greifen der Verwaltnngszwcige, Akt.n- und Schiristwesen, Füurnz- und Stenerwesen, das sind die Gebiete, auf denen die Griechen von den Aegypterti lernen konnten, aus dernn auch> später die Römer, nachdem' Aegypten römisch geworden war (30 v. Ehr.), weiter von Aegypten gelernt haben. Ta wir heute unter dem Einflüsse der römischen und anschließend der byzantinischen Welt stehen, so kommt es, dajß diele Einzelheiten unseres heutigen Ber- waltungswesons in ihren Wurzeln bis auf Aegypten zurückgel-en. Das ist kein Zufall. Die straffe Zentralisation der Verwaltung war in Aegypten nicht nur das Ergebnis des politischen Werdeganges, sondern auch ein Gebot der natürlichen Beschaffenheit des Landes. Aegypten ist eine langgestreckte.Wasserrinne mit schmalen Rändern Frnchtlandes, darüber hinaus dehnt sich rechts und links die Wüste aus. Tie jährlich zur bestimmten Zeit eintretende und von Süd nach Nord fortschreitende Ueberschwemmnng läßt sich nur dann für das Land genügend nutzbar machen, rvenn überall im ganzen Lands Kanäle und Schleusen rechtzeitig.und richtig bedient werden. Dazu bedarf es einer einheitliche Leitung. Ta von der Ueberflutungj wiederum Saat und Ernte abhängen, und da für den Korntransport zur Lliusfuhr nur der NU in Frage kam, so leuchtet es ein, wie notwendig eine einheitliche Verwaltung des ganzen Landes war. . .
Die Hauptquelle des ägyptischen Reichtums war der Getreidebau, und die von den^Bauern gezahlten Mgaben bildeten daher die Hauptmenge aller Steuern. Der Bauer war sich seines Wertes wohl bewußt, und er tv-ußte auch, wjie sehr die Negierung bemüht war, Stockungen des Ackerbaues fernzuhalten; darum iesen wir häufig in den Papyri, wenn ein Bauer sich bei der Behörde üb^r dies mrd das beschwert, als Schlußsatz der Klageschrift, „damit nur mein Recht zuteil werde, und damit ich nicht behindert werde, meine Abgaben aus dem Landwirtschaftsbetriebe pünktlich und richtig abzuliefern". Nur bestand die Steuer des Bauern nicht in barem Gelde. Um Bargeld zu erhalten, hätte der Bauer sein Getreide erst verkaufen müssen; der Staat andererseits war in vor- und nachchristlicher Zeit Großkaufmann in Getreide, er führte riesige Mengen von Getreide über Alexandrien nach fremden Ländern aus, da war es das einfachste, w,eün ec das Getreide, das ec brauchte, von seinen Bauern als Steuer sich zahlen ließ. Deshalb geschah es, daß der Bauer seine Abgaben vom Boden nicht in Geld, sondern in Korn Zahlte. In jedem Torfe befand fick! vielmehr ein staatlicher Kornspeicher, von einem Speicherdirektor mit zahlreicher Beamtenschaft verwaltet, dorthin wurde die gesamte Kornernte ge- schaft, hier wurden die Kornmengen ohne räumliche Trennung der Einzelbestände in die Speicherräume verstaut und nur in den Lagerbüchern getrennt nach den Eigentümern aufgeführt. Jetzt wurden die Abgaben jedes Bauern von seinem Bestände buck- mäßig abgeschrieben, der Rest verblieb den Bauern als Guthaben, über das sie frei verfügen konnten. Unter diesen Umständen war es sogar möglich!, Zahlungen der Bauern unter sich in Korn statt in Geld zu leisten, und zwar auch, Zahlungen an einen Empfänger in einem anderen Torfe'und in eurem anderen Gaue; der Bauer des Torfes A. gab an den Staatsspeicher seines Dorfes Auftrag, an einen Bauern des Dorfes B. so und soviel Scheffel Weizen,' zu zahlen, der Staatsspeicher in A. schrieb diese Menge von dem Grtthaben des Auftraggebers ab, sandte ein Schreiben an deck Staatslpreicher in B., und dort wurde im Kontor des Empfängers dieselbe Menge gutgeschrieben. Ti^ verschiedenen Staatsspeicher des Landes rechneten daun miteinander ab. Das war also dasselbe Verfahren, das wir heute als Giroverfahren bezeichnen. Dabei darf man Nicht etwa glauben, daß diese Naturalzahlungen, wie bei Böllern niederer Kulturstufe, ein Zeichen unentwickelten Geld- Verkehrs seien, denn der ägyptische Geld-Giroverkehr stand in gleich hoher Blitte. ...
