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Von mir? Warum habt Ihr vor Gericht so gesprochen? Warum sprecht Ihr jetzt so mit mir?"

Und als wäre der Damm gebrochen, strömten die Worte hervor.Bin ich's nicht gewesen, der die Leute gegen daS Schloß geführt hat? Habe ich nicht befohlen, daß man Feuer an die Ställe lege? Habe ich nicht Euer Hab und Gut ver­stört?! Habe ich nicht nach Eurem Leben getrachtet? Mh konnte nichts dafür, wenn der Hammer Euch selbst nicht besser traf!"

Ein rascher Blick auf den Arm.

Ah!" Wie ein Schrei klang's in die Junistille. Und halb flehend:Laßt mich, was quält Ihr mich? Um Euch nicht zu sehen, bin ich hier den Feldweg entlang geschlichen! Um nicht in Eurer Nähe zu sein, will ich das Dorf verlassen, wo Mein Junge liegt. Wir zwei haben nicht Platz darin! Und nun leid Ihr der Erste, den ich finde, und redet zu mir, wie Ihr nicht reden sollt! Ihr sollt nicht, Herr, ich will's nicht! Glaubt

e hr, daß ich nicht schon genug trage? Bürdet mir nicht noch ure Wohltaten auf! O, ich weiß, Ihr wollt's hören; so hört es: sie brennen mich wie das höllische Feuer!"

Hans Albert hatte zugehört. Auch er war rot im Gesicht. Hagel und Pest!" entfuhr es ihm, und ein Fußtritt schleu­derte den Jagdstuhl beiseite. Er brummte, mit seinem Auf­brausen selbst unzufrieden.

Ihr seht Gespenster, Schmied," sprach er ruhiger.Was ich gesprochen habe, war die heilige Wahrheit. Spät genug Labe ich sie erkannt. Warum wehrt Ihr Euch dagegen? Beide Laben wir gebüßt. Ihr habt Euren Jungen begraben, Ihr kommt von dort, wo eS nicht gut ist. IM Labe Schlimmes erlebt, der halbe Arm ist weg. Ihr versteht den Hammer zu schwingen uird schlagt nicht fein! Ich zürne Euch nicht mehr. Kiel faules Fleisch bin ich mit dein Arm losgeworden. Ihr Werdet eS noch sehen. Dafür muß ich Euch dankbar sein. Alles, was früher war, ist begraben. Warum begrabt Ihr nickt? Wie soll Neues und Besseres anferstehen, wenn Ihr nicht begrabt? Schmied, Schmied, beide haben wir's nicht allzu weit mehr zum Sarge. Je mehr Haß Ihr aufladet, wn so saurer wird die letzte Stunde. Wer sagt Euch, daß ich tourf) Wohltaten erweise? Ich wM'8 ja gar nicht. Ich tu's ja auch gar nickt. Air mir liegt's nicht, daß ich Euch hiev :tros en habe. Aber wenn es nral so ist, warum nicht reden? will etwas von Euch, Meister, ich will einen Dienst von fr! Und Ihr redet voii Wohltaten!"

Sie wareir langsam nebeneinander geschritten. Michael üäskowicst batte die Worte nicht unterbrochen. Schmerz, Scham, Groll standen noch immer in seinen: Gesicht. Es war oos Gesicht eines, der gepeinigt wird.

Aber plötzlich lief ein Zittern durch seine Mienen. Hatte « reckt verstanden? Gr sollte dem Baron einen Dienst «sten? Bon ihin wollte man etwas? Ein gespannter, ängst­lich erwartender Ausdruck verdrängte den früheren.

Was soll ich?"' Es klang, wie etwa:Erbarmt Euch, was redet Ihr da?"

Einen Dienst könntet Ihr mir tun, Michael Laskowicz, damit Ihr nicht glaubt, ich überlade Glich mit Wohltaten. Wollt Ihr?"

Sprecht?" Die Stimme zitterte, die Gestalt zitterte. ^Dann kommt zurück!"

Erstailnt hob Michael Laskowicz das Haupt. Doch folgte er, iäts Hans Mert voranging; er ging dem Platze zu, wo er Kiesten.

Erkennt Ihr, !vas das ist?"

Gr deutete mit den: Stock auf die rohe Zeichnung, die er ESr-j* gemalt hatte. Ein fragender, mißtrauischer Blick, als glaubte der SckMied, er sollte verhöhnt werden. Doch der Baron blieb ernst, ruhia.

Eine Kirche^"

Ja, eine Kirche. Und die Kirche, die wir für Nasgora bauen wollen."

Für Nasaora?" Des Schmiedes Gestalt straffte sich. Eine evangelische Kirche?" ^

Eine katholische, Meister!"

, ... Die Qual in dem Antlitz schien sich zu verdoppeln. Und leisemWarum höhnt Ihr mich?"

