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Seine Augen waren starr und aufgerissen, als wollte er mit Gewalt etwas zurückhalten. Gr drehte sich auf dem Absatz um und blickte in die gerne. Michael Laskowicz las. Gr war nicht besonders gelehrt und hatte allezeit mit dem
t ammer besser umgehen können als mit den Schreibereien.
o buchstabierte er sich Wort für Wort zusammen. Dann ließ er das Blatt sinken. Der Wind fuhr über den Kirchhof, Über das neue Grab und die alten. Peter Wroblewski fühlte den Wind nicht. Er hatte einen sündigen Gedanken, den er nie gehabt. Manchmal ist unten besser wie oben, dachte er. Da hörte er die Stimme des Schmiedes. Sie war ruhig. „Nun also, was ist da zu reden? Es muß wohl so sein! Und wenn ich beim Blasebalg gestanden habe, urrd ou bist gekommen, habe ich auch nicht gedacht, daß du mich mal ab- führen wirst!"
Der Gendarm biß die Zähne zusammen, um keinen Larrt Von sich zu geben, Hätte Michael Laskowicz geflucht wie früher, petobt, gebrüllt, es wäre ja besser gewesen. Aber so!
Sters schritt der Gendarm neben seinem besten Freunde her.
„Wenn es ginge, ich möchte noch einmal nach Hause. Du verstehst: man muß doch abschließen. Es dauert nicht lange. Kanu es sein?"
Peter nickte stumm. Erst nach einer Weile sagte er; „Dann erwarte ich dich vor dem Dorfe. Beim Marienbild. Braucht keiner was zu sehen!"
Und schnell, damit der andere nicht widerspreche, trennte er sich von ihm.
„Auf Wiedersehn, Bruderherz!" rief er ihm noch nach. Mer der Schmied verstaut) auch diesmal nicht oder wollte nicht verstehen. Eine halbe Stunde später tras er richtig bei der heiligen Jungfrau auf dem Werdenbaum ein. Er nahm, wie immer, die Mutze davor ab und sah die Gottesmutter ian. Die war während der Wochen, wo er sie nicht gesehen, nicht hübscher geworden.
„Die neue ist fertig, Peter Wroblewski," sagte er. „Man könnte sie aufstellen. Mir aber ist weh ums Herz. Diese hier ist alt geworden mit mir. Und hat sie auch zugelassen, daß Juschu ein Krüppel geworden und gestorben ist und all das andre, ich kenne sie doch, und sie kennt mich. Laß sie stehen, Freundchen. Vielleicht, wenn ich herauskomme aus dem Gefängnis, weißt du! Dann wird Polen schon frei sein. Und wenn ich da sterbe, darin stellt die neue Madonna auf teuf Weidenbaum, für die Jungen; für die Men tut's die alte auch."
Sie gingen die Chaussee nebeneinander nach Wreschen Meiner sprach mehr.
Peter Wroblewski sah wieder auf die Steine. Ohne die Zippen zu regen, sagte er immer nur zu sich: „Meinen besten Freund!"
O r. Un m^ spuckte ans por der Welt, vor sich, vor dem ganzen Cefern Pwtzlich ward er unsicher. Der Wald trat näher an vte Chaussee hinan. Man brauchte nur über ein paar Felder toeß' und man war drinnen. Ein Kätnerhaus, ärmlich, schmutzig, lag gerade hier am Straßenrand.
„Nun höre, da fällt mir ein," sagte er stammelnd, „ich bade hier noch eine kurze Besorgung im Haus, eine Nachfrage. Wenn die Leute zehnmal gemahnt werden, sie folgen der Obrrgkert nicht. Ich aber bin sehr streng. Wenn du vor- auAgehen willst —"
Ueber und über rot, nickte er und lief fast nach dem Kauerhaus hinüber. Mechanisch schritt der Schmied weiter. rf r n b i r . paar Sprünge, und er war geborgen,
wir** Gendarmen einen Gefallen, wenn er's
täte. Peter Wroblewski würde eine Straße bekommen. Er aber konnte sich über die Grenze retten und mit den Brüdern Kegen. Unschlüssig stand er da. Mit Juschu, das hatte ihm hoch einen Stoß versetzt. Er war nicht mehr der Ungebeugte, Rresenstarke. Aber wenn er wieder kämpfen konnte —!
Ö * T Waldsaum ein Mann auf. Ein Buck auf dre Chaussee. Er kam rasch herüber.
„Kuba Boroduik!" schrie der Schmied auf.
^Bm's, bin's! Ist die Straße frei? Immer durch die Wälder durch bin ich gelaufen, so komm' ich von Wreschen. Wer will mir was tun. Käme ich Von der Grenze, müßte ich von der andern Seite kommen." }
.. 4' U r nb lt S rum bist du hier? Nach dem Siege? Wo sind die Unseren?" '
„Nimm einen Schluck vorher, besser ist besser! Ich habe
dir gesagt, bald ist die Reihe an diesem, bald m In diesem Augenblick tauchte die Helmspitze
des Gendar
men auf. Mit einem Fluch sprang Kuba Boroduik über die Aecker dahin.
