Ausgabe 
5.3.1917
 
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Pechmarie und Hans im Glück

Die Geschichte einer Jugend freundscha ft von C. v. Dornau Nachdruck und Ueberseyungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten (Fortsetzung.)

Ganz benommen folgte sie dein nun leichtfüßig Voran schreitenden. Er hatte bald ein leeres Tischchen ausfindig gern acht, sehr behaglich in einer Ecke, nur grad' für zwe Personen groß genug. Ein Kellner half ihr aus dem Regen- mantet: Hans streifte nachlässig den seinen ab. Dann saßer sie sich gegenüber, der Kellner enteilte nach Mer, und Hanr lachte die Gespielin mit iviedergervvmrerrer guter Launc übermütig an:

Hast du nicht vorhin dein Brot mit mir geteilt? Wohl« tat tragt Zinsen, jetzt gebe ich dir ab. WaS befiehlst du?"

Er schob ihr die Speisekarte zu, sie starrte eine Weile ratlos hinein. Dann reichte sie sie ihm zurück, ohne ihn an­zusehen.

Bestell du lieber."

Er sachte und tat's. Während er scherzend mit dem Kellner verhandelte, quälte sic sich mit den naßgewordenen Handschuhen ab, die so schwer von den Finger" gingen. Und dazwischen sah sie ihn immer wieder verstohlen an: Vorhin

ll - ,r r wie im Traum erschienen. Zum ersten

Male sah sie ihn jetzt ganz deutlich Er hatte im Gruiche noch

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mit cuimi Male. Seitdem er ste so derb angefahren, fithld sle sich erst richtig in die alten Zeiten zurückversetzt.

Hans Jmhoff verabschiedete den Kellner, stemmte di, verschränkten .Hände leicht vor sich auf den Tisch und bog fick ein wenig zu ihr hinüber.

Nun möchte ich aber vor allen Dingen wissen, wie dr eigentlich daher kommst!" sagte er.

Das Hab' ich dich gerade fragen wollen!" rief Marie ^ Sie lachten beide ohne rechten Grund. Lachten wie zwei fröhliche, harmlose Kinder. Marie faßte sich zuerst.

Die Erbschaft" begann sie.

Ja, der gute Onkel Poldewitz!" rief Hans.Daß er uns so reichlich bedacht hat. Es ist unglaublich, daß er überhanvt so viel hinterlassen hat! Dreihiurderttausend Mark! Und dabei tat er nranchmal, als ob er nicht genug -um Sattessen hätte, ermahnte rnich immer lind immer wieder zur äußersten Sparsamkeit, er könne leider 'mal aar nichts für mich tun." ö

er mit Zoller Absicht gejagt," meinte Marie

nachdenklich.

Natürlich! Er lvollte mich nicht nur zu Fleiü unv guter Wirtschaft erziehen, ich sollte mich vor allen Dingen

nie mand aicher-, als auf selbes verlassen lernen.

Na, das bat er ja dann auch glücklich fertig gebracht. Mir wahrhaftig kein anderer weitergeyolfen, seitdem ich vo-r zehn Jahren auS der Lehre kam, urrd das bißchen, waS Vater uns hinterlassen konnte, kaum für Mutter und Schwester langte. Und diese zehn Jahre haben mich stehen, gehen und sehen gelehrt, drei Dinge, die einem, wie du wohl auch Ü? v ^ a ^ en wirst, erst das reife Leben deioringt,

nicht die Kindermuhmen und Schulmeister. Ja, nützlich uiid notwendig war die harte Zeit, ccker schön war sie nichti gar nicht, Marie! Schön soll'S jetzt erst werden, weißt du."

Sie hatte sehr aufmerksam zugehürt.

- n. verstehe," sagte sie, immer den gespannten Blick fest auf ihn gerichtet, ,chu hast unter der ständigen Abhängig­keit gelitten, gerade du mehr als irgend ein anderer an deiner Stelle!^

Ja, ja! Ganz recht! Wie gut du das verstehst, Marie!" _ "un bekommst du plötzlich die Möglichkeit, dich

selbständig zu machen, du willst mit deinen fünfzigtausend Talern ern eigenes Geschäft anfangen, das ist nnr aller- dings ganz klar."

< t. ^stchoff ließ die Hände in den Schoß fallen und lehnte sich ein wenig zurück.

Und da irrst du dich wäre das allerletzte, was Aber . .

sagte er langsam,das

Willst du mich ein Weilchen anhören? Ich muß dir das in aller Ruhe auseiiiandersetzen. Siehst dir, ich bin nicht aus Neigung, aus dem geringsten inneren Antrieb Kauf­mann geworden, sorckern einzig mck allein, weil das nun mal der billigste Beruf ist wo die Mlsbildung am we­nigsten kostet und der Jüngling zuerst in die beneideriswerte Laye konlnit, außer der Hochachtung der Welt auch klingende Münze zu gewinnen. Das haoe ich ja auch getan, ick fing vor zehn Jahren mit vierzig Mark im Monat an und ver> diente zilletzt als Prokurist meiner Braunschweiger Firma ganze ziveitausend pro anno. Mer, wie gesagt, Spaß hat's mir nie gemacht auch die zweitausend nicht, sie nwren mit zuviel Qual und Zwang erkauft! Und sobald die er­bosende Nachricht kam von Onkels Testament, da Hab' ich das Tintenfaß wie iveilaiid Held Liither gegen die Wand ge­worfen bildlich natürlich! den Kontorrock ausge- zogen und dem großen Hauptbnche eine bange Nase gemacht. Und seitdem, seit diesem gesegneten ersten Oktober, seit ganzen drei Wochen also, bin ich frei so frei, so ganz mein eigener Herr, wie ich's mir in nreinen kühnsten Träu­men vorher kaum geträumt hatte!"

Aber um Gottes willen! Hans, du willst nun gar nichts mehr tun?"

Unsinn! Wer sagt das?"

Du selber."

denk' nicht dran! Ich will künftig nur einer an- ,5^".^wbeit, einem anderen Berufe leben, einem, zu dem ich mich tiesinnerlich berufen fühle!" verste he kein Wort . ,