Die Versorgung der Städte mit Nahrungsmitteln regelte sich be, uns bisher ohne besonderes Zutun der Behörden durch Angebot und Nachfrage von selber; erst der jetzige Weltkrieg hat ein Eingreifen der Behörden nötig gemacht. In Alexandrien bestand schon in ptolemäischer Zeit ein besonderes Mhrungsmittelamt, welches für rechtzeitige und ausreichende Herbeischaffimg der Lebensmittel für die Bewohner der Weltstadt zu sorgen hatte. In römischer Zeit (nach Ausweis der Papyri seit dein 2. Jährh. n. Chr.) belaß rede Gauhauptstadt ein Nahrnngsmittelamt mit bei; gleichen Verpflichtung für den Bereich der Gauhauptstadt. An der Spitze dieses Amtes stand in Oxyrhynchos ein Kollegium von zwölf beamten mit dem Titel «üön'napvo». fEntheninrchfii', von beite i\ je sechs in jedem Monate abwechselnd die Leitung in Händen, halten. Ihr Arbeitsfeld muß also nicht gering gewesen sein Sie überwachten und regelten den 2lnftrieb von Schlachtvieh mtb die Zufuhr von Getreide, sie überlvachten das Mahlen des Getreides und das Brotbackcn forme das Beschicken der Märkte mit Eiern- Früchten ft. dgl. Tas Nahrungsmittclamt war eine städtische Behörde, doch unterstand sie der Llufficht des Gaustrategen, also der Staatsbehörde. Der Gaustratege ist es auch, der z.B Vertage mit den Schweinezüchtern abschließt, Nur den städtischen Markt mit Schweinefleisch ausreichend zu versorgen. In der Berliner Urkunde 92 (187 n. Chr.) verpflichtet sich 'ein Schweinezüchter eidlich, seine Verpflichtung gewissenhaft zu erfüllen: „Ich erkläre hiermit, indem ich schwöre bei dem Genius unseres Kaisers und Hern: Markus Anrelius Koimnodus Antonius, daß ick 165 Schweine liabe, die ich füttern will zum! Auftriebe aus die Markte von Pfenbellichis. und ich werde sie liefern, sobald du
es verlangst." Später gehen die Geschäfte dxs Strategen auf den Logisten über, daher empfängt nun dieser solche Erklärungen, z. B. im Oxyrhynchos-^Papyrns 83 vom Jahre 327 n. Ehr.: ,,An Flavins Thennyras, Logist des oxyrhynchitischen Gaues. Ab- seirdSr sAurelius Nilos, Sohn des Didymos, aus Öxyrhynchoe, Eierhändler von Beruf. Ich erkläre hiermit, iiidem ich schwöre kaiserlichen heiligen Eid bei unseren Heeren, dem Kaiser und den Zäsaren (als Mitregeltten), daß ich den Verkauf von Eiern auf dein Markte öffentlich vornehmen will, zum Besten der genannten Stadt, ftnd zrvar Tag für Tag ohne Unterbrechung, und nicht soll es mir hinfort gestattet sein, unter der Hand oder in meinem Hause Zu verkaufen."
Wie zeitgemäß mutet uns dergleichen an!
Die Erfindung.
Bon Alfred Bratt.
John Higgs, der Präsident, Generaldirektor und Hanptbesitzer des „Trust zur Verwertung von Erfindungen jeder Art", saß in der achtunddreißigsten Etage des Trnstgeschäftshanses in seinem Arbeitszimmer vor deni Schreibtisch. Es war Hochsommer. Tie Hitze lag wie unsichtbares flüssiges Blei in der Luft lind bedeckte die Turmdächer New Borks mit eiuer Schicht glühenden Steinstaubs. Tie Vormittagssonne gleißte über dem Panorama des Häsens, zerflimmerte die WeUen, hüllte die großen Dampfer und kleinen Fährboote in einen golden-weißlichen Tunst und blendete über^den granitenen Kais und den Anlegepiers.
. Im Arbeitszimmer des Präsidenten John Higgs schien die Luft zu kochen, trotzdem die Fenster weit offen waren und dis Schaufelräder dreier riesig« Ventilatoren an der Decke sich unablässig mit surrendem Brummen im Kreise drehten.