„Red' !" rief ihm Michael Laskowicz nach.
Er hörte nicht. Eine Minute später war er im Walde verschwunden. Langsam kam Peter Wroblewski näher.
„Da bist du ja! Bist nicht weit gegangen!" Der Schmerz' prägte sich in seinem Gesicht aus.
Schweigend, fast gebückt, ging der Schmied neben ihm.
„Ich will nun die Freiheit nicht mehr!" sagte er still. „Es tut mir weh um die Welt!" Er sprach kein Wort mehr brs zu semer Einlieferung ins' Gefängnis des Kreisgerichts. Nrir die Hand gab er dem, der ihn abgesührt.
Wie der Gendarm zurückkam, wußte er nicht. Aber kaum hatte er die Tür seines Häuschens geöffnet, als die Trompeten stimme, die nur darauf gewartet hatte, zu schmettern
„Bist du da, Häbuchen? Wagst mir noch unter die Augen zu treten? Wo du Schandmaul mir aus dem Kirchhof — Psra krew, ich will dir zeigen, ich witt's dir eintränken!"
„Ruhe, sagte Peter Wroblewski. Er nahm mechanisch den Helm ab, hing das Gewehr am Meinen auf.
„Ruhe, Ruhe! Warst du ruhig auf dem Kirchhof? Warrmr sollte ich weg? Warum sollte ich nicht zusehen, wie du deinen Freund und Saufbruder ins Kittchen führst? Schone Fremrde, ha, das ganze Dorf —"
^Weibsstück!" Ein rauher, gurgelnder Laut. M-bermaurtt von Witt und zormgem Schmerz, sprang er wie ein Rasender aus sie zu, packte sie, daß sie ausschrie, hob sie hoch, schüttelte sie mrt furchtbarer Gewalt.
„Weibsstück!" Kein Wort weiter. Aber es hieß: Wenn du noch eine Silbe redest, erwürg' ich dich!
Sein mißhandeltes Herz schrie. Das Schreckliche, was PE ccl^ e au f kent qualvollsten Gange seines Lebens',
schaffte sich einen Ausweg. Und während er mit wut- und wehverzerrtem Gesicht in das der Frau blickte, die er noch rmmer wre eine Feder hochhielt und grimmig schüttelte, liefen ihm schwer ein paar Tränen aus den krampfhaft aeöff- neten Augen. ö 11
. * ? ie Ästige Spätzin heulte, zu Tode erschrocken, dann bat sie, flehte ste^Er hatte gepackt, als wollte er ihr die
v^beischlich?^^ ba§ bet f0nf - °n ihr
M^Enung /ieß nach. Er setzte bas Weib ans den Boden. Wre ein geschlagener Hund floh die Pani Jadwiga in
Ecke. Ans und ab, auf und ab, mit keuchender Brust, ging der Fußgendarm. „Raus !" kommandierte er dann Mit leisem Wrmmern machte seine Frau, daß sie ins Schlaf- gemach kam. Dort weinte sie noch lauge. Peter Wroblewski börte es gar nicht. Er starrte in die Nacht. Sein Hanskrcnz!
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(Fortsetzung folgt.)
von der Schönheit unserer Heimat.
Bon Regievungsbaumeister Seeger.
(Fortsetzung.)
« Wmn wir an den Ufern der Lahn nach altehrwürdigen Bau- denkmalen UmsckMr halten w ragen aus der Menge das Schönen ^Kirchen hoch empor: St. Elisabeth in Märburg und die Dome rn Wetzlar und Lrmbnrg.
wrs noch ein mittelalterliches Städte-
o 0 , m dcm eme Kirche so königlich stolz als Krone eines herrlichen Landschaftbildes thronte, als der Limburger Dom auf seinem steilen Lahnfelsen. Bon der alten Brücke gesehen, spiegelt der Fluß m wundervoller Harnwnie den siebentürmigen Kirchenbau; ein $öüb, in dem Natur und Kunst so miteinander verwoben sind, daß man sich erst besinnen Muß: das hat ein Menschenhirn vor 650 Jahren komponiert, da hat ern Künstler die Natur, in ihrer Sebön- heit sie steigernd, sich untertan gemacht.
uns nun die Kunstwissenschaft über diesen Ban?
™ & r o er v e x Halste des 13. Jahrhunderts ist er entstanden. Es war die Zeit der auf der Höhe der Entwicklung angekommcnen romanischen Kunst, die aus Nord-Frankreich die ersten gotischm Anregmchen empfing. Hier m Limburg trat die neue Konstruktious- M mit der altbewährten UeberliHruug befruchtend zusammen. Uebergaugssttl hat man diese Knust getauft
Mw ^ eigentliches Wesen? Die romanische Kunst hatte es geleimt, das Hochschrsi, sme die Seitenschiffe mit stemernen Gewölben zu uberspamien. Hier in Limburg hat man dieses Geiwlbe schon so gemeistert, daß mau in sechsteilige Gervölbe tragende Rippen euispannte und her Gewölbelast durch sie den ttasen^u Pfeiler wies. Also nicht die ganze Außenwand wurde durch drc steinerne Decke belastet, sondern nur einzelne aus-


