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Daß Gießen in der Tat damals vorznasweise eine Ackerbau «kkbende Stadt 'war, zeigt die Beivirtschaftung von zahlreichen Grundstücken im Einzelbetrieb. TaS damalige wirtschaftliche Leben kachte e- mit sich, daß jeder Eimvohner, einerlei, »velcher Berufs- fte er angehörte, seinenKvhl" selNt baute, ja sogar der Pro- ior. Durch daS Schleifen der Festungswerke während der Jahre OK1810 und daS -lnlegen derSchoor" war Gartenland ge- dwnnen worden. Sämtliche Inhaber von Grundstücken, die in der Gietzener Gemarkung lagen, mußten eine ständige Grundsteuer an die Stadt zahlen, die je nach der Güte des Bvdens bis zu 2 Mark für den Morgeln betrag. 17 Inhaber von Gärten vor dem Wa ll to r, die meist auf dieSchoor" stießen, zahlten 2 fl. lalb. 6 Pfg., darunter eine Abgabe von 4 Pfg. 2/ Besitzer von Grund­stückenunter der alten Eiche" (Moltkestraße) hatten 4 fl. 16an*. 2^/, Pfg. iii entrichten. 44 Personen entrichteten von Grunb- stückenunter btr neuen Eiche" 65fl. Hirw waren *U Mor oen abgabesrei. die die drei Stadtschul lelwer alsbarte salaritt (Besoldungsstück) tnne hatten. 76 Personen, darunter die Uni­versität mit 3 Morgen 60 Ruthen, zahlten 11 fl. 25 alb. 3 1 /* Pfg. jt Grundzinsen von Grundstückenam Nahrungsberg". 18 Inhaber von Gärten vor demS älzerthor" waren mit 8 fl. 12 alb. 1 Pfg. abgabepflichtig. 120 Personen hatten Grundzins von Aeckern imN e u st ä d t e r F eil b" zu entrichten. Auf 35 ein­zelnen Grundstücken imHecgstrau &T, auf 8 Aeckern inde nl alten Leimenkauten" ruhte die Abgabe Pflicht. Etwa 300 Personen waren im ganzen Zahler von der auf den Gürten, Aeckern imb Wiesen ruhenden Grundsteuer im Gesamtbetrag von 216 fl.

Tos heute meist bebaute Gelände, das sich zwischen denEich- aärten" und derKaiser-Allee" über die neue Kaserne, Sck>ieß- stände, Schühenhaus hinzieht, war früher städtisches Eigentum, wurde parzelliert und an Gietzener Einwohner verpachtet, lieber 600 einzelne Personen waren Pächter derTriebviertel", so be­nannt, weil das betreffende Gelände, ehemaliger Wald, abgeholzt oder abgetrieben worden war. Tie Pacht von den Triebvrerteln ergab im Jahre 1817: 8 6 7 fl. Tie einzelne Parzelle kam jähr­lich aus ly 2 fl. zu stehen. Tie Lehrer amPaedagog" (Gymnasium) hatten von den Triebvierteln 1 Morgen, zu 4 Stücken eingekeilt, die Professoren bei der Universität 7y, Däorgen, iji 15 Stücß: eingi'teilt, in freier Berrutzimg nach einem im Jahre 1605 bei der Gründung der Universität erteilten Privileg.

Tie städtischen Wiesen wurden gleichfalls in Vierteln zu je 8 fl., 2 fl., 1 fl. 15 alb. verpachtet. Hieraus ergab sich eine Pacht von 8 1 3 fl. Pächter waren 387 Personen. Tie sogenannteWald- Inspektion", Forst Verwaltung, zahlte an die Stadtkasse von oer- vauftem Holz: 1000 fl. Tie Anforderung vonBe de gel- d e rn"^lKommimalsteioern), so benannt, weil sie durch die Bitte an die Stände bewilligt worden waren, ergab von den Bewohnern der Stadt: 118 1 fl von beiA usm ärkern" die diesseits und jenseits der Lahn wohnten 101 fl., insgesamt: 1 28 2 fl. Bon derStadttchulden-Tilgungskasse" gingen durch Aufnahme von Kapitalien an die Dtccktkasse über: 85 7 6 fl. Bon der Groß- herzoglichenLandes-Kriegskommissian" wurden alsfranzösische Etappengelder" aus den Kriegen 1813 urrd 1814 an Zinsen und Obligationen: 1019 fl. überwiesen. 9lusWagegeldern",

