Wunderliches winterliches.
VonK. Al twallstädt.
Alte SchiwanMchter und Spaßmacher wissen io-underlicher kLlte LU berichten. <
Einen gvtiserbarMichen Frost erlebte z. B. per „Salzburger Hansivurst", dessen RerseaDeNteuer uns Sttanitzky erzählt hat. In Grönland närnluh sielen ihm, sobald er die Lippen auftat, die Worte gefroren aus den: Munde heraus. Und je nachdem die Rede hatte kurz oder lang sein sollen, waren auch die „Eissch-vollen" klein oder groß. Es war natürlich für ihn und seine Kameraden unmöglich, sich durch Eiszapfen zu verständigen. Tarunr blieb ihnen auch nichts anderes übrig, als „ein großes Feuer anzuinachen und die gefrorene Wort rings umb das Feuer herumb zu legen, bis bei angehender Ditz die Wort endlich zerflossen . . Nun erst verstand man einander. /
Die eingefrorenen Worte — übrigens eine recht alte Vorstellung, die schon die Griechen kannten — erinnern uns an die eingefrorenen Töne, die Münchhausen so anschaulich vor uns auftauen läßt. Während eines besonders strengen Winters, in dem sogar die Sonne einen Frostschaden erM, blies eines Tages sein) Postillon unterwegs in das Horn. Aber aller Mühe zum Trotz brachte er keinen einzigen Ton hera.uA. In der nächsten Herberge hängt der wackere Mann sein Horn an einen Nagel in der Nähe des Küchenfe^ers. Nicht lange, so beginnen die festgefrorenen Töne aufzutauen und aus dem Instrument herauszukonimen. Ganz von selbst erklingen nun „der preußische Marsch — Ohne Lieb' und ohne Wein — Als ich auf meiner Bleiche — Gestern abend war Vetter Michel da — nebst iwch vielen anderen Stückchen, auch sogar das Abendlied: „Nun ruhen alle Wälder."
Keine geringe Kälte mag auch damals geherrscht haben, als einem Hingerichteten der Kopf augenblicklich wieder auf dem Rumpfe festfror, oder auch in jenem Winter, in dein ein junger Cannstattrr Schlosser von Stuttgart nach Hohen-Urach ritt und, am Ziele angekommen, vom Pferd nicht abzusteigen vermochte, weil er an den Sattel angefroren war. Zugleich mit dem Sjattel und dem Stegreifen mußte man ihn vom Gaule heben, und erst als er fünf Stunden lang linter dem Ofen gesesfen hatte, tauten er und der Sattel voneinander.
HüMFrey, der in seiner „Gartengesellschaft" das Erlebnis ausfnhrnch?5s<nLÜ^ erzählt dort noch ein anderes wunderliches Wintergeschichtch.'u. af* w^^Ardige Soldatenstück von dem österreichischen Reim. rer zur .feit Tstrkeiii'eldzuges in der Mitte der überfrorene.' Donau eiubricht und — fiHTf- unter dem Eise berumreitet: „Ich glaub', er hat auch fliegen konnsll,^ ^int der Erzähler zuletzt von seinem Helden, und diese scherzhafteSchlilg-' Wendung zeigt uns jo recht, iv'ie sehr auch das Fliegcnkönnen einst zu den Dingen der Unmöglichkeit gehörte.
Der Winter vermag im Reich der Schnurren noch manches andere zu zeitigen So hat uns z. B. eine Handschrift aus dem 14. Jahrhundert das Abenteuer einer Elsässers überliefert Auf emem Ritt durch verschneites Land wollte dieser einmal für kurze Zett von seinem Pferde absttigen. Er bindet es deshalb an einem Baummast fest den die Last des Schnees stark herabdrückt. Während Werpger, so hieß der Mann, fortgeht, zerrt und schüttelt das Pferd an dem Aste, der Samee wurzelt herunter, der Ast schnellt empor
ilr r ^aill Mit- Als der Reiter wicderkonintt, sieht er weder das Pferd noch auch int Schnee die geringste Spur, die ihm ver- 2? e * ,l r-!r 0U - 1l * C r' . nn( ^Richtung hin es verschwunden ist. Er ftlgt sich :n seinen Verlust und tritt den Heiinwea au. Im darauffolgenden Herbst erst kommt er wieder an der Stelle vorüber Er den t dabe: an semen Gaul sieht sich in der Landschaft um n:ld - bemerkt auf dem Gipfel des Baumes die Ueberrestc des Pferdes.
