Ausgabe 
22.1.1917
 
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Dhron, nachdem der Ratich der Salve sich verzögert l-att« durch­löcherti und feer. . . . Zehn Tage später trat der Tod der Kaiserin ein.

Tas fürstliche Hausgespenst von Frankreich hat die echt fran- zösischle Eigentümlichkeit, daß es die zahlreichen politischeil Wand- lmtgen, denen Frau Marianne sich unterzogen hat. mitgemacht hat und daher ebenso dein Bon r bonen-König, loie Napoleon und dein Präsidenten Carnot zu erscheinen geruKe. Dies Harusgesvenst ist der ,,Rote Vhann", der pünktlich vor dem Tode jedes Beherr­schers Frankreichs oder vor dem Eintritte eines großen Unglücks sich zeigen soll. Sjo ist die Erscheinung in der Nacht vor der Er­mordung Heinrichs des IV. überliefert, auch Ludwig XVI. soll sich derRote Mann" beim Beginne der Revolution gezeigt habet: und ebenso wolleu ihn verschiedene Mitglieder der kaiserlichen' Familie vor dem deutsch-französischen Kriege gesehen haben. Mer auch deni Präsidenten Carnot ist, wie bemerkt, derRote Mann" am Morgen des Tages erschienen, an dem er ermordet ivorden ist. Aut diese Warnung hin wurden damals alle möglickMt Vorsichts­maßregeln getroffen, doch gelang es nicht, die Ausführung des Anschlages zu verhindern. Napoleon soll diese geheimnisvolle! Persönlichkeit mehrmals gesehen haben: der imhrfiuürbißik Fall ist der, über beit der Staatsrat Gras Kolo einen Bericht hinterlässeu hat. Das war am 1. Januar 1814, als der Kaiser, der sehr früh aufgestandei: war, sich in sein Arbeitszimmer einschloß, indem er dem Grafen Kolo, der die Aufsicht int Vorzimmer hatte, strengen Befehl erteilte, niemanden vorzulassen. Kurz daraus ersähen vor­dem Grafen im Vorzimmer ein großes, ganz in Rot gekleidetes Individuum, welches den Kaiser zu sprechen verlangte. Der Gras verweigerte die Bitte und hieß den Unbekannten ziemlich barsch gehen. Allein der Fremde sagte, irrdem er den Grafen fest ansah und seine Worte scharf betonte: Be nachn ästigen Sie den Käufer, daß der Rote Mann ihn zu sprechen wünsche, und er wird mich unverzüglich empfangen." Es tvar ein Ton in dieser Aufforderung, die den Grafen zweifelhaft machte, und obgleich er die größten! Bedenken hatte, meldete er dennoch den Besucher dem Kaiser an. Von Neugier getrieben lauschte er an der Tür und erhörte, wig der Rote Mann mit einer sonderbarem metallischen Stimme zum! Kaiser sagte:Ties ist das dritte Mal, daß ich mich Ihnen zeige. Zum ersten Mole begegneten wir uns in Aegypten bei der Schlacht an den Pyramiden, und das zweite Mal nach der Schlacht bei Wagram, als ich Sie benachrichtigte, daß Sie noch vier Jahre Zeit hätten, um einen allgemeinen Frieden zu schließen. Ich sagte Jhuen idanrals, daß. tu-enn Sie nicht gehorchten, Ihnen mein Schutz und meine Förderung entzogen tverden würde. Sie haben sich um meine Worte nicht irekümmert, und jetzt bin ich gekommen, um Sie zu benachrichtig«!, daß Sie nur noch drei dNonate haben, um ihr Schicksal zu erfüllen oder die Friedensvorschläge der Ver­bündeten anzunehmen." Napoleon widersprach, bat, flehte, aber der Rote Mann tvar unerbittlich und zog sich ohne weitere Be- merkmrg zurück. Drei Monate später vollzog Napoleon seine Ab- dankimg. Graf von Montholon erzählt übrigens, daß ihm der Kaiser auf seinem Totenbette gesagt habe, der Rote Mann habe! ihn von feinem unmittelbarem bevorstehenden M leben verständigt.

