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Km lOitiii. Für i£>u um* itttb blieb der Buchhalter ei'nversiegkeltesj Buch. Solltx Vrendicke wirklich nichts anderes als eine wunderbar Zunkiorrierealde Rechenmaschine sein, ein Mechanismus, der einen rsDnschkichen Körper angenomme'.l hatte? Sollte er ein Mensch sein, der etwa kein Ziel hatte, der nur ails Gewohnheit lebte und seine Wage maschinenhast absvann?
Wenn Lkderström ihn beobachtete, tvar er oft geneigt, diese Kragen, die er sich vorlegte, mit einent klarein Ja z>u beantworten^ Äreirdicke hatte in seinem ^feuföcnt etwas, das ihm mit seiner
wmutung recht zu geschossenen dürren
en schien. Er erüurerte mt einen höchanfi- ^ r ^, r .w.. —Mschullehver Mt magerer Pension, der
mit seinem bißchen Geld gut Haus halten mußte, der seine Sachen auftrug, bis sie eiuen blanken Schein im Rucken und an den Aer- Mein zeigten und der sich bestimmt niemals satt aß.
Er hatte ein kleines Zimmer bei einer verwitweten Steuer- Maunsfrau, die chm die Wirtschaft besorgte und seine Kleidnng und Wasche instand hielt. Ml das kcnmte nach Ader ströms Berechnung nur wenig Geld Lostm. Hlch sonst lagen Brendickes Verhältnisse klar vor ihm. Er hatte kernen ?ynhang außer einem Bruder, der weit ab, verheiratet und mit Kindern reich gesegnet, seinem mühsamen Berus als Reisender für eine kleine Knopffabrik nachgiug und in: Lause -all der viele:: Jahre narr ainnial zu Besuch ge-j kommen war, ohne daß es aus Bjreudicke irgeirdcineir sichtbaren Eilldrnck gemacht hätte.
Aderström glaubte dan-ücks die günstige Gelegenheit gekommen, Um eineil Blick ttr das Innenleben seines Buchhalters tun zu könne.,, und hatte ihn zu sich, wie er das manchmal zu ttm pflegte, auf ei'.l Glas Sherry und eine Zigarre geladen. Aber Vrendicke rauchte und trank gelassen wie sonst und sprach nur von Geschäften. Wie Aderstrüm voller Ungeduld auf sein Ziel losging, erklärte der Buchhalter: „Mein Bruder wollte nur sehen, ob ich noch lebe. Ich hatte drei Jahre lang nicht an ihn geschrieben." Als nun noch Breildicke aus die iveitersn Fragen seines Chefs hiuzufügte, daß gar keine Zwistigkeit zwischen ihnen bestehe, die eine solche Entfremdung begreiflich mack-e, redete sich dlderström in Harnisch und bewiesühm, daß, Blutsverwandte unter allen Um/ständen zusammen-- hÄterl mrüßten und well-.r_lu.au schon selbst sich lein Ziel im Leben gesteckt habe, müsse man das Ziel der einenl an: nächsten Stehenden zu errerchen trachten und dadurch seinem Dasein eim geben.
eineil Inhalt
Vrendicke blickte einer ans semer Zigarre aufsteig-errden kleinen Rauchivolke nach, bis sie iit dünnen Schleiern auseinanderstoß, nickte einige Mal, traut sein Glas leer und sagte dann: „Ja. So lnag es wohl sein, Herr Aderström". Der Kanfuralur glaubte auch ein st sichtiges Lächeln um die schmalen, blassen Lippen des Buchhalters ziehen m sehen, aber das mußte wohl ein Irrtum sein, . denn kein Mensch in der Stadt konnte sich erinnern, ie Brcmdicke { heiter das Gesicht verziehen gesehen zu haben. Wie der Buchhalter Q-iiiß, hatte Aderftröm das erhebende Bewußtsein, ihn mit festen Worten auf den rechten Weg gewiesen und rhin chrs Ziel gesteckt tlu haben, das ihm eine Fackel durch das Dunkel ioar, in dem er bisher getappt hatte.
Aber Brendicke hatte wirklich gelächelt. Versteckt, fast nng Merklich. Nicht über Llderströms Eifer, sondern daß sein Chef unvermutet das Rechte getroffen hatte.
Der Buchhalter tnl o znxlnzig Jahre laug gespart, um dann all das Geld gleich?,', wie bedrängt durch seine Last, fort- Augeben.
