Königsträume.
Roman von Karl Buffe.
(Na<H>ruck verboten.)
(Fortsetzung.)
>,Wer hat den Wenzel gebunden?" fragte er.
„Der Deutsche! Und Kuba hat geholfen."
Und ihr habt nicht zu mucksen gewagt, Freunde," höh.-.ce Michael Laskowicz. „Ruhig habt ihr zugesehen, es ist ein Staat mit euch!"
Die Blicke senkten sich.
„Der Baron hätte reden niedergeschlagen," sagte endlich einer. „Er war wre ein nnldes Tier!"
„Wilde Tiere läßt man nicht laufen," lachte der Schmied wild. „Aber vorbei ist vorbei. Und was nun? Was wollt ihr?"
„Den Wenzel befreien, und wenn wir das Haus anstecken müssen!" ,
„Psia Krew, ihr rennt euch an den Mauern nur die Köpfe ein! Erst habt ihr keinen Laut gewagt, und nun wollt ihr blindwütig drauf losgehen!"
„Dann gib uns einen besseren Rat, Schmied!"
„Gut Ding will Weile haben! Die himmlische Weisheit habe ich nicht gepachtet. Doch erlaubt mir eine Frage: Als ihr gestern aus der Kirche kamt, wußtet ihr auch nicht, was ihr tun solltet! He. Brüder, wo kam uns da die Erleuchtung? Draußen in der Kälte?"
„Nein, "riefen mehrere, „bei Biskupski."
„Narren!" höhnte der Schmied. „Biskupski her, Biskupski hin. Ohrre Magenwärmer hätten wir nichts vermocht. Er macht den Kopf hell und den Geist rege. Versteht ihr mich? In der Schenke wollen wir wieder beraten, und Gott wird unfern Verstand erleuchten!"
„Teufel ja!" flichte Johann Kohalyn. „Er hat das richtige Wort. Jedoch, stellt mich auf den Kopf, Brüder, ich will daliegey wie Wenzel Smilicz, wenn ihr ein Geldstück klappern hört!"
Michael Laskowicz reckte sich auf.
„Ein Schuft, wer seine Freunde verläßt; habe ich euch geraten, dem Ketzer zu trotzen, so helfe ich auch tveiter! Hört mich an: noch habe ch zu tun. Doch kommt um elf in den Krug, alle, wie ihr da seid! Was ist da zu reden: Gebt miv die Ehre als meiire Gäste! Dann werden wir weiter sehen!"
„Hoch Michael Laskowicz!" scholl's von Mund zu Mund. Johann Kohalyn warf seine Mütze vor Freude in die Höhe.
„Ein Mensch bist du, Bruder, ein Gesegneter Gottes! Verlange, was du willst, wir folgen dir!"
„Bei allen Heiligen, wir folgen dir!" tönte es begeistert im Kreise.
„Nun, nun," wehrte der Schmied ab, „das findet sich alles. Ich danke euch! Aber eins noch müßt ihr mir versprechen: Bis elf haltet ihr euch ruhig! Geht nicht zurück
auf den Hof, sondern geht spazieren wie freie Leute. In der Schenke treffe ich dann mit euch zusammen!"
Sie hätten ihm in diesem Augenblick alles gelobt, denn seine Ruhe und Sicherheit erleichterte die Herzen, die bei dem Gedanken an die Zukunft schiver wurden. Als sie abgezogen waren, schüttelte der Schmied den Kopf. „Sie werden die Zeit nicht erwarten können," brummte er. „Die Heiligen wissen, ob ich sie bis drei Uhr zurückhaltv. Aber ich hab's dem Grafen versprochen!"
Laute Stimmen schollen ihm schon von weitem entgegen, als er zur festgesetzten Stmrde sich dem Gasthof näherte. Ein Zank schien ansgebrochen, der die Köpfe erhitzte, noch ehe der Alkohol seine Wirkung tat. Aber als der Schmied einen flüchtigen Blick durch die Scheiben tat, schmunzelte er.
„Sie sind bei der Arbeit, sprach er vor sich hin. „Es wird leichter sein, als ich dachte."
Mit Hallo ward er empfangen. Fast die ganze Schenk- stube war gefüllt. Außer den Gutsleuten waren ein halbe- Dutzend Freunde da, die sich unter die Knechte gemischt hatten und wacker tranken. Gerade als der Schmied die Tür öffnete, rief einer der Fremden: ,^Jch komme euch ein Gläschen/ Nachbar, obwohl ihr einer der Lutheraner seid, die an Götzen glauben!"
„Die Pest an deinen Hals, Hundesohn, wer sagt das?"
Die Fremden lachten.
„Wer das sagt? Ganz Polen sagt es, mein Lieber. Habt ihr nicht einen Herrn, der euch Andachten hält, obwohl er ein Ketzer ist? Dient ihr nicht dem Deutschen? Haha, ihr seid ein Gespött für das ganze Großherzogtum!"
Wütend wehrten sich die Nasgoraer. Immer mehr stachelten Hohn und Spott sie auf. Schon hatte Johann Kohalyn einen Stuhl gepackt und wollte ihn auf das Haupt desjenigen, der am ärgsten höhnte, niederschmettern. Da fiel Michael Laskowicz ihm in den Arm.
„Haben die Fremden nicht recht?" schrie er durch das Toben. „Seid ihr Polen? Habt ihr nicht oie Lehren des Ungläubigen mit anhören müssen? Dient ihr nicht dem Deutschen, dessen Brüder cm der 6^renze stehen, uni Polen ganz zu vernichten? Haben die nicht recht, die euch höhnen? Und wer hat euch zum Gespött des Vaterlandes gemacht, Leute? Antwortet mir!"
„Der Baron!" brüllten zwanzig Kehlen. „Schlagt ihn tot, den Hund!"
„Keiner wagt sich an ihn!" drohte der Schmied. „Meine Rechnung mit ihm ist älter. Mir gehört er!"
„Aber Wenzel Smilicz müssen wir befreien, Michael Laskowicz!"
„Er rmrd frei, Leute! Ihr kennt mich. Was ich sage, sage ich!"
,Hurra, Michael Laskowicz! Heda, Wirt, die Gläser sind leer! Es brennt in den Eingeweiden wie Feuer!"
„Laß es brennen! Feuer ist gut im. Winter. Und e-


