Ausgabe 
10.2.1917
 
Einzelbild herunterladen

Motomfl fle Me Dirgenden und Uebelbatar untereinander teilten, dem Lehrer aber blieb schließlich nichts anderes Übrig, trotz seiner Gerechtigkeitsgrundsältze, mit Lob imb Tadel summarisch zu verfah­ren. So profitierte P<ml von Peters Geistes gaben, litt aber auch Unter seinen Nichtsnutzigkeiten.

Als Peter und Paul zu Jünglingen heran reiften, noch immer einander ähnlich, als wären sie aus einer Form gegossen, spielte ihnen die Ähnlichkeit in Liebesdingen einen bitterbösen Streich. Meter hatte einer hübschen Blovdine zu ttef in die Angen geblickt, Maul srch von einer Brünetten in No,enfesseln schlagen lassen. Sie waren beide glücklich und vergaßen, daß das Verhängnis der Zwil- lingsähnlichkert seinen Schatten über ihr Leben »varf. Und als sie glaubten, daß nun nichts mehr Kn ihrem Glücke fehle, trat dis Katastrophe ein.

Man hatte beider: Mädchen hinterbracht, daß ihre Liebsten es Mit der Treue nicht so genau nehmen müßten, denn man habe sie wiederholt mit einer anderen im Arm gesehen. Vergeblich suchten Peter und Paul ihre Unschuld zu beteuern wrd eine Verwechslung als Grund dieser Beobachtungen anzuführen- Man bestmrd daraus, den angeblich nur durch die verschiedene Farbe der bunten Krawatte zu unterscheidenden Zwillings bnüx'r keimen zu lernen, und Peter sowohl wie Paul blieb nichts anderes übrig, die aus Vorsicht bisher vermiedene Begegnung nunmehr herbeiznführen, um loenigstens den Unschuldbetveis zu erbringen.

Leider war der Endeffekt dieser gemeinsamen Zusammenkunft nicht der erwartete. Term, statt daß er eine allgenreine Aufklärung hervorbrachte, begann jetzt ein tolles Durcheinander. Im Begriff, ihrem Bräutigam verzeihend um den Hals zu fallen, bemerkte die Blondine an Peters Hals statt der üblichen blauer: eine rote Kra­watte, erschreckt stürzte sie sich in die Arme Pauls, dein: die blaue Krawatte und ihre eigenen Gefühle versetzten sie in schwere Gewissens- zweifel, und sie sank ohnmächtig in Peters Arme. Peter und Paul aber, die sich das seltsame Benehmen ihrer Bräute nicht erklären konnten, standen verdattert, bis sie plötzlich selbst bemerkter:, daß die Farbe der Kvarvatten der Gewohnheit entgegengesetzt war. Ware:: fie einer Verwechselung zum Opfer gefalle::, waren sie farbenblind, oder sollte:: sie etwa gar nicht mehir sie selbst, sondern jeder der andere sein? So stmrden sie und wußten nicht aus :roch ein, wie damals die konfuse Amme, die ihnen die bunten Bär:dcher: der Beißringe vertauscht hatte. Aber jetzt litten nicht nur sie, jetzt litte:: auch noch zrvei geliebte Wesen Imrter Zrveifelsqualen der Liebe, und rvelche Folger: diese verhängnisvolle Aehulichkeit noch fernerhin zeitigen konnte, das rvar ja gar nicht auszndenken.

Es war ein Glück, daß der Krieg herembrach und aller: Mißver­ständnisse:: kurzerhand ein Ende bereitete, indem Peter sowohl wie Paul in eine feldgraue Uniform gesteckt wurden, ungeachtet ihrer Aehulichkeit, imd ihren Dienst fllrs Vaterland an den Fronten later: Feldpostbriefe und Liebesgabe:: hielten rwtdürfiig die Bande der Liebe zWischer: den Paaren aufrecht, die so heftige Erschütterung gen erlebt.

Eines Tages aber erttstieg Peter in seiner Uniform eir:en: Ur- lanberznge ur:d kan: ir: die Heimat, die er Monate nicht mehr gesehen. Sein Anzug war zrvar ziemlich mitgeirommen, aber sein Gesicht war brorrzefarben, und außerdem hatte er eine Ueberraschrmg für seine Braut mitgebracht. Mit Jubel lvurde Peter vor: de:: Seinen empfangen, mW als ihn seine blonde Braut fragte:Aber warum trägst du dein: den Kopf verbuirdcn?" da lachte er übers ganze Gesicht, löste den Verbuch und zeigte eine karmr verheilte breitet Narbe ans seiner linker: Wiange, die Spuren eines Streifschusses.

