Ausgabe 
12.2.1917
 
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Königsträume.

Roman von Karl Busse.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Es sind Boten da, Eller Gnaden," meldete Bartek Zhchod ein Weilchen später und führte auf einen Wink nach­einander ein paar Bauern herein. Jeder sagte dasselbe aus: Daß die Russen, die so lange gezögert hatten, jetzt in Eil­märschen heranrückten.

Und noch immer keine Antwort von Czechowski.

Das sieht dem Herrn ähnlich," sagte Kasimir Rzonka, der von den Vorposten zurückkehrte, ärgerlich.Warten wir noch bis zum Abend."

Endlich man hatte die Hoffnung fast aufgegeben ganz erschöpft ein Reiter an. Langsam, ohne eine Miene zu verziehet, las Rrttkowski das Schreiben durch. Ohne jedes Wort gab er es an Kasimir Rzonka. Der über- flog es.Mit andern Worten: er kommt nicht?"

Einen Augenblick herrschte Schweigen.

Seine Leute sind durch lange Märsche ermüdet; Regen­güsse haben die Wege beschwerlich gemacht. Er muß sich zwei Ruhetage gönnenPah, und morgen, wenn er ruh-t, sind die Russen hier!"

Ein kluger Herr!" antwortete Kasimir Rzonka.Er weiß wahrscheinlich ebenso gut wie wir bereits, daß der iFeind anrückt!"

Und das soll klug fein?"

Erlauben Sie," sagte der Generaladjutant,Euer Gna­den vergessen eins: so bleibt Ihnen nur der Rückzug. Und der Ruckzug wohin? Nun, südwärts, zu Czecholvski. Er will nicht zu Ihnen kommen, sondern Sie sollen zu ihm kommen! Dann steht die Sache wesentlich anders."

Ich zu Czecholvski?"

Die roten Flecke brachen durch. Der Grus trat ans Fenster. Er biß die Lippen blutig. Wieder ein Bote!

Der Anmarsch der Russen? Weiß schon!"

Plötzlich drehte er sich um.

Pan Rzonka, wann, meinen Sie, haben wir die Mos­kowiter vor uns?""

Wenn wir stehen bleiben, in vier Stunden. Morgen

f rüh werden sie aussreisen wölken. Es ist am besten, es wird osoi.^ der Befehl zum Aufbruch gegeben. Einen um so größeren Vorsprung haben wix."

Und um so eher kommen wir zu Czechowski, nicht?"" Napoleon Rutkowski hatte einen höhnisck^en Zug im Gesicht.

Wie prüfend, als wollte er seine Gedanken erraten, ließ Kasimir Rzonka frett Blick auf ihm ruhen. Der Graf hielt den Blick aus.

Nein,"" sagte n kurz,wir werden nicht zu Czecholvski gehen Wir werden ihm morgen abend einen Boten senden, daß die Ruhetage länger ausgedehnt werden können, da wir die Rnssen inzwischen allein geschlagen haben.""

Das fft ein Scherz, das kann nicht Ihr Ernst sein ."

Vollständig. Ich will den Missen mit dem Angriff zu­vorkommen. Bereiten wir ihnen ein zweites Lukom!"

Kopfschüttelnd sah Kasimir Rzonka ihn an.

Sie wollen sich über mich lustig machen, Herr Graf. Sie wissen so gut wie ich, daß lvir im offenen Felde dam Feinde nicht ftaichhalten können. Ntann gegen Mann, gut! Das lasse ich mir gefallen. Aber eine undisziplinierte, zu­sammengewürfelte Masse gegen eine geschulte Truppe, das ist Wahnsinn!"

Aber der Graf blieb fest, und seit dem Nachtgefecht war sein Ansehen so gestiegen, daß seine Stimme auch im schnell berufenen Kriegsrat den Ausschlag gab. Mit glühender Beredsamkeit sprach besonders auch Marhan Batranski für den Kampf.

He, he," rief ihm der Marquis zu,du legst dich ja feste ein!"

Man soll seinem Schicksal nicht aus dem Wege gehen," antwortete der schlanke. Er hatte einen seltsamen Blick.

Sie spielen zu leichtsinnig, Herr Graf/" sagte Kasimir Rzonka nachher.Eine Niederlage, und alles ist aus!"

Sehr wohl. Aber eben deshalb können wir nicht unter­liegen. Es darf nicht aus sein.""

Gewiß nicht, wenn wir so stark wären wie Ihr Glaube.""

Im Nll verbreitete sich unter den Aufständischen das Gerücht, daß man am Vorabend einer großen Schlacht stehe. Jubelnde Rufe schollen in kräftige Freiheitslieder hinein. Die Branntweinhändler konnten idle Flaschen nicht oft genug füllen. Prüfend fuhren die Finger über die Schneiden der Sensen.

Das Lager war so aufgeschlagen, daß man es von der Chaussee aus nicht erblicken konnte. Ein paar Erd- erhöhunaen waren vorgelagert. Wie auf einem Jahrmarkt iah es hier auA. Zelte waren ansgeschlagen, über denen kleine Wimpel im Luftzug fröhlich flatterten. Die Gewehre waren zusammengestellt, pyramidenförmig lehnten die Sensen aneinander. Und überall saßen, sprangen, liefen Rothemden, die nichts zu tuu hatten, umher, kniffen den Bauernweibern, die Eier urid Käse zum Kauf anboten, in die Backen, nrachten ihre Späße mit den Schnapsjuden, hörten einer Harmonika zu und lärmten durckleinander

Im Augenblick änderte sich das Bild, als es bekannt wurde, daß eine Schlacht bevorstand. Diejenigen, die schon Lnkom mitgemacht hatten, gaben den Neulingen, die vor Kampfbegier brannten, ihre Erfahrungen zum besten. Die Aengstlichen versteckteil ihre Furcht unter dem lautesten Lärm. Wenige nur schienen sich um den nächsten Tag über­haupt nicht zu kümmern. Zu den wenigen gehörte Michael Laskowicz, der Schrnied. Er saß etwas abseits von den üverigen auf einem großen, oben abgeplatteten Feldstein lind hatte den Kopf in die Hände gestützt Die Flasche stand neben ihm. Er trank jetzt mehr als früher.

Plötzlich legte ihm jemalld die Hand aus die Schlll:er