Ausgabe 
7.2.1917
 
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geführt wurde, b ab vre Soldaten sich zu fickten die Haare schnerdcck ließen, kam'-n mehrmals hintereinander Befehle heraus, die sich durch ihre geradezu dravonffchc Darm arlszeickvieden. &ni& Wonn* Mandanten gebärdeten sich B>gar so, als seien die Haare der Soldaten der schlimmste und furchtbarste Feind der französischen Kriegführung. Natürlich blieb dies nicht ohne Wirkung, nümlrch insofern, als der Spott bald rege wurde und eine Unzahl null-, täri^cber Haarschneideanekdoten erzeugte. So berichtet neuerdings L'Oeuvre das folgende Geschichtchen, das nach der Versickieruns des Blattes auch lfirargenan der Wahrheit entspricht: ,,Jn ein-» zelnen Batterien eines Artillerieregimentes, das wir nicht nähert bezeichnen wollen, müsien die Mannschaften vor Antritt einer Uclaul»sreise jedesmal zu einer peinlich strengenHaarmusterung' erscheinen. Wer den Kopf .nicht völlig kahl geschoren hat, darf nicht abmarschieren, ehe der Borgesetzte sich davon überzeugt hat, das- der Fehler restlos beseitigt wurde. Ms unlängst ein Unters offizier wieder einmal eine solche Musyecung abhielt, ^ieb er plötzlich, nne vom Blitz getroffen, vor einem neu zur Battens gekommenen Manne stehan, dessen Haarwuchs ihm unter den ge­gebenen Umständen geradezu verbrecherisch dünkte. .Wmn nrcht innerhalb 20 Minuten all das gänzlich verschwunden ist," brüllte er wutschnaubend,gibt's Arrest, aber nicht Urlaub!" Der Artil­lerist entfernte sich schweigend. In weniger als drei Minuten aber stellte er sich wieder ein nnd wies einen Schädel vcm geradezu beispielloser Kahlheit vor.Es ist gut," murmelte der Unteroffizier befriedigt und zugleich etwas verwundert über die unheimlich, Schnelligkeit, mit der die Operation des Haarschneidens vor sich gegangen sein mußte. Aber sechs Tage später, als der Urlauber wieder zurückkehrle, war der Unteroffizier noch erstaunter darüber, wie schnell die Haare tvieder gemachen waren. Bei der nächsten Haar Musterung jedoch wird der Artillerist sicherlich nicht wieder vergessen vorher seine Perücke abzunehmen."

