Ausgabe 
10.2.1917
 
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nämlich von morgarS bis abends, ohne «rch nur eine Dierbel- Minute auszusetzen. Advlphus f>erdaukt sein Dasein erstens der Tatsache, daß die Engländer leidenschaftliche Pferfenraucher sind, und zrveibenck denl Umstand. daß ein« neue Pfeife nicht schmeckt, sondern erst eineangerauchte". Diesem Fehler, der bisher allen Pseifcnkäufern Verdruß bereitete, sftift dkdolphius ab. Wenn manr eine neue Pfeife kaust, steckt man sie gleich inr Laden Mvlphus in den Mund, hieraus geht man ein Stündchen spazieren und kehrt dann zurück, um die geradezu ideal angerauchte Pfeife endgültig! in Besitz zu nehmen. Wenn man in den ftaglick-en Laden kommt, must man oft wegen des Gedränges lange warten, bis Adolphus bereit ist. einem die geschilderte Gefälligkeit zu erweisen. Ajdol- Phus ist nämlich fein Mensch, sondern ein Apparat, der auf elek­trischem Wege die Pfeifen raucht.

* Schirm Heide n vor Gabor na. Wenn Cadorna im Kugelregen heute immer mit einem Schirm dargestellt wird, so hat er seine Vorbilder an den Chinese». Diese waren bekanntlich, noch im letzten Krieg mit Japan, wenig auf europäische Kriegs- führurrg und Kriegstechnik eingeübt. Sie traten vielmehr, statt in Schützenketten auSznschwärmen und sich einzugraben, den Japanern in ivoblgeordneten Karrees entgegen. 2llS dann die-ersten japani­schen Geschosse in ihre Reihen einschlugen, spannten sie in aller Gelassenheit große seidene Schirme auf, die mit bunten Drachen­fratzen beinalt waren. Durch den Anblick dieser Ungeheuer ge­dachten sie ihre Gegner zu erschrecken mrd in die Flucht zu schlagen, durch die Schinne selbst aber sich vor dem Ersenhagel aus den japanischen Gewehren und Kanonen zu schützen. Ganz wie jetzt Cadorna an der Jsonzo-Front k . . .

Vüchertlstff.

Ein Ruhmesblatt für die Technik, für die Technik, die unsere Zeit von Eisen wachsen ließ, ein Loblied für die schaffende, erdumgestaltende Tätigkeit des JirgenieurS, daS Fach­leute wie Laien mir gleichem Vergnügen in die Hand nehmen werden, ist daS soeben bei Dr. Eysler & Co. in Berlin S.-W. 6 erschienene hochinteressante BuchD i e M a s ch i n e in derKari- f a t u t*. Ern Buch zum Siege der Technik. Von Dipl.-Jyq. HanS Wettich. Oktav, 216 beiten mit über 260 Bildern. Mit farbigem Titelbild nach Original von C, O. Petersen. (Geheftet Akk. 3.50, gebunden Mk. 4,50.) Ein Buch, das sich ivie ein spaiinender Roman liest, das, wo man eS auffchlagi, Wissenswertes, Anregung und angenehme Unterhaltung bietet. Besonder« interessant ist der reichhaltige Bilderschmuck. Jahrhundertelang in Archiven scdlnm- mernde köstliche Blätter, vielfach init den derbdrastischen Dar­stellungen des ausgehenden Mittelalters, reizende Minialliren aus alten Handschriften, glänzende Holzschnitte von TobiaS Stimmer und anderen Zeitgenoffen von HanS Sachs hat der Verfasser in eifriger Sammlertätigkeit zusammenqetraaen. Und dann die Groteske der Neuzeit: Grandville, Shortshank, Heinrich Kley, Stuhr, Mühlenschutte, Schmrdhammer, Schaberschul, Robinson und wie die Hochmeister vom komischen Zirkel alle heißen, alle sind mit vielen glänzenden Bildern vertreten und machen da« Buch zu einem der interessantesten und wertvollsten, die aus dem Bücher­märkte der letzten Jahre erschienen sind.

