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^DaS Fräulein ist nicht hier! Wegi'« schrie der Bursch Uttfe packte Barlek Zychod am Arm.
„Pan Laskowicz, Ihr seid verloren l"
Der hörte nicht.
„Psta Krew!" flachte er; „Hab- ich dich endlich!"
Er stand vor Albert von Graßnick. Der Baron
r te den Revolver weggeworfen. Rar den Krückstock hielt er der Hand.
Sekundenlang trat Totenstille ein. Die beiden Gegner Vraßen sich mit den Blicken.
„DaS für den Krüppel!" schrie der Schmied dann auf. Uber ehe er den Hammer noch niedersansen lassen konnte, ihn ein Hieb deS Stockes. Funken tanzten vor seinen gen.
„Stirb ! Hund!"
Und mit aller Macht schmetterte er den Hammer gegen HanS Albert. Der versuchte, den furchtbareil Schlag mit dem Arm zU parieren.
Lautlos brach er zusammen.
.^Quitt!" jauchzte Michael Laskowicz. Da packte ihn eine sKaust und stieß ihn vorwärts.
„In einer Minute sind die Dragoner da!" Der Fornal stürzte voran. „Schlagt sie nieder!" krähte Jan Hebda, und, leircen großen Säbel schwingend, hüpfte er die Treppe hinab. Erst da ward sich der Schmied der Gefahr bewußt und flüchtete gleichfalls.
Das alles hatte sich in ein paar Augenblicken abgespielt. Die wenigen Leute, die sich zitternd um den Baron gedrängt, standen noch immer wie erstarrt. Erst als der Riese in Sätzen oie Treppe hinunterspraug, kam Leben in die Leute. „Jesus Maria! Haltet ihn, haltet den Mörder!"
Bis zur Treppe rannten sie vor. In diesem Moment stürmten oie Dragoner ins Schloß. Voran Ernst August mit verzerrtem Gesicht. Jeder zweite Mann war abgesessen, die Wut deS Führers hatte sich den Soldaten mitgeteilt.
Noch war Michael Laskowicz nicht in Sicherheit. Gleich den andern wollte er seinen Weg durch den Park einschlagen. Da tauchten die Uniformen auf. Mit einenl Satze übersprang er die halbe Treppe. Es hätte nichts genutzt.
Aber in diesem Moment stellte fick) mit seinen fast possenhaften Bewegungen Jan Hebda den Eindringenden entgegen. Sein Säbel durchschwirrte die Luft.
„Der Sensenschwung geht durch die W —i —Ein Gurgeln, ein letztes Tarmieln. Mit einem furchtbaren Säbel- Lieb- hatte Ernst August dem kleinen Schulmeister den Schädel gespalten. Und über den Fallenden fort stürmten oie Dragoner in das halbzerstörte Schloß.
So krrrz der Aufenthalt war, den Jan Hebda veranlaßt tte, er genügte, um den Schmied zm retten. Durch die forte, die sein Sohn, Juschu der Krüppel, aufgesprengt, Üchtete er nach dem Walde. Einen Augenblick später spreng- n, von Peter Wroblewski geführt, die Dragoner um dre Parkmauer, um die Fliehenden vom Walde abzuschneiden. Aber sie sähen nur noch die letzten zwischen den Bäumen verschwinden. Trotz der vorgeschrittenen Dämmerung sahen sie es deutlich. Denn jetzt brannten die Ställe und Wirtschaftsgebäude lichterloh. Der Schein rötete den Himmel und ward weit im Lande bemerkt. Auch über den Wipfeln deS Waldes sah man ihn.
' 14. Kapitel.
Um die kleine Holzfällerhütte, die Juschu Laskowicz gesunden und in Besitz genommen hatte, war es still.
.. Letzter Anstrengung hatte der Krüppel die Baroneß, dre kern Zeichen des Lebens von sich gab, auf seinen Armen brs hierher getragen. Ms er die Waldhütte erreicht, als er Hanna auf das Mooslager gebettet, das er für seine eigenen kranken Träumerstunden geschichtet hatte, brach er neben hr zusammen. Lange Minuten hörte man nur das Rasseln einer Brust, das Pfeifen und Keuchen seines Atems. Es lauerte lange, ehe er sich erholte. In der Hütte war es >unkel; das Dänmrerlicht, das von draußen kam, konnte >en Raum nicht erhellen. Mehr und mehr aber gewöhnten) Ich seine Augen an die Finsternis. Und leuchtend durch liefe Finsternis strahlte das totenbleiche Antlitz der wunder- chönen Königstochter. Regungslos, als war's ein Madonnenbild, lag es da. Keine Miene zuckte darin.
Juschu Laskowicz starrte daraus hin. Seine Augen wurden immer größer. Lebensglut und Todesschauer fühlte er durch seinen Körper gehen. Langsam kam er dem totenbleichen Antlitz näher. Seine Lippen wölbten sich heiß;
heißer, als wäre die Glitt der drüben lodernden Flamme« yineingeschlagen, strömte sein Blut.
