Ausgabe 
7.2.1917
 
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-einen Kominuimlbehörden, wie Magistrate, Gemeüidevorstälide urch Laridräte, zur Selbsthilfe zu greifen und sog. Kriegsnotgekdj auszugeben. Diesem! System schlosseil sich auch die Spar- und Dar­lehnskassen und nlehrere industrielle Unternehmungen hinsichtlich der Lohnauszahlungen an. Da im Innern Deutschlands kein be­merkenswerter Kleingeldmangel eintrat, werden Mitteilungen Wer diese Kriegsnotscheine großen Teilen des Publikums neu sein. Beim Kriegsnotgeld handelte es sich um einen Kreditschssin, den in Bar­geld wieder einzulösen die Ausgabestellen sich sofort oder nach den Scheinen aufgedruckten Terminen sich verpflichteten. Tie Einfüh­rung des Kricgsnotgeldes wurde der Bevölkerung in den Tages- zeittingen und durch Maueranschläge bekannt gegeben. Als typisches Beispiel führt Regierungsrat Eberhardt eine solche Bekanntmach­ung der Stccht Bischofsburg in Ostpreußen an:Mitbürger! Von hbute nachmittag 5 Uhr ab werden in der Stadt- und Stadtspar­ka sst. um dem Mangel an kleiner barer Münze zu begegnen, gegen Papiergeld zum Nennbetrag Gutscheine zu 5, 3, 2 und 1 Mk., oO, 26 und 10 Pfg. umgewechselt. Für diese Gutscheine verbürgt! uch der Magistrat, wenn sie mit seinem Stempel und dem! Namen des Bürgermeisters Hellmann und des Stadtkassenrendanten Finger handjchristlich unterzeichnet sind. Kausleute und Gewerbetreibende werden dringend gebeten, diese Gutscheine in Zahlung zu nehmen., vre bei der Stadt- und Stadtsparkasse wieder in bares Geld ein- getauscht werden. Bischofsburg, den 4. August 1914. Ter Magistrat. Gez Hellmann." Auf diese Weise wurde durch das schnellt) ekundete deutsche Organisationstalent die Ordnung im Handelsverkehr mit Leichtigkeit wieder aufrecht erhalten. Zur Erzeugung der durchweg aus Papier hergestellten Notgeldscheine bedierrte man sich der je­weilig gerade vorhandenen Papiersorten, da vor allem ein schnelles Eingreifen wichtig war. Nicht zuletzt auf diesen Umstand ist die Mannigfaltigkeit hinsichtlich Herstellungsart, Größe und Farbe dieser Scheine zurückz u führen. Tie meisten Scheine wurden in Buchdruck hergestellt, doch gab es auch sehr primitive Scheine, die aus einem beliebigen Stück Papier oder Pappe bestanden, das mit Schreibmaschine oder auch bloß mit Tinte beschrieben war. Beson­ders merkwürdig waren z. B. die Scheine von Pogorzella in Posen, wo man Postkarten zerschnitt und auf die guadratischeu - Stücke den Wert handschriftlich mit Tinte setzte. Tie Gutsverwaltung Lo- pilchewo in Posen zerschnitt zu diesem Zwecke gebrauchte Spiel- egen hatte 'man bei anderer: Scheinen, so in Tilsit, Eltmu*, Schneidemühl. Gebiveiler, sich in gewissem Grade einer lllnstvollen Ausstattung befleißigt. Auch in der Benennung der Su>eu:e gab es mancherlei Abweichungen. Tie einen trugen den AufdruckGutschein", andereWert . .. Mk.", Gültig für ... Mk." oder auch .Platzanweisungen",Bon",Cv lipon",Kricgswechscl- fchein usw. ^m Durchschnitt lauteten die Scheine auf Beträge von o0 Pfg., 1. 2, 3 und 5 Mk. Tie Aktiengesellschaft Tietz in Covlenz stellte sogar aus runden Pappscheinen Notgeld her, das arrf 1, 2 und 3 Pfg. lautete. Zu den frühesten Scheinen gehören die von Pr. Holland, datiert vom 1. August 1914, und die von: Allen st ern, vom 2. August 1914. Tiefe Notgeldscheine werdet spater sicherlich! eine interessante Kriegserinnerung darstellen und einen ansehnlichen Sammelwert erreichen. Das königliche Münz­kabinett :n Berlin besitzt bisher Notgeldscheine von 279 verschiede­nen Stellen; es soll aber alles in allem 304 Ausgabestellen ge­geben haben. Nach einer ungefähren Berechnung des Bericht- erstatte^ wird man bei Schätzung der Gesamthöhe der Notscheine nrcht fehl gehen, wenn man annimmt, daß 67 27 Millionen auf diese Weise im Umlauf waren.

