Ausgabe 
15.1.1917
 
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ttwötiiibcn abh äugen. Die Festsetzung alles dessen steht den Anwesenden zu und dem gewählten Führer!"

Ein Blitz der Augen zuckte zu Ko-lowskr herüber.

Denr Führer? Was brauchen wir Führer? Jeder führt eben sein Kontingent!" , x

Freunde!" rief Kozlowski da und sprang auf,hört Mich an! Ich bin wohl der Aelteste von euck)! Einen Führer müssen wir haben! Einen Führer, dessen Name Hunderte und Tausende, die noch säumen, zu uns zieht! Ihr habt recht freie EdeHeute sind wir, und niemand hat uns zu be-

K ! Jeder soll im Kampfe an der Spitze der Leute stehen, über die Grenze geführt hat. Aber daneben, Brüder, müssen wir aus unserer Mitte einen wählen, dem wir frei­willig das Kommando geben! Sonst sind wir bald uneinig, und die Uneinigkeit hat Polen schon so oft gestürzt. Seht mich an: Ich stehe hier, und ihr kennt mich. Ihr wißt, daß ich nicht der letzte war, wenn es galt, für das Vaterland etwas zu opfern. Nun wohl: Wählt einen Führer, wählt den Jüngsten aus eurer Reihe, und ich, der Aelteste, werde dieses Dauvt vor ihm beugen. Wer aber, frage ich, soll der Führer sein/ Bei allen Heiligen, ich kenne nur einen hier, der es ver­mag. Nur einen, dessen Name Tausende zu uns herüber­ziehen könnte! Dieser eine sitzt heute in unserer Mitte. Dieser eine ist der Nachkomme eines Geschlechtes, das in besseren Zeiten auf Polens Königsthron fast, dieser eine ist der Sohn des besten Ritters der heiligen Jungfrau! Nur er kann der Führer sein! Seid einig, Brüder! Napoleon Rutkowski, führe du uns zum Kampf und Sieg!"

Napoleon Rutkowski!" rief beistimmend derMar­quis" und hob den Arm zum Zeichen der Wahl.

UndNapoleon Rutkowski!" schrien Degorski und Graf Bininski und Maryan Batranski. Wladimir Rybsczynski sagte nichts. Die Augen des Grafen leuchteten.

,Zch danke Euch, Freunde! Ich nehme die Wahl an. Und ich will Euch zum Siege führen und zur Freiheit und weiter!"

Gott segne dich und unsere Sache!" rief Kozlowski strahlend.

(Fortsetzung folgt.)

Zn franzöfischer Gefangenschaft.

(Schluß.)

Nack' wieder ein paar Tagen! müssen neue Aerzche im Ort geweserl sein. Eine Schwester brachte dem Major und mir je eine Schüssel mit einem Brei von Weißen Bohnen und ließ sich sogar herbei, den Major zu füttern Er hatte jetzt für länger als zwei Wochen nichts genossen. Das ist eine furchtbare Gemeinheit der Franzosen, doch vielleicht auch sein Glück gewesen. Nur so und durch ein Wunder Gottes konnte er -ohne Pflege von seinem Bauch- schnß heilen. Vergeblich bat er freilich die Schwester, ihn zu ioaschen und zu verbinden. Sie meinte:

Es lolmt nicht mehr mit dir! Darum. norden wir dich a Wieben."

Daß auch- sie du sagte, hörte ich vom ALajor. Uebrigens duzten uns alle Besucher. Es Men nicht nur Brauch, sondern fast dienst­liche Borschrist zu sein. Akt nächsten Tage besuchte im§ eine weiß- Sxuiviftc ältere Krankenschwester, eine Oberin mit lilafarbener Haube und Schürze. Mit kundigem Auge betrachtete sie des Majors Verband und sagte, er müsse sterben. Das schien auch nrir zweifellos. Es war ein Jammer^ das eingefallene, bleiche, aber von AM und Speichel besckMutzte Gesicht des Schwervenrmndeten nrit den großen, fteberglänzezrden Augen zu sehen. Doch, der starke Mann konnte lächeln und sagen:

Möglich, ist es. Darum möchte ich gjent einen Brief an meine Jam nie schicken."

