Ausgabe 
27.1.1917
 
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Wärmt am «reisten, wenn noch heute der rote Hahn auf dem Schlosse kräht!"

Johann Kohalhn umarmte seinen Nachbar.

Bruder," rief er,wenn der rote Hahn erst die Flügel schlägt, dem verfluchten Ketzer soll es heiß werden! O, Schmied, Schmied, woraus wartest du? Wenn man ge­fangen ist wie Wenzel Smilicz, rinnen die Minuten langsam.

Worauf warten wir?" schrien auch andere.Du schmie- best das Eisen, Michael Laskowicz, wenn die Glut drin ist Das kalte kannst du nicht schmieden."

Ein mächtiger Faustschlag brachte den Tisch ins Wanken.

Ich habe zehn Jahre gewartet, Leute, zehn , lange Jahre, zehn Sommer, zehn Winter. Und ihr wollt nicht Stunden warten? Trinkt! Wer weiß, ob euch der Magen nicht bald frieren wird. Ich weiß allein, wann es Zeit ist!"

Immer wilder wurden die Reden. Man schrie durch­einander, die Köpfe glühten. Eine dunstige Atmosphäre, ganz durchtränkt von dem widerlichen Gerüche des vergossenen Fusels, der die Tische klebrig machte, lag über der Stube.

Es ward Mittag. Keiner merkte es, keiner ging. Immer öfter sah der Schmied auf die Uhr. Er konnte die Leute kaum mehr zurückhalten. Sie höhnten schon, daß sie ein altes Weib zum Führer genommen. Die Gefahr lag nahe, daß chre wilde Erregung in gegenseitigen Schlägereien zum Ausbruch kam. Johann Kohalyn war der Schlimmste.

Beim Haupte meines Vaters!" brüllte er,und wenn keiner mittommt, brat' ich den Ketzer allein!"

^ Da stützte ein, Alter, den der Schnaps weinerlich gemacht, plötzlich den Kopf in die Hände.O, du hellige Jungfrau.', Ihr Jungen, ihr redet! Steckt das Schloß an, gut, gut? Und morgen sitzen wir da. Wen der Gendarm nicht holt, kann verhungern. Wer gibt uns Arbeit im Winter?"

Schweig', alte Unke!" schrie es von: Schenktisch.

Recht hat er doch!" sagte ein anderer. Plötzlich ergriff diesen und jenen die Angst. Eine Ernüchterung trat ein. Zweifelnd, fragend sah inan auf den Schmied. Doch ehe der etwas reden konnte, sprang ein Fremder auf.

, "?enn ihr keine Feiglinge seid," rief er.so könnt' ich euch ein Mittel sagen, daß ihr den Ketzer verbrennen könnt, ohne daß der Gendarm euch packt, ohne daß ihr Hunger leidet! Kommt dorthin mit, wohin wir ziehen! Was habt ihr Knechtschaft liegt auf euch wie das Joch auf dem Ochsen. Diener seid ihr, und Herren köilnt ihr sein! Kommt At, sag' rch euch, ihr Leute von Nasgora, nach drüben. Wenn thr Polen seid und rechtgläubig, dann folgt uns I"

. tiefe Stille entstand. Die Köpfe faßten es noch

nicht. Die Lippen regten sich -mechanisch, und mit starren, Mlgen sahen die einen auf den Fremden, die andern auf Michael Laskowicz. Der erhob sich zu seiner ganzen Größe.

.Gesegnet sei dein Wort," rief er wild,gesegnet an deinen Krndern und Enkeln! Was steht ihr da und habt die Mäuler offen? Wollt chr dem Ketzer weiter dienen, seinen Rock küssen und um Erbarmen flehen? Wollt ihr weiter hungern oder hinter den Mauern der Gefängnisse sitzen? PflaKrew, wer wählt da noch? In die Freiheit, Brüder, hinüber wo das Vaterland kämpft. Die Grenze ist nahe r ei? kommen wir hinüber. Und wir stecken

^Schloß als Fackel an, daß uns auf dem Wege durch leuchtet! Jch bin der erste, wer folgt mir? D^

K üb« den 5?!" ^ das Schloß von Msgora.

lfm SSLIK* 1 ' IMtJtab aufrecht. Die LeidensckM, die lrber auf die andern. Ein Brausen erhob sich. Ein Taumel ergriff die Leute. Lachend und sich "empören fie ^ in ben Armen, zwanzig Fäuste reckten

O Polen, heiliges Vaterland! Wir folgen, Michael Las- kvwicz; zu den Waffen, Freunde, zu den Waffen?'