* Was aus dem Thron des Königs Lu stick wurde. Als König Jerome seine Residenz in Kassel aufgeschlagen hatte, stellte es sich hermS, daß ein zu der natürlich in prunkvollstem Nahmen geplanten Eröffnung der Ständeversammlung passender Thron nicht vorhanden war. Der bedeutendste Kunsthandwerker Kassels, der Bildhauer Johann' Christian Ruhl, der erste Lehrer Rauchs, wurde mit der schleunigen Anfertigung eines würdig«, Thronsessels beauftragt. Im neuesten Heft der ZeitschriftHessen - land" erzählt A. Woringer nach den Leben serinnertmgen des Hof- baudirekwrs Julius Eugen Ruhl von dem Schicksal des Throns, das m<m geradezu als symbolisch für die ganze Herrlichveit des Königreichs Westfalen deuten könnte. Bei der zweiten Versamm­lung der Reichsstände im Jahre 1810 kmnte Järöme, auf dem kostbaren Seffel sitzend, den Huldigungseid der Vertreter seiner neuen Untertanen entgegennehmen. Das war und blieb wohl das einzige Mal, wo der Thron offiziellen Gebrauch fand. Ms der Künstler seine Arbeit vollendet hatte, war der König sehr zu­frieden: doch als er die Rechnung sah. meinte er:Für den Thron des Königs müssen Sie das Doppelte Ihres Betrages fordern." Es blieb Ruhl, der einen Preis angesetzt hatte, wie er ihn aus! der mehr als sparsamen kurfürstlichen Zeit gewohnt war nrchts übrig, als die Rechnung dem Willen Jerömes entsprechend zu ändern, und so erhielt er sie bezahlt. Die Polsterung und die Draperien hatte der Hostapezierer Brucher angeferttgt. Ms nun am 1 Oktober 1813 die Russen in Kasiel einrückten, fanden sie als willkommenes Beutestück, findig, wie.s« in solchen Dingen mm einmal sind, recht, bald den Dhron. Sie schleppten ihn fort und verkauften ihn schließlich in Paris. Dorthin kam sieben Jahre später auf seiner ersten Ausbildungsreise der Sohn Rubls. Er stieg ab bei seinem Kasseler Bekannten, Herrn Brucher, der in­zwischen in der St. Martin-Straße ein Privathotel eröffnet hatte nnt dem pompösen Namen Hotel du Commerce. Der hessische Gast erkannte in seinem Zimmer den Teppich, die Stofftaveten, die Bettgardinen, die TamastvorhLnge, fast die ganze Einrichtung als königlich westfalisches Eigentum, teilweise nocb nnt den könrg- lichen Abzeichm, wieder: Brucher hatte beim Zusammenbruch des Königreichs mitgenommen, was er nur erraffen konnte, natürlich ohne es zu bezahlen. So konnte er billig und elegant sein Hotel ausstatten. Aber sogar auch den Thron, der aus fon: Werkstatt seines Vaters hervor gegangen war, sah Ruhl w^der. Als er näm­lich eines Tages im Kaffeehaus zu den 1000 Säulen zu Mittag speiste, sah er die Maitresse du cafe höchst ttürrdev-oll in emem Sessel sitzen, den er sogleich als den ehemaligen Thron des Königs Jeröme wiedererkannte. Die Büfettdame nahm in_ ihm die Huldi­gungen ihrer Verehrer entgegen, wie König Lustick zehn Jahre vorher die seiner Stände. Sic transit gloria mundi.

* Dasmoralische* Strafsystem in Amerika. Bereits seit einigen Jahren wird in einigen Staaten Nordamerikas der Versuch unternommen, das Strafgefaugenenwesen zu nioder- nlsieren, indem an Stelle der gewöhnlichen Strasmelhoden ein sog. moralisches Erziehungssystem tritt. Die Verbrecher werden nicht mehr in geschlossenen Zellen gehalten, sondern führen Arbeiten im Freien aus und zwar nach einem Prinzip, das sie zur Aus­übung bestimmter Berufsaven heranbildet. Gewisse Verbrecher werben sogar vor dem Ende ihrer Strafzeit entlassen gegen die ehrenwortttche Versickerung, nicht mebr den Gesetzen zuwider zu

handeln. Ihre Lebensweise wird bis zum Verlöschen der Straf» zeu von besonderen Inspektoren beaufsichtigt, die sie bei den ge­ringsten Anzeichen eine« Rücksalles wieder zu verhalten haben. Rach einer Mitteilung der Review of Reviers« hat dieses System sich im Staate Indiana gut bewähtt. Bon 3267 bedingungsweise steige!offenen Verbrechern sind nur 970 wider dem Strafgesetz ver­fallen, 78,36 Proz. wurden alsogeheilt". Bei den Frauen war«« Rückfälle etwas häufiger, aber auch unter ihnkn erwiesen sich 71,69 Proz. als endgültig gebessert.

vücherlisch.

Die Sommeschlacht." Von Willy F r e r k. Mon- tanuS-Markdücher, Hermann MontanuS-Derlag, Siegen. DaS erste Buch über die Riesenschlacht an der Somme. Keine um­fassende Geschichte, keine Würdigung der hundertfünfzigtägiaen Schlacht, sondern ein packende» Buch wildesten Erlebens. Ein Mit­kämpfer spricht hier zu denen daheim. Einer, der dabet war; einer, den das Trauen dieser Tage beredt gemacht hat, schildert in diesem Buche den Heldenkampf deutscher Väter und Söhne Fr. Willy Frerk, schon vor dein Kriege ein bekannter Publizist, ist durch seine lebensprühenden KriegSschildcrungen auch in weitesten Kreisen bekannt geworden. Seine Sommeschlacht ist wohl daS Best«, waS er bislang geschrieben hat. Mit sehenden Augen durch» stretst er die Well, so lernt er daS Graiien, das Elend, den Krieg kennen und schildern.