Im Türkischen Hauptquartier. Don Paul Schweder, Kriegsberichterstatter. Eingeleitet von Marschall Liinan von SanderS. Mit zahlreichen Bildberqaben. Leipzig, Hesse L Becker Verlag. Kart. 3,50 Mt., in Leinenband 4 Mk. DaS neueste Kriegsbuch des durch sein dreibändige« Werk .Im Kaiserlichen Hauptquartier rühniltchst bekannten Kriegsberichterstatters Paul Schweder wird sichtlich Aussehen erregen. Ist es doch die erste zusammenhängende, aus eigener Anschauung oder aus zuoerkassigen Zeugnissen beruhe,rde Darstellung der welthistorischen Dardanellen- käm-pfe. Ten Höhepunkt des Buches bildet eine Schilder»,g der Reise des VerjasserS in Gesellschasl des Herzogs Adolf FriH»ich zu Mecklenbiirg nach den Dardanellen und Gallipoli, soivV seiner Fahrt rund um Troja. Bilder der deutschen und der türkischen Heerführer, interessante Auknahn»en von Gallipoli und den Dar­danellen, sowie der schönsten Punkte Konstantinopels und des türkischen Landes schmücken daS vortrefflich ausgestattete, zu Ge- schenkzrvecken ganz besonders geeignete Buch.

R. W. Wallach: Aus dem Tagebuch eines Eriegssreiwilli­gen 1914/15. Tenien-Verlag zu Leidig. Es ist ein be­merkenswerter Zug dieser Zeit, daß der über Nacht herein­gebrochene Krieg nicht allein in der ganzen Volksmasse, nur vermutete, etfytfcf>e Momente auslöste, sondern daß auch im höher veranlagten Einzelmenschen plötzlich Saiten anklingen und Qitellen anssprmgen, die sonst wohl noch lange stumm und per schlossen geblreben wären. Wallach ist kein Plauderer, kein oberflächlicher Schilderer, er ist wirklich ein Dickster, oder ver­spricht, es wenigstens nach den gegebenen Proben zu werden. Haften seilten L-timnnmgsbildchen mich zum Teil noch die Schlacken geivollter steifer Reimfucherei an, so fallen, sie doch schon in Gedichten wieZwischen den Gräben",Warum denn nicht ich?",Bern,ißt"' vollständig ab. mrd was sich hier dar­bietet, gibt eine Grundlage, auf der sich anfbauen läßt. Wünschen

wir dem Am.a«r Dichter eine Steigermra seiner Reise Fähigkeiten, wie sie seinTagebuch", das ferne Liebhaber wird, andeutet.

Lena Chrift: DieRumplhanni. Roman. Um­schlag- und Einbandzeichnung von Paul Neu Preis geheftet 4 Mk.. in Leinen gebunden 6 Mark. Verlag von Albert Langen in München. Lena Christ erzählt in diesem heileren, künstlerisch aber sehr ernst zu nehmenden Roman die Geschichte einer körpev- lich und geistig rassigen und gesunden, für die Liebe wie für di« Wahrung ihres Vorteils in gleicher Weise begabten Bauernmagd^ die hinauf will und hinaus kommt. Daß Lena Christ e« verstand, un- diele Person ohne jede Beschönigung ihrer Fehler, ohne jed« Versüßlichunq ihres Charakters so nahe zu bringen, gibt ihrem neuen Buche wieder den dichterischen Wert, den ihre früherem Romane gleichfalls in hohem Grade aunviesen. Und auch hier bewährt sie ihre rühmlichst bekannte Meisterschaft in der Schil­derung oberbayerischer Bauern und Münchener Kteinbürgerkrets«. Jede Figur ist gesehen, jede« Wort, daS diese Leute sagen, ist gehört und mit feinem Ohr aufgefangen. In diesem Bliche sprüht alles von starkem, echtem, vollsastigem Leben.

