itetl, sondern sie sind Verbindungen der Salpetersäure, von dev der Salpeter ein-_Sal- ist. Die Sjä-rve kann man aus dein Salz» (Salpeter) gewinnen: sie hatte früher den Namen Scheidewasser, weil sie -ur ScheLdung von Gold und Silber benutzt werden kann. Nur das Silber wird von. ihr aufgelöst und gibt den als Medikament bekannten „Höllenstein", das Silbersalz der Salpetersaure.
Da die Salpetersäure, rpie gesagt, aus Salpeter gewonnen wird, ist man also wir Pulverherstellung nach wie vor auf den Salpeter angewiesen. Da aber liegt bWr Hvse int Pfeffer. Salpeter kommt wur in Südamerika in gröberen Mengen vor. Unter dem Namen Chilesalpeter ist er den Landwirten als bester Kunstdünger wohl- bekannt. Die südamerikanischen Salpe-erlager gehörten früher den drei Staaten Chile, Peru und Bolivia, aber Chile als der kräftigste brachte schließlich djaS ganze Gebjstt in feinen Besitz und führt jährlich für Millionen Salpeter aus.
Allein Deutschland gebrauchte in den letzten Friedensjahren 16 Millionen Zentner, von denen die Landwirtschaft etwa Vs als Dünger benutzte, während der Rest auf Salpetersäure verarbeitet Wurde.
Mit Kttegsbeginn schnitt uns England also jede Salpeterzufuhr ab, da es! den Seeweg von Amerika her beherrschte. Der im Lands lagernde Salpeter wurde von der Heeresverwaltung beschlagnahmt, aber bei dem riesigen Munitionsverbrauch wäre man mit dem aus dem beschlagnahmten Salpeter hergestellten Pülver nicht weit gekommen. Es galt also Ersatz für den Chilesalpeter zu schaffen, sonst hätten wir bei aller Tapferkeit unserer Soldaten und bei allen- Genie unserer Heerführer nach kurzer Zeit wegen Munitionsmangel die Waffen strecken müssen. Vielleicht hatten unsere Fettste so gerechnet. Aber da half uns die deutsche Wissenschaft und Industrie, indem sie uns die Möglichkeit gab, Salpetersäure auch auf einen: ganz anderen Wege im Lande selbst he^ustellen.
Die Salvetersänre ist eine Verbindung des Stickstoffes, jenes Gases, das 9 /4 der Luft ausmacht und also in unendlichen Meng«: kostenlos zur Verfügung steht. Nur ein kleiner Haken ist dabei. Der Sttckstoff ist eiin träger Geselle, ein Eigenbrödler, der sich schwer entschließt, eine chemische Verbindung einzugehen. Wenn eS erlaubt ist, chemische Verhältnisse durch menschliche Vergleiche zu erklären, könnte man den Stickstoff direkt einen verstockten Junggesellen nennen, der für sich vegettert, oblviohl er genrlg Gelegenheit hätte, eine solide Verbindung einzugelhen. Sein Genosse in deö Luft ist der Sauerstoff, mit dem er zahlreiche chemische Verbindungen, z. B. die Salpetersäure, bilden könnte, es aber von selbst nicht tut. Atmen w-jjc Lustt ein, sp Henutzen wir im Körper nur den Sauerstoff, der in viel größeren Mengen vorhandene Stickstoff wird ungenützt wieder ausgeatmet.
Es gilt also, den Sttckstoff der Lust aus seiner Trägheit auf- -urütteln, für uns nutzbar zu machen, die Luft auch chemisch für uns zu erobern, wie sie durch Zappelin und utnifere Flieger alA Verkehrsweg erobert worden ist. Ist der Sttckstoff erst eininal in eine chemische Verbindung hineinaezwungen, so ist er ein ganz vernünftiger, normaler Kerl, der sich weiter betätigt, ähnlich wir mancher Junggeselle, wenn er erst einmal eine dauernde Verbindung eingegangen ist.
