S3

gesenktem Haupte. Nur wenn die Dunkelheit kam, wachte sie auf.

Ich bin eine Katze, eine Wildkatze," sprach sie manch­mal vor sich hin.Die Katze liebt das Dunkel!"

Iw Dunklen schlich sie zur Schmiede. Einst stand sie auch so da. Es fror sie, denn ein eisiger Wind fegte über die Ebene und rumorte im Walde. Und wie sie so htneinblickte in das Zimmer, dachte sie plötzlich daran, wie sie als Kind auch einst vor dieses Fenster gelaufen war, sich mühsam in die Hohe gezogen mib, die Nase gegen die Scheiben gedrückt hatte. Da hatte Juschu Laskowicz von drinnen gelächelt.

Wie eine Vision trat ihr das jetzt vor Augen, wo sie in der kalten Winternacht wieder an der gleichen Stelle stand. Ein leises Stöhnen wollte sich ihrer Brust entringen; sie unterdrückte es. Da drinnen war wieder wie einst Juschu Laskowicz. Aber wenn er jetzt chr Gesicht sah, würde er nicht mehr lächeln wie damals. In Schmerzen preßte sie chr Gesicht fest gegen die Scheibe. Das Glas zitterte und klirrte leise. Unruhig, wie spähend, hob der Krüppel den Kopf. Da erschrak Kascha Kaczmarek. Und sie flüchtete eiligst und weinte.

15. Kapitel.

ES war einige Wochen später. Einer von den neun; schönen Tagen, die der März nach alter Regel bringen soll, neigte sich dem Abend zu. Die Chaussee, die bald hinter Htralkowo über die russische Grenze führt und über Slupzy und Golina nach Konin und Kolo geht, war einsam. Etwas seitwärts von ihr, doch gut sichtbar, liegt zwischen Konin und Kolo, dem Walde vorgelagert, ein Krug. In einem Zimmer die-ses"Kruges, aus dessen Fenstern man die Chaussee übersehen konnte ging Napoleon Rutkowski mit über­einandergeschlagenen Armen auf und ab. Er schien unruhig ru lein, als erwarte er eine bestimmte Nachricht, deren Ein­treffen sich verzögerte. Trotz der Unruhe erschien er freu- diger und jünger als je. Auf ein Klingelzeichen erschien Bartet Zychod, gleichfalls verjüngt, in der Tür.

Noch immer kein Bote da von Czechowski? Teufel auch! Und Pan Atzonka?"

Er revidiert die Vorposten. Er scheint beunruhigt."

Ein spöttisches Lächeln flog über das Antlitz des Grafen. i^Er fürchtet, es könnte zur Schlacht kommen, ehe Czechowski etntrifst," sagte er halb für sich.Dann werde ich dre Russen allein schlagen wie bei Lukom."

Ein Leuchten trat in seine Augen. Da sah er den Diener. Es ist gut, Bartek. Du kannst gehen. Sowie der Bote ein- trifft, oder Pan Rzonka zurückkehrt, will ich benachrichtigt gedampft:Schärft die Sensen gut. Man wird sie nötig haben."

Sie sind scharf, Euer Gnaden, und sie wollen fressen! wie vor sechs Tagen." '

Pah, Futter genug ist da für sie."

3 ne Handbewegung, die Tür schloß sich geräuschlos. Napoleon Rutkowski trat an den Tisch, woraus die Karten lagen. Durch kleine Fähnchen waren die Stellungen von Freund und Feind, soweit man Klarheit darüber hatte, ^^brt. Dre größeren Städte waren fast alle in den Händen ?F r Nusstn; das flache Land beherrschten mehr oder minder dre Aufswndisch^r. Besonders gekennzeichnet aus den Karten war ein Mernes Kirchdorf Lukom^ das südlich von Slupzy lag Napolwn Ruttowski reckte sich auf, als er den Namen las.

Name bedeutete Siea, dieser Name bedeutete zur Königsk^on^ ^ ***** ""4 Warschau, auf dem Wege

das Herrenhaus in Nasgora ge­stürmt worden. Erneu Tag darauf waren die Mannschaften, benfu der Grenzubergang geglückt war, bei Slupzy versam- melt. Napoleon Rutkowski fühlte sich selbst kaum inehr. In

SSwahrfl H 1 *? er den Revolver heraus gerissen, als Bcntek Zychod und seine Begleiter ohne die befohlene Beute ^kamen Wer weiß, was geschehen wäre, hätte Kasimir Rzonka rhm nicht die Hand auf den Arm gelegt

gewinnen " m bXÜBen 8eit ötIt ^ erft ' bie ^enze zu

Sie kamen glücklich hinüber. Im ersten Dorfe ward Halt gemacht, ^re ermüdeten, ernüchterten Leute brauchten Ruhe Wachen wurden ausgestellt, dann überließ man sich dem ^ Ä^^poleon Rutkowski war der einzige, der nicht Mies. Dre fieberhafte Erregung der letzten Tage -und Wochen 7 ^.^.heute ihren Höhepunkt erreicht. Mit voller Macht setzte letzt die Reaktion ein. Gerade jetzt, wo es zu spät war

wo er den Boden, der durch ihn frei werden sollte, schotn betreten hatte, war es ihm, als hätte er wie ein Sinnloser gehandelt, als wäre er den Aufgaben, die seiner warteten, nicht gewachsen. Die tausend Einwände, die ihm bisher stets als geringfügig Erschienen waren, - sie stürmten mit doppel­ter Wucht gerade jetzt auf ihn ein, wo er die Brücken hinter sich abgebrochen hatte, wo alles Heil, alle Hoffnung nur im Glauben, nur im unverzagten Vorwärtsgehen lag.

