Ausgabe 
29.1.1917
 
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ftnr nicht tn der Kohlrübe, die dies Jahr besmrders reichlich gelvachseN W, ein wertvolles Streckungsmittel für die Kartoffel erhalten hätten- Kartoffel und Kohlrübe zusammen aber reichen aus, um uns vor Not zu sichern. Nur ist es liotwendig, daß sie ihrer Eigenart nach behandelt und verbraucht werden. * r

..... Die Zeit, für die wir auf diese Vorräte angetviesen sind, erstreckt sich bis etwa Mitte Juni, zrvar tritt schon von Mitte Mai an eine Senns.se Entlastung durch Frühgemüse ein, doch muß ein Teil unserer Vorräte noch darüber hinaus erhalten werden. Erfahrungsgemäß hält sich die Kohlrübe mcht so lange, während die Kartoffel b^i sorg- fälttger Behandlung länger wie diese zu erhalten ist. Daher ist durch die Regelung des Verbrauchs die Kohlrllbe jetzt mehr in den Vorder­grund getreten.

Um die Kohlrübe bis in den Mär- hinein zu erhalten, wird sie än einem frostfreien aber kühlen Ort etwa 1' Meter hoch anfge- schichtet. Da sie luftig liegen muß, verfährt man dabÄ am besten so, daß man beäm Aiuflogen etwa alle V-Meter trichterförmige Lücken mit einem oberen Durchmesser von 3 /4 bis 1s Meter bildet. Dadurch auch ein besseres Nachsehen möglich, so daß man etwa sich bildende Fäulnisherde leicht erkennt und die gefährdeten Men­gen dem soforttgen Gebrauch zuführen kann.

Etwas schwieriger ist es, die Kartoffeln bis in das Frühjahr hinein ohne wesentlichen Verlust zu erhalten, und es ist unbedingt erforderlich, daß alle diejenigen, die mit der Lagermrg der Kar­toffeln zu tun haben, sich klar machen, daß die ihnen anvertrauten' Kartoffeln ein wertvolles Gut des ganzen Volkes sind, und daß sie die Verantwortung ttagen für Verlustej, die Mer bas unvermeid­liche Maß hinausgehen.

Die unvermeidlichen Verluste entstehen durch die Atmung und Verdunstung. Die Atmung findet im geringen Maße auch bei niederer Temperatur statt und sbeiigert sich entsprechend der Zu­nahme der Wärme. Die Verdunstung ist am größten bei offener, luftiger Lagerung, am geringsten bei gedeckter, also Mietenlageruna. Beide zusammen dürfen aber As in den Apckil hinein nicht mehr betragen als etwa 10 W höchstens 15 'Protzent. Bei längerer Lagerung im Frühjähr ist eine weitere Abnahme nicht immer zu vermeiden, die durch das Keimen herbeigeführt wird. Aber auch dieses kann durch geeignete Maßnahmen in niederen Grenzen ge halten werden.

Diesen unvermeidlichen Verlusten stehen die vermeidbaren, leider oft mit ganz.beträchtlich höheren Zahlen gegenüber. Ihre Ursachen sind frtthzeittge Keimung u:ck Fäulnis. Das Auftreten beider wahrend der kühlen Jahreszeit ist stets ein Zeichen dafür, daß nicht tue notige Sorgfalt angewardet worden ist. Leider ist vielfach jetzt zu bemerken, daß Kartoffeln mit arg gebrochenenKleimtztr oder an­gefault ausgegeben Werden. Ueberall da, wo dies stattfiudet, muß eme sofortige sachverständige Besichtigung der gelagerten Vorräte stattftnd^l, damit dre Ursache dafür festgestellt imd sofortige Ab hrlfe geschaffen wird.

. , In vorbildlicher Weise hat tu dieser Beziehung das Konnnando - l^rrdekops eine Einrichtung geschaffen, von der man nuri wünschen könnte, daß sie überall, besonders in den großen Städten, nachgeahmt »vürde. Eine Kommission von Sachverständigen besieh- ttgt die sämtlichen Kartofselvorräte und zioar sowohl die in deN> Schal räumen zur Verarbeittmg befindlichen, als auch die in den ANfberoahningsräuinen und Miete:: lagerrrden. Zeigt sich dabei, daß dw Kartoffeln schon jetzt Keime bringen, so werden sofort die notigen Anordnungen getroffen, um ein Weitertreiben der Keime zu verhindern. Im kürzester^ von der Kommission festgesetzter Zeit rst cur Bericht an das Generalkommcuido über die Ans- fuhnmg der angeordneten Maßnahmen zrr erstatten, und es erfolgt eine Nachprüfung Durch Vermittlung des Kriegsürinisteriuins

Es mrr m der liebenswürdigsten Meise gestattet worden, erne Reihe solcher Besrchtiguiigen rnitzrunachen. Ich nröchte nicht verfehlen, hervorzutzebe::, daß an all den Stetten, die ich zu be- sichttgen Gelegenheit hatte, oft unter ausgezeichneter Mpassnng aii schwerrge Verhältnisse, die Lagermrg der Mt war, daß bis jetzt nennenswerte Verluste nicht, entstcurdeir find. Da, ioo Gefahr drohte, war es überall möglich, solche Anordnungen zu treffen, dre eure wertere gute Lagerung sichern. Da die Besichtigungen! von Zeit zu Zert wrederholt werden, besteht für die hier auf- gestapelten Vorräte alle nur mögliche Sicherheit vollkommener' Erhaltung.

da-I dic Kartoffel» in diesem Jol>re besonders schlecht haltbar seien. Im nemissen Sinne ist dies auch ruht lg. daraus darf aber keinesfalls abgeleitet lver-dcir, daff nun em größerer Teil Kartoffeln gründe qelMi muff,

«ne erhöhte Sorgfalt mrMoendeu rsd Die schlechte Kaltbarbeit hat sich besonders kur» nach der Ernte ^ wnrde gefördert durch das mangelhaft aus- > ^esen fauler Md kranfer Kartoffeln und duilch dir

. Anlagerung, die Kartoffeln genügend L 11 dieser Effnoand der friMcegfen Haltbarkeit beim lebt müssen alle Kartoffeln verlesen JJI 1 ^ ^m, daß selbst von einzelnen zurtickgeblie.

denen KarwMn sich eure Fäulnis nicht lveiter verbreiten kann. kt, Kartoffeln letzt nicht in tadellosem Zustand sind,

Amende oder faule Kartoffeln zeigen, muß sofort Dag tarn weitere Verluste Svin- g^i7. Mm: beruhige s:ch mcht dabei, daß nur ein geringer Teil

m erner großen Menge fit, denn jede einzelne Kartoffel kann andere anstecken ,und somit den Verlust rasch vergrößern. Auch ein Fortschritt der Keimung bedeutet natlirlich einen forttchreitendeN Verlust.

Es kommt tveniger darauf an, ein besttmmtes Systein der Lagerung etnzuführen. als vielmehr den Grundsatz zu beobachten, daß die Temperatur des Raumes, in dem die Kartoffeln lagern, keinesfalls 8 Grad übersteigen darf, sich im Gegenteil bei 2 Grad unter Rull am besten hält. Tiefere Temperaturen inachen die Kartoffeln süß, bei 3 Grad unter Null erfrieren sie. Damit die Kartoffeln aber auch innerhalb der Haufe:: auf die richtige Tempe­ratur wnnueu, legt mml sie, wenn es irgerrd geht, auf Lattenroste, von denen aiis in Entferimng von 23 Metern ebenfalls aus hatten hergestellte Lüftungskanäle iiach obeir durchgehen. An Stelle der Lattenroste genügen unter Umstände:! auch auf den: Boden, liegende Lustzüge, die man leicht aus einigen Latten zusmninew- schlagen kann.

Vor allem ist darauf zu achten, daß die Kartoffeln nicht hoch gelagert weckden. Im allgemeinen sotten sie nicht Mer 1 Meter gelagert werdeii. Je empfindlicher die Kartoffeln siiid, um so flacher lagern sre. Raummangel ist dabei keine Entschuldigung, denn die Gefahr erner hohen Lagerung ist so groß, daß unter allen Um­standen die Räumlichkeiten beschafft werden müssen. Dabei kann wgar, wie «k, Gelegenheit hatte zu sehen auf den .Vorteil der Kellerwohninrgen zurückgegriffen werden, die durch Ausheber: der Tureu und reichliches Oeffnen der Fenster zu guten Lagerräumen ge:nacht werden können. . ; 4

Wo besondere Einrichtuiigen, :vie z. B. die Karch'schen Äe- valter, vorhanden sind, ist nötig, dieselben sümgemäß auszunutzen d. h. die Kartoffeln an den verschiedensten Stellen zu entnehmen und wenn an irgend einer Stelle sich Fäulnis zeigt, alles kranke auszulesen nrrd die Kartoffiln umzulegen. Auch Mieten müssen ^^.lveder öfter auf ihre Wärme untersucht werden, wobei die Ein­stoßstellen des Thermometers besonders sorgfältig zu schließen sind, kluch tut man gut, die Miete:: gelegentlich an einer Stelle zu vwlen und gefährdete Mieten umzulegen und erst nach guter Ab­kühlung vollkommen zu decken. Haben die Mieten sogenannte Schornsteine, die an sich nickt zu empfehlen sind, so sind diese durch Kappen so zu schützen, daß kein Regen eindringen kann, da wnst nickst nur keinen Vorteil, sondern durch Durchlässen der Feuchtigkeit schaden bringen. Liegen Mieten auf Gelände, von deni ber der ^chneeschmelze oder bei längerenr Regen das Wasser nicht vollständig imd rasch abläuft, so sind baldigst Abzugsgräben an- znbrmgeii.

Auch Einstreumittel werde:: gelegentlich nüt Vorteil benutzt. Von dem früher enipfohlenen Torf, Asche. Kall und Schwefel kommt Schwefel fetzt Merhaupt nicht in Betracht. Die anderen ha^n den Zweck, die Trockenhaltung der Kartoffeln zu fördern, doch stehen in günstigen Erfahrungen nur wenige gegeiiliber. Ties ist auch.mit dem neuerdings als Einstreumittel empfohlene:: Me- gasan der Fall. Während es bei sonst offener, trockener Lagerung rn Hamburg be: großen Mengen Kartoffeln anschefiiend gllnsttg war und das Anstrocklen einzelner faitter Kartoffeln bewirkt hat, war diese Wirkung bei der Anwendung in Mieten incht überall zu erkennen.

Diese Winke werden bei der Vielseitigkeit der Lagerung der Kartoffeln noch kaum alle Möglichkeiten ei'schöpfen, die Gefahr brmgen könne::. Daher wird es am sichersten sein, ähnlich wie es bccm Heere und der Marine schon der Fall ist, Sachverständige' heran zu ziehe::,^ die jeden einzeluen Fall richttg zu beurteilen ver­mögen nud d:e dre notwendigen Maßnahmen anzuordnen in der Lage sind. Elnzelne Städte, wie z. B. Köln uird Hamburg, sinh m dieser Beziehung schon vorangegcnrgen, andere aber liefern tz^lte noch an ihre Einwohner Kartoffeln, denen man imsieht, daß fie schlecht gelagert sind. Hier muß sofort Wandel geschaffen imtor, es ist die liöchste Zeit!

Schach.

Vor: Franz Reinhold Zenz.

Karl Walm ttat ans Fenster.

diesem Augenblick zerfraß das stechend kalte Licht eines Plötzlich aufgestovenen Hochofens den taubgranen Bleimantel der Regenwolken. Hänserfionten, Asphalfflüchen sprangen mit einem Male grell und unnürklich aus dem verschleierten Platzbilde Ans reslexerhettten Fensterm schossen die Lichtstrahttm :me vergiftete Pfeile ingrimimgen Haßes.

Karl Walm wich unbewußt vor ilmen eineir Schritt ins Ziin- Da gellte ihm die Flnrkiüigel schneide::der wie sonst ans Ohr, iind als er :nechan:sch einen Schritt tat. um zu öffnen, smang ieinc eigene Zimmerttlr schon auf. Noch geblendet vom Mrzenden Lichte nnteifchied er erst :nrr eine dunkle Gestalt, die fich von der- helleren Tapete Myob. Sie T>atte sich zu einer leichten GerbeiigNng geneigt Jnr nächsten AugcMlick stand sie wieder bock- aiifgerichtet, imd Karl Walm sah in ihren Augen das gleiche steckfend kalte ^icht aufblitzeu, das eben die Landschaft zerriß.

Nnwilllnrlich schnellte er den Kopf zur Seite, zu setzen, ob ern Reflex von draußen her im Auge des Fremden ausflam:ne:-> o c V<£"*"** des Lichtes war wieder abgedäinnit; die Landschaft m die taubgraue Dämmerung des Regentages z.rrück- gesunken.