Ausgabe 
26.2.1917
 
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laufen, sind also gezwungen, sich in diesen AvEen zu. halten. Die blockierenden Kriegsschiffe brauchten sich deshalb mrr vor den! Wasserlaufen zu verankern und dort auf der Lauer zu liegen. Man sollte denken, daß es unter diesen Umständen fast unmöglich ge­wesen sei, irgeird ein Fahrzeug aus dem £mfen heraus oder in ihn dirieinzubrinqeu. Aber weit gefehlt! Da das Durchbreche: der Blockade ungeheuren Gewinn adivarf, so entnnckelte es sich zu einer »vahren Kunst. Vor allem gehörte zweierlei dazu: eine große Geschnnndigkeit der Schiffe und ruhige, mutige Kapitäne^mit einen: tüchtigen Personal und nnerschrockenen Lotsen zur Seide. Dar Kapitän erhielt für eine einzige glücklich ausgesührte Fahrt durch die Blockade gegen 60 000, der Lotse 15 000 Mk. Die Dampfer, die man dazu ausrüstete, waren meist englische Schiffe, die ein«! Geschüvindigieit von 15 bis 17 Knoten laufen konnten und des­halb imstande warm, sich jedem verfolgenden Schisse zu entziehen. Die damaligen amerikanischen Schisse machteil raunt 10 Knoden. Garrze Flottillen solcher Dampfer entstanden, da die Verdienste nach Hunderttausenden zählten. Tie Blockadebrecher unterschieden! fick schon dem Äuge des Laien von weitem von allen anderen! Schiffen: um in der Nacht vom Schaume des Meeres möglichst wenig Lbzustschen, waren sie sämtlich mit grünlichweißer Farbe! 'angestrichen. Von den Mastkörben aus spähten Ausgucker bei Tag und Nacht aus, um vor feindlichen Schiffen rechtzeitig warnen zu können. Die Schornsteine waren so konstruiert, daß sie den Rauch verzehrten und keine Funken gaben. Ost wurde in den Nächten, in denen man durch die Blockade lairsen mußte, mit Harz oder son­stigen weniger Rauch gebenden Substanzen geheizt. Für Passagiere waren die Furten ans solchen Schissen auch bei kurzen Strecken nicht billig. So mußte Major Schubert, der in den Reihen der Sezessionisten kämpste, von einem Hafen der Bahamagruppe nach der blockierten Festung Charleston 600 Mk. und sieben Monade später für die kurze Ueberfahrt nach den Bermudas 1000 Mk. zahlen.

* Vom russischen Brief st i l. Eine besondere Eigen­

tümlichkeit des russischen Volkes ist die bilderreiche, überschweng­liche und phantastische Ansdrmksform, die in brieflichen Mitteilun­gen immer wiederkehrt. Will eine Ehefrau z. B. dem Gatten ihre Liebe und Treue beschreiben, so findet sie etwa folgende beliebte Wendung:So lange der duftige Frühling Bäumen und Sträuchen: rin neues Meid gibt und es ihnen alljährlich inr Herbste wieder! raubt, so lange unter den Birken das Moos grünt, so lange die Sterne am Abendhimmel strahlen, so lange Gnt und Böse fortlebt uild der Krug zum Brunnen getragen, das Brot in den Backofen geschoben wird, so lange lieb ich Dich' . . Die Phantasie deS Mannes ist in ihrer Liedesbeteuerung nicht ganz so blumenreich, wie die weibliche, und ihre Bilder richten sich meist auf realere Dinge. Zum Beispiel:So lange die Kuh Milch gibt, das Huhn Eier legt, der Sand am Meer liegt ,md das Schwein Speck liefert, so lange werde ich Dir treu bleiben . . Wbllen sich Verwandte