Hansgespenster hat auch der englische Hof, doch sind sie nach Art und Gestalt wandelbarer als der französische Hofgeist. So soll die Königin Elisabeth, ganz wie Katharina II., durch ihr geisterhaftes Ebenbild von ihrem bevorstehenden Tode benach­richtigt worden sein; im übrigen aber sind Schloß Hamptmü Court und der Londoner Tower geradezu StÄld-icheiir-Plätze für königliche Gespenster von allerlei Art. während Georg III. es, wie es scheint, vorgezogen lyat, die feste Stellung eines Hausaespen- stes im Schlosse Windsor zu übernehmen. Bekannt ist, daß beim Beginne des großen Bürgerkrieges der Geist des Lords Strafford sich Karl I. gezeigt und ihm sein tragisches Ende auf den: Schasfott angekündigt fafren soll. Der arme König Karl, den man. wia unser Logau gesagt hat,Kopfes ohne gemacht" l>at, wurde über­haupt Zeit seines Lebens von Geistererscheinungen und Zauber- wesen aller Art ans das peinlickstte verfolgt. Schließlich sei noch! eine Geistergeschichte dieser VCi*t aus allerneuester Zeit erwähnt, die Reginald B. Span in...Chamber's Journal" erzählt. Sie bezieht sich ans die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, der ihre Ermordung gleichfalls durch eine Geistererscheinnng angekündigt worden sein soll. AuS tiefem Schlafe erwachend-, sah sie das ganze Zimmer von den Strahlen des Vollmondes erhellt, und in diesem Lichte erblickte sie deutlich die Gestalt eurer klagend«: Frau, die sie mit tiefer Trauer anblickte. Ms des Morgens die Ehrendame, Gräfin Czatray, das Zimmer der Kaiserin betrat, war diese bleich und, verstört und sagte:Ich suhle, daß eilte Gefahr über mir hängt und daß mein Tod nahe ist." Wenige Stunden darauf traf sie der Dolch. Luccheni's.

Unerschlojsene Kittermittel-Tueke».

Am 26. Juni 1916 nahm der Bundesrat eine Verordnung über die Verwertung der Küchenabsälle an. Zur Durchführung die­ser Verordnung ist die Mitwirkung der Landes Zentralbehörden er­forderlich. Ans Grund von Ersahrungszalsten würden die deut- schett Städte über 40 000 Einwohner, bei Durchführung dieser Verordnung, so viel Abfälle sammeln und an die Reichsgejellsckwft für deutsches Milcht raftfutter. Berlin, abliefern, daß hieraus täglich

5- bis 8000 Zentner loertvollen, mittlerer Gerste gleichuiertigerr Kraftfutters erzeugt werden können. Die genannte Reichsgescll- schast (Berlin W 9, Köthencrstr. 38) hat bisher Milchkraftfutter- fabrikm in Seegefeld und Breslau in Betrieb und ist mit der Er­richtung weiterer Fabriken beschäftigt. .

Leider ist die Verwertung der Küchenabfälle in Deutschland noch nicht überall vollkommen. Glückliä)erweise sind ja die Stadt­verwaltungen (abgesehen von Nordwestdcntschland) nicht zahl re ick), die die Llbfälle in städtischen Einrichtungen verbrennet: lassen oder der Bevölkerung zur Verbrennung der Abfälle raten. Aon auch die Städte mit planmäßiger Verwertung der Küchenabsälle, wie Eharlottenbnrg, Leipzig, Breslau, Königsberg i. Pr, Köln bilden noch nicht die Regel.

Zumeist werden die gesammelten Abfälle frisch verfüttert. Dieser Weg ist dann richtig, wenn die Mfälle tinmittelbar von der Küche in den Stall gelangen können, also vor allem in kleinereit Gemeittdcn. In größeren Gemeinden, besonders in allen Groß­städten können die Abfälle, -wenn sie sämtlich gesammelt werden,, in unverdorbenem Zti stände der Frischverfütle rung nicht zu ge­führt werden. Hierauf hat auch schon ein an die preitßischen Städte gerichteter Rmü)erlaß des Herrn Ministers des Innern vom, 27. November 1914 hingewiesen. Dementsprechend lassen auch dte meisten Städte, in denen die Abfälle bezirksweise den Tierhaltern zur Abfuhr überlasset: sind, von bicfeit nur so viel Abfälle sammeln, als sie verwertet: können; das übrige verkommt. Die Folge ist, daß der Bevölkerung, die ursprünglich gern auf den Gedanken' der gesonderten Sammlung der Küchenabsälle eingcgangen war, gar nichts attderes übrig bleibt, als die Abfälle in den Müll zu werfen oder zu verbrennen, da eine regelmäßige Abholung aus allen Häusern nicht stattftndet. Als ähnlich unvollkommen ist die Sammelweise durch Schulkinder zu bezeichnen. Auch hier wird nur eit: Teil des Verwertbaren erfaßt. Die Folge ist, daß sich vielfach ein Schieber- nnd Wucherhaichel in Küchenabfällen einge nistet hat, indem sogenanntewilde Sammler" die Sammelgefäße entleeren und ihren Inhalt nnsackwerständigeit Tierhaltern zu hohen Preisen vcrkanfen.