Vergessen war der Baron. Der Frerbeitsrauscki markte die Herzen trunken. Ein Sturm schüttelte die Männer Immer wilder pflanzte sich der Ruf fort:Zu den Waffen s"

Ein Teil stürzte nach Hause. Mit Aexten und Sensen

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v3n einer halben Stunde also! Und noch eins: Wer dem

3^aulein ein Haar krümmt, steht noch heute an der Himii melstür. Ihr bürgt dem Herrn Grafen dafür."

Er hatte sich kaum entfernt, als draußen ein Lärm ent­stand. Eine hohe Stimme krähte, daß es hell und durchs Engend in die Gaststube drang. Dann schoß jemand vogel- schuell mn Fenster vorbei, und im nächsten Augenblick ging die Tür auf.

Heda, Leute, Gott segne euch! Der Sensenschwuug geht durch die Welt! Hu, wie schneidet der Stahl die Aehren!"- Erschöpft hielt Jan Hebda/ der verrückte Schulmeister, erneu Augenblick inne.

Gebt dem Eichhörnchen zju trinken," lachte ein Knecht, sonst fallt es noch unr!"

Aber der kleine Mann riß die weiße Konfederatka vom! Kopf und sprang wie ein Gummiball auf und nieder. DaS ungeschnittene Haar flog um sein Gesicht.Trintt ihr selber, Wenns euch gestillt, und derweil marschieren die Brüder, urrd dre Freiheit entrollt ihr Banner, und Jarr Hebda ist ihr Prophet. Ihr jedoch trinkt, als gäbe es nichts Besseres, als! wurde nicht eben Wenzel Smilicz abgeführt, abgeführt von Wroblewskr, der" ^

.Eichhörnchen, was sprichst du da? Schulmeister, rede!^ schrren ern paar Stimmen.Ist das wahr, Fan Hebda?"

Ehe er noch antworten konnte, war er mitgerissen. Sein Krähen verlor sich im wilden Rufen der Knechte, die arrs der Tür drängten. Der Nanre Wenzel Smilicz war aus allen Rippen. Jeder wollte der erste draußen sein.

Ickten einige chie Dorsstraße gewonnen, als! A^^Ades GesHrer den Nachdrängenden bewies, daß Jan Hebda die Wahrheit gesprochen. Fünfzig, sechzig Schritt Sp cS ^Ä^darm neben dem Gefangenen, dem

die Hände aus!hem Ruckerr gebunden waren. Wie eine Sturiw

rufend anbcreu hinterdrein, laut seinen Nameir

. . ^n Wenzel frei. Pan Wachtmeister, der Himmel

^Znen," rief der erste Knecht, der die beiden er­reichte. Er keuchte vom tollen Lauf.

den Wenzel frei!" tönte es aus fünf, zehn, rnanm

gmniSÄc flebUnfne 0efid;t de^Gefc-n.

(Fortsetzung folgt.)

Der Alte Zritz im Liede.

(Zum 24 . Januar, dem Geburtstag des großen Königs.)'

Bon Heinz Amelung.

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ß- ist unser MnfLaue--"' Kleist sLfte'"knerst S tf&t Ruck das ihni me paß ende fteinde zierliche Gewand ab rr SSü perab von der weltfremden, luftdünnen Höbe ^ir ^2

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17' lelt ' s bel1 Preußenkönig und sein Herr, --in Bci? Ipiel auch die andern rmt fort. Gleim ftmo die Sieber eines preußischen Grenadiers und unvergessen wll

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St>r f5?fr bC k "Barden Früdrichs" bezeichnte sich selbst Ramler der sich für den berufenen .Künder des Ruhmes seines Königs Welt'

S ^ ,m «L e9Te, [ eTt ' ba ^ * cne ^eit diesen kunstvoll gebauten ^ b" ^ Sr.oße Bewimderung entgegenbrachte, aber so allgemein Esrftlrcht vor Ranckers Leistungen, daß sogar Goethe die würdige Weise" rühmte, in der hier Friedrich gefeilt Diealten Gottheiten nnd Halbgötter werden in diesen Ge- dichten herbei gerufen, um des Königs Ehren zu erhöhen. Die Ver­herrlichung Friedrichs bildet den Inhalt der vielen dben Ramlers.