- doch wieder abweichendes Erlebiiis finden
wir bn Münchhausen. Dieser reitet einst durch eine tief verschneite Gegend, in der weder Dorf iwch Stadt zu erblicken ist. Endlich ficht er tu der Dämmerung eine Art Baiumstecken aus dem Schnee hervorragen. Da.steigt er ab. bindet sein Pferd daran fest, legt sich samt seinen Pistolen auf den Schnee und schläft den Schlaf des Gerechten bis :n den hellen ^ag hinein. Als er aufwacht, liegt er Mitten auf einem Dorffrredhof. Der Schnee, der so hoch war, das; er das ganze Don verdeckt, ist über Nacht geschmolzen, der Baron auf diese Meise ttefer und tiefer gesunken. Und sein Pferd? Dack hört er wiehern - über sich, in der Luft. Denn der Bäumstecken, aii den sein Herr es gebunden hat, wttr der Mtterhähn oder die Windfahne des Kirchturms. Münchhausen besinnt sich nicht lauge, zielt mit der Pistole nach dem Halfter, trifft ihn und hat aus diese Weise das obeli baumelnde Rößlein befreit.
PnW b r ev Schnee! Daß er in der Wärme schmilzt, ist eine ziemlich feststehende Erfahrung. Die Redensart, „den Schnee im Ofen backen wollen oder „den Schnee dörren wollen", ist daruni auch eru bcnobtes Spottwort. Diese Wendung hat mich einer unserer alten Schivankdichter benutzt: Ein Dummer fragt einen Boten, bald cm Dritter beim verbrannt worden sei.. Und er läßt sich von diesem anführen mit der Auskunft: Weil der- Betreffende Schnee gedorrt und den gedörrten Schnee für Salz verkauft habe'
Tör zu Pulver gedörrte oder gar brennende Schowe ist eint' Vorstellung, die öfters bei unseren Schriftstellern wiederkchrt. Da ist bald die Rede von „einein Feuer von Schnee gemacht", bald von „Stieglitzfersen gebraten auf dem Schnee" oder auch von einem „Feuer aus Eiszapfen". Selbst von gebratenen Eiszapfen hören, wir rnr Buch vom Finkenritter.
. Daß auch die Heiligenlegende das Bild des Eiszapfenfeuers aufgerissen und verwertet hat, ist gewiß erwähnenswert. Zu fernem Buche über die „Dentichen Lügendichtungen bis auf Münch- hausen" verweist Carl Müller-Fraureuth auf 'Abraham a. S. El., der das betreffende Geschichtlern nacherzählt hat: Als der heilige Patrttw noch ein Knäblein war, spielte er einst zu Winterszeit, wie andere Kinder^ mit Schneebalten nnd^.Eiszapfen. Einige dar letzteren brachte er mit heim mrh legte sie aus der: Herd. Als das die Kiiiderfrau sah, meinte ore mürrische. Alte, er solle doch lieber Holz zum Feueranzünder:. herbeischaffeir.
„Meine liebe Alte!" sprach darauf der fromme Kleine: „Wenn Gott will, kann er selbst das Eis wie dürres Holz anzünden." Und damit legte er die Eiszapfen wie Scheiter übereinander, betete, schlug das Kreuz, blies an! Und siche da, das kalte Eis 5 rnn mt e llu ^ äderte, und viele Menschen kämm, wärmten sich an der Glut und stärkten ihren Glauben.
m sei noch ein recht frosttges Stücklein erzählt, das dem
Volksmärchen „sechse kommen, durch die ganze Welt" entnommen ist: Sechs wunderliche Wnndergesellen finde:: sich zusammen. Jeder hat irgend eine märchenhafte Eigentüinlichkeit, die der ganzen Gesellschaft später einmal von Nutzen wird. Der erste ist beispielsweise ein so gewaltiger Läufer, daß er sich als Hemmschuh ein« Kanone ans Bein gebunden hat, weil xr sonst durch die Welt rasen müßte. Der Sechste aber — nun der hat zunächst das Hütlein ganz merkwürdig schief auf dem Obre sitzen. „Setz doch den Hut gerade auf!" sagen die Freunde. „Das darf ich nicht!" sagte der sechste. „Denn wenn ich's tu$, kommt ein so gewaltiger Frost, daß d:e Bäume springen und die Vögel erfrieren und tot zur Erde fallen."