Aber plötzlich lief ein Zittern durch seinen Körper« Seine Augen schlossen ' sich. Lächelnd^ wie im Traum« lächelnd, sank sein Haupt zur Schulter. Nun also erfüllt« sich, was er durch Jahre geträumt hatte. Die heilige Jungfrau segnete ihn; sein felsenfester Glaube hatte rhu nicht betrogen: bei ihm, in der verlassensten Hütte, war dr« wunderschöne Königstochter. Er selbst hatte sie hergetragen auf dielen schwachen Armen.
Uno wenn er sie jetzt küßte, würden die wilden Nelken! duften und die Sterne fallen; dann war die ewige Seligkeit wohl nahe.
Wenn er sie jetzt küßte! Eilte liebliche Verwirrung kam über ihn. Das bleiche Antlitz schien still zu lächeln. Verwirrt und leise bog er sich ihtn noch näher. Und tief neigte) er sich und küßte die kühlen Lipperr, einnral!
Nicht, wie er geträumt, mit glühendem Munde, tu Jubel und Schluchzen, im höchsten seligen Lebensrausch. Nein, in holder Verwirrung, in Furcht und Scheu, wie oer Bettler eben die Königstochter, derl fromme; Beter das 'Heiligtum küssen mag. Das Höchste und Letzte seiner Seele, sein Traum und ferne Sehnsucht, es lvar alles irr dem einen Kusse. Alles, was er vom Leben begehrte, war sein damit, und doch lag in dieser zitternden Berührung der kühlen Lippen etwas Reines und Wuuschloses, das hilrausging über dieses Leben und jede Wirklichkeit.
Kein Begehren zuckte in ihm auf, sich wieder und wieder über das stille Antlitz zu beugen. Ein rrrhiges Leuchten stand auf seinem Gesicht, eine wunschlose Verklärtheit. Jede Unrast schwieg, selbst die Sehnsucht hatte ihre Schwingen gesenkt.
Er trat vor die Tür. Die wilden Nelken dufteten nicht, kahle Bäume fröstelten in der Runde. Keine Sterne sielen! vom Himmel, er war grau und nur in engem Umkreis gerötet vom Widerschein der Feuersbrunst. Aber der Krüppel entbehrte nichts: Nicht die Nelken und nicht die Sterne. In seinem Herzett war die Stille der Ewigkeit, die großes Stille der höchsten Erfüllung. *
Jetzt ward der Wald lebendig, die Leute, die vor dem Herannahen der Dragoner flüchteten, störten seinen Frieden rjttt ihrer friedlosen Hast. Wie gehetzt, sich anrufend, stöhnend und ernüchtert, jagten sie vorwärts, manche nur etwa zwanzig Schritte an der Hütte vorüber.
Jetzt klang fern aus dem Walde ein Pfiff, sie liefen ihm nach.
Und wieder Stille. Ob es ewig so bleiben wird? dachte Juschu Laskowicz.
Da regte es sich tu der Hütte, seufzte, dann ein Angst- schrei: „Mrnächtiger Gott!" Fast wie Schmerz wollte es einen Augenblick über Juschus Gesicht zucken. Dann trat er in die Hütte zurück.
„Fürchtet Euch nicht!" sagte er leise. Gr hcitte jetzt nicht laut sprechen können. Mit entsetzten Augen, halb aufgericg- tet, starrte Hanna von Graßnick in das Dunkel hinein.
„Was ist denn das? Wo bin ich denn hier?" murmelt« sie halblaut, als träume sie.
Dann wieder ein Angstschrei. .Sie sprang auf.
„Josef Laskowicz,bist du's?"
Die zitternde Furcht verlieh der Stimme einen seltsamen Ton.
„Ich biu's, Herrin!"
„Und was heißt das? Was soll ich hier? Wo bin ich?^ Sie griff sich an den Kopf. „Laß mich hrnaus!" Mit einem Sprunge stand sie vor der Hütte. Ihre Stirn schmerzte. Si« war gegen die niedrige Tür aeschlagen.
Auf den ersten Blick sah sie drüben die brennenden Gebäude. Und mit einem qualvollen Aufschrei schlug sie die Hände vors Gesicht. Mau hörte lange nichts. Dann kamen) von neuem in wilder Jagd ein paar dunkle Gestalten durch den Feuerschein über den Sturzacker, auch sie hielten auf den Wald zu. Es waren Barlek Zychod und der verwegen«
t ornal, der bis zuletzt airsgeharrt hatte. In mächtigen) prungen folgte ihnen der Schuried.
Man konnte die einzelnen nicht erkennen, denn die Entfernung war nickst gering. Und nur dem weithin leuchtenden Feuerschein mrd deui strengen Winter, der den Wald- gelichtet hatte, war es zu danken, daß sich die Schatten überhaupt) bemerken ließen.
„Euer Gnaden^" sprach Juschu wieder leise, „verbergt Euch, tretet in die Hütte. Wenn Euch jemand sieht! N^h ig