Ein Erkemmngsmerkmal, Liebste, bist du nicht froh darüber, daß du mich von Paul nun unterscheiden kannst?"

Aber das rvar ja gar nicht nötig, Peter" sagte das Mädchen, Paul hat ja auch schon eine:: Kopfschuß, er loar vor zwei Wochen hier aus Urlaub."

Donnerwetter," sagte Peter,wenn ich das gewußt hätte, hätte ich den Kopf weggehalten. Paul hat doch nicht etwa auch einer: Streifschuß au der lir:ken Wänge?"Nein, an der Stirn," lachte sie.

Gottseidank! Dann sind wir nicht mehr zu verwechseln, und der Krieg ist zu etwas gut gcrvesen.

Das vrot der Toten.

Uns wird geschrieben: Die letzte Unruhe in unserer vorgeschobenen Stellung hier ober: ans der Argonnenhöhe loar verebbt. Das loar, als die Essenholer das kalte Essen von der weit crttfernt haltenden Feldküche ir: den

Kochgeschirren he ranfge bracht hatten. Nun stand wieder der Posten still und einsam an seinen: Postenloch und spähte unbeweg­lich in die schweigende Nacht. Seme Ablösung hockte tief im Gra­ben und wärmte sich die Hände am heißen Tonkopf der Tabakpfeife. Ties herab bat er das Haupt gebeugt, damit auch nicht der seine! Rauch der Pfeife zum Veräter loerdeu könnte. Ml es blieb stumm. Auch nicht der vereinzeltste Schuß siel. Nur weit rechts, in einem nicht in Betracht komn:e::den Abschnitt, hämmerten die Maschinerr- gewehre, und ein rvütendes JnsMrternefeuer schickte seine Schall- wellen bis zu unserem Posten. Mein Nachbar richtete sich im Halbschlaf auf, griff in den Brotbeutel, holte eine:: Zwieback heraus, fcntf) im Kcu:er: erwachte er.Hast du Hunger?" Fragend streckte er mir einen weiteren unserer 'kleinen Feldzwiebäcke entgegen. Er

wußte, daß er dafür gelegentlich eine Zigarette erhält. Bei diesem! mehr als bescheidenen Nachtisch, 400 Meter vom Feinde entfernt, kam das flüsternde Gespräch aufs Essen, die Hauptsache im Leben des Soldaten, wem: er nichts arrderes zu tun hat.Drüben muß» es mit dem Essen nicht besorürers gut stehen!"Warum?" Auf meine Frage berickstete er von einem kleinen Erlebnis während der letzten Nächte.Es loar eine stille Nacht wie heute. Lluch der? Nebel lag dicht über dem Vorfeld, und keine Harü> breit war zu! sehen. Ich lauschte daher angestrengter als je, denn den: Franzi mann ist gerade bei solchen: Wetter nicht zu trauen. Plötzlich horchte ich auf. Das :varen Stimmen. Französische Worte drangen an inein Ohr. Aber die Stimmen kamen weither und gedämpft. Sie konnten nicht von außerhalb des Grabens komnron. Ein Wort hörte ich immer wieder...Pain!" Mso ging es ums Brot, und beruhigt versuchte ich rveiteres zu erlauschen. Mit einem Male Schi:npfworte. Sie waren nicht zu verstehen, also konnte! es kein Schulfranzösisch sein. Und dann Tone, wie sie von Wirtshansstreitigkeiten her noch in: Gedächtnis lagen. Kein Zweifel, unter den Kameraden drüben rvar eine solerrne Schlägerei im! Gange. Eine scharfe Koinnrandvstimme ließ das Gedröhne des nächtlichen Kampfes im fenchlichen Schützengraben abbrechen, und es ward rvieder still." Mein Kamerad schwieg rmd rauchte an seiner Zigarette: die aus meinem Täschchen stammte. Im ganzen Graben herrschte Sülle. Da zupfte mich der Posten neben mit am Arme. Hör' mal," sagte er,da ist etwas nicht geheuer!" Unsere Augen bohrten sich in die Nacht. Vergeblich. Diese pechschwarze Finsternis ließ sich nicht durchdringen. rhber. .. ganz deittlich hörte :ch im Vorfeld, wo ,die »Leichen vom letzten Angriff lagen, das leise Klirren von Metall. Das mußten Kochgeschirre sein. Und leise Stimmen. Mehr wie drei Mann konnten es nicht sein. Da, das iWort, das ider Kamerad erst kürzlich gehört hatte...Pain !" Wieder das Rascheln und Klirren und nun, lauter als vorher­freudig hell, das WortPain!" Kein Zweifel, die arn:en Teufel suchten bei ihren Tioten Brot. Der Hunger jagte sie in das Abenteuer, sich dem feindlichen Feuer auszusetzen, um etwas Brot zu erhaschen, und wenn es von der: Kameraden sein mußte, die in demselben Gelände das Leben einbüßten. Leise wurde erwogen, ob es ratsam sei, ihnen einen deutschen Gruß z!u schicken. Die Mehrheit entschied, vorläufig davon abznsehen. Kamen sie weiter heran, dann liefe:: sie in der Dcmkelheit in unseren Graben, und als Gefangene konnten sie uns mehr erzählen von dem, was drüben! vorgeht als so. Ein neuer Ausruf belehrte, daß sie Tabak gefunden haben. Mso die reine Leichenräuberei unter rn:secen Augen und Ohren. Sclwn wollen wir den Offizier vom Grabendienst benach­richtige:: und als Patrouille Vorgehen, um die Gesellsckiaft abzu­fangen, da schweigt wieder alles, rmd ar:ch ferr:er ist nichts mehr im Vorfelde zu hören.:n ließen sie sich drüben das so mühsam erbeutete Brot schmecken, das Brot, das der: Toten der eigenen» Kompagnie entstammte, von Kameraden, mit denen sie vor zrvei Tagen noch gescherzt und gespielt hatten... Die ganze Nacht über klangen mir die französischen Worte vom Brot in den Ohren und summten fort, als wir beim ersten Nahen des Morgens im Schutze des immer stärker gewordenen Nebels abgelbst wurden.