Die Sch-vester fragte, ob er baut verheiratet sei? Der Major antwortete : er habe eine Frau und drei Kinderchen. Tie Oberin mehtte, Nachricht hülfe er den seinen nicht geben, doch, weil er Frau ,md Kinder habe, wolle sie ihm eine letzte Bitte erfüllen. Was er sich- wünsche?

Zu Trinkens" sagte der Major. Die Oberin schüttelte den Kopf und ging. Erst nach zwei Stunden kmn sie leise am den Zehen schileMnd zurück. Versteckt unter ihrer Schürze, damit kein Lands- NlMM es merke, trug sie ein großes Glas 'Wein und gab es dem Major. Er leerte eS zur Hälfte und schickte mir den Rest. Ich werde nie vergessen, daß er als ein Matur, der sterben sollte, sein Letztes nrit mir teilte. Sehr erstaunt war die Französin darüber und sagte, sie beute nicht geglaubt, daß es zwischen deutschen Offizieren und Soldaten Kameradschaft gäbe. Sie schärfte uns' ein, wir dürsten nicht verraten, daß sie uns Wein gegeben habe und betete dann ihre Rosenkränze anr Bett des Majors, den sie sterbend wähnte.

Mn 29. September lagen wir noch, immer ohne Verband. Nachmittags kamen vier Krankenpfleger, nämlich Landftnrmleute, die sich, im Gespräch mit den: Major Professoren oder Pfarrep »umitten. Einer spnul, mit Detltsch auch nrit mir. Sie hoben uns

auf '.Krankentragen nub stellten uns aut den Hof in die Sonne. Nack- einer Stunde ging ein franzäsffcher Kommandant vorbei und erümnte den Major v. W. au dem aus seinen Füßen liegenden Wafsenrock als Offizier. Er beugte sich über die Krankentrage und fragte zornig:Warum stehen Sie nicht auf und grüßet:?"

Der Major anllrwrttte, es sei ihm unmöglich autzustthem Ter wütende Franzose rief euren Gendarm herbei mrd ließ dem Sch-werverlvnndeten mit Bauch- urü) Schulterfchnß um beide Hand­gelenke zwei durch, eine Kette verbundene Stahlfesselu legen. Wir blieben für Stunden in der Sonne. Ost gingen die Professoren und Pfarrer vorbei. Vergeblich: baten wir sie, uns in den Schatten zu tragen. Sie antworteten, daß sie nichts mehr mtt uns zu schaffen hätten, iveil wir jetzt unter Obhut der Gendarmen stünden.

Endlich, wurdet! wir in ein Sanitätsautonwbil verladen imd fuhren davon. Auf 'dem. Platz vor dem Bahnhof riefen die Gettdar- men:Ausstvigen!" Natürlich, war es unmöglich, dem Befehl zu folgen. Ich, fühlte mich so schwach, daß ich mich nicht bewegen! konnte und überhaupt kaum wußte, was mit mir geschah. Da­packten die Gendarmen mich, beim Kragen mtd zerrten mich aus dem Wagen. Wie es schmerzte, als meine Füße ans 'das Pflaster schlugen, läßt sich denken. Den im Fieberschlaf liegenden Major rissen die Gendarmen an der Kette seiner Handfesseln aus dem Waaen. Ohnmächtig fiel er nieder. Während ich versuchte, mich am Stock cnffznrichten, trat aus der johlend, fchiinpstnd und natür­lich, wieder spuckend herbeilaufenden Menge eine Frau von zwanzig bis dreißig Jahren. Die Röcke etwas in den Händen hebend^ stellte sie sich- breitbeinig über den ohnmächtigen Major mit einer Gebärde, die atckündigte, daß sie etwas ganz Scheußlrch's tun wolle. Männer, Frauen und Kinder, darunter viele Menschen, die nach, Kleidung als gebildete Herren und Damen gelt«! konnten, schirren, gurtschten, brüllten und Heulten vor Verzügen. Sre llaschiteu in die Hände mtd sprangett in ihrer Fretlde in die Luft. Dadurch ermutttett, beugte sich das Frauenzimmer über den ohn­mächtigen Major und schlug ihm twn rechts ttitb links eine Ohrfeige ins Gesickt. Als ich da die Menge von jetzt viel hundert Leuten auf dem weiten Platz wieder in die Hände klatsche« und Beiftrll brüllen hörte, nahm ich mir vor. nie wieder von Frauzoten! Gutes zu denken, sondern ihr Volk zeitlebens zu verachten mtd dafür zu sorgen, daß später in der Heimat jeder Verwandte mtd Be­kannte meine Auffassung teilt. Ich war in den Krieg gezogen mit der Ansicht, daß jeder verwundete Kämpfer des feindlichen Volkes ein Kamerad und jeder Wehrlose, ob Mann oder Frau. nreineS Mitleids und meiner Hilft würdig sei. Ich war aut'dem Sächtchtftld den feindlichen Toten in Mrsurcht aus dem Wege gegangen und hatte geftl>en, daß unser alter Oberst an der Spitze der Kolonne vor dem großen Leichenberg gefallener Franzosen die Hand an den Helm M> und seinen Kopf zum Gruß gegen den Sattel beugte. Doch jetzt ftutn ick den Franzosen nur wünschen, daß der Himmel sie alle für ihre Graustmckeit straft. Es ist ein Voll, -nicht vmg Menschen, sondern von bösartigen Affen. Das wird suge&en, wer meine Gesck.iMe hört.