Brendicke hatte ein Ziel, wie es jeder hrt. Urrd dies Ziel hatte ex nch früh gesteckt und ihm strebte er mit Kraft und Freue zu. rlb-er er sprach nie z!n jenrandeu: davon, wenn er es auch ohne Scheu hätte tun können, denn cs lag durchaus im Bereich der Möglichkeit mtb er kam ihm mit sede.nl Jahre fast automatisch näher.
Er hatte es ganz Kusällig gefunden. Eines Sonntags, als er seinen gewöhnlichen Nachnlittagsspa zier gang Mächte. Der führte rhu immer den gleichen Weg, <m den Hafen hinab, wo er lange stand und die Barken und Segelschiffe betrachtete, die in feiertäglicher Ruhe still lagen und die mit Aderström in engster Beziehung standen, am Ufer in die Höhe über ein mit kleinen Häuschen besetztes Gelände zu einem Buchen Wäldchen, von den: man die See im Wechsel des Lichtspiels bald bimfct wie erstarrendes! Erz, bald flimmernd in zuckenden ftlbcmeit Streifen sah. Nahe beiu Wäldchen, etwas vorgerückt, stand ein kleines weißes Hans mit einem! schmalen blmten Garten vor der Front. Neben der "Tür war eine grüngestrichene Bank, auf der eine junge Frau, von zwec Kindern umspielt, strickte. Sie blickte von Zeit zu Zeit mit eineur sanften mütterlichen Kücheln zu ihnen hin. Air der Tür lehnte ein Mann Mt langem, blonden Bart, unverkennbar an; Seemann, der ans einer kurzen Pfeife rauchte und an dem Spiel der Kinder durch laute unterweisende Zurufe teil,rahm.
Dies Bild hinterließ, in Brendicke einen unauslöschlichen Eindruck. Es war für ihn der Abglanz eines tiefen, von häuslichem Glück Umstrahlteil Friedens. Er hatte bisher wirklich seine Tage maschinenhast nögtspowneu. Nlm envachte und erstarkte in ihm der Gedanke und der Wunsch, einmal — in Jahren - audv so ein Häuschen, nein, dies Hündchen zu besitzeil. Ganz Plötzlich sprang dies Verlangen in ffluc auf, unr ihU nicht mehr freizugeben. Jetzt } hatte er sein Ziel, urrd ganz vage waren mit dem Hrwryb deH i
E äuscheils auch vctstmrden lockende Vorstellungen von einem rühr- - nleil Glück, fern von dorr Geschäftenftlnd abseits von der lännenden r
Welt, von einem Glück, wie es ihm in der Sonntagsszene vor dein Häuschen in einenr schonen Bild vor die Augen trat. Von einer Frau und Kindern. Von Tagen, die feiertäglich nmsonnt verginge,:.
Solange ih,l die Arbeit auf sein Kontor und seine Geschäftsbücher schmiedete, konnte er an all das nur denken wie an einer>. fernen Traum. M>er es' lag ja in ferner Macht, ihn einmal zur Wirklichkeit werden Hl: lassen, ttjud wenn,' icr abends heimkam in sein kleines Zimmer Und Frau Dürssen ihm sein bescheidenes Abendbrot brachte, dann webte er in ferner Einsamkeit an seinem Traum,
(Schluß folgt.)
Vssrttlsshkss.
* An ekdoten vvn Kaiser Wilhelm I. Im März, in den Gedurtstag u,ld Todestag Kaiser Wilhelms I. fällt, werden unwillkürlich Erürnerimgen an diesen ersten Kaiser im neu geeinten Deutschen Reiche wieder rege, dessen liebensivürdige Persönlichkeit sich so leicht alle Herzen gewann. Während seines Badeaufent^ Haltes in Ems 1886 sprach der Kaiser auf einem Spaziergänger einen Kadetten an, der sich an der Wandelhalle ausgestellt hatte, um den Aäonarchen zu begrüßen. JUr Laufe des Gesprächs fragte er ihn, .was er Hu werden beabsichtige. „Wdartilkerist, Eilen Majestät!" war die Lhttwort. Hierauf ,neunte der Kaiser: ..Als Sie nlit dem Mort „Feld" begannen, glaubte ich. Sie wollten Feldmarschall werden!" — Ms der Kaiser sich einmal ans der Rennbahn befand, bereitete ihm dies soviel Vergnügen, daß er die Heimfahrt über die beabsichtigte Zeit wieder und wieder aufschob, so daß '.nan schließlich fürchtete, die Anstrengmrg iverde für den alteir Herrn zu groß sein, und ihnr Zu bedenken gab, daß nachher der Midrang der Wagen so groß sei, daß die Rückfahrt sich noch mehr verzögern, würde. .