Hans Albert m die Umrisse im Sande nach Jhr seld mißtrauisch, weilJhr den ganzen Haß noch nicht gejätet habt. Wrr wollen sie bauen. Wenn das Dons wangelchh«, würde ich eine evangelisch« Kirche bauen. Da es katholisch ist, eine katholische. Ihr seid fast der erste, der es hrer erfahrt. Scho-n haben viele Leute Geld gezeichnet, vieles fehlt noch, ich werde r# bekommen. Was aber not

tut: es gibt manches zu tun, tvas ich nicht überwachen kann. Uno manchen Merster brauchen wir. Ihr seid ein ge­schickter Mann, Schmied und Schlosser? An Euch habe ich ge­macht. Wenn Ihr wollt, Ihr könntet mir helfen. Ihr könntet mir und dem Dorf Wohltaten erweisen, die Euch auch im Himmel zugerechnet werden. Michael Laskowicz, wollt Ihr?"-

Er streckte ihm die Hand hin. Wie ein Aufatmen der Erlösung war es über das gepeinigte Gesicht gegangen. Herr! Herr!"

.Wollt Ihr, Michael Laskowicz?"

und wieder, flehend:Laßt mich jetzt, laßt mich in die Schniiede! Ich komme morgen aufs Schloß, ich

Es war hervorgekeucht. Uiid ehe sich Hans Albert dessen versah, floh der Schmied, fast laiifend, den Rain hinunter.

Aber am nächsten Dage kam er wirklich ins Schloß. Er war gefaßt. Und aus das:Wollt Ihr, Michael Laskowicz?" tönte als Antwort ein sicheres ,Ha . Die Arbeit sollte ihn erlösen. Alm liebsten hätte er gleich angefangen. Das ging nun nicht. Wer bald dröhnten die Hammerschläge auf dem Amboß.

Er durste hier bleiben in dem Nasgora, in dem er fest­gewurzelt war. Nicht mehr brannten die Wohltaten wie höllisches Feuer, er konnte sie erwidern. Und er wollte es tun, ob er die Nächtelang schassen sollte. Ein Feuereifer kanr über ihn. Die Kirche m bas war das Erlösungswerk. Er sammelte dafür, arbeitete dafür. Immer, weiin er aufs Schloß kam und etwas bringen konnte, hob sich feilte Brust freier. Und eines Tages waren, seine Augen leuchtend. Er hatte das Tuch von Juschus Madonna abgenommen. Warum sollte sie auf dem Werdendaum stehen iir Wind und Wetter? Hatte die alte vor dem Dorfe so lange ausgehalten, so ging's auch noch länger. Nein, her Kirche, seiner Kirche, wollte er das Werk des Krüppels schenken.

Es dauerte tnojchj sechs, sieben Jahre, ehe der Bau wirklich in Angriff genommen wurde. Erst als dre Milliarden nach dem deutsch-französischen Kriege ins Reich strömten, war auch ein gut Stück Geld für die Kirche von Nasgora da.

In dem Gotteshause steht nnir das Werk des Krüppels. Und der Weihrauch dampft empor zu der süßen Mutter Jesu, die das Haupt zärtlich neigt nach dem Kinde, das! krank und schwach in ihren Armen liegt.

An dem Dage der feierlichen Einweihung des Kirchleins ging Michael Lcökowicz, trotzdem sein Kopf noch grauer ge­worden, zum erstenmal wieder ganz gerad e und au stecht. Er versäumte auch nie einen Gottesdienst inseiner" Kirche. Wenn es aber jenrandeii gab, der noch eifriger darin war, so war es Kascha Kaczmarek, die auch weiter .Hanna von Bersen diente, wie sie einst Haniia von Graßnick gedient hatte.

Sonst ist nur wenig noch zu erzählen. Kasimir Nzonka tauchte nie mehr in der Gegend auf. Er hatte noch vor den polnischen Edslleuten die AussichKlosigkeit des Aufstandes erkannt und hatte Czechowskis Heerhaufen verlassen. Siga Wendrewskl, der Marquis, hatte ihn ein paar Jahre später in Paris getroffen, wo er eifrig gegen das Kaisertum kon­spirierte. Ein Gerücht wollte wissen, daß er sich später Gari­baldi angeschlossen und in den Kämpfen um Dijon gefallen sei. Näheres jedoch wüßte niemand.

.Wladimir Rybsczynski endlich, dessen Verwundung bald herlte, bewirtschaftete noch einige Jahre sein Gut lind trat dann was feine Freunde schon immer prophezeit hatten m ent Kloster. Auch von ihm hörte man nichts mehr. Er hatte einen der strengsten Orden gewählt, dem er als Laien­bruder angehorte. Die übrigen Edelleute der Umgegend, die mit chm zugleich in den Kampf gezogen, lebten recht und schlecht auf ihren Gütern. Ihre letzte Hoffnung, den weißen 'wL. einmal frei fliegen zu sehen, sank zusammen, als Alldentschland nach Frankreich hineinging. Da wußten sie, daß alles vergebens sei, und paßten sich, so gut es ging, den neuen Verhältnissen an.

Muchocin und Skyblewo, die beiden Hauptgüter Napo­leon RutkowskiS, fielen an die Czartorhskis. Sie gingen durch mehrere Hände und wurden schließlich von der Ansiede­lungs-Kommission angekauft zur Förderung des großen GernianisiernngSwerkes im Osten. Deutsche Bauern führen nun den Pflug über das Land, das einst dem Nachfahren eines polnischen Königsgeschlechtes gehörte. Mer sie Nüssen es nicht. '

Und die polnischen Bauern, die daneben *der Erde die heilige Feldfrucht abringen, wissen es auch nicht. Hin und wieder, nicht hinterm Pfluge, wohl aber ans den Pslaumen- garten am Sommerabend, kann man die alten Revolution^