Wer weiß, ob die Menge nicht noch Gulasch ans uns gemacht hätte, wenn nickt endlich ein Offizier gekommen wäre. Land­sturmleute trugen uns auf KranLartrageN zu einem Vielüvagen, in dem schon fürff verwundere deutsche - Offiziere saßen. Dort Hob^r sie unsere Tragen und kippten sie um. Wir rollten m den Mrst. der gefesselte Major ffel auf den Bauch. Einer der fünf Offiziere sprang schnell zu und drehte ihn unt. Das verwies ihm der Gendarm von der Wache und sagte, wenn er noch einmal erneu der anderer! Gefangenen rrnfasft, werde er erschossen.

Das nrurde mir übersetzt mtd nun kann ich auch Ortsnamen nennen. Da es den fünf mitreffenden deutschen Offizieren besser ging als dem Major, konnten sie aufpasftn, wo wir tvaren und auf Babrchöftn die Ottsnamen ableftn. In Trotzes trat wahrend der Nacht der Bcch-nh-ofskmnnmndattt an den Wagen. Einer unserer Offiziere bat, er möge dem Major die Fesseln akmehmen lassen Ter Franzose schien dazu gern bereit, doch der Gendarm nrentte, der Sck werverwnndete mit Bauch- und Schulterschuß ftt Nun­verdächtig. Dar französische Offizier lächelte und best«« au) Ab­nehmen der Fesseln. Der Gendarm kramte m seiner Tasckx mtb mehtte, er habe den Schliffsel verloren. Der' Offizier zuckte dve Achseln und trat zurück. Der Major blieb in Ketten Natürlich batte der Gendarm den Schlüsftl keineslo.'gs verloren.

lieber Lyon fuhren nur noch einen ganzen Tag und eine vmt Nacha. also 48 Stunden. Ans fast allen Station«! rissen Meulchen die Tür auf und beschimpften und bespickten tcns. Ost sprangen sie in den Wagen. Der Gendarm verhinderte ein Weib, dem Major mit einem Messer die Kehle zu dnEckmeid^r. Zivilisten und Soldaten beraubten die verwundeten Offiziere. Ein Haupt- mann ließ einem Herrn den Mer vom Helm schrmibcu, neckte ihn in die Tasckie und meinte, es sei der achte. Unsere Offiziere lackten verächtlich überdie Kriegsbeute des Etappen he! den". Wenn wir neben TruPprutransportnr hinten, stachen Soldaten mit Bajonetten nach. uns. Sie wollten uns vielleicht nicht vernmmen aber dock quälen. Wenn einer der fünf Offiztzcv austrat, samwetten sich lachende Fratren um ÄM. Es scheint für die Frauen Frankretchs keinen schöneren Anblick zu gehst. wLbreud ixiusiger Trans­

porte in kommenden Ahmaden sah ich austretende deutsch' fangene stets von neugierigen Frauen umringt.

Ewlegenlltck warf mis den BrchpthöftN die Hand emee- Un, >