Ausgabe 
22.1.1917
 
Einzelbild herunterladen

34

und euch züsammendrängt wie die Sck)ase und inemand spricht, dann sucht euch einen andern. Thaddäus Rajek. sprich du, was ist passiert'?" M ,

Und Thaddäus Rajek sprach. Wie der Propst ihre Seelen Verdammt habe, weil die Menschenfrlrcht größer wäre rn ihnen als die Gottesfurcht, weil sie ihre Religion verleugnet hätten, weil sie stumpf und lau wären in dem großen Kampf zwischen dem Herrn und dem Satan, weil. Zehn andere redeten dazwischen. Das Stöhnen der Weiber, die sich be- kreuzigten, ward stärker. Jeder wußte etwas anderes.

Fluch dem Ketzer! Er bringt uns in die ewige Ver­dammnis! Zur Hölle mit dem Hund! Schagt ihn tot? Schlagt ihn tot!" Drohend ballten sich die Fäuste. Die Wer­ber, wilder als die Männer, kreischten dazwischen.

Ruhe, meine Brüder!" rief Michael Laskowicz.Wollt ihr hier vor der Kirche bleiben? Seht euch um, hundert Augen sind schon aus uns gerichtet! Kommt mit mir; Bis- kupski hat uns die Stube eingeränmt, wir wollen beraten!"

Ich trinke heute nicht!"

Wer will das? Trink' nid>t! Bei der Mutter Gottes- es zwirrgt dich keiner? Nur beraten wollen wir, wie wir die Seelen retten und der heiligen Kirche helfen! Ich bin von Nasgora wie ihr, ich habe den heiligen Glauben wie ihr, ich hasse den Ketzer wie ihr? Euch hat er die Seligkeit geraubt, mir mein Kind, ha, chr kennt den Krüppel! Ich bin bei euch, und wer ein treuer Sohn der Kirche ist, kommt mit!"

Und sie kamen alle! Die Stube füllte sich In Schass­pelzen und langen Röcken saßen die Männer da, zornig und kunnnervoll. Was hatten sie noch vom Leben als die Hoff­nung auf die ewige Seligkeit? Und was hatte der Propst gesagt? O, der Deutsche nahm ihnen alles, alles !

Michael Laskowicz ließ Schnaps bringen.Es braucht keiner M trinken/' rief ier,aber ein Gläschen macht den Kopf Heller und den Geist rascher. Um so besser werden wir wisset!, was da zu tun ist! Aus den Kummer, Freunde? Das Herz ist schwer! Gott gebe uns die ewige Seligkeit!"

Die heilige Jungfrau zürnt, Michael Laskowicz!"

Dann versöhnt sie!"

O Maria, heil'ge Königin von Polen, weud' uns wieder dein Herz zu!"

Die Gläser waren teer, der Schiuied füllte sie.

Mas sollen wir tun?" rief einer.Was sollen wir tun'?" riefen die Weiber nach. Sie rausten sich die Haare und murmelten dazwischen mit zitternden Lippen Gebete.

Wenn ihr gesündigt habt," schrie der Schmied mächtig über alle Stiinmen fort,dann müßt ihr die Sünde lassen! Wodurch habt ihr gesündigt? Nun, ich höre, weil ihr den; Ketzer gefolgt seid, weil ihr hingelausen seid zu seiner fal­schen Lehre! Das muß ick sagen, Katholiken seid ihr, he, man könnte weinen! Und von allen, die hier stehen, von allen ist keiner, der dem Deutschen gesagt hat, daß er nicht! komint zu der Andacht, daß er den rechten Glauben hat, daß er seine Ohren verstopft gegen die Stimme des Verführers!"

Ein Murren erhob sich

Der Schmied kann klug reden! UnA aber hätte er peitschen lassen und weagejagt, mitten im Winter."

Hopta!" begann Michael Laskowicz von neuem,also Furcht habt ihr! Zwanzig, dreißig, vierzig haben Furcht vor dem einen! Pfia Krew, ihr seid nicht N>ert

Er ist mal der Herr! Uno wer der Herr ist"

Ein Ketzer ist er! Ein deutscher Hund, der euch den Glauben stiehlt, der euch schindet, der euch die Seligkeit raubt! Lieber wollt ihr ewig verdammt sein, als vom Hofe weg? Lieber wollt ihr tausend Jahre brennen in den Flum- meu der Hölle, als euch auslehnen gegen den Ketzer! Und da soll Maria euch gnädig sein? Verleugnet ihr sie nicht jeden Tag? Und morgen, wenn die Glocke läutet, was wollt ihr tun? Wollt ihr wieder eure Seelen verkaufen und die falsche Lehre mit anhören?"

Bei Christi Wunden, ich nicht. Mag er mich töten, dann werden die Heiligen mich zu sich nehmen!" Ei> blut­junger Mensch ries es.

Wenzel Smilicz stand neben ihm.Wem: er niich an- rührt," brüllte er,schlag' ich ihn tot! Ich gehe morgen auch nicht!"

.Lfch auch nicht!" ^

Die andern hatten die Köpfe gesenkt und schwiegen.

Wenn alle wegbleiben, bleibe ich auch weg," warf zögernd einer ein.

Ja dann"

Und mit einein Male:Fluch dem Ketzer! Laßt ihn warten, Briider, bis der Teufel mit ihm ab fährt!"