Don Hermann Stege mann, dem bekaniiten mili­tärischen (H. St.-) Mitarbeiter desBerner Bund", wird in einigen Wochen Im Verlag der Deutschen Verlags-Anstall in Stuttgart der erste Band einer aus 3-4 Bände angelegten groben Geschichte d«S Krieges erscheinen. Der erste Band wird außer der Bov- gejchtchte des Kriege- die Kampfhandlungen bis Spätherbst 1914* also bis zum Beginn des StellllngSkrieges, auf Grund umfang­reichen Akten- und QuellenmateriatS schildern.

Der Stein derWeisen. Roman von Mar Geißler. (Verlag von Ullstein A Co., Berlin.) - Der Doktor Daleriu» Degenhart au« Frankfurt entflieht an einem lichten Sommertage den Menschen, der Pflicht und dem schrillende,i Leben der große« Stadt, in der fein Leib und feine Seele müde geworden waren. Auf der einsamen Höhe des deutschen Waldgebirges findet^er, waS er mit starkem Herzen nnd klaren Sinnen gesucht: den Stern der Weisen, da«, waS die Menschen das Glück nennen. Voll Behagen zeichnet Max Geißler die Menschen seines Roinans »nid mit dich­terischer Innigkeit den Zauber deS deutschen Waldes.

Zur ungarischen Königs kr ö nun g. Die Tages­preise Europa-, auch die neutrale ,md feindliche, hat den bedeu­tungsvollen und prächligen Ereignissen der ungarischen KönigS- krönung eine seltene Ausmerksamkeit geschenkt. Etwas später tritt die illustrierte Presse auf den Plan und gibt in gewissem Sinne einen geschlossenen Begriff sowohl von dem inneren Wert wie den äußeren Geschehnissen ctucr so prunkvolle», nationalen Schau. Tie Farbe, die Eigenart der Komposition und bre Poesie der Gesamt- stinimung machen bei solchen völkischen Jubelfesten die Musik. Die Leipziger Illustrierte Zeitung hat mit einem Aufgebot von besonders berufenen Künstlern und Autoren gearbeitet. Alles in allem genommeu, bietet die Numruer ein künstlerisches Abbild nationalen ungarischen Lebens, besonders gemessen an den inten­siven LebenSanSdrücken einer festlich gestinnnten Natio»,. Der Preis der künstlerisch durchgebildeten Numiner beträgt 2 Mk.

Rudolf Töpfser: Elisa ilnd Widiner mit 6 Bildern von R. Töpffer. Verlag der ,W e l t l i t e r a t u z M , München 2, Färber­graben 24. Preis 10 Pfg.

Di e übersinnliche Welt. Monatsschrift für wissen­schaftliche Begründung des Okkultismus. JubiläumS-Jahrgauq. Nr. 1 und 2. Einzelpreis des Doppelheftes 2,00 Mark; jährlich S Mk. Verlag Paul Eberhardt, Leipzig, Köntgslr. 19.

Lharade.

Alan trägt das Erste oft am Haupt,

Auch ist'S an inanchen, Haufe.

ES hat gar viele auch geschützt Schon in der Schlacht Gebrause.

Das Zweit' und Dritte liebt niemand,

's ist häßlich und verachtet,

Doch trägt's das Erste über sich,

Wird's ander« wohl betrachtet.

Dann aus dem Harten fertigt man Diel wunderhübsche Sachen,

Und auS dem Weichen kan», man gar Ragout und Suppen »nachen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummert W. Ke8, Dh2, Lg1, Sbo, Tb3, e4 ; Bd4,. Schw. Kc6, Le3, Bh7, d3, h6.

1. Dh2-d2, beliebig. 2. Vierfach matt.

«chriftlettung: Fr. R. Zenz. - Zwillingsrnnddruck und Verla« der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.