Chaussee- und Brückengeldern, wurden erhoben und durch den Großh. Zollbeamten rbgetiefert: ^88 fl. Gießen hatte im

g ohre 1817: 8 Jahrmärkte, Vieh- und Krämermärkte: sie

'len auf Petri (22. Februar), auf Laetare, aus die Woche nach! stern. auf Himmelfahrt auf Mariae Heimsuchung, aus Bartholo- moei (27. August), auf Michaelis (September) und auf den 88. Oktober. Tiefe Märkte wurden vor der Bleiche an der Lahn abgehalten. Kauflustige deckten hier ihren>arf an Vieh und an Verbrauchs gegenständen für den Haushalt, da es in der Stadt wich wenig Kaufmannsladen gab. DasStandgeld" auf dem Krämermarkt erbrachte 9 3 fl. AnUnterkauf" und Standgeld kür das Vieh ging«! insgesamt 4 6 6 ff ein. TerUnterkauf"' stnrd vor Beginn des eigentlichen Vkrrktes statt. Derilnterkäuser" war der Handels Vermittler zwischen frencken Verkäufern und ein­heimischen Käufern. Er hatte das Kaufgut auszusuchen, zu prüfen und für die richtige Lieferung zu sorgen.

Fremde, die sich das Gießener Bürgerrecht erwerben! woltten. hatten sich in die Bürgerschaft einzuraufen. Männer zahl- den das Bürgergeld mtzt 9 sl., Frauen das Aufnahmegeld mit je 6 fl. 22 alb., insofern sie in Gießen einheiraten »vollten. Im ganzen wurden ini Jalwe 1817 22 Personen in die Bürgerschaft ausge­nommen, 9 Männer und 13 Frauen. Sie stammten aus dein Nas- «urschen, aus Württemberg, aus Hanau, aus anderen hessischen Orten: eine Frau war aus Bonnevil bei Paris. Tie ,reuen Bürger

E außer dem Büraergeld 1 fl. 15 alb. zu den städtisches gerätschaften zu zahlen. Wer das rrotige Grundvermögen oder nicht Nachweisen konnte, envarb sich durch Zahlung von 1 ft.

15 alb. alsBersasse" gewiss« städtische Vorteile. Es befanden sich unter den neuen Beisassen des Jahres 1817 8 Witwen und 6 Post- kn echte.

Gießen betrieb damals bedeutende Viehzucht. Von den einzelnen Beirtzern wurden für das zur Werde getriebene Rindvieh an Weide­geld 121 fl. bezahlt, für das Weiden der Schafe 365 fl. Auf den Wochen Märkten hatten Bäcker und Metzger das Recht, in der söge- pmrntenSchrrn", in k^sonderen Berftmfsständen. ihre Waren fett tu bieten, wie dies noch in anderen Städtchr. so in Cassel,

heute noch der Fall ist. Tie Bückerzimft zahlte für dieses Recht 4 fl, die Metzgerzunst 7 fl.

Für das Läuten der großen Glocke bei Beerdigungen wurden 1 fl. 15 alb. gezahlt. Rur 8 Personen wurden 1817 zu Grabe geläutet eine verhältnismäßig geringe Zahl bei einer jährlickZenj Sterbezrffer von 158 Persorren.

, , Die (Skfmirtcimtabme der Stadtkasse betrug im Jahre 1817 1 « o 7 1 fl. Ilalb. 2'/r P f g.

Wie rettet sich die Mannschaft einer gesunkenen Unterseebootes?

. Urrs unrd geschrieben: Im allgemeinen ist die Ansicht vor- herrlck^ird daß der lU-Bootdienst außerordentlich gefährlich sei. Von Facküeuten wrrdau der, Hand der Statistik diese Ansicht als j£5? bfreichnct. Allerdmgs st.llt der Dienst auf einein U-Boot sehr hol)« Antz>rderungm an dre körperlichen und geistigen Fähigkeiten ml unb Mannsckiaften, wotji entbehrt das U-Boot geglichen

wolil besteht bet gemeinsam! *7 «F cr operierenden Booten eine verstärkte Kollisionswsahr der Besatzung der U-Boote und die Vertrautheit ^ Mamrschaften mit ihren Fahrzeugen bringen es

bre Unfallziffenr der d<n Untersoescknffahrt Verhältnis-, mäflg nicht größer sind als bei der Schiffahrt mV allgemeinen. Die vauptsorge bei ernem haparrerten Boot bestcht darin, die Mann- Mten aus dem Wrack zu retten. Das Schiffsmaterial selbst zu