Die Bedingungen, unter denen wir den trägen, eigenbröd- lerischen Sttckstoff in den chemischen Kreislauf hineinzwingM können, haben deutsche Gelehrte einige Jahre vor dem! Krieg« heransgcftm-den: man muß dein Sttckstoff heiß zusetzen, tzartn »wingt man ihn. Wenn ein Blitz durch die Luft schlägt, bildet sich in kleinen Meng«: Verbindimgen von Sttckstoff und Sauerstoff. Dem gingen die Gelehrten nach und fanden, daß die Menge des gebundenen Sttckstoffes mit stergender Tcnrperatur erheblich wächst. ES handelt sich also nur darum, ganz hohe Temperaturen über 3000 0 Celsius billig zu erzeug«:, um Sttckstoffverbmdung«: zu erhalten, aus denen man dann die gesuchte Salpetersäure ziemlich leicht Herstellen kann. Man fcntb, daß sich in der Luftschicht die den elektr:sck>en Lichtbog«: direkt umgibt, erhebliche Mjengen! von Stickstoffverbindungen bilden, von den«: mau aber nichts merkt, da sie in der nächst kälteren Luftschicht wiedor zerfallen Saugt man aber die Lust unter schärfster Abkühlung schnell ab, so kann nttn: die Sttckstoffverbindungen vor dem Zerfall! reit«: und sie in Salpetersäure überführen.
Damit war das Problem, aus Lust Salpetersäure herzustellen, gelöst, aber zunächst nur theoretisch Cs handelte sich nur: darum', den Gedanken praktisch nutzbar zu machen. Dazu gehörte zweierlei: Erstens möglichst billige Herstellung größerer Lichtbog«:: denn selbst bei Benutzung des von den größt«: Ueberlandzenttal«: gelieferten Stromes kommt ein Kilo Salpetersäure imerschwinglich teuer. Zweitens mußte die praktischste Art gefunden werden, die Luft rasch durch den Flammenbog«: hindurchzujagen.
Das zweite Problem war vor dem Kriege gelöst, aber der elektrische Sttom war in Deutschland zu teuer, denn wirklich billigst ließ sich der Strom nur mit Hilfe von mächtigen Wasserkräften' erzeugen, wie wir sie nicht haben. Norwegen mit seinen steil zum Meere abfallenden Gebirgen und großen Niederschlagsmengen war das gelobte Land, in dem man mit .Hilfe der Wasserfälle schon! ettva 10 Jahre vor dem Kriege „Luftsalpeter" in ziemlich großen: Maßstvbe herstellte. Unsere Wasserfälle und Wasserkräfte reichen nicht aus, d«:n der größte Teil von Deutschland ist Niederung oder Mittelgebirge. Während des Krieges aber ging man daran, unsere Kohl«:schätze, auch die weniger wertvoll«:, besser anszunützen. Und mit der«: Hilfe könn«: wir jetzt so billig«: elektrisch«: Strom
Herstellen, daß wir im Lande selbst Lnftsalpeter-Anlagen in Betrieb setz«:. Wir jag«: die Luft durch viele Meter lange, künstliche Blitze und gewinnen dann init Hilfe der so hergestellten Salpetersäure ein Pulver, von dessen Güte uns selbst die Engländer, wenn sie wollten, imch ihren „Erfolgen" in der Skagerrak-Schstcht, manches erzählen könnten.
Ties ist eines der zahlreichen Beispiele für die unschätzbare Bedeutm^ der deutsch«: Wissenschaft im Rahmen unserer Kriegsführung. (Zensiert Berlin.)
vermischtes.
* I ft der Sport der Frauen schön heit schädlich? Zu der bereits wiederholt erörterten Frage, ob der Spott der Frauen schön heit förderlich oder schädlich sei. ergreift jetzt Margarete von Stett: in einem beachtenswert«: kleinen Aufsatze itn jüngsten Hefte der bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgattt erscheinenden Wvch«:schttst „Ueber Land und Meer" das Wort, indem sie an einen Warirungsruf des engliscstn Schriftstellers Marriott Watson anknüpft. Dieser meint nämlich: „Durch den Spott verliert das Weib die weiblichen Linien und paßt sich immer mehr der männlichen Norm an. Tie Muskeln verhärten sich und wer- d«: unschön: das moderne Mädch«: schießt in die Höhe, !vird groß und farblos." So weit geht nun Margarete von Stein freilich nicht, aber auch sie hält so viel für unanfechtbar, daß der Spor^, wie er in der Geg«:wart von vielen, ja leider von den meist«t! Frauen gehandhabt werde, voll von Uebettreibung«: und ohne die erforderliche Gegenpflege, ungimstig auf die Frauen schön heit wirke. Nur dann, so meint