vermischtes.

* Der Winter des Jahres 1740, über den eins Aufzeichnung damaliger Zeit berichtet, war sehr hart und streng. In: mittleren Oberhessen war er am 9., 10. und 1l. Januar am strengsten. Das Thermometer stand noch drei Grad tiefer als in allen vorhergehenden Wintern. Es sind vielen Manschen Hände- Füße, Nasen und Zehen erfroren, namentlich Soldaten, die Schild- wache standen. Vieles Vieh, namentlich Schafe, ist erftoren. Eine Zeitung aus Mainz vom 22. Februar sagt wörtlich- Der Rhein ist so fest und tief zugefroren, daß bei Mainz verschie­dene junge Leute mit Bändern artig geziert, eine:: Tanz hielten. Mitte^tzaus den: Rhein :varei: Weiber mit Obst, Bäckertische mit Brot und Wecken im Ueberflusse anzutreffen. Die Bendermeistec in Maiiiz schlugen am 19. Februar auf den: zugefrorenen Flusse ein großes Faß ans, so ihrer Ar:ssage nach secl>s Fuder haltm soll, wol>e: die Meistersöhne mit roten und weißer: Bändern ans den Hüten geziert :varen. Die Küfer schlüge:: am Ende Hütten und» Zelte ar:f, r:n: darinnen die Zuschauer mit rotem und rveißenr Wein zu akkomodieren. Am 20. d. M. wurde noch eine lauge Kegel­bahn und verschiedene Spieltische aufgerichtet. Mit Kutschen und» Wäger: wurde auf den: Rheine spazieren gefahren. Zn Frankfurt! und Hanau haben die Bendermeister auf den: Maine auch Fässer anfgeschlagen." Dieser Winter hat sehr frühe angesanger: und sehr lange gedauert, nämlich von: 1. November bis nach Ostern. Es entstand darum auch großer Mangel au Nahrungsmitteln für Menschen rmd Vieh. Der Zentner Heu kostete I ft. 20 MbuZ und das Fuder Roggenstroh 6 fl.

* A d o l p h r: s, der ewige Raucher. Keinen: Bürger Englands, nicht einmal den: heldenmütigsten und tatenreichsten Tommy, wird gegenwärtig in der Londoner Presse so überschoeug- liches Lob gezollt wie dldolphus, den: ewigen Raucher. Adolphusl ist über Nacht berühmt geworden, und die Besprechungen seiner Persönlichkeit finden sich in den größten Blättern an hervo» ragender Stelle. Und Lldolphus ist auch wirklich eine sonderbare, man kann wohl sage::, nock) nie dagewesene Erscheiimng: er raucht