John Higgs saß in Hemdärmeln und sah die Post durch, die der vor ihm stehende Sekretär ihm — ein Stück nach dem anderen' — überreichte.
Von Zeit zu Zeit schob John Higgs erschöpft den Berg von Briefen von sich. — Uff . . . diese Glut war kaum zu ertragen! , . Und dazu diese Flut von Schreiben! . .
Seit der Trust zrcr Verwertung von Erfindungen jeder Art seinen Betrieb eröffnet hatte, war kein Tag vergangen, ohne daß nicht mindestens fünftausend Briefe einliesen. Tie mooernc Welt ist bekanntlich nickst arm an Erfindungen — oder glaubt roenig- stens nicht, es zu sein — und gewiegte amerikanische Stattstiker haben berechnet, daß in den Vereinigten Staaten, deren Klima dem Erfindergeist ganz besonders günstig zu sein scheint, im Durchschnitt nicht weniger als! zwei Erfindungen stündlich gemacht lverden.
Man kann sich denken', daß der Trust danach nicht wenig zu tun hatte.
Ter Präsident John Higgs rvar ein ebenso geschäftskundiger wie berühmter Mann. Er kaufte jede Erfindung auf — mochte es sich um ein neues Schuhputz mittel, um Gedankenlesemaschinen, Phantasieapparate oder weiß Gott loas handeln. Trotz dieser Kauflust, die in geschickter Weise auf den Bluffsinn des heimischen Publikums spekulierte, hatte der Trust natürlich täglich eine große Mengen von Erfindungen zurückznweisen, bei denen nichts rveiter „Erfindung" war, als der Name.
John Higgs trocknete sich die Sttrn ab. Dann setzte er die Durchsicht der Briefe fort. Sie mußten trotz Hitze und Blödsinn gelesen lverden, denn man konnte niemals wissen, welcher Schatz vielleicht in irgend einem der Schreiben verborgen war.
„Ter Friseur der Modedame in der Westentasche", murmelte Äiggs, „altes Zeug . . . haben wir schon in vier verschieden cri Systemen . . . Tas geräuschlose Klavier . . . fauler Zauber, abgetane Idee.' . . . Tie Zalmbürste als Kamm und Füllfederhalter, nicht übel, aber bereits seit fünf Wochen überl-olt!" . . .
.Higgs schüttelte ärgerlich den Kopf. Lauter unbrauchbares Zeug heute! . . .
Ein schrilles Klingeln. Tas Tischtelephon. Ter Sekretär ging an den Apparat.
„Wie? .... Ten Herrn Präsidenten persönlich? .... Wer find Sie? .... Ter größte Erfinder der Gegenuxirt! ... Ist das nicht'ettva auch eine Erfindung? .... Wie? .... Sacke von höchster Wichtigkeit! .... Na, einen Augenblick . .
John HiggS seufzte leise, dann ergriff er den Hörer, um mit dem „größten Erfinder der Gegemvart" zu sprechen.
„Gilten Tag, Herr Präsident", tönte eine Stimme dnrck bn* Telephon. „Sehr liebenswürdig- von Ihnen, mich anzuhören.! trotzdem Sie gerade drei geöffnete Briefe vor sich (iegen haben."
Higgs zuckte unwillküttich zusammen. „Wie? . . Was? stotterte er dann in die Sprechmuschel, „woher wissen Sie das?"
„Ich weiß es, Herr Präsident." erividcrte die Stimme durch den Apparat. „Ick) lvciß es ebenso, wie ich Ihnen Mitteilen kann, daß Sie soeben die Briefe auf die Tischplatte fallen ließen. Wahr scheinlich ein wenig aus Erstaunen, wie? Kann ich sehr gut verstehen; würde mir wabrsckxinlich genau so gehen, wenn ick an Ihrer Stelle wäre. Im übrigen würde ick Ihnen raten, bet dreier Hemden aus dem patentierten „Kühlstofs" zu tragen, den Sie in. soviel ich rveiß, selbst in Vertrieb haben . . Sie uumtvnt ick.
daß ick etwas von dem Stofs Ihrer Hemdärmel ivciß? Aber .! bitte Sie, da Sie den Rock ansiiezogen haben, ist da-- druckt " 11 cr kein besonderes Kunststück. .