Die Abfallverwerttmg kann nur dann als planmäßig bezeichnet werden, wenn die Einsammlung und Abfuhr der Küchenabfälle durch die Stadtverwaltungen oder durch vou ihn«: beauftragte Organe geschieht. Dam: würden, tuie in Chiarlottenburg, auf den. Kopf und Tag 75 GramUt Mfälle, selbst unter den Ernährnngs- verhältnissen der Kriegszeit gesammelt. Dam: ist attch, bei ge­schickter Organisation, zur Abholung der Abfälle von mehreren 10 000 EinwobUern nnr 1 Fuhrwerk erforderlich. Dann kämen allerdings solche Mengen zusammen, daß sich die Abfälle nicht mehr frisch verfüttert: lassen, sondern daß, es erforderlich ist. sie auf den: Wege der Trocknung in ein hochwertiges, lagerfestes und von dem Vieh gern genommenes Kraftfutter zu verwandeln, wie es die Reichsgesellschaft für deutsches Milchkraftfutter liefert.

lDie gftÖtoe sind an einer Durchführung der Bundesrals- vevordnung umsomehr interessiert, als ihUen die Reichsgesellschaft die Abfälle zu hohen Preisett ab läuft, das aus diesen Abfällen er­zeugte Fertigfutter den Städten nach Maßgabe ihrer RohUoü- lieferung zurückgibt mtd überdies die Städte eventuell an einenij entstehenden Fabrikationsgennnn beteiligt, sobald die Gesatntorgaui- sation nach Moßgalw der Buudesratsverorduung erfolgt.

Die im Vorjahre eingesührtcn Metallsammlungen waren obli­gatorisch. Es galt, Rohstoffe für die Munitionserzeng ung zu ge­winnen. Für die siegreiche Durchführung des Krieges ist aber die Sicherstellung der Ernährung von nicht geringerer Wichtigkeit, als die Versorgm:g des Heeres mit Munition. In den Küchen abfäll«: haben wir ivertvolle Rohstoffe, deren planmäßige Aus­nutzung utertvollste Futtermittel iit der am Eingang dieser Aus­führungen mitgetcillen Menge ergibt. Mit diesen Futtermitteln! werden Milch, Butter, Käse, Fleisch mtd Fett erzeugt.

vermischtes.

* Von der M i l ch und v o m M e l k e u. Zn der Jagd ttach der Butter gesellt sich nun auch die Jagd auf die Milch. Bei den übermäßig hohen Preisen von Rindvieh sowohl hrir von Ziegen ist einstweilen eine einschneidende Vermehrung in der Hal tnng und damit in der Milchprodnktion nicht zu erwarten. Aber wo nur immer die Möglichkeit geboten ist, Jungtiere auszuzieben, sollte daraus Wert gelegt tverden. Namentlich der Ziege, derKuh des lleinen Mannes", steht hier noch ein weites Feld offen. Bor derhand gilt es also, die vorhandenen Milchviehbestände aufs er giebigste anszunutzen, also die Milcherzeugung aufs Höchste zu steigern. Sehr viel hättgt der Erfolg dabei vom Melken ab, da§ vielfach in ganz ungeeigneter und falscher Weise betrieben wird. Die Art des Melkens ist auf die Erzeugung reichlicher Milchniengen von größeren: Einfluß, als manche Tierhalter lvohl ahnen. Das beste Vorbild, wie eS gemacht werden soll .gibt das junge Kalb selbst. Es liegt aus der Hand, daß das Euter nicht so viel Milch entljalten kam:, als cs liefert: die Milch wird vielmehr noch während des Säiugens oder Melkens aus den Milchdrüsen it: dao Euter geleitet, dazu bedarf es aber eines besonderen^Rcizes. Das Kälbchen übt diesen Reiz aus, indem cs während des,Saugens recht kräftig gegen das Enter stoßt; hierdurch iverden die Milchdrüsen zu rctchlicherer Spendung aitgeregt. Wer also das ricki>ttge Melken