Geschichtliches aus derzuldischen Mark".

Tie Karolinger machten an das Kloster zu Fulda viele Schen­kungen Zu btevcit Sckienkmigerk, welche von 817 bis zu Elide des erfolgten, gehörten anfangs die Orte Echzell (Echezila) Bingenheun. Tauernheim (Turenheim zu dainaligcr Znt geheißen) mll Schleifeld (in damaliger Zeit Dorf, jetzt Hof­gut) und Berstadt. So entstand dieFllldische Mark", zu der auch noch idie Orte Reichelsheim und Gettenau gehörte,:. Im 14. ^zahrbundert entstanden die Orte Blofeld und Leidhecken Nachdem das Kloster Fulda 500 Jahre lang Herr dieser Mark gewesen war, trat eine Aendernng ein. Nach einer Urkuiide vom!

® va f Gottfried von Ziegenhain als Fuldlscher Lchnstrager :n Besitz der Orte Blofeld, Tanernheim, Echzell, spater verkaufte der Abt Johann von Fulda das Schloß Bingenheim nebst leinen sonstigen Marlanteilen im Jahre 1483 an den Graf«: von Nassau für 25 000 Gulden. Nassau teilte später stinm Anteil mit dem Grafen von Nidda. Ten Nest seines An­teiles verkaufte er 1570, mit Ausnahme von Reichelsheim, an! Ludwig IV. von Hessen für 121000 Gulden. Bon der Marburger Lune cnng ^eser Besitz 1601 an Hessen-Tarmstadt über. Tauern heim bildete eme Pfarrei, wozu die Kapelle zu Blofeld mll emem Kaplan gehörte. Während des 30 jährigen Krieges wurden auch m der Fuldischen Mark große Verheerungen ange- bal te des Krieges (16341642) wäre:: für die Fuldpci^ Mark die schlimmsten, da die armen Bewohner viele kuwf) P»st, Mißwachs, Hungersnot, Plünderung

?^?ostiftung .Hart bedrängt wurdeii, so daß Nianche Orte teils durch Tod, teils durch Vertreibung der Einwvlmer von ihren ' üt Sf 1 c e J? en s^ßen Teil ihrer Bevölkerung einbüßten. So waren Bwfeld vor dem schrecklich,: Kri^e 35 Wohnhäuser. nackZ demselben stand das Tors ganz verödet da. Tic alte Kirche war

arg verwüstet worden. Tas Dorf blieb bis zum Iahe 1682 ver­ödet liegen, mit Mühe und Not konnten bis zum Januar 1682 nur 15 Wohnhäuser wieder aufgebaut werden. Tas erste Haus, das aus seinen Trümmern erstaiid, war das Höfhaus des Oberst- llutnants . Friedrich Wilhelm von Geismar (jetzt in Besitz des Bürgermeisters Schäfer). Im Jahre 1635 mittete in der ganzen Gegend die Pest, im folgenden Jahre herrschte großer Mäusefraß, so daß Teuerung eintrat, 1 / 8 Korn kostete 2 bis 16 Taler. Uni, das ^zahr 1649 hatte das Torf 40 Einwohner, vor: 1649 bis 1664 wurden nur 23 Knrder getauft. Tie ganze Gegend hatte auch viel durch Hexenprozesse zu leiden. Aus dem Amte B-ingcnkcim! wuvden von 1652 bis 1659 gegen 56 Personen auf demLöh­kops bei Bmgenheim verbrannt. Ein Jude mit Namen Jtzig von Staden stahl die Kirchenglocken zu Blofeld, Er wurde am Kreuz­weggalgen bei Berstadt am 2. September 1658 binteroberst an den Füßen aufgehängt. Eine Tafel, die unten an:' Galgen ange­schlagen war, verkündete den Namen des Uebeltäters und die Ur­sache der Hinrichtung. _

vermischtes.