5Srf»A b £ 6t kvnm es überhaupt

möglich ist. Zur Rettung der Mannschaft sind in der deutschen

^ -^uckwetter" eingefühtt worden/mit

clt uKlrch ist die Besatzung frühzeitig genug der Tiefe zu entreißen. Der Tauckwetter besteht auS einem Sauerstoffzylinder

dem Atmungssack und den nSti^ genBerbmdungsschläuckren.Sämtliche Teile sind auf einer Schwim«- S? C Är bte i tin: umgehängt zu werden braucht. In bm Mtt ndstück srnd ztvei Ventile angebracht, das eine zum Ausattn«, das andere ^unr Ernattnen. Die ausgeottnete Luft »vtrd' übertdieKatb-

pa rone. die sog. Drägersche-Kohtensäure-Msorpttonsvatrone

bcr WfcnRfaire gereinigt und gelangt dann in den Attmm^sack van wo aus sie vermischt mit dem Sauerstoff auS oenr La-ucrftvffzylrntz'r nneder eingeattnet wird. Um das Eindringen ^s Wassers m den Körper zu verhindern, wird die Nase mit einer

aehört vr i«dem Tauchretter ein« Metallflasche mtt Erfrischungen. Im Falle der Gefahr werden die Tauchretter m wenigen Sekunden angelegt. Dann müssen die oberen be« durch die Me Besatzung das Lahrzeug verläßt,

geöffnet »verden. Wcmr das Bootsiimere mit Wasser gefüllt ist kmm dies ohne weiteres geschehen, anderenfalls muß erst durch Oeff- nen der Bodenventtle Wasser eingelassen werden, damit der Druck im Innern des Bootes dem Druck von Außen gleich wird. Sobald die Luken geöffnet sind, tverden eüre oder mehrere Auftciebboienj ^bm mit Metereinteilrmg versehenen Kabel an die Oberfläche des Wassers gelassen. An diesem Kabel Nettern nun je zwei Mann V* °l? c V er . empor, wobei die Schwimmweste und Atmunassack als Aufttiebsmittel wirken. Freilich kann der Aufstieg nicht in einem Zuge vor sich geherr: bei dem vei'schiedenartigen Atmo- whärendnick unter Wasser rord an der Oberfläche (bei 30 Meter Wasserttefe sind 3 Atmosphären Ueberdnick) wiirde dies von gesund­heitlichem Nachteü für die Besatzung sen,. Deswegen wird z. B bei einer Wasiertteft von 30 Meter erstnmlig bei 15, bann bei 10 und schließlich bei 5 Meter Wasserttefe eine kurze Pause gemacht. Um das Jnnehalten der einzelnen Stattonen zu ermöglichen, ist Aeteremteüimg qji dem Kabel angebracht. An der Oberfläche des Wassers angekommen, kann derTauchretter^' durch eine be­sondere Vorrichtung abgeivorfeii lverden, so baß nur die Schwimin- t«ite am Körper verbleibt. Um eine Rettung der Il-Bootmaan- Ufwnen in den Fällen zu ermöglicheii, werrn in deck Nähe der Unfall- steile keine Schiffe sind, wird neuerddigs an den U-Boot eii eine Schwimmboje angebracht, die sich selbsttätig löst, sobald das Boot deii Meeresgrund berührt. Durch eine besondere Vorrichtung ver- eiidet die Boje, die durch em Kabel mit dem' Boot in Verbindung bleibt, elekttische Wellen, die Hilfe herbeirufen, ^buch durch Leucht-' raketen, die von der Boje auffrigigen, unrd die Umgebung von dem Unfall benachrichttgt. Tiefe Erfindung bedeutet einen großen Fort- chritt im Rettungsweseii für geftmkene U-Boote. Die Schrecken der Tiefe sind dadurch für die Männer der >.blindeii Waffe" wie inan so häufig die Unterseeboote nennen hört, unr ein glttes Ä^lil ge^ ringer geworden. _

vermischtes.

n b « n b u r g 8 Kartoiselsieg. DaS Ergebnis der neuen Kartoffelsorte Hindenburg-, daS die dem Institut für GarungSgewerbe in Berlin angeqliederte deutsche Kartoffelkultur- Nation dem Generalieldmarfchall v. Hindenburg bekanntlich tele- gravhisch mitgeteilt hat, muß als ein hervorragend glänzendes be- leichnet werden, und dies um so mehr, al« das vorige Jahr in­folge der ungünstigen Witterung ein besonders schlechtes Kartoffel- tahr gewesen ist, ja daS schlechteste, das wir seit langem erlebt haben. Wenn also in einem so schlechten Jahre die Sorte »Hindeii-