Königsträume.
Nomau von Karl Busse.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ein kurzes Leuchten lief über das Gesicht des Abgesandten, als er in die Hand einschlug. Daun riß er die Mütze vom Kops: „So will ich der erste sein, der den künftigen König von Polen grüßt!"
Napoleon Rutkowski wehrte -ab. Aber im stillen waren die wenigen Worte ihm Balsam. Sein Stolz, der in den Staub getreten lvar, richtete sich daran auf. In einer Hast, als müsse er sich selbst betäuben, sprach er von seinen Plänen. Wie er an der Spitze von Hunderten und Tausenden stnrmgleich daherbrausen, alles mit sich reißen, die Feinde vor sich herfegen wolle, das Schwert von Grochow und Ostrolenka in der Faust. Und was er nicht sagte, was er dachte, sprach Kasimir Rzonka ans.
Als ein Feldweg abzlveigte, bat Kasinkir Rzonka um Entschuldigung und verabschiedete sich. Er hätte in Stral- kowo noch einiges zu erledigen. Er ritt davoll. Aber er bog nicht nach Stralkowo ab, sondern nach Milostowo, dem Gute des Herrn von Kozlowski. Graf Napoleon hatte ihn im nächsten Augenblicke vergessen. Was er aber nicht vergaß, waren die Worte: „So will ich der erste sein, der den künftigen Köllig von Polen grüßt!"
Er berauschte sich daran. Fieberhaft glänzten seine Ailgeri. Er drohte hinüber nach der Gegelld, in der Nasgora lag: Eine Geißel lvitl ich flechten und schwillgen, die soll Wundnläler über ganz Deutschland ziehen!
Er riess in beit Wind hinein. Er, die Gottesgeißel, wie sein großer Nameirsvetter, wie der erste Napoleon, der als Strafgericht über die Erde gebraust! Ja, war er denli wahnsinnig? Was phantasierte er denn? Er faßte sich an den Kopf, der Kopf lvar heiß. Uitb er gab dein Pferde die Sporen, daß es dahinfuhr, als lvollte es den Wind überholen.
In Muchocin warf er dem ersten bestell Forlral diei" Zügel zll. Der Gaul zitterte: er lvar völlig abgetrieben. Mit scheuen Blicken nahm der Knecht ihn in Elnpfalig. Kllrz darauf trat Bartek Zychod aus dem Sck)loß. Seine Miene war betilinmerter als je, sein Gang unsicherer.
Wie sein Herr aussah! Wie er'sprach! Er mußte sich frank fühlen!
Langsam nahm er einen Zettel vor. Der Graf hatte ein paar Pulver ausgeschrieben. Kllba sollte nach der Apotheke reiten und sie holen.
Das eine war gegen das Fieber. Das andere...
Bartet Zyck-od schiittelte ben grauen Kopf „Es kann mancher nicht schlafen," murmelte er vor sich hin! „Und bei mir hilft fein Pulver dagegen!"
Im Stalle standelr ein paar Kllechte Zusammen. Sie hatte'n dell Galll in lvolkene Deckeil gehüllt. Als Bartek
Zychod seinen Auftrag ausrichtete und dem Fornal den Zettel übergab, zuckte der die Achseln.
„Gegen die Wyli und das Totengespenst hilft feilte Medizin," flüsterte er und sah sich um. „Ich könnte Euch Geschichten erzählen!"
Die anderen drängten näher.
„Mach' zu und schwatze nicht!" schalt der Alte. Aber auch er setzte sich auf die große Fütterkiste.
Und halb murrend sprach der Knecht: „Habt Ihr das Pferd gesehen? Schaut es an, wie es zittert; das Totengespenst lvar hinter ihin! Ms der Herr in Nasgora war und lvir durch den Wald znrückfnhren, sprang der Wyl plötzlich auf unseren Schlitten. Riesengroß war er und von schrecklicher Gestalt, und er sah oen Grafen an und rief ihm zu, und, an allen Gliedern zitternd, sprang der Graf auf. Ulld während ich nlich bekreuzte, stieg er aus dein Schlitten und schoß, aber der Wyl war längst im Wald Verschlvunden. Den Wyl trifft keine Kugel, und wer ihr: gesehen hat, sagt meine Großmutter, kann keillen Schlaf mehr finden, und lvird immer magerer, bis er stirbt. Ich rede nicht gern darüber, aber das Pulver, Bartek Zychod, wird vergebens sein!"
Seufzend zog er den dicken Rock au, der ait der Stalltür hing. Die anderen führten ein Pferd heraus. Bartek Zychod blieb allein auf der Futterkiste sitzen. Er nickt fortwährend mit dem Kopfe. Er kannte die Wyli auch. Zwar ein frommer Christ sollte nicht daran glauben. Aber der Teufel hat viel Macht, und gerade zu Kriegszeiten gab es der Vorzeichen viele. Nur in einem hatte Kuba unrecht. Der Graf Napoleon Rutkowski starb nicht. Der überlebte sie wohl alte. Nein, in jener Nacht, die auch für ihn so schrecklich gewesen, lvar der König von Polen gestorben, sein König, an den er geglaubt, der. einzige, der das Vaterland retten konnte.
Bartek Zychod hatte keine Tränen mehr, die Augen lvaren kalt und ausgetrocknet. Heute war auch der seltsame Fremde fortgeritten. Er würde auch nur nach Warschau berichten können, daß Graf Napoleon Rutkolvski, der Sohn des besten Ritters der heiligen Jungfrau, sein Volk vergessen habe.
Schandr lag auf dem Geschlecht, dem er sein Leben laucj gedient hatte. Und gerade der brachte sie über die Familie, den er, Bartek Zychod, auf den Armen getragen. Er konnte nicht mehr schlafen, weit der Gedanke'ihn gepackt hatte, daß er, der Diener, Mitschuld habe an der Teimahmlosigkeit seines Herrn, daß er trotz allem den vaterländischen Sinn nicht genug in ihm gepflegt hatte. In schlveren Morgen träumen sah er die Sensenmänner drüben unter den Kllgelu der Russell sterben, und jeder brechende Blick war eine lvilde Anklage gegen den, der üppig hier in seinem Schlosse lebte, der keine Hand hob, um fein Volk zu retten. Aber weiter war's auch eine Anklage gegen ihn, Bartek Zychod.
Immer von neuem mußte er daran denken, lvie es wohl wäre, wenn er die akte Flinte nähme und kstnüber- ginge. Ihm war, als müßte er durch Kamps und Tod eüteit


