Königsträume.

Roman von Karl Busse. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Durch das Eingreifen ©tartynrö kam die Sc Stehen. Hartnäckig wurden die beiderseitigen

»lacht zum Stellungen

gehalten: aus keiner Seite war ein Erfolg zu verzeichnen. iDas wilde.Getöse nahm eher zu als ab. Die Schüsse sielen nur vereinzelt. Um so wuchtiger klangen und klirrten Säbel und Sensen aufeinander.

Vorwärts, Brüder, vorwärts!" schrie Maryan Ba­transki lustig.Es gibt ein Fressen! Heissa, wie die Hunde fallen! Drauf, drauf!"

Die nächsten im Kreise niederhauen, in zwei Sätzen fast mitten in die Feinde stürzen, war eins. Seine Leute hinter ihm drein.

Heissa, heissa!" rief er immer wieder. Auch Wladimir Schbsczynski ging vor.

Da krachte ein Schuß

Heiss!"

Das Wort kam nicht mehr zu Ende. Fast unter dem Arm eines verzweifelt init Maryan Batranski Kämpfenden fort hatte ein anderer dem Fröhlichen eine K^el ins Herz geschossen. Er sank sofort unv ohne Laut. Seine Finger spreizten sich, daß der Säbel der Hand entsiel.

Seine Leute stutzten, erschraken. Zwei, drei sprangen zu, um den Gefallenen aus dem Gewühl zu tragen. Die ersten beiden sanken selbst nieder. Wie eine Lähmung kam es sekundenlang über alle. Mit Triumphgeschrei drangen die Russen vor. Auch Rybsczynski mußte weichen. Eine Kugel zerschmetterte das Kruzifix. Die Splitter des Holzes flogen über die Köpfe der Männer, die entmutigt die Waffen sinken ließen.

Da, über alles Getöse fort, tönte die Stimme 8chb- sczynskis. Wild schwang er das verstümmelte Kreuz mit dem verstümmelten, mußha,Welten Christus.

Seht hier, Briider, so" eben ward Marhan Ba­transki vorübergetvagenMen sie eure Leiber! Und so" u- er schtvang das zersplitterte Kruzifixeure Seele, eure Religion! Für Gott und unseren Glauben! Mir nach!"

Es war etwas Gewaltiges, Hinreißendes in seinen Wor­ten. Hunderte, von entsetzten Augen richteten sich auf das zerschmetterte Kreuz, ein Wutgeheul brach los. dNärthrer des Kreuzes, Rächer des gemißbandelten Gottes wollten sie alle sein. Eine Wollust des Schmerzes packte sie. Tod und Wunden rricht achtend, stürzten und stürmten sie vor, mit keuchendem Atem und glühenden Gesichtern. Die ytussen hielten sich wunderbar. Aber gegen diese nichts achtende Wut konnten sie nicht an. Längst hatten sie die Gewehre um­gedreht und parierten mit dem Kolben die Streiche der Sensen, die wie die furchtbaren Schnäbel großer, gieriger Raubvögel ewig über ihnen schwebten und au? sie ein hackten.

Und immer jvoran, aufragend wie ein Wahrzeichen, bald hier, bald dort, vor und zwischen den Sensen das zerschmettert« Krein mit dem traurigen Gott.

Schrittweise mußten die Russen zurück. Ueber Verwun­dete und Sterbende stürmten die Polen nach. Auch dt« Flügel, von neuem Kampfesmut ergriffen, avancierten.

Um das Gefecht noch einmal zum Stehen zu bringen, ritten die Kosaken in prächtiger Attacke von der Chaussee her gegen den rechten Flügel an. Mer eine leichte Schtvenkung der Rothemden, die furchtbaren Sensen starrten ihnen ent- egen. Nicht aus die Reiter, über Augeu, Nüstern, Mäuler er Pferde wuchteten die Hiebe. Bon Blut geblendet, von dem Schmerze bis zur Raserei gepeinigt, mit zerfetzten Mäulern rasten die Gäule dabin, warfen die Reiter ab, gehorchten nicht inehr. Einige herrenlose geloppierten, wild um sich schlagend, in die Reihen der Grenadiere, niederstampfenb, was ihnen i'm Wege stand, die Verwirrung noch vergrößernd. Und wenn sie mit den blutunterlaufenen Mgen bte Sensen blitzen sahen, stoben sie noch jäher zurück.

Es war kein schrittweises Znruckweich-en nrehr, schon drängten aufgelöste Bataillone laufend die hinter ihnen Stehenden auseiirander.

Napoleon Rutkowski hatte bisher scheinbar ruhig auf seinem Platze arrsgehalten. Es zuckte ihm in allen Gliedern. Sein Pferd tänzelte unruhig, er zrvang es zur Ruhe. Es und sich. Fliegende Röte und jähe Blässe wechselten auf seinem Gesicht, je nach dem Stande des Ringens. Es war etwa- Furchtbares, hier hu warten, ohne selbst den Säbel zu ziehen, ohne teilnehmen zu sollen an dem Kampfe, der über sein« Zukunft entschied. Und neben ihm, ein Blld eherner Ruhe, Kasimir Rzonka, der den Kampf beobachtete, ohne mit der Wimper zu zucken. Manchmal lvandte er sich mit eineu kurzen Aeußerung an den Grafen. Knappe Worte, die wie Befehle klangen.

Der linke Flügel muß ans Zentrum Verstärkungen.ab­geben!" Oder:Die Reiter sollen attackieren, die Bataittorro sind erschöpft."

TtlS jetzt die Polen auf der ganzen Linie allgewaltig vor­drangen, inächtig erfüllt von religiösem Fanatismus, dielt es den Grafen nicht mehr. Mit jauchzendem Siegesscyrei, der sich ihm fast wider Willen entrairg, gab er seinem Pferde die Sporeü und preschte näher. Die Schlacht war gewomum; die goldene Königsfrone neigte sich, lvie lange noch, und der Jubelruf der Sieger, der Leute, die er zum Siege geführt, würde inächtig zu ihm empvrsteigcn!

Seine Augen brannten und leuchteten. Da trafen sie einen stillen Zug. Zwei Männer trugen einen Toten. Sie betteten ihn hin, um wieder ins Gefecht zurückzukehren. Der Tote war Maryan Batranski. Mit jähem Ruck hatte Napo­leon sein Pferd hochgerissen. Es bäuntte sich kurz aus und stand zitternd. Wie fröhlich hatte Maryan, der Liebling der VNänner und Frauen, heute morgen noch gesungen! Im fröhlichen Borwärtsstürmeu hatte'die Kugel ihn auch ge­troffen.