Später will ein böser König die sechs wunderlichen Brüder auf grausame Weise verderben. Er läßt ihnen schöne Speis«: auftragen, aber in einem Zimmer, dessen Fußboden voi: Eisen ist, und unter dem er ein geivaltiges Feuer anschüren läßt. Regelrecht geschmort werden sollen die Wandergenossen. Als sie das merken, suchen ge zu entfliehen, finde:! aber Türen und Fenster verschlossen. ^
Was gilt's ? Der Sechste rückt den Hut gerade, und schon sangen die Speisen in den Schüsseln an zu gefrieren. Als der König nach M paar Stunden schadenfroh zur Tür Hereinschaut, sieht er seine Gaste mm), gesund und zähneklappernd dastehen. Ja, sie bitten ilm sogar um einen Raum, in dem sie sich etwas erwärmen kö:mcn! mUL^lvgarische Fassung desselben Märchens läßt den kalten Helden in viele dLMLsvelze gelchllt auftreten. Später bei der „Feuerprobe" braucht er" die Aclze nur ein wenig zu lüste::, und schockt, herrscht in deur so gastlich ckugehchzten Zimmer sibirische Kälte.
Messenpreise im sb. Jahrhundert.
Wie es um die Lebensinittelpreise am Ausgange des 16. Jahrhunderts in Berlin bestellt war, darüber liefern zwei Rechnungen sehr inttressaute Aufschlüsse, die aus dem Frühjahr bezw. Som- ,,03 stnmmen und die Ausgaben enthalten, die für zivei auf Befehl der fürstlichen Gildemeister den Schützen von Cölln und Berlin veranstaltete Festessen aufgetvendet worden waren. Tic bc- treffenden Urkunden finden sich im IV. Tchl der von Fidicin herausgegebeuen Berlinischen Urkunden:
Chnrfürstl. Beuelich außgeben, so im Pfingsten Anno 1593 für die Schützen zu Cöln an der Scheine eingekaufft und verspeiset worden, als Marggraff Christian Oberster Gnldemeister gewesen. G
5 Thlr. 9 Gr. 4 Pf. für 194 Psd. Rindfleisch, 1 Thilr. 16 Gr. für vier Ochsen-Zungen nnd Caldannen, 3 Thlr. für ein Schwein
3 Thlr. Ur Schaucrkrandt, 4 Thlr. 14 Gr. für ein Feßlein 1 Thlr. I.Gr. für l0 Psd. geschmalzte Putter, n ?blr. 2 Gr sur vollendpche Kosen, 1 Thlr. 21 Gr. für Trogen Lachs, 12 ^ hlr. 1/ Gr. 7 Vs Pf. für allerlei) Gewürz. 8 Gr. für roten Zucker, 3 Thlr. 18 Gr. für allerlei) Konfekt, 12 Gr. für 12 Pfesferküchlem, 8 Gr. 7 1 /* Pf. für essich. 1 Thlr. 7 1 /, Gl' fm- Topfse, Zwiebeln milich, incrrettig die gantz 8 Tage" und für Blnvtfaden, 17 Thlr. 4 Gr. für Rheinischen Wein von Hgnß Merken Hanßkeller, 1 Thlr. 8H . Gr. für KmUvein, 12 ibtr I-Il'a cßS drodt und Seurrnell, 1 Thlr. 18 Gr. für TalUg» Llchte. 4 Thlr. 11 Gr., damit Richtern für ein weiß und schivarz Garteke Fahnen zu machen, 5 Thlr. 12 Gr. Mathes d?m Modi mit tc:u Knechten und Jungen, 1 Thlr. 12 Gr. dein Hanßmann und Troimnelschläger, l Thlr. 12 Gr. dem Stadtpfeiffer. I Thlr.