^ * Der Gleichschritt der Soldaten. Exerzierende Loldaten,, und erst recht erne in Parade vorbeiziehende Truppe, können wrr uns heute garnicht anders denken, als imgleichen, schritt und Tritt marschierend. Und doch hat es in den Hecren- alterer Zeiten den Gleichschritt nicht gegeben, vielmehr ist dieser erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mifgekommen. Darüber wo und wann er zuerst eingeführt worden ist, herrschen freilich viel­fach irrige Ansichten Die Angabe der meisten Geschichtsbücher Fürst Leopold der Erste .von.'Anhalt-Dessau, bekannt und berühmt unter? dein Namender alte Tessauer", wäre seinErsüider" und hätte ihn zuerst 1698 bei seinem, ihm vom Kurfürsten von Brau- denourg verliehenen Regimente eingeUhrt, trifft nicht ganz zu Genaueren Geschichtsforschungen zufolge stammt der Gleichschritt aus Hessen. Ter Lmidgraf Karl von Hessen-Kassel ließ als Erster ;eme Trup^nrm gleichen Schritt marschieren, uüd durch dieses soldattsche Erziehungsmittel ist zweifellos die damals berühmte Inegeriiche Tüchti^eit Wer Hessisch«: Soldaten stiitbegrmidiet worden Als Leopold von Dessau von der neuen Marschart hörte, soll er sich zuerst sehr zurückhaltend darüber geäußert und gemeint haben,das mache ihm keiner weis) daß man die Kerls dahin bringen könne, einer mit alten zugleich den Fuß auf'zuheben und ^oerzusetzen NmIHem er aber erst Gelegenheit gesunden Imtte, die hessischenKerls" im Gleichschritt exerzieren mtb marschieren hu sehen, war ihm der Wert dieser Einführung sofort llar, und !einer.Forderung ist es zu danken gewesen, daß sie alsbald in die preußiittM Armee übernommen wurde. Seitdem hat der Gleich­schritt bei den Truppen aller Staaten Eingang gefunden, das tsche Heer mindestens ist ohiie ihn einfach nicht denkbar ... Dre Spinne als Pionier. Unter allen Gliedertteren durste, die große sogenaunte californische Falltür-, Tapezier- oder Teckeupinne die kunstvollste Wohnstätte besitzen. Tie Spinne von rer man etwa 500 Arten unterscheidet, legt ihren Bau roheenarttg, oft bis zu einer Tiefe von 20 Zentimeter, im Erd­boden an. Tie seidenartig ausgelleidete Röhre ist mit einem! doppelten Gespinst austapeziert. Es besteht aus einem ärißern gröberen m:d dichten Gewebe uird einem feineren inneren i>art weicherer Beschaffenheit. Am auffallendsten ist der Verschluß der Rohre: sie ist geradezu mit einer Panzertür ausgestattet. Die ist Mr lo,e :n den^ Rand der Röhre eingefügt, schließt aber äußerst dicht. An eriier Ltelle ist nun die Panzertür mit der Röhre durch dav Gewebe scharnierartig verburrden. Das Gewebe bildet so eine Fallture, die die Spinne ganz nach Belieben zu öffnei: und schldi vermag. Die Falltüre stellt ein festes Gefüge mehrerer abwech,elnd übereinander liegend«: Schichten von Erde und Ge- weoc dar-. Tie Außenseite desPanzers" enffpricht in seiner Für- bung Bauart usw. vorzüglich der natürlichen Umgebung, in de« d:e Spinne den Bau anlegt. Ilm eine tärisehende Anpassung zu erziele::, wird das Nestäußere hkiiisig mit Gras, Erde, Sand und dergleichen maskiert und so gebaut, daß es in gleicher Linie mit den: Boden verläuft. Infolge der Anpassung ist denn auch das Nest schwer zu entdecken. In der Regel geht die Spinne bei Nacht öuj Raub aus; in der Nähe ihres Asyls breitet sie ihr Netz aus und schleppt die ftch darin fangeiiden Insekten ihrein Ban zu, um sie erst dort zu verzehren. Zu der Zeit, ivenn die sehr zahlreiche Nach­kommen,chast die Wohnstätte bevölkert, spinnt das Weibchen einen besonders dichten Verschluß. Er verbkvdet Panzertür und Röhre 6?uzausgezeichnet, bewahrt so die Brut nicht nur vor Wilterungs!- e:n,l:"men, sonder:: auch vor Feinden. Ein derartig verwahnes Nest :st nur m:t Gewalt zu öffnen. Tie Heimat der Spmne, die so mu einer wahren Pwnierkunstfertigkeit ihre Verteidigungsstellung ausziigestalten versteht, ist am verbreitetsten im mittleren und süd­lichen ^lmerika, aber auch in Siideuropa ist die röhrenbaucnda Spim:e in vereinzelten Arten vertreten.

T i e Haa rmust eru n g. Um dem Vorwurf der Organi- sationsniangels, der in Frankreich so oft gegen die Heeresverwalluug erhoben wird, zu begegnen, haben zahlreiche französische Komman­danten es für ihre Pflicht gehalten, plötzlich eine Organisations- wnt und e:n Kontrvllfieber an den Tag zu legen, wie es kaum' lächerlicher erdacht tverden könnte. Da die Verschleppung von Krank­heiten zwisckxv: Kriegszone und Zivilgcbiet vielfach darauf zurück-