O, es war ja Wahnsinn gewesen, sich in dieses Abenteuer zu stürzen! Gleich der erste Schlag war mißlungen. Einst hatte er triumphierend gedacht, daß er die Königin gleich! nach Polen mitbringen würde. Und jetzt? Es war eine Farce; sie würde bald die Frau eines Dragonerleutnants sein! Aber blieb nicht noch das erhabene Ziel, blieb die Krone nicht noch, auf die er kraft des Blutes, das in seinen Adern floß, An­sprüche erheben konnte? Doch wer sagte ihm, ob sein Ausruf wirkte, ob der Name Rutkowski wirklich den vollen Klang hatte, um Bürger, Bauer, Edelmann aus der ganzen Pro­vinz vom Herde fort ins Lager zu locken? Und wer sagte ihm, ob überhaupt Kasimir Rzonka nicht ein falsches Spiel trieb, und mit ihm die Nationalregierung?

Er stöhnte. Ein instinktiver, dumpfer Haß gegen diesen Kasimir Rzonka ward in ihm lebendig. Und doch konnte er sich den Mann nicht abschütteln, denn ein Bruch, mit ihm wäre gleichbedeutend mit einem Befehden der National­regierung gewesen. Die Stunden schlichen. Napoleon Rut­kowski zählte sie nicht. Erst gegen Morgen schlief er unruhig ein, um bald geweckt zu werdem Der Marsch sollte weiter-, gehen, in Slupzy sollte die Vereinigung mit den Freunden stattsinden. Er raffte sich auf. Der Morgen war schön, ob auch kalt. Das hob seine Stimmung. Vorwärts, was auch kommen mag, dachte er, zurück kann ich nicht!

Und schweigend ritt er seinen Leuten voraus. In Slupzy gab es eine stürmische Begrüßung. Nur Degorski fehlte noch, aber schon wurde gemeldet, daß er anrücke. Da hielt auf prächtigem Rappen der schlanke Maryan von Batranski. Da war Siga Wendrewski, der Marquis, den das elegante Stückchen auch in den Krieg begleitete. Da schwenkte Graf Bininski die Konfederatka zum Willkommen, während seine Leute die Sensen zusammenschlugen; da grüßten die auf andern Wegen vorausgeeilten Leute von Skydlewo unb Muchocrn den Herrin Es war eine stattliche Zahl, die ständig wuchs. Denn die Leute hatten sich oft einzeln durch­schleichen müssen und trafen deshalb ungleichmäßig ein.

Sofort nach der Ankunft Degorskis fand ein Kriegsrat statt, der dre Herren vereinigte. Es war eine stürmische Atzung. Man batte nur unsichere Kunde über die Stärke und Stellung der nächsten feindlichen Truppen. Deshalb schlug Kasimir Rzonka vor, hier in der Nähe von Slupzy so lange zu verweilen, bis der Aufruf drüben seine Schuldig­keit getan hatte. Man konnte darauf rechnen, daß in den nächsten vierzehn Tagen noch ansehnliche Verstärkungen, be- sonders aus Posen, eintreffen würden, die man am besten und sichersten hier in der Nähe erwartete. Anderseits sollten auch Gewehrtransporte, die die Nationalregierung zuaesaat hatte demnächst ankommen. In der Zwischenzeit wollte man, sich teils aus Slupzy stützend, teils sich in den Wäldern haltend, die Leute besser organisieren, sie ausöilden, so aut es ging, und erst dann, verstärkt und besser bewaffnet dem Feinde entgegenziehen.

(Fortsetzung folgt.)

oeutjcyez rkriegrnotgeld.

r .. Tie durch den Krieg gezeitigten Umstände haben im Wirtschaft- llchen Läben eine Reihe von Neuerungen, wie z. B. die Lebens- MittelttnNen, hervorgerufen ^ die erste dieser Neuermlgen aber ist merkwürdigerweise kaum außerhalb der Grenzen der engen Bezirke, £ü -r ie J ie W) beschrankte, begannt geworden, und verdient daruml *** vollkommen verschwunden ist, eine

ruchchauende Betrachtung. Es handelt sich um das deutsche Kriegs- nocheld, das zu Beginndes Krieges in einer Anzahl deutscher Ge-

Swnrrlh, wurde. Nach einer zusammenfassenden

Betrachtung für das Kriegsnotgeld von Regierungsrat Eberhardt m der Umschau machte sich kurz nach der Mobilmachung in deiß ak^^urde bedrohten Gebieten in Ost- und Westpreußen, in rcr°r ^ einzelnen Teilen der Rheniprovinz und in

r?? Taft ööUige Verschwiirden des Kleingeldes Verehr sehr peinlich fühlbar. Diese Kleingeldnot wnrdö durch die in allen Kriegen beobachtete falsche Meinung der Bevöl­kerung hervorgerufen, daß nian die bare Münze als den einzigen rertfot SKto noch Möglichkeit aufbenmhren müsse. L hMZ begreiflicherweise Verkehr und Handel in den betreffenden Gebieten mrt ernstlicher Hemmung bedroht wurden, entschlosseii sich die ein-