Ausgabe 
29.1.1917
 
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Ich schieße!" rief der Baron wütend. Der Hahn knackte. Einen Augenblick ward es still. Jeder wich, nach Deckung suchend, zurück. Nur Michael Laskowrcz schmetterte den Hammer gegen das Gitter, als höre und sehe er nichts'.

Schieß' zu!" höhnten ein paar Knechte und sprangen Von der Mauer in den Hof hinab.Schieß' zu!" tönte johlend von draußen. Ein Hagel von Steinen flog gegen das Fenster, an den: der Baron stand. Die weiften oep Steine fielen schon in der Mitte des Hofes nieder.

Da Machte der Schuß. Hans Albert hatte mit Schrot geladen. Ein kurzes Wehegeheul bewies, daß ein paar Körner getroffen. Aber das verdoppelte nur die Wut der Leute.

Werst Feuer in die Ställe, Feuer in die Wirlschafts? gebäude! Heißa, bratet den Oehmke! Er hat uns genug geschunden!"

Schurken!" donnerte Hans Alberts Stimme. Sein Ge­sicht verzerrte sich. Er hatte alles verstanden. llrrd wieder krachte ein Schuß. Auch der deutsche Diener feuerte jetzt. Da drängte sich Peter Wroblewski durch den Haufen. Der Helm saß ihm schief. Er bat, drohte, beschwor, inan lachte, man hörte ihn nicht an.

Michael Laskowicz, allmächtiger Gott, was tust du? Freundchen, was tust du?"

Es war ein Berzweiflungsschrei, aber der Schmied wandte nur einmal das Haupt. Einen Moment stand der Gendarm wie betäubt. Dann stürzte er zurück zum Nhulzenamt.

,^uer bestes Pferd, Schulze," keuchte er. Ist fliegender Erle berichtete er.

Fünf Minuten später galoppierte er wie gejagt die Chaussee entlang. Der Helm saß immer noch nicht gerade.

Waffen fehlten. Er sah so unvorschriftsrnäßig wie möglich aus.

. Es war ein trüber Tag. Der Nebel senkte sich schon Md«.Flieg', Pserdchsn, flieg'," ermunterte Peter Wro- btewskr den Gaul immer von neuem.Wenn wir rrur erst Stralkowo haben und die Dragoner!"

13. Kapitel.

An der Wegkreuzung, wie verabredet, waren Napoleon Kutkowskr und Wladimir Nybsczynski mit kleinem Geleit Lusammengetroffen. Kasimir Rzonka ritt neben dem Grafen, Bartek Zychod verklärten Gesichtes hinter ihm. Drei der treuesten und verwegensten Burschen, die der alte Diener selbst ausgesucht und bewaffiiet hatte, waren schon vorher abgesandt und hatten unauffällig in der Nähe des Rendez­vous-Platzes Posten gefaßt.

Napoleon Rutkowski sah merkwürdig aus. Das Fieber der Erwartung, die Unruhe der letzten Tage und Nächte, der Gedanken an Versen und Hanna, der ewige Gedanke an das verzweifelte Sprel, das er spielte altes hatte ihn mit­genommen. war jetzt totenblaß, und es dauerte nicht lange, so glühte fern Gesicht wieder. Die Lippen zitterten M der inneren Erregung. Das nervöse Zucken um die Mund­winkel erschien häufiger als je.

mir Augenblick zurück sein," sagte Kasi-

mu Rzoiika, der ihn unauffällig betrachtet batte. Die Hauptsache bleibt, daß den Leuten effigeschärft wird, wann sie den Riickzug antreten sollen." '

"Schiri gut! Sie wissen es und kennen den Pfiff." helles Srgnal^ üeinc P^ife hervor und entlockte ihr ein

Im schnellen Laufe näherte sich in diesem Auaeiiblicke tom Dorfe ein Mann. Es war der, der den Schmied in der Schenke aufgesucht hatte. Gleichzeitig hörte mail von Nas- gora her pnen wüsteil Lärm.

TnTf ^^!b.der!Tanz beginnt. Und der Ketzer

soll tanzen, daß die Engel im Himmel sich freuen."

hf aSa* %äü)eh \: ftoieltc um die schmalen Lippen

Rybiczynvkis. Er grffs nach dein Säbel. Der Rosenkranz den er um, da-. Handgelenk geschlungen batte klirrte leis^ Iah hatte Napoleon Rutkowski seii?Pserd he rnrn geworfen

ZiLvwSfX We mmtn die der alte

!«, dM&B KSSB JK ÄS %Sf$

l-bem der nur das gnädige Fräulein bringt. Habt ihr sie fosort auf Barteks Pferd und zu mir." ^ 9 ' '

^.-ie Euer Gnaden befehlen: tat oder lebendig!"

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^ut,' stieß er hervor,tot oder lebendig!"

