Königsträume.
Roman von Karl Busse.
(NacArnck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Weg da!" sprach der Gen^rrn: unwirsch, „was sollen! die Dummheiten! Seht lieber zu, daß es e:uh nicht ebenso« geht."
Aber immer stärker schwoll das Rufen: „Laßt den Wenzel frei! Er muß frei sein!"
Messer blitzten. Ein Formal hatte den Strick gepackt, mit dem die Arme des Gefangenen gefasselt waren, und versuchte mit scharfem Schnitt ihn zu lösen.
„Bist biL von Sinnen?" schrie Peter Wroblewski ihn an. Er gab ihm einen Fauststoß vor die Brr:st, daß der Fornal zurücktanmelte.
„Freunde," sagte er, „bedenkt, was ihr tut! Der Wenzel ist mein Gefallgener. Ich muß ihn abliefern. Und ich rate euch im guten, geht nach Hause. Wer sich an diesem hier vergreift und versucht, ihn freiznmachen, der vergreift sich an mir. Ich jedoch bin die Obrigkeit."
„Gib den Wenzel frei, heulte statt jeder anderen Antwort die Rotte. Der zurückgestoßene Knecht hatte sich wieder gefaßt, die Wut verzerrte sein Gesicht.
„Psia Krew!" schrie er auf und stiirzte sich von neuem auf Wenzel Smilicz.
„Nur die Arme frei, macht mir die Arme frei," flehte dieser.
„Das ist Rebellion! Ich fordere zum Auseinandergehen auf! Wer der Aufforderung nicht folgt, ist verhaftet!"
Krebsrot im Gesicht, zog der Gendarm den Revolver. „Eins zwei —"
„Und drei, Freundchen," lachte Wenzel Smilicz höhnisch. Eben hatte er die Arme frei bekommen, und ehe es Wroft blewski hindern konnte, schlug er ihm bei „drei" den Revolver aus der Hand. Er entlud sich, ohne daß jemand getroffen wurde.
„Er hat geschossen," brüllte die Menge — „auf mtö geschossen! Schlagt ihn tot, auch er dient den verfluchten Deutschen!"
„Zurück!" schrie Peter Wroblewski und zog den Sabel.
Mer ehe er noch Rückendeckung gewinnen konnte, war er gepackt, der Säbel war ihm aus der Hand gewunden.
„Hängt ihn aus!" frohlockte Wenzel Smilicz. „Warum hilft er dem Ketzer? An beit Baum mit ihm!"
Da stürzte, den großen Hammer in der Faust, den er eben geholt, Michael Laskowicz herbei
„Rührt ihn nicht an! Mein Hammer schlügt jeden, der ihn anrührt. Er ist ein Pole. Habt ihr nichts Besseres vor?"
Wenzel Smilicz hatte blutunterlaufene Augen. Sein Kopf war noch dumpf von dem furchtbaren Schlage.
„Ins Schloß!" brüllte er, „der Schmied hat recht! Rache für die heilige Jungfrau!"
Er wußte kaum, was er schrie. Wer wild nahm der Chor es aus. Und im Sturmschritt, als wollten sie alles vor sich niederwerfen, ging es dem Gutshof zu.
Auf Peter Wroblewski achtete niemand mehr. Er blieb allein. „Heilige Mutter Gottes," das war alles, was sich seinen Lippen entrang: dann betastete er sich, ob er auch ganz geblieben. Und erst, als er darüber beruhigt war. suchte er nach dem Revolver, nach dem Säbel.
Vergebens! Die Leute hatten die Waffen als gute Beute ruitgenommen. Verzweiflung packte den Geildarm. Und ferm tönte der Lärm der erregten Leute. Rach dem Schroffs wollten sie, zum Baron!
„Maria und Josef, sie werden ihn töten!" Und mit einen: Schrei stürzte er ihnen nach.
Der Schmied von Nasgora und Wenzel Smilicz stürm- ten voran. Mit Aexten und Sensen folgterr die anderen. Wer keine Waffe besaß, raffte große Feldsteine vom Wege auf. Eine wilde Zerstörungslust und Mordgier schien über die Leute gekommen zu sein, die sonst demütig jedem, dev bessere Kleidung trug, den Rockzipfel küßten. Ein Hütejunge sah zuerst die s:ch heranwälzende Schar Er alarmierte das Haus. Hans Albert wollte es nicht glauben. Mer als immer mächtiger der Lärm herüberscholt, ward er schwankend.
„Das Gittertor schließen!" kommandierte er. Er war wieder der alte Offizier
„Me Mann ins Schloß? Oehmke muß zu meiner Tochter. Sie soll mit allen Mägden im Oberzimmer hakte::. Ihr besetzt die Fenster!"
Er selbst stürzte zum Gewehrschrank. Die Waffen wurden verteilt: das Haustor, die Tür war eichen und eisen- beschlagen, geschlossen und verbarrikadiert; die Fensterläden, bis auf diejenigen Fenster, aus denen geschossen, werden sollte, vorgelegt. Es war knapp geschehen, als die Scharen gegen das eiserne Gittertor heranwogten. Ein Wut' geheul brach los, als man durch Rütteln gewahr wurde. ,daß die Tür verschlossen war.
„Der Dachs macht den Ball zu! Räuchert ihn aus! Schlagt das Gitter in Stiicke!" scholl's durcheinander.
„Die Köpfe fort!" schrie Michael Laskowicz. Klirrend sauste der mächtige Hammer gegen das Schloß der Tür, ein* mal, zweimal.
Plötzlich ein Toben, das in einen einzigen schrei anslief
„Der Ketzer, da steht der Schuft, schießt. Leute!"
Der Baron war ans Fenster getreten, die Flinte schußbereit.
„Fort da!" tönte seine mächtige Kommandostimme „Was wollt ihr auf meinen: Hofe?"
„Dich, Hund!" schrie der Schmied. Die Stunde der Rache hatte ihm alle Besinnung geraubt. „Dich! Dich!" heulte der Chor nach.
„Auf die Mauer! Bück' dich, Bruder, es dauert M lange, ehe der Weg frei ist!"
Aus den Schultern der anderen erkletterteil die Ber- loegensten die Mauer.