- Deutscher Wille (Kunstwart). 3. Januar­heft 19 17. (Kriegsausgabe zu ermäßigtem Preis. Vierteljährlich 3^60 Mk. Vertag von Georg D. W. Callwey, München.) Das Heit wird eingeleitet von Arthur Bonus, der in seinem Auf­satz .Ein Kamps der Moralen" tiefgreifende unterscheidende Richt­linien aniweisl zwischen der FreiheitSmoral deS KapitaliS»nuS, nri« um die Entente, und der OrganisattonS-Moral des Sozialismus, wie ihn daS neue Deutschland vertritt. Wolfgang Schumann wid­met zwei Büchern, die grnndlegend Neues bringen, fe eine ei»»- gehende Befvrechung. dem Buche von Prof. Hugo Preuß .Das deutsche Bott und die Politik und dem Buche ,DaS deutsche Musi» leben" von Paul Becker, an deffen Berfnfser er in Gestalt eines BnefeS über Wesen und Form auf jenem Gebiete schreibt. Ferdi­nand Avenarius beschäftigt sich iu einem Aussatz überKunst und Brot" mit der Lage der Künstlerschait infolge deS Kriege«, wahre»»« mit der Lage der Bauernschaft sich ein Beitrag »Gutsbesitzer uns Bauern" von Ferdinand Nagel beiaßt Aus der reichhaltigem Rundschau seien hervorgehoben die Beiträge: Gregori. Ueberflüssig, Rundfragen E. Nldden, .Tie Stl.nde des Martin Jochner." AvenariuS, Vorlesungen in Kleinstadt und Tori. Alexander Elste^ Bargeldlose Zahlung Otto Corbach, Steuerabwälzung. Avenarius, Tie Heroine von LooS T,e Bilderbeilagen (Wigandt. Löwe a» der Tränke, und Schönleber, Qninto al mnre) stnd diesmal zugleich glückliche Beispiele für den Üntevi^-d von .Kunstblatt" und »gut« Wiedergabe".

A. O. Weber: Indiskretionen. Erlebtes un» Erlauschte«. Steif drosch. 2, Mark, gebunden 3,- Mark. Indiskretionen. Neue Folge. Steif drosch. 2, g» Kunden 3, Mk. Heinrich I. S. Bachmair Verlag, Berlin W. «2 München.

Gießener Hausfrauen-Berein.

Kochanweisungen.

Kartoffelaulasch.- 4 Pfund Kartoffeln sind nicht ganH gar zu kochen, zu schälen und in Scheiben zu schneiden. In heißem Fett bräht man Zwiebeln gelb, gibt 1 .Eßlöffel Kümmel und dsr Kartoffeln dazu, nebst Salz. 1 guter Eßlöffel Mehl wird mit Vs Schoppen Mllch angertihrt dazugegeben und V« Stunde lang­sam kockien lassen, dann gibt man y 2 Pftrnd gel>ackkes Rindfleisch bam und läßt das Gericht auf warmer Herdstelle oder in der Koch- kifte Vs Stunde ziehen, nicht kochen

Noterübengemüse: Mgekochte, weiche Rüben werd«

,n ferne Lxheiben geschnitten und beün Auricksten mit holländisch« Tunke übergossen.

Zwiebelgemüse: Mit Schwitzmehl sämig gemachte Milch­tunke, gesalzen, wird aufgekocht. In dieser Tunke läßt man eine genügende Portion in Scheiben geschnittener Zwiebeln iveich dünsten.

A p f e l a u f l a u f: In eine Auslaufsorm füllt mtm Kartofseb- brei, dann eine dicke Lage rohe, in Scheiben geschnittene AepfL als letzte Lage Kartaffelbrei. Im Ofen zu backen. (An Stelle AepZ sind auch Gemüseresta oder Sauerkraut zu. verwenden.

Rätsel.

Eine tolle Geschichte.

Herr Joffre ging mit French spazieren,

Er wollte ihm vor die Augen führen Ein schönes Gelände, wo er will baueit Das stärkste Schanzwerk, daS je zn schallen.

Da plötzlich rief der French erschreckt,

Daß drin schon ein preußischer Krieger steckt.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Charade in voriger Nummer r Schildkröte.

Schrinleitung: Fr. R. Zenz.-Zwillmgsrunddruck und Verlag der Brühl'scben UniversitätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.