Pechmarie und Hans im Glück.

Die Geschichte einer In gendfreundschaft von C v. Dorn am Nachdruck und llcbersetzungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten.

(Fortsetzung.)

Das sah sie ein und setzte sick schtveigend. Aber sein Kommandoton verdroß sie Als er ihr nachher gewandt in den Mantel hals, sah sie brmnmig seitwärts in sein unbe­kümmert frohes Gesicht.Du bist noch grad' so nne früher" bemerkte sie statt Dankes, in einem Tone, der auch die leiseste Möglichkeit ausschloß, daß sie mit dieser Feststel­lung etwa eine Liebenswürdigkeit spenden wollte.

Er verstand das sehr richtig und lachte.

Auch du hast dich nicht wesentlich Verändert," versicherte er gutmütig.

Nein. Netter bin ich jedenfalls nicht geworden. Dazu hatte ich auch keine Verairlassung. Wo hinaus geht's' eigent­lich? Geh, bitte voran."

Nebenei,runder schritten sie schweigend die Potsdamer Straße hinunter. Beide in Gedanken vertieft. Plötzlich sah Hans Jmhoff auf:

Weißt du, worüber ich uachdachte?" fragte er heiter. Ueber dich."

Prompt kam die Antwort:Da hättest du auch was Ge­scheiteres tun können!"

Meinst du? Ich nicht! Ischl habe schon eine wunder­schöne Idee gehabt einen Einfall, der dich und mich angeht."

Das wird was Schönes sein!"

Was sehr Schönes! Wir fahren morgen früh zusam­men ans einen ganzen Tag in unsere alte Heimat und frischen gemeinsam alte Erinnerungen auf!"

Marie blieb stehen.

Du bist verrückt, Hans!" stellte sie schneidig fest.

Er ließ sich nicht im geringsten stören.Zwei Jugend­freunde, die sich nach zehn Jahren Wiedersehen und eine Fahrt ins Land ihrer Jugend, in die Vergangenheit unter­nehmen!" wiederholte er freudeleuchtend.Das ist doch was < denke mal! So was erlebt man doch rricht alle Tage! Und es regnet nicht mehr der Mond würde doch oie Wolken brechen, wenn er heute nacht überhaupt schiene, ein paar gutherzige Sternchen rnachen sich bemerkbar: Wir be­kommen morgpn das herrlichste Wetter. Der beste Zug geht 9 Uhr 20. Ich Hab' heute vormittag nachgesehen, weil ich schon halb und halb entschlossen war, einmal hinzufahren. 9 Uhr 20 vom Stettiner Bahnhof. Sei also, bitte, pünkt­lich da. Fahrkarten besorge ich. Wir treffen uns an der Sperre. Abgemacht!"

Nichts ist abgemacht!" rief Marie hitzig. Sie kam ietzt erst zu Worte.Es fällt mir gar nicht ern, so Knall und' Fall mit dir zju reisen? Das mich ich mir erst noch in aller Ruhe überlegen. Morgen muß ich mich übrigens erst nach meiner Handtasche umsehen."

Ach ja, richtig: die Handtasche!" Hans blieb behaglich unter der nächsten Laterne stehen, sah der Verdrießlichen schmunzelnd ins Gesicht.Die Handtasche hätte ich bald ver­gessen. Hast du da nicht auch den Schlüssel zur Haustür nnd zum Korridor deiner Pension drin?"

Die Schlüssel! Himmel ja natürlich. Um alles in der Welt: wie komme ich mm ins HauS!"

Gar nicht: du wirst heute nacht im Freien kampieren müssen oder auf der nächsten Polizeiwache. Es sei denn wenn du mir versprichst, morgen mit mir zu fahren, helfe ich dir ins .Haus und Wohnung hinein. Sonst nicht. Also entscheide dich gefälligst etwas plötzlich."

Pah wie kannst du mir denn htneinhelsen. Ich muß versuchen, jemand herauszuklingeln."

Du, das tu lieber nicht es könnte dir Unannehm­lichkeiten zuziehen. Ich verspreche dir, daß ich dich hineiu- bringe, ohne daß du die geringste Schererei hast. Ich gebe dir mein Wort, daß ich dazu imstande bin. Aber erst mußt du mir versprechen, morgen früh 9 Uhr 10 an der Bahn­hofssperre zu stehen."

Du schrecklicher Mensch! Na ja ich werde kommen. Ich fahre mit dir. Wer nun bring mich hinein. Und wenn ich eine Scheibe eindrücken und durchs Fenster steigen ober eine Leiter bis zum vierten Stock hinaufklettern müßte."

So schwer will ich's dir gar nicht machen. Also ich habe dein Versprechen, nickt wahr? Schön! Hier hast du deine Handtasche! Du hast sie nämlich-auf die Erde fallen lassen, während ich dir im Theater in den Mantel half. Und da hat sie so lange in meiner Paletottasche gesteckt und sich da vermutlich äußerst wohl gefühlt"

Die spärlichen Passanten der nächtlichen Sttaße erlebten in der nächsten Minute ein etwas sonderbares Schauspiel: Sie sahen eine Dame unter heftigem, stoßlveisem Gelächter laut scheltend vor einer Haustür stehen, während sich ein junger Herr unter ebenso andauerndem Lachen schnellfüßig aus dem Bereich ihrer geballten Fäuste rettete.

2 .

Eigentlich hätte ich nicht kommen brauchen!" begrüßte Atarie den Jugendfreund am nächsten Morgen, Plmkt 9.10 an der Sperre aus dem Stettiner Bahnhofe.

Er fuhr bei ihrer Anrede herum, er hatte nach einer! anderen Richtung gesehen. Nach irgendeiner schwarzgcklei' deten Gestalt lächerlich, daß er sie sich nur in Schwarz' hatte vorstellen können! Das gutsitzende ,hellgraue Reise- kleid sah entschieden mehr nach Berlin als nach Treue,v- brietzen aus. Harrs betrachtete sie kritisch. Gruß und Ant­wort verzögerten sich kaum merklich.

Du hattest doch versprochen, zu kommen," sagte er zer­streut.

Aber du hattest mir das Versprechen heimtückisch ab­gelistet! Da gatt's von Rechts wegen nicht."

9La, erlaube mal ein Verspreche,! gilt immer! -h E s ist übrigens furchtbar nett, da/h du Wort gehalten hast.