„Ach wo!" meinte der Kaiser, ,,die Berliner lassen ihren König inrmer durch!" — Sehr drollig xft das folgende Geschichte ckien, das sich in der letzten Lebenszeit des Monarchen zu trug« Kaiserin Augrista pflegte jeden Morgen beim Ettvachen als erste Frage an ihre Umgebung richten: „Wie geht es dem Kaiser?", und man »r°ar inrmer hierallf vorbereitet, einen genauen Bericht erteilen Kn können. Ms der Kaiser voll dieser Iiebertbcn Fürsorge seiner Gemahlin hörte, verabredete er mit der Umgebung der Kaiserin eine Neckerei, jnnd als diese am anderer: Tage nneder nach dem Erivacher: jene Frage Lhlßerte, ertönte l-inter den Bett- gardiiren die Mttwort: „Ihm geht es gar nicht gut; seine liebe Genrahlin hat die Zeit verschlafar, anstatt nttt ihm gemeinhin das Frühstück eirrznnehmen!" Und mit den lehtei: Worten trat der Kaiser selbst in das Gemach der Kaiserin, dre man auf sein Gebot hin hatte liber die gewohnte Zeit fdjlüjfcit lassen. ,— Wie zjartx fiiMeirb der Kaiser selbst gege:: ganz fremde Personell war, erwies sich bei -einem .Aufenthalt in dem Austnrg der ^Siebziger Jahre in Gastein. Als er eines Tages allsgegangen lvar, und ein ÄanK- nlädck-en seine Gemächer, um ffe zu reinigen, betrat, fand sie sämt-
Teppiche der voin Kaiser bervohnten Rällme in einem Zimmer znprmmengetragen. Der Diener erklärte ihr diese Seltsamkeit dalllit, daß der Kaiser erfahren habe, daß uilter senksn: Zimmer eilt Schwerkvanker liege. Das schlechte Wetter aber hatte den Kaiser am Wlsgehen verhuldert, und da er sich trotzdem Bewogmlg machen, wollte, so habe er die Teppiche in einenl Zimmer zufammsntragen faffert, unr darauf lautlos emhergeheil zu fömten.
*Krokus-undTulPcnzwiebelnalSViehfutter. Um denk Mangel an Futtermitteln abzuhelfeu, lvurdm nnd lverdex: aus dem neutralen Ausland vielfach Pflanzen teile bezogen, die ffüher rroch nienrals als Bichfntter verbraucht ivorden tvaren. Daher ist es begreiflich, daß über die Bor- und Nachteile neuer Verfahren noch manck-erlei Unkenntnis besteht. Auch Krokus- und Tulpenzwiebeln werdell, noie die Chemiker-Zeitung ausführt, seit kurzem zum Zweck dei' Verfütternng an Haustteoe von Holland nach Deutschland geliefert. In Beantwortung zahlreicher Fragen, ob diese Zwiebeln unbedenklich zi:r Fütterung verwendet lverden können, setzt nunmehr die Chemiker-Zeitung die Ergebnisse einer genauen Untersuchung iir dieser Beziehung auseinander. Voraus- ' geschickt wird, daß der Bezug der Zwiebeln sich um so mehr lohnt, als sie einrn^ Hoheit: Kohlen Hy dra tgelw i t haben und oie Preise niedrig sind. Doch ist ein allgemein gültiges Urteil schtver zu fällen, da beim Krokus die ZnsammenseWng der Knollenbestandteile vermutlich ebenso verschieden ist iwe die Blüten färben. Darum trUrden als Stichproben verschiedene der angebotenen Zimebeln chemisch nnd biologisch untersucht. Dies führte znr Feststellung, daß die untersuchten Zwiebeln ausnahmslos Sxvonin oder eit: Saponingemisch eilthalten. Darum ist Ix'i der Verfütterung der aus Holland angebotenen KroküWviebelu große Vorsicht nötig, und man tut an: besten, .damit genau so z:l verfahren, wie mit den Mpenveilchenkixolten. Schlveine, die nicht mehr ganz jung sind, können damit gefüttert werden, indem xnan zuerst geringe Rünlgen nimmt, dieselben allmählich steigert, bis schließlich auch regelrecht mit den Zwiebeln gemästet lverden Tarnt. Für Ferkel jedoch find die Zlviebeln giftig. Dies stimmt auch mit filtern Bericht der boUäil discknvt ReichsversuchSstation in Wageningen überein nackt dem dir Kroku^zwifbeln sich für die Füttentng Von G'chvemen und auch von Mffchkühetl — t>et beit letzteren zeru»k^«! mrd :nir Fnuen ?it genffscht eignen. Dje Verabreichimg der Iiche-beln an Jnngvreh