sie, kann der Sport der Schönheit der Frau Freund und Förderer sein, wenn er mit der nötigen Gegenpflege gepaatt wird. Gegenpflege ist die Anwendung der Mittel, die die ornch d«: Spott her vorgerufenen Schäden erfolgreich beseittg«:. Besonders gefährdet durch den Spott erscheint Margarete von! Stein die Schönheit des Haares, der Gesichtsfarbe, der Augen, die vor entstellender Rötung zu bewahr«: sind, sowie schließlich die ganze Körperhaltung. S:e gibt eine Anzahl von Mitteln zur Abstellung der Mängel an, die an sich sicherlich gut unb wirkst nt sind, aber das Bedenken gegen sich haben, daß ine Frau, die den Sport samt der empfostenen Gegenpflege anwerstet, einen unverhältnismäßig großen Teil ihrer Zeit dafür opfert: müßte. Und wir wollen doch nicht, daß die Sportübung sich auf die müßigen! Frau«:, auf die „Damen" beschränke, sondern daß sie in immer weitere Frauenkreist drttkge, um so zur Ertüchtigung unseres Volkes beizutragen. Margarete von. Stein meint, ein griechischer Künstler, der vor eine Spottsfrau gestellt würde, würde sich von! dem „tränierten" Frauentyp unbefriedigt abw«rden. Indes ist doch daran zu erinnern, daß bei den Spartanern die Frauen in ganz derselben Weise sportlich ausgebildst wurd«:, wie die Männer: die griechischen Künstler haben sich allerdings nicht an dst spartanischen Frauenmodelle gehalten. Weil sie von dem jonisch«: Geschmacke beherrscht wurden. Allein, man sieht jedenfalls, daß auch im Altertum der Geschmack über Frau«:schön heit nicht ganz einheitlich war. Uebrigens würde der griechische Künstler sich auch von dem Frauentypus des Rub«:s unbefriedigt abwenden, und es ist doch kein Zwnfel, daß der vlämische Meister eine neue eigens Form der Frauenschönheit dargestellt hat. W«:n di« modernem Künstler cs vermocht haben, der Erscheinung des Korsettweibchens' einen eigenen Schönheitstypus abzugewinnen, wie dies z. B. in Falguieve's „Tänzenn" und anderen Kunstwerken geschehen ist. so wird-es ihn«: woA kaum schwer fallen, sich auch mit bau Typus her sportlich ausgebilbvten Dame in fruchtbarer Weise abzusinden. Nattirlich ist Uebettreibung hier wie überall vom Uebel. Allein! wir stehen seit unvordenklicher Zeit unter dem Einflüsse eines Ideals tverblichor „Stubenschönstit" u:id die „Freilustschönheil" der Frau ist im wesentlichen eine neue geschichtliche Erscheinung, mit Sex- wir und die Künstler uns erst absmden müssen. Wer z. B. Gelegenheit gehabt hat, die Frau bei den Winterspottfcsten zu! beobachten, der wird sich der Wahrnehmung kaum Hab«: entziehen können, daß hier eine neue SchöiMit'der Geschmeidigkeit, der Spannkraft, der freien Herrschaft über den Körper im Werden ist. Klber wir brauchen gar nicht einmal so weit zu gehen. Unter den Mädch«: unserer Wandervögel gibt es gewiß viele, die ungepflegt und wild aussehen — es gibt best ruttl ich leider Wandervögel und Wandervögeli —, aber wie oft wird man bei ist:«: auch wiedeÄ durch eine Frisch^, eine gesunde Kraft, eine freudige Natürlichkeit überrascht, die unstreitig große Reize hat und die ans eine gesunde Neuentwickltmg der weiblich«: Schönheit hindeutet. Uiü> schließlich ist noch dies zu bedenken, daß wir die statt herrschenden Vorstellungen über Frauenschönheit fast ganz den romanisch«: Rassen verdank«:, besonders den Franzosen, der«: Frauenideal lveuiger mif Schönheit als auf Hübschheit und Elegai^ hinausläuft. Ter moderne Sport aber ist ein Gewächs germanisch«: Bodens, und es bleibt dock) die Frage, ob sich nicht im Ztnsammcnhlcmge mitl istn ein nenes, ein germanisches Ideal'der Frcmenschjöuheit auK- bilden will.
* Die „W u n s chn hr" des Lazaretts. Eine höchf, originelle Einrichttmg tvurde neuerdings in einem englischen Lazarett getroffen. Man brachte nämlich an den: Portal des Lazaretts eine Uhr an, die jeden: Vorübergehenden anzcigt, welche Art von Liebesgaben an den: betreffenden Tage besonders begehrt sind. Das große Zifferblatt ttägt statt der Zahlen ÄussckMist«: ;vir