brieflich etwas mitteleilen, so beginnen sie meist damit, sich als Briefschreibende folgendermaßen vorzustellen:Diesen Brief schreibt Dir Dein treuer Schwiegervater, der Dir seine fleißige, brave und hübsche Tochter zum W^erbe gegeben hat, und Deine Schwiegev- mntter, die Dich zum Glücklichsten unter den Sterblichen gemacht hat, denn sie gab Dich mit ihrer tüchtigen, arbeitsamen und schaf­fenden Tochter, die Dir nie Kummer bereiten wird, zusammen . . Wesentliche Mitteilungen und Erlebnisse oder Ereignisse werden dagegen kurz, fast schroff abgetan. So wfird die Mitteilung eines' Todesfalls fast in folgenden Worten zusammengefaßt:Gestorben ist meine Frau, Deine Mutter, die Dich als Mnd gewiegt hat und Dir das Leben schenkte." Bilderreich ist aber wiedermn ivie der An­fang auch der Schluß eines Briefes. Eine sehr beliebte Wendung, die auch bei den Schreibnnkundigen durch die Popen und Schul­lehrer verbreitet wird, lautet: ,Lch grüße meinen Schwiegersohn! mrt einer tiefen, tiefen Verbeugung von der kalten Erde W zum weißen Gesicht . . Die russischen Frauen, die ihren Männern in die Gesangenschast schreiben, drücken sich blumenreich, auch in der Anrede aus. Können sie nicht schreibe,:, dann legen sie häufig aus ihren oder ihrer Kinder Haaren geferttgte Buchzeichen oder Figuren ein, oft schneiden sie auch aus Papier die Hände und Füße ihrer! Kinder aus, oder ein Jpevfr, auf dem danjn eine fremde Hand ge­schrieben hat:dies sind die Hände Deiner Frau, Deines Söyn- chens, Deines Töchterchens, küsse sie, als wären sie aus Fleisch und

* Grausamkeiten bei der Pelzaewinnung. Unter dem zavlrerchen Pelzwerk, das vornehmlich der Dammwett K:m Schmuck dient, gehören die feinen Lammfelle, die unter dem Namen Persianer, Astrachan und Breitschwanz bekannt sind, zu den bel:ebtesten und kostbarsten. Sie stamnven aus den asiatischen und südöstlichen europäischen Gebietm des weitm russischen Reiches, Und zwar hauptsächlich aus China, Buchara und Turkeftan. Der kostbarsk unter den drei Pelzarten ist der Breilschwanz, der sich bind) einen herzlichen Seidenglan- und glatte Behaarung aus­zeichnet. Diese beiden Eigenschaften sollen aber dem Pelzwerk nur erhalten wsrtwn, wenn es von neugeborenen Lämmern stammt. Um alw ein solches Lammfell zu gewinnen, muß das Mutterschaf kurz vvr der Gekurvt des Lammes getötet ,Verben, dadurch erklärt sich schon zun: großen Teil der hohe Preis des Pelzes. Wenngleich diese Gewinnung deS Pelzes durchaus nicht schön zu nennen ist, so ist

fl» doch himmelweit verschieden von einer neuen Methode, Me in den Pelz:ändern leider :n neuer Zeit inttner mehr tn Aufnahme aekvmmen ist und die den unerhörtesten Grausamkeiten und Scheuß­lichkeiten gehört, die mau sich denken kann. Die Kirgisen Dm> Vestans, die als Hauptlieferanten des Breitschwmrzes in Betracht kommen, rufen künstlich aus die gemeinste Weise eine Frühgeburt hervor, um nicht alle Mutterschafe zu verlieren. Sie bearbeiten! das angepflückte, unglückliche Tier auf das unbarmherzigste so-, lange mit Knütteln imb Stücken, bis es unter furchtbaren Qualen das Lamm zur Welt bringt, dem sofort das feine Fell abgezogen tvird. Selbstverständlich gehen bei dieser grausamen Methode viele Mutterschafe zugrunde, aber es sollen doch zwei Drittel der bedau­ernswerten Tiere am Leben erhalten bleiben, ivas für den Besitzer einen großen Pvoftt bedeutet. Selbstverständlich haben die halb­wilden Kirgisen gar kern Gefühl dafür, daß sie unerhörte Unmensch- lichkciten begehen, und auch ein Verbot dieses grausamen Verfahrens würde gar keinen Zweck haben, denn die Nomaden der weiten Kir­gisensteppe könne»: daraufhin nicht kontrolliert werden. Auf Besse- ttmg dieser Zuftäiche ist also nicht zu hoffen, aber vielleicht stimmt eS dock» manche Dame nachdenklich, wenn sie bei Bewunderung! ihres kostbaren Bveitschwanzpelzes bedenkt, wieviel Schmerzen und Opalen arme Tiere um diesen Schmuck haben erdulden müssen- Und vielleicht Vertvirtt dann allmählich die Mode diesen Pelz und bevorzugt andere, die nicht auf solche nirmenschliche Weise Wonnen werden.

vücherüsch.