Auch die Zaghaften ftinnnten mit ein. Im Reden und Trinken wuchs die Begeisterung. Nicht schnell genug konnten die Gläser gefüllt werden!

Als die Nasgoraer es war Abend geworden mit heißen Köpfen nach Haus zogen, fand Michael Laskowicz sein wildes Lachen lvieder. Er konnte mit sich zufrieden sein. Napoleon Rutkowski würde es auch.

Juschu ,oar wach. Er saß in der dunklen Stube und träumte. Nur vom Ofen leuchtete die späte Glut. Sein Vater zündete Licht an. Dann blickte er scharf zu dem Krüp­pel hinüber.

Paß auf, Juschr," sagte er.Ich will mit dir reden!"

Aus dem Strohlager seines Bettes holte er einen alten Strumpf. Als er ihn ausschüttete, klirrten ein paar Taler­slücke aus den groben Tisch hin.

Was ich hier habe, ist nicht viel. Eisen gibt's in der Schmiede genug, aber nicht Gold und Silber. Komm' her und sieh'."

Langsam hatte sich der zfrüppel erhoben.

Was willst du tun, Vater?"

Zähl' das Geld," beharrte Mickael Laskowicz.Ich werde lange nicht da sein, und die Heiligen wissen, ob ich je wiederkomme. Ich lasse es dir, damit du nicht Not leidest. Du kannst Madonnen verkaufen und Körbe flechten, und wenn das Geld nicht reicht, so gehe zu Pan Wrobtewski, dem Gendarm, und sag' ihm, daß dich Väterchen schickt. Dann wirst du nicht hungern."

Juschus Augen waren immer größer geworden.

Ich versteh' dich nicht!"

Da strich, sichstder Mte schwer über die Stirn.

Wenn's mir einer gesagt hätte, damals, als du ein Bub warst, stark für drei und wild wie der Teufel, hätte ichs auch nicht verstanden! Wenn mir einer gesagt hätte, in zwölf Jahren, Schmied, werdet Ihr ausziehen, um den Russen das Leder zu gerbe,t, und Euer Geld werdet Ihr dem Juschu geben, damit er nicht hungert, hätte ich gelacht! Denn das wäre sick-er gewesen ,vie das Mren, daß du mit mir ausgezogeu wärst, und wo die beiden Laskowicz oie Hämmer geschwungen, da hätte kein Kosak mehr stand­gehalten.

Nun ist es so, du bist ein Krüppel, was ist b<i zui machen? Die Weiber und Krüppel bleiben zu Hause, wenn die Lust nach Pulver riecht. Ich aber gehe, mein Kind, und der Zorn, daß ich nur einer bin, wird mir die Kräfte ver­doppeln. Ich schicke dir Nachricht, wenn ich kann. Und wenn so eine verdammte Kugel, na ja, dann laß eine Messe! lesen für Michael Laskowicz, den Schmied, der sich jetzt einen andern Amboß sucht. Rnssenköpfe, du verstehst. Und mach mir die heilige Jungfrau fertig. Wer nicht mitgehen kann, soll das Beste fürs Vaterland opfern, damit sie uns gnädig ist."

(Fortsetzung folgt.)

fürstliche hausgespenster.

Um ihren Lesern neuen Mut zu machen, haben mehrere Eli­tente-Zeitungen mit geheimnisvoller und bedeutender Miene das Gerücht verkündet, daß sich die Weiße Dame des Hauses Hohen- zoUeru in jüngster Zeit gezeigt l)at. Tie Weiße Dmne der Hohen- zollen, hat Ruhe, und es möchte scheinen, daß viel eher das Hcrus- gesvenst des Zarenhanses Ursache hätte, sch stören zu lassen. Dies fürstlich Hausgespenst hat unter all seinen an der Zah4 gar nicht so unbeträchtlichen Kollegen die besondere Eigentümlichkeit, daß es sich allemalen in der Gestalt der Fürstlichkeit zeigt, die zum Tode bestimmt ist. Die Mitglieder der Zarenfamilie haben dal>er dank diesem Hausgespenst damit zu rechnen, daß sie vor ihrem Tode einen geisterl-aftensiamesischen Zwilling/ vor sich erscheinen sel-en. Tie berühmteste Erscheinung dieser Art betrifft die Todesverkün- diguug der Kaiserin Katharina II. Sie saß. wie der i ästet wird kurz vor ihrem Tode ruhig lesend in ihrem Budoir, als ciue Hof- damb ganz außer sich ins Zimmer eilte und ihr eine sonderbake Botsclwft überbrachte: sie liabe beim Durchschreiten des Empfangs­zimmers dort die Kaiserin aus dem Trone sitzend gesehen, nach­dem sie sic boäi soeben noch, in ihren Pflivatgemäcl-ern verlassen.' batte, uw selbst sie sie jetzt auch wiedersand. Tie Kaiserin erblaßte, aber als mutige Frau entschloß sie sich sogleich, sich selbst von der Erscheinung zu überzeugen. Sie befahl der Hofdame ihr gu folgen und in Begleitung einiger Gardisten eilte sie zum Thronsaale, wo sie in der Tat ihrAlterego" auf dem Throne sitzen sah. Katha­rina besaht der Unbekannten sich alsbald zu entfernen, allein die Gestalt blieb unbeweglich und stumm aus dem Throne sitzen; und als die Kaiserin befahl, Feuer auf sie ab^ugebeu, da sah mau fcnt

T-V -* ---W