. -?^r Lärm wuchs; man hörte ihn deutlich. Der Bote winkte. Im Lauffchritt eilten die Burschen dem Dorfe zu.

,;AIea jacta est; lachte Napoleon gepreßt und drückte den Hut fester,wie wäre es, meine Herren?"

.. /lud über die Felder fort, der Chaussee parallel, galop­pierten die Reiter vorwärts, am Park vorüber, bis sie auf einer kleinen Anhöhe hielten, die fast in gleicher Linie mit dem Herreuhause lag. lieber die niedriger: Wirtschafts- gebaude fort sah man in den Hof.

Der Hof war leer. Nur die lvenigeu Burschen, die über die Malier geklettert waren^ tauchten ab und zu auf. Sie suchten Deckung hinternr Brunnen und versuchten, zu deil Stallen vorzildringen. Dem einen war es gelurrgen. Als kemre er kerne «Ermüdung, schichtete er Heu und Stroh au den Stallen empor. Noch immer arbeitete der Schmied wie ein Verzweifelter.

Plötzlich ein wilder Schrei:Vorwärts, vorwärts!"

lt Z ll £ efhlmer Kraft warf sich die Menge auf das Gitter, ern Krachendes gab nach. Uub der Schmied stürmte als erster Arbeit " ^ n 9 an 9 in fc^it Hof. Sein Gesicht glühte von der

Los!" brüllte er,die Steine!" or , r Inster verbarrikadieren!" kommandierte Hans

Alberk. Aber ehe es geschehen konnte, flog ein Hagel schwerer Feldsterne gegen die beiden offenen Fenster, daß er zurück- sprlngen mußte.

. Einen Ailgenblick nur zögerte er.Zurück!" befahl er dann,alle Mann m den Flur."

... drängten die Empörer gegen die eichene Haus­

tur. Ern Wutgeheul erfolgte, als sie nicht nachgab.

Aexte her, Johann, Kohalyn, nimm die Fenster!" Kommt nur!" keuchte der Baron. Fünf Leute hatte er ^erfugung. RechtL Ulld links stellte er die beiden mit Buchsen bewaffneten Dicn?r auf. so daß sie durch die offene ^ur d,e beiden nicht geschlossenen Fenster bestreichen konnten. Dann gab er leise Anordnungen.

S? fa £^ nt< V u .. °uch schon dumvf die Axtschläge gegen die Haustür. Man horte das Holz splitterr»

..Aufhassen!" rief Hans Albert. fr tauchte am linken Fenster ein

Kops auf. ^ohann Kohalyn war auf die Schulter eines an- deren Fornals gestiegen. Der Branntwein hatte ihm 5Kut fl s n0 t .Fensterkrenz zog er sich in die Höhe. Schon aber krachte ein Schuh. Mit einer» gräßlicheii Aufschrei ließ

b J* f et® Hände griffen in die Lust, und wie

eln Sack slel er zurück.

Murin und Josef, tot!" rief es von unten. Dann

es am Fenster still. Auch die Axtschlüge an der Tür )orten kurz ans. Ern dumpfes Elltsetzen schieil die Leute zu lacken, da nun der erste von ihnen gefallen war. Hans Albert hatte sofort ivreder geladen. .Dann wischte er den Schweiß von der Strru. ^

So bald kommt rnir keiner mehr durch das Fenster,"

CX

Nach der kurzen Stille fing das Johlen draußen ivieder an Sre statterr Zuzug bekommen: Die Leute Rntkowskis und Rhbsczynvkiv, dre besser bewaffiut warerr als alle Nasao- raer, hatten den Hof erreicht. ö

«s wollten sie zeigen, daß sie da waren, schossen sie ins

ST in StMe " U ,b i8T0<,en °°u der

bie Waffen?" "Woher haben die Schufte

.. Fs ward ihm noch heißer. Und immer heftiger erzitterte die Tür unter den Schlagen der Aexte und Beile 4 (Fortsetzung solar.)

Die Sicherung unserer riattoffelbestände.

Dr O. A p p - l, Mitglied der Kaiserlichen Biologischen cknstalt sür Land- und Forstwirtschaft.

Trotz detr geringen Karwffelernte werden wir mit den vor- bandenen Bestanden auskommeu, w>eml ioir die Kartoffeln nchtia behandeln aber auch Nur dann. rrcyng

. , Iie Grundlage für unsere Ernährung mit Pflanzenkost bildet das Getrerde und dre Kartoffeln. Durch lange Gelvöhnuna süid lvir entgegen anderen Bollern mehr auf die Kartoffel angewiesen und da ^^n F^denzerten stets euren Ueberflnß darair hatten, ist nach und nach dre Kartoffel zur hauptwchlrchsten Grundlage der Ernährung des größten Tecks unseres ÄolW geworden. Durch den Ernte^ ansfall dreses Jahres würde diese Gnrndlage erschüttert sein, loemr