- Deutscher Wille (Kunst wart). 1. Februar- best 1 S 1 7 . (Kriegsausgabe zu ermäßigtem Preis. Vierteljährlich 3,60 Mk. Verlag von Georg D. W. Eallwey, München.) DaS Heit ist besonders der Frage derNeuorientierung" und den diesem Problem naheliegenden Dingen gewidmet. Woligang Schn- »nann untersucht dieNeuorientierung als Schlagwort und als Sache" und behandelt in einem weiteren AufsatzeDie öffentliche Meinung und die innere Neuorientierung" in ihrem praktischen Verhältnis zueinander. Ein weiterer Beitrag behandelt dieNeu­orientierung in der Frauenbewegung". Allgemeine Richtlinien zu dieser durch den Krieg hervorgerufenen neuen Lebensgestaltung bringt ein RundschaubeitragNorm oder Typu»?" von P. Th. Hoffman«, während für zwei besondere Gebiete HanS von Wolzogen und Werner Mahrholz die Zusammenfassung von jüngst gewonnenen Ergebnissen bringen: jener für die Bühne mit dem AussatzeAB C für Theateridealisten", dieser für die Baukunst mit der ArbeitVon dem. was der neuen Baukunst am meisten not tut" (mit erläu­ternden Abbildungen). Hübner bringt in einem AussätzeBerichten und Ausdrücken" unterscheidende Benimmungen dieser beiden Ge- staltungSformen. Zur amerikanischen Friedenspolitik äußern sich tn entgegengesetzter Weise zwei gewichtige Stimmen: Alfred H. Fried und Otto Corbach. Ans der sehr reichhaltigen Rundschau fer der weiteren hervorgehoben: Die Entente als Suggereur von Avenariuß, Das Hildebrandslied und wir von Hoffmann, der Be­richt über Berliner Theater von Düsel, Vierteltonmnsik von I. Mager, Deutsche Wanderburschen im Orient von Kleinböhmer, Krieg und Partei von Carl Jentsch, Nationalitäten von Volkheiten von Bonns. Besonders gehaltvolle Bilderbeilagen (Robert von Hang und Kurt Kluge) und eine Komposition des jungen Müncheners O. E. CrusiuS sind beigegeben.

Bernd Jsemann: Maria im Tempel. Novellen. Verlag R ü t t e n & Q o e n i n q , Frankfurt a. M. Kart. 3 Mk. ES gibt Novellen, Erzählungen, deren Größe und Klarheit ein köst­liches Gefühl der Ruhe und Sicherheit auslösen, und dann wieder solche, deren ganzer Ausbau, Gestalt und Form trotz vielleicht ge- wollter Einfachheit etwas Atembeklemmendes an sich haben. Zu diesen letzteren zählen die Novellen Jfemanns. Man liest diese Erzählungen von Blatt zu Blatt vertiefter, eifriger werdend, und kann schließlich, wenn man das Buch aus der Hand legt, nicht fassen, warum gerade diese beinahe nur skizzenhaft durchgeführten Bilder ihren Leser nicht loSlaffen, da ihnen doch jede eigentliche Spannung :m heutigen Sinne fehlt und sich die Schilderungen nur auf der Basis real problematischer Erzählungskunst bewegen. Aber der Entwurf ist so genial, die Lösung der ausgestellten und nicht gelösten Menschheitsprobleme so durchsichtig, daß man und da» ist daS Schöne das Merkchen nicht schließlich gelesen hinlegt und sagt:das ist ganz nett", sondern, daß man Nachdenken muß und da» Verstehen für tief menschlich-seelische Regungen empor­keimt und zum Bewußtsein kommt.

Pyramide.

3 Vokal.

3 2 Nahrungsmittel.

2 6 3 Volksbezeichnung.

4 2 3 6 Getränk.

4 6 2 3 1 Mitteilung.

1 2 8 4 5 6 Krankheit

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Schwere Artilleriege'erbte.

Schri'tleitung: Fr. R. Zenz. ZwillingSrunddrnck und Verlag der Brtthl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.