Ter Fremde war inzwischen Karl Walm näherg-ekom-nAn. Gr sab bleich ans. Eine Falte bitteren Lächelns verzerrte semc Lippen. Mit übernächtigtem Glanze siegten die Augen über ine sichto-are Müdigkeit der Lider. . -
..'Wer sind Sie?" fragte Kart Walm herrisch und fchars.
Ter Fremde hob kauin inerklich die Schultern. Dann sagte er mit einen: seltsamen Nachdruck auf jedem Worte:
„Maria Kaska liebt Sie!"
„Herr!" brauste Karl Walm auf.
Ter Fremde parierte die Aufwalttuig mit einem lerfen AchM- rucken. Und wieder sagte er mit dein seltsamen Nachd^ick, der iwrÄ Wort neuprägte:
„Sie ist mein!" ' , -
Karl Walm wollte lachen, aber er vermochte es nich t. ,^er Fremde l)atte sich steil aufgerich-tet, in seinem Blick funkelte wreder das stechend kalte Licht. Dieser Blick vernichtete in ihm dre Sicherheit des Besitzes. . „
„lllnd »denn auch," wandte er em, „jetzt gehört srr mrr.
Ter Fremde nickte.
„Ich gebe mein Rocht nicht preis. Einer ist zuvrel.
Karl Walm bäumte sich auf.
„Wer zuviel ist. sind Sie. Ihr Anspruch ist. veraltet."
Ter Fremde hob wieder die Llchseln. Die Falte mtteven» Lächelns grub sich tiefer in seine Lippen.
„Aelter. ilicht veraltet." . ^
Zitternde Wut riß Karl Walms Besinnung mit sich fort.
„Herr, lvas wollen Sie von mir."
„Einer ist zuviel," wiederholte der Frnnde.
„Jawohl, einer ist zuviel!" schäumte Karl .Walm. „Was wollen Sie noch? Sie siiid zuviel!"
„Das soll sich entscheiden."
„Es ist entschieden."
„Nein!"
Ter Fremde hatte dieses „Nein" jäh Mid scharf losgeprellt wie den Stern einer Schleuder.
Karl Walm taumelte. .
Tiefen Sieg nutzte der Fremde. Den Gegner immer mtt dem Bann seines Blickes niederhalteud, trat er abermals einen Schritt
näher.
„Wie wollen Sie das entscheiden?" fragte er. ,. „ f
Karl Walm zuckten blitzschnell die Möglichkeiten durch s Hirn: Säbel, Pistole, schwarze Kugel. Er Milderte. Ta traf sein alnrren- der Blick den kleinen Spieltisch und klanimerte sich Mi den: Schach- brett fest, aus dem eine beendete Partie noch stand. Karl Walm hatte sie gewonnen. „ ^ ,
Ter Fremde loar den: Blick gefolgt. Auch er sah das Spiel. In leisem Hohn kniff er die Lippeii.
„Gut," sagte er. „ick) nehme an."
Karl Walm atmete ans, er wußte, hier hatte er Chancen, hier toar er nicht einem unberechenbaren Zufall ausgeliefert.
Ter Fremde nahm den Tisch und trug ihn zum Fenster. Dre Tiefe des Zimmers war von den Schleiern einer frühen DämMe- rung verlMigen.
Karl Walm griff nach den weißen Figuren, um sre zu ordnen.
„'Halt," gebot der Fremde, und hielt ihm die beiden geschlossenen Hände entgegeii. Karl Walm berührte die Rechte selires Gegners. Ein stechender Funke sprang von dieser Hmid in senre Fingerspitzen. Sie öffnete sich, und auf der Handfläche rollte wie ein Hohn die schwarze Dame. Der Gegner hatte den ersten Zug. Ein grausames Lächeln huschte über die Blässe seines Gesichtes.
Karl Walm sing es auf. Daß er schwarz gewählt, durfte ihm keine Vorbedeutung sein, aber das Lächeln des Fremden zwang es ihm als Vorbedeutung auf. Seine Hände waren unsicher beim Ordnen der Figuren.
„Ich gebe die Springer vor," höhnte der Fremde.
„Ich lasse mir nichts schenken.," knirschte Karl Walm zur
Antwort.
Achselzuckend schvb der Fremde ]einen Königsbauer vor. Karl Walm folgte. Tie ersten Züge Mt er in einer fahrigeii Hast. Er hatte kaum gezogen, so schob sein Gegner kühl und sicher die nächste Figur vor. Das Spiel entwickelte sich rasch. Karl Walm hörte seinen eigenen Herzschlag das Zimmer durchdröhnen. Er brannte eine Zigarette an, das sieberhaste Schwüigeii seiner Nerven zu betäuben, aber er warf sie loieder wög. Mit lveit vor< 7 estrecktem Kops verfolgte er das Spie! und fühlte, daß er doch' nicht dabei war. Ter Blick des Fremden bohrte sich durch seine Schädeldecke und lähmte sein Tenken. Gierig verfolgte er die schmale HMid des andern, wenn sie eine Figur vorrückte, aber nur mechanisch fand er die Entgegenung.
Plötzlich sah er die weiße Tarne chren Platz verlassen und auf seiner: König eindrmgen.
„Maria Kaska", stöhnte es in ihm. „Maria &<t£ 1 fa". Sie war es selbst, die über die schwarz iveißen ^F-elder tanzte, rode über die Spiegelglatte des Parkettbodens. Mit ihr durfte der Gegner ihn^nicht besiegen. Karl Walm zog seinen Springer heran, deckte das Schach und drohte grimmig:
„Gardez la Tarne."
Er setzte mit einen: Barrern nach und rviederholte:
„Gradez la Tarne."
Einen Augenblick stutzte der Fremde, bog sich weiter vor und unckauerte die Absichten seines Gegners. Vprsickchig zog er die Tame zurück.
Karl Walm setzte ihr auch diesuml nach. Sein Atem psiff leise durch, die Zähne. Er biß die Lippen aufeinander und krallte sich mit den Händen cm der Tischkcmte fest.
Sv trieb er die iveiße Dame in ein unentrinnbares Netz. Zun: letzten Male bot er „Gardez". Mit dem kleinen VeÄluft eines Läufers hatte er sie besiegt.
Ter Fremde zuckte mit ferner Winrper. Seir: Spiel rvurde von jetzt ab mrr zäher, verbissener. Sie umlauerten sich wie zwei Ringer, sprangen sich ai: uub verklammerten sich Karl Wattn verbarg das Kerrchen seines Atems nicht länger. Znm Zerreißen war jeder Nerv gefpamrt, aber nun, wo er den Gegner bedrängte, löste er sich, muh langsan: aus der Gewalt seines Bannes.
Tie Tmrkelhett kroch, an ihnen hoch. Ungewisses Licht lag Über den Feldern des Schachbrettes, in dessen einer Ecke der weiße König eingekeilt ftaub zwischen den letzten seiner Getreuen und den anstürmenden Feinden.
Karl Walm sah tanzende Ringe vor seinen Auge::, die Figuren vermochte er fmrm mchr zu unterscheiden. Mtt einer unnienschlichen lAnspcmnnng seines Willens wurde er einstweilen noch' der ihn anfallenden Schwäche Herr. —
Drei Züge mußten ihn: gelingen. Wieviel Minuten noch? Jetzt: „Schach — Schach — matt."
Er hechte gesiegt. ^
Damit schlug auch die Anspannung seiner Kräfte in Schwäche um. Landschaften und Bilder rasten an seinen geschlossenen Augen vorüber. Für einen Augenblick sah er Maria Kaska, die ihm zu- lächelte. Melodien klangen auf.
Und plötzlich hörte er eine Stimme, die mtt seltsam! beschattest Nachdruck auf jedem Worte sagte:
„Das Spiel ist entschieden. Ich gehe."
Ta riß er sich aus seiner Ohnmacht auf. Aber er sah nur, wie die Tür sich schloß.
Vücherttsch.
— DaS U-Boot als Kriegs - und Handelsschiff. Die technische Entwicklung und Anwendung der Tauchboote, deren Motoren, Bewaffnung und Abwehr. Mit 280 Abbildungen, Zeichnungen und Tabellen, nebst ausführlichem Literatur-Nachweis, in gemeinverständlicher Darstellung. Dritte, wesentlich vermehrte nnd verbesserte Auflage. 200 S. Gr. 4°. Herausgegeben von Patent- und Ziyilingenieur Jul. Küster. Verlag Klaflng & Co., G. tn. b. H., Berlin W 9. Preis in Leinen gebunden 5 Mk. — Techniker und Laien missten das Buch gelesen haben, um in der Lage zu sein, Fahrtberichte der modernen U-Boot-Literatur und Einzelheiten der TageSpresse über solche einigermaßen mit Verständnis verfolgen zu können. Das Werk stellt jetzt gewissermaßen ein den: heutigen Stande der Technik entsprechendes Kompendium über alles Wissenswerte aus dem Gebiete des Unterseebootwesens dar.
— Carl Rocco: Loreley. Ein Heimatroman aus Alt- Halle. Geh. 2 Mk., gebd. 2,50 Mk. Verlag von Ehrhardt Karras, G. m. b. H., Halle. — Man braucht gar nicht Hallenser zu sein, oder Alt-Halle sonst zu kennen, um bei der Schilderung dieses ernst-heiteren, fesselnden Lebensabschnittes feine helle Freude 31 t haben. Das alte Hallesche Waisenhaus um 1970 mit all seinen prächtigen Figuren, den: „alten Kramers dem weltberühmte»: „Professor Daniel* u. a., ist mit der Gestalt eines hoch veranlagte»:, schöngeistige,: Jünglings zu einem Schülerroman verk»:üpst, der in seiner Durchführung der Charaktere, der Kleinmalerei, der Zeichnung und Tarstell:u:g alter, wunderlich geivordener Lehrkräfte seinesgleichen sucht. Die Heiumtgeschichte, die so oft m,v den: Ortskundigen Interesse bietet, tritt hier ii: eine Phase, >vo sie bet spannender Handlung auf die Anlehnung deL Lesers an die Wiege des Stoffes vollauf verzichten kan»:.
Tanschratsel.
1. Nagetierchen
2. Getränk
3. Empfindung
4. Stück Land
5. Altes Gewicht ü. Rückstand
7. Himmelskörper
8 . Wassertier
9. Fanggerät
— b Gebäude. Nahr:u:gsinittel. Charakterzug. Märcheugestalt. Land in Asten. Baum.
Gesäß.
Hausgerät.
HimmelSbewohuer.
Aus der: Wörter»:, deren Bedeutung unter a. angegeben ist, sollen durch Umwandlung des Anfangsbuchstabens die u,:ter d. an- gedeuteteu Wörter gebildet werden. Sind die richtigen Wörter gesunden, ergeben die 'Anfangsbuchstaben derselben unter d im Zusammenhang einen weiblicher: Vornau:eu.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Si»u:rätsels in voriger Stummer
BchriftleUuna: Fr. R. Zenz. — ZwillmgSrunddruck uub Verlag der öirübl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


