 10 derW e l t -

literatur". Preis 10 Pfennig. Verlag derWeltliteratur", München 2, Färbergraben 24. In allen Buchhandlungen erhält­lich; als Feldpostsendung besonders geeignet.

Pyramide.

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Die Buchstaben sind in der Pyramide so zu ordnen, daß die mittelste senkrechte Reihe einen berühmten Musiker bezeichnen, wäh­rend die drei wagerechten Reihen ergeben : 1. Zeitabschnitt, 2. Baum, 3. männlichen Vornamen.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Ergäuzungsrätsels in voriger Nummer: Winzer, Ster», Qualle, Partie, Beere. Winterquartiere.

Schristleftung: Fr. R. Zenz